Endress+Hauser: „Best year ever“
Dass 2010 für Endress+Hauser ein gutes Jahr werden würde hat sich früh abgezeichnet, dass es aber so gut werden würde hat viele überrascht. So war Klaus Endress, CEO der Endress+Hauser Gruppe, gestern auch gut gelaunt, als er die positiven Zahlen und Entwicklungen auf der Bilanzmedienkonferenz in Basel präsentierte. In dem neuen „Best year ever“, wie K. Endress es nannte, steigerte das auf Messtechnik und Automatisierungslösungen spezialisierte Unternehmen den Umsatz um 19,8 % auf 1,31 Mrd. €, das Ergebnis nach Steuern um 114,6% auf 126,6 Mio. € sowie die Eigenkapitalquote um 3,4% auf 68,3%.
Fernando Fuenzalida, Chief Financial Officer (CFO) der Endress+Hauser Gruppe wies jedoch darauf hin, dass die Wechselkurse einen erheblichen Einfluss auf die Zahlen haben. So wuchs der Umsatz 2010 in € um 19,8%, in CHF jedoch nur um 8,9%. „Nehmen wir den Schweizer Franken und nicht den Euro als Vergleichswert, liegen wir immer noch 112 Mio. Franken unter dem Umsatz des Jahres 2008 und 32 Millionen Franken unter 2007.“
Trotz der Währungsproblematik ist Endress+Hauser gut durch die Krise gekommen und hat sich 2010 schnell erholt. Dabei wurde bewusst an den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern festgehalten und auf Gewinn verzichtet. So wurde die Zahl der Beschäftigten um 175 auf 8594 gesteigert. Auch 2011 soll die Zahl weiter steigen. Weltweit sollen mehr als 600 Stellen ge-schaffen werden, ein wesentlicher Anteil davon im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz.
Investitionen
Die vergangenen Jahre waren bei Endress+Hauser von zahlreichen Bauvorhaben geprägt, die inzwischen überwiegend abgeschlossen sind. In Stahnsdorf bei Berlin wurde eine neue Betriebsstätte zur Fertigung von Silizium-Drucksensoren eingeweiht; im elsässischen Cernay sind die Arbeiten am neuen Kundenzentrum des dortigen Werks für Durchflussmesstechnik abgeschlossen. „Mittlerweile stoßen unsere Produktionsstätten schon wieder an ihre Kapazitäts-grenzen“, führte K. Endress aus. Die Standorte im badischen Maulburg (Füllstand- und Druckmesstechnik) sowie im sächsischen Waldheim (Glassensoren für die Flüssigkeitsanalyse) werden bereits ausgebaut. Zudem weihte Endress+Hauser 2010 einen Neubau in Breslau (Wrocław) ein. Das Sales Center China nahm ein Warenverteilzentrum in Shanghai in Betrieb. Die niederländische Vertriebsgesellschaft bezog kürzlich ein neues Gebäude in Naarden. Endress+Hauser Thailand erweitert den bestehenden Sitz in Bangkok; das Sales Center Malaysia will in ein eigenes Gebäude investieren. Die Präsenz im Nahen Osten wurde durch ein eigenes Büro in Abu Dhabi gestärkt. In Saudi-Arabien soll noch 2011 eine eigene Niederlassung gegründet werden. Insgesamt sind in diesem Jahr Vorhaben im Unfang von 88 Mio. € geplant
Guter Start ins neue Jahr
So gut 2010 zu Ende gegangen ist, so gut ist Endress+Hauser 2011 gestartet. Ende 2010 hatte die Unternehmensführung noch mit einem Umsatzwachstum von 8% kalkuliert. Nach dem derzeitigen Stand liegen Auftragseingang und Umsatz zweistellig über den guten Zahlen des Vorjahrs. Obwohl die Firmengruppe für die zweite Jahreshälfte mit einer Abschwächung dieser Entwicklung rechnet, geht Finanzchef F. Fuenzalida davon aus, dass wohl ein Plus von mindestens 12 % erreicht wird. Auch Umsatzrendite (15 %), Produktivität (1,4) und Eigenkapitalquote (72 %) werden wohl deutlich besser abschließen als noch vor einem halben Jahr angenommen.
Unsicherheit wächst
Firmenchef K. Endress erinnerte aber daran, dass trotz der guten Aussichten weiterhin wesent-liche Unsicherheiten bestehen: „Die Ursachen der Finanz- und Wirtschaftskrise sind nie be-seitigt wurden. Und jene, die die Krise ausgelöst haben, machen unbeirrt weiter.“ Deswegen sei die Finanzkrise noch immer nicht überwunden, die Überschuldung vieler Staaten – ins-besondere auch in der Euro-Zone – stelle eine Hypothek für die Zukunft dar. Die politischen Unruhen in Nordafrika und Nahost, aber auch Erdbeben, Tsunami und Reaktorkatastrophe in Japan hätten vor Augen geführt, dass ein Unternehmen jederzeit mit unerwarteten Ereignissen rechnen müsse. „Deswegen wollen wir unabhängig von den Banken werden. Die sind genauso unzuverlässig wie die Politik“, erläuterte K. Endress. „Da wir uns nur auf unsere Kunden verlassen können, wollen wir den Anteil der flüssigen Mittel weiter erhöhen, sodass wir weiter investieren können.“ Die flüssigen Mittel konnten 2010 um 54,4 % auf 377,3 Mio. € gesteigert werden.
Technologische Trends
Abschließend stellte Chief Operating Officer Michael Ziesemer, die vier wesentlichen technologischen Trends und Entwicklungen vor, denen Endress und Hauser gerecht werden will. So hat die drahtlose Feldbus-Kommunikation mit „WirelessHART“ inzwischen industrielle Be-deutung. Sie kommt dort zum Einsatz, wo eine Verdrahtung unwirtschaftlich ist, wie bei weit auseinanderliegenden Anlagenbereichen oder in mobilen Anwendungen. Kürzlich hat Endress+Hauser in Kolumbien 700 „WirelessHART“-Transmitter in einem Ölförderfeld in Kolumbien installiert.
Bei der Geräteintegration wollen Anwender eine bessere und einfacherer Integration der Feldgeräte sowie der damit gewonnenen Informationen in das Leitsystem, das Plant-Asset-Management oder die Unternehmenssoftware. „Heute ist der Weg dahin beschwerlich, da es keinen einheitlichen Standard, sondern mit FDT und DTM zwei konkurrierende Ansätze gibt“ so M. Ziesemer. „Es laufen Bemühungen, mit FDI hier zu einer plattformübergreifenden Lösung zu kommen, die das Beste aus den beiden Welten zusammenführt. In diesen Prozess bringen wir uns nach Kräften ein.“
Bei den Web-Technologien tut sich ein breites Feld auf, das auch die Prozessautomatisierung verändern wird. M. Ziesemer gab ein Beispiel: „Stellen Sie sich vor: Ein Messgerät meldet einen fehler. Das Plant-Asset-Management-System schickt automatisch eine entsprechende Meldung an das ERP-System, das dann von alleine die Bestellung des Ersatzteils in die Wege leitet.
Dementsprechend ist die Datensicherheit eine weitere wichtige Entwicklung. Stuxnet hat gezeigt, wie wichtig der Schutz vor Sabotage und Spionage ist. Neue Technologien müssen somit sicher vor Hackerangriffen sein. Dabei führt laut M. Ziesemer alleine aus Kostengründen kein Weg daran vorbei bei hard- und Software gängige Standards zu verwenden.












