10.11.2011
Fraunhofer publiziert Broschüre zur Zukunft der Elektromobilität
Mit der Elektromobilität werden große Hoffnungen verbunden. Allerdings ist der Weg hin zur elektromobilen Gesellschaft noch weit und mit einigen Herausforderungen gepflastert. Im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Fraunhofer Systemforschung Elektromobilität (FSEM) hat sich das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI intensiv mit Fragen zur Zukunft der Elektromobilität auseinandergesetzt. Die Ergebnisse wurden jetzt in einer aktuellen Broschüre veröffentlicht, die mit verschiedenen Vorurteilen zur Elektromobilität aufräumt.
Welche Rolle spielt Elektromobilität im zukünftigen Verkehr? Wie ökologisch ist Elektromobilität? Wie sieht eine sinnvolle Ladeinfrastruktur aus? Wie ist die Akzeptanz der Nutzer? Wie kann eine umfassende Verbreitung von Elektrofahrzeugen erreicht werden, und was sind interessante und tragfähige Erstmärkte? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt die soeben vom Fraunhofer ISI veröffentlichte Broschüre Gesellschaftspolitische Fragestellungen der Elektromobilität.
Wesentliche Erkenntnisse der Studie beziehen sich unter anderem auf den Einsatzbereich, die Reichweite , die Ladetechnik und den Einsatz als Energiespeicher. So ist ein Ergebnis, dass die Reichweite kein Problem ist, da die Mehrzahl der Privat-PKW in Deutschland – circa 80 % – am Tag weniger als 60 km zurücklegen. Diese Fahrten wären problemlos mit Elektrofahrzeugen auf Batteriebasis zu bewältigen. Außerdem sind für die Ladung keine hohen Leistungen erforderlich, weil ein Pkw im Durchschnitt zu 96 % der Zeit steht. Je nach Standort, zum Beispiel am Arbeitsplatz, können große Teile dieser Zeit zum Laden genutzt werden. Allerdings fahren Großstadtbewohner mit (durchschnittlich) circa 9000 km pro Jahr zu wenig , als dass sich die hohen Anschaffungskosten für Elektroautos rechnen würden. Vollzeitpendler, die außerhalb eines Stadtzentrums wohnen und für die sich ein Elektroauto lohnen würde, haben zu 90 % eine eigene Garage oder einen Stellplatz am Haus. Dementsprechend können sie die Batterie leicht und günstig privat laden und benötigt keine öffentliche Ladeinfrastruktur.
Herausforderungen für den Markterfolg
Elektrofahrzeuge zeigen erst bei höheren Fahrleistungen eine positive Umweltbilanz, da sie energieintensiver in der Herstellung sind. Wichtig für einen ökonomischen Betrieb der Elektrofahrzeuge sind auch hohe Fahrleistungen, da die Elektrofahrzeuge noch auf längere Zeit teurer in der Anschaffung sein werden und sich erst bei häufiger Nutzung durch die geringeren Betriebskosten rechnen.
Für relevante Marktanteile über die für 2020 angestrebte Anzahl von einer Million Elektrofahrzeugen hinaus müssen jedoch noch zahlreiche technologische Herausforderungen gelöst werden, insbesondere bei der Batterieentwicklung. „Voraussetzung einer ökologischen, wirtschaftlichen und nutzerfreundlichen Mobilität sind förderliche Rahmenbedingungen und intelligente Mobilitätskonzepte.“, so Prof. Dr. Martin Wietschel, Leiter des Geschäftsfelds Energiewirtschaft am Fraunhofer ISI.
Der kurzfristig mögliche Markterfolg sollte realistisch eingeschätzt werden: Der Einsatz und die Verbreitung von Elektrofahrzeugen in gewissen Marktfeldern wie in Firmenflotten, im innerstädtischen Lieferverkehr sowie in aufgeschlossenen Privatkundensegmenten, welche eine hinreichende Fahrleistung aufweisen, ist realistisch, aber nicht selbstverständlich.
Neue Fahrzeugtypen und Plug-in-Hybride als vielversprechende Lösung
Sinnvoll für den Einsatz in Megacities erscheinen neue Fahrzeugtypen, wie elektromobile Kleinstfahrzeuge und Elektrofahrräder, so genannte Pedelecs, sowie neue Mobilitätskonzepte, welche Elektrofahrzeuge in Carsharing-Flotten oder den öffentlichen Verkehr integrieren. Da reine Batteriefahrzeuge aufgrund der technologischen Grenzen der Batterien in den kommenden zehn bis 15 Jahren nur bedingt konventionelle Fahrzeuge ersetzen können, sind Plug-in-Hybride vielversprechend. Sie bieten die heute gewohnten Reichweiten und Betankungs- oder Ladezeiten. Durch die kleinere Batterie haben sie ökonomische und ökologische Vorteile und können große Fahranteile rein elektrisch abdecken. Sie stellen jedoch bei der Antriebstechnologie die komplexeste Art der Elektromobilität dar, weshalb eine Weiterentwicklung bestehender Konzepte erforderlich ist. „Gerade hier eröffnen sich wesentliche Chancen für die deutsche Industrie, auch aufgrund der vorhandenen Kompetenzen, die eine Alternative zu Brennstoffzellenfahrzeugen bieten und ebenfalls die heute bekannten Mobilitätsmuster von Pkw bedienen können“, so Prof. Dr. M. Wietschel.











