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Der Schaltschrank aus dem Netz

Bild 1. Die Produktionsstätte von P&V Elektrotechniek

Bild 2. Ghislain Vanherle, Geschäftsführer von P&V (li.) und Alain Beliën, Elektroingenieur, sind voller Erwartung: Im Juli geht das neue Geschäftsmodell Easy Panel online

Bild 3. Schritt für Schritt gelangen Kunden zum individuellen Schaltschrank-Layout, das mit auswählbaren Optionen spezifisch detailliert wird

Bild 4. Der Workflow vom neuen Geschäftsmodell Easy Panel, mit dem P&V sich per webbasiertem Konfigurator mit dem EEC neue Geschäftsfelder erschließt

Das belgische Unternehmen P&V Elektrotechniek nutzt innovative Ideen zur Automatisierung des Schaltschrankbaus. In Kürze startet P&V mit einem neu gegründeten Schwesterunternehmen ein neues Geschäftsmodell Easy Panel: Einfache und kostengünstige Konfiguration von Schaltschränken auf einer Website ist der Startpunkt, es folgt die weitgehend automatisierte Fertigung. Als „Backbone“ der Konfigurations-Oberfläche kommt das Eplan Engineering Center zum Einsatz.

Wie findet man neue Kunden? Diese Frage stellen sich nahezu alle Industrieunternehmen. Die 1986 gegründete P&V Elektrotechniek in Zolder/Belgien hat in den vergangenen 25 Jahren kontinuierlich neue Kunden gewonnen, sonst hätte sie sich nicht zu einem bedeutenden Marktteilnehmer im Schaltschrankbau mit 160 Mitarbeitern und einer großzügigen Produktionsstätte entwickeln können (Bild 1).

Neue Zielgruppe im Schaltschrankbau
Nun geht P&V einen zweiten Weg und erschließt einen weiteren grundsätzlich anderen Kundenkreis. Gründer und Geschäftsführer Ghislain Vanherle (Bild 2): „Unsere bisherigen Kunden sind vor allem mittelständische Maschinen- und Anlagenbauer, für die wir zumeist Wiederholaufträge in jeweils individuellen Varianten fertigen. Das Projektgeschäft des Großanlagenbaus war bislang nicht unser Zielmarkt, ebenso wenig Einzelaufträge von kleineren Elektroinstallateuren.“
Genau das soll sich jetzt ändern. P&V adressiert nun auch die zahlreichen kleineren Unternehmen und die Distributoren, die kleine Stückzahlen von einfacheren Schaltschränken benötigen. Das geht jedoch nicht mit den vorhandenen Organisationsformen. G. Vanherle: „Uns war klar, dass wir für diese neue Kundengruppe ein ganz neues Geschäftsmodell benötigen, für das wir zwei Voraussetzungen definiert haben. Erstens: Web-basierte Konfiguration des Schaltschranks durch den Kunden und vollständig standardisierte Abläufe von der Anfrage bis zur Auslieferung. Zweitens: weitestgehend automatisierte Fertigung der Schaltschränke.“

Standardisierte und automatisierte Abläufe
Dass man mit beiden Voraussetzungen Neuland beschreitet, schreckte die Verantwortlichen nicht. Sie starteten die Entwicklung eines Online-Tools, das die Konfiguration von Schaltschränken bis 630 A im Drag-and drop-Verfahren erlaubt (Bild 3). Immerhin musste man nicht ganz bei Null beginnen, denn P&V setzt mit dem Eplan Engineering Center schon eine Plattform ein, die alle Voraussetzungen für die gewünschte Standardisierung der Prozesse mitbringt.
Alain Beliën, Elektroingenieur, beschreibt den Ablauf, der auf der Website www.easypanel.com beginnt: „Der Kunde legt online seinen Schaltschrank fest bzw. aus und erhält als Ergebnis eine Konfigurationsdatei, die er per Tastendruck absendet. Dort wird der Schaltschrank im EEC konfiguriert, auch die automatisierte Kalkulation erfolgt mit den Daten des EEC.“ Der Kunde erhält dann – wiederum weitgehend automatisiert – ein Angebot, das bei „OK“ als Auftrag in das ERP-System von P&V umgewandelt wird. Das Engineering Center bereitet parallel die Daten für den Verdrahtungsroboter und die CNC-Bearbeitung des Schaltschranks auf (Bild 4).

Robotergestützter Schaltschrankbau
Parallel arbeitete P&V daran, Voraussetzung Nummer Zwei in die Tat umzusetzen, und entwickelte zusammen mit einem Roboterhersteller einen Verdrahtungsroboter (Bild 5). G. Vanherle: „Anhand der Daten aus dem Eplan Engineering Center, wie Verdrahtungsschema, Klemmen- und Geräteliste, kann der Roboter nicht nur das Routing planen, sondern direkt automatisch die Verdrahtung vornehmen.“ Selbstständig führt der Roboter alle fertigungsrelevanten Schritte durch. Angefangen mit der Auswahl des richtigen Werkzeugs für die Aderendbehandlung bringt der Roboter auch die Aderbeschriftung auf und zu guter Letzt verbindet er die Adern automatisch mit den entsprechenden Komponenten.
Somit ist eine durchgängige Automatisierung sowohl des vorgelagerten Engineerings und der Kunden-Kommunikation als auch des Schaltschrankbaus gelungen. P&V hat auf diese Weise die Voraussetzung geschaffen, auch kleinere Schaltschränke in Losgröße Eins wirtschaftlich zu fertigen und das mit einer Qualität wie für Serienprodukte.
Damit das Geschäftsmodell der vollkommenen Standardisierung greifen kann, kommuniziert das EEC selbstständig mit den anderen IT-Plattformen. Sowohl mit der Easy-Panel-Bedienoberfläche als auch mit dem ERP und den CNC-gesteuerten Fertigungsanlagen sowie dem Verdrahtungsroboter. Dieser durchgängige Informationsfluss erfolgt in der Praxis problemlos und setzt Rationalisierungspotenziale frei.

Start steht kurz bevor
Der Start von Easy Panel steht kurz bevor. G. Vanherle: „Der Roboter wird zur Hannover Messe betriebsbereit sein, und im Juli werden wir mit der Website in den Markt gehen. Wir können dann erstmals in der ganzen Branche einfache kundenspezifische Schaltschränke automatisiert, ohne großen Overhead, und somit kostengünstig produzieren. Damit machen wir der neuen Zielgruppe von Großhändlern, Distributoren und kleineren Kunden ein attraktives Angebot – zumal wir gewährleisten, innerhalb von zehn Tagen zu liefern.“ Die Entwickler des Systems und die Geschäftsleitung von P&V sind nun sehr gespannt, wie schnell die Kunden das Angebot prüfen und online ihren Schaltschrank konfigurieren.

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Autor: Timm Hauschke ist als Produktmanager für die Eplan Software & Service GmbH & Co. KG in Monheim am Rhein tätig.