BMW 2012
A A A
| Sitemap | Kontakt | Impressum
ETZ Logo VDE Verlag Logo

Auf dem Weg zum Spezialisten für Energiemanagement

Bild 1. Rada Rodriguez, Präsidentin von Schneider Electric Deutschland, hat das Ziel das Unternehmen zum kompetenten Lösungsanbieter für Energiemanagement zu entwickeln – unter dem einen Markennamen Schneider Electric

Bild 2. Schneider Electric lieferte die Technik für die Energieumwandlung im 204 ha großen Solarpark Senftenberg

Bild 3. Die Ladelösungen für Elektrofahrzeuge der Serie Evlink reichen von kleinen einphasigen Stationen mit 3 kW und einem Ladepunkt bis zu dreiphasigen Säulen mit 22 kW und mehreren Ladepunkten

Vor ein paar Jahren war Schneider Electric noch ein Unternehmen mit mehr als 120 verschiedenen Marken. Sukzessive wurde daran gearbeitet den Firmennamen auch als Marke in den Focus zu rücken und ihr ein Gesicht zu geben. Mit verantwortlich dafür ist Dipl.-Ing. Rada Rodriguez, Präsidentin von Schneider Electric Deutschland Sie berichtete der etz-Redaktion, welchen Weg das Unternehmen eingeschlagen hat.

etz: Frau Rodriguez, woran arbeiten Sie zurzeit?
R. Rodriguez: Wir sind gerade dabei, Schneider Electric als starke Marke zu etablieren. Oft werden mit Schneider Electric nur Teile unseres gesamten Lösungsangebots verbunden, also beispielsweise Automatisierung oder Energieverteilung. Dabei hat sich das Unternehmen konsequent zum Spezialisten für das Energiemanagement entwickelt, der vom Kraftwerk bis zur Steckdose komplette Lösungen für Infrastruktur, Industrie, Rechenzentren, Gebäude und Wohngebäude anbietet. Und so wollen wir natürlich auch wahrgenommen werden. Mit unseren Lösungen und Produkten helfen wir Kunden Energie zu sparen. Dabei fängt unser Tätigkeitsbereich normalerweise hinter dem Kraftwerk an – eine Ausnahme sind die Erneuerbaren Energien, wo wir für die Photovoltaik und die Windenergie Lösungen anbieten.

etz: Ist es dabei nicht hinderlich, dass Schneider Electric aus vielen verschiedenen Unternehmen mit noch mehr Markennamen besteht?
R. Rodriguez: Ja und nein – auf der einen Seite ist unser Lösungsportfolio konsequent ergänzt worden, um unser Unternehmen zum Spezialisten für das Energiemanagement zu entwickeln. Dafür waren natürlich verschiedene Akquisitionen notwendig. Andererseits sollte es natürlich so sein, dass bei einer Komplettlösung nur möglichst wenig verschiedene Marken im Spiel sind. Deswegen sind wir seit drei Jahren dabei die Markenvielfalt zu reduzieren. Dies passiert im Rahmen unseres Unternehmensprogramms „One Schneider Electric“.
2008 hatten wir noch 128 Marken. Inzwischen bewegt sich alles auf den einen Namen Schneider Electric zu. Das lässt sich natürlich nicht von heute auf morgen ändern, schließlich haben einige der Marken ein sehr gutes Standing am Markt. Behalten kann man alle Markennamen aber auch nicht, da sie viel Geld kosten. Und wie schon erwähnt, ist es den Kunden schwer verständlich zu machen, dass man sein Partner für Energiemanagement ist, wenn die Produkte unterschiedliche Markennamen, wie APC, Areva, Telemechanique, Merlin Gerin, Berger Lahr, Elau, Merten, Ritto und Messner haben – um nur ein paar zu nennen.
Deswegen haben wir uns entschieden, die Markenvielfalt bis Ende 2011 auf weniger als zehn zu reduzieren. In Deutschland wird es dann nur noch die Marken Schneider Electric, APC, Merten und Ritto geben, wobei die drei letztgenannten alle den Zusatz „by Schneider Electric“ im Logo haben, um die Einbindung in das Unternehmen ganz deutlich zu machen.

etz: In den letzten Jahren wurden unter anderem ein Teil von Areva, MGE UPS und APC in den Mutterkonzern integriert. Wie ist diesbezüglich der Stand der Dinge?
R. Rodriguez: Die Business-Integration läuft sehr gut. Alle diese Unternehmen passen hervorragend in unsere strategische Ausrichtung. Schließlich sind effiziente Energieverteilungen, Stromversorgungen, USV und Kühlsysteme von MGE, APC und Areva ein wichtiger Baustein bei unserem Bestreben, uns als Spezialist für Energiemanagement zu etablieren.
Von der gesetzlichen Seite ist die Integration noch nicht abgeschlossen – vor allem vor dem Hintergrund, dass wir in Deutschland durch die Vielzahl an Akquisitionen noch in viele Unternehmen aufgesplittet sind.

etz: Bis wann soll die Umstrukturierung endgültig abgeschlossen sein?
R. Rodriguez: Das Konzept wurde im Januar 2009 bekannt gegeben, sechs Monate später wurde die „One Schneider Electric“ gelauncht. Gestartet ist die neue Organisation im Januar 2010. Ende diesen Jahres wird das, was wir uns im Rahmen dieses Company Programms vorgenommen haben, abgeschlossen sein.
Aber die Reise geht mit dem neuen Company Programm weiter. Wir sind auf einem sehr guten Weg. Wichtig ist, dass wir bei diesem Tempo darauf achten, dass alle Mitarbeiter verstehen wohin wir wollen und auch mitkommen. Deswegen versuchen wir mit verschiedenen Programmen alle Mitarbeiter in Deutschland abzuholen und entsprechend zu motivieren.

etz: Das ist nicht einfach, wenn man bedenkt, dass Unternehmen zu Schneider Electric gehören, die am Markt teilweise als Konkurrenten agiert haben.
R. Rodriguez: Der Wettbewerb zwischen den Unternehmen, die zu Schneider Electric gehören, ist minimal. Schließlich haben alle Akquisitionen das Ziel gehabt, unser Lösungsportfolio in Richtung Energiemanagement zu vervollständigen. Der Weg, den wir gehen, ist nicht immer einfach – unser CEO Jean-Pascal Tricoire hat gesagt: „Wir ändern die DNA des Unternehmens.“ Aber wir gehen konsequent die notwendigen Schritte, um uns zukunftsorientiert aufzustellen und wir sind auf einem guten Weg.
Wir haben die interne Kommunikation in den letzten beiden Jahren stark intensiviert, um allen Mitarbeitern klar zumachen, dass wir als große Familie wesentlich besser am Markt aufgestellt und zukunftsfähig sind. Dafür betreiben wir einen großen Aufwand mit Newslettern, Schulungen, Seminaren und Workshops. Schließlich brauchen wir alle Mitarbeiter, um erfolgreich zu sein.

etz: Welche Business Units wird es geben und welche Aufgaben bzw. Ziele haben die?
R. Rodriguez: Organisatorisch haben wir jetzt fünf Business Units: Power, Industry, IT, Buildings und Energy. Diese sind in ihren Bereichen für die Strategie sowie die Entwicklung der Produkte und Lösungen verantwortlich. In großen Ländern, wie Deutschland, hat die Business Unit zudem die Verantwortung über ihre spezialisierte Vertriebsmannschaft. Durch diese Branchenorientierung sind wir näher am Markt und können die Produkte schneller entwickeln.

etz: Wie entwickeln sich die verschiedenen Business Units?
R. Rodriguez: In allen exportorientierten Branchen, wie Industry und IT, entwickeln wir uns sehr gut. Bereits 2010 haben wir wieder die Umsatzzahlen von 2008 übertroffen. Noch nicht ganz so schnell von der Krise hat sich, unter anderem durch die schwächelnde Bauindustrie, der Bereich Buildings erholt. Aber auch dort sind wir auf einem guten Weg, da wir viel im Retrofit tätig sind. Im Bereich Power sind wir mit unserem neuen Angebot, den Ladeinfrastrukturen für Elektroautos, auf ein sehr hohes Interesse gestoßen. Auf der diesjährigen IAA in Frankfurt war die Resonanz zu diesem Thema sehr hoch. Und auch bei den Erneuerbaren Energien sind wir sehr gut unterwegs – die Nachfrage an Lösungen boomt.

etz: Von diesem Boom profitieren sie doch gleich doppelt, da die Integration der Erneuerbaren Energiequellen in das Energienetz, bessere Übertragungsnetze und ein besseres Netzmanagement benötigt.
R. Rodriguez: Das ist sicherlich die Herausforderung sowie die Chance für die Zukunft für uns, da wir mit unseren Produkten den gesamten Bereich zwischen der Energieerzeugung und dem Energieverbrauch abdecken. Genauso breit haben wir auch unser Kernthema Energiemanagement angesetzt. Es reicht von der Energieeffizienz und -einsparung über das Netzmanagement bis hin zur Elektromobilität. Aus diesem Grund sehen wir uns heute weniger als Komponentenlieferant, sondern als Lösungsanbieter für Energieeinsparungen durch aktives Energiemanagement, zum Beispiel bei energieeffizienten Automatisierungslösungen für Maschinen und Anlagen. Wir betrachten zusammen mit dem Anwender seine komplette Aufgabenstellung und entwickeln gemeinsam ein passendes Konzept. Nur so ist eine umfassende und kontinuierliche Reduktion des Energieverbrauchs möglich, ohne die Produktivität negativ zu beeinflussen.

etz: Bei dem Thema Energieeffizienz und Energiemanagement denke ich an die ganzheitliche Architekturlösung Ecostruxure die vor fast zwei Jahren vorgestellt wurde. Wie hat der Markt die Lösung angenommen?
R. Rodriguez: Da der Energieverbrauch ein immer wichtigeres Entscheidungskriterium ist, interessieren sich immer mehr Kunden dafür. Vom Erfolg und der Funktionalität der integrierten Architektur sind wir überzeugt. Deswegen stellen wir Anwendern ja auch mindestens eine Energieeinsparung von bis zu 30 % in Aussicht. Dabei reduzieren wir nicht nur die Kapital-, sondern auch die Betriebskosten. Dementsprechend wächst Ecostruxure regelmäßig weiter, da die Lösung immer up-to-date sein muss.

etz: So ein umfassendes Energiemanagementsystem, wie Ecostruxure, lebt ja quasi. Wie hat es sich weiterentwickelt?
Die Software haben wir für spezifische Anwendungsbereiche angepasst. Mittlerweile sind Lösungen für die Gebäude- und Fabrikautomation sowie den IT-Bereich verfügbar. An weiteren branchenspezifischen Lösungen, wie für die Prozessindustrie, wird gearbeitet. Dabei achten wir darauf, dass wir keine proprietäre Schneider-Lösung entwickeln. Wir setzen auf offene Standards, um Anwendern ein möglichst umfassendes und optimales Konzept anbieten zu können. Der Einsatz einer übergreifenden, integrierten Lösung hilft ihnen bei Softwareupdates, erleichtert die Bedienung und reduziert Instandhaltungskosten.

etz: Was sind ihre weiteren Ziele mit Schneider Electric?
R. Rodriguez: Ich will den Foot-Print des Unternehmens in Deutschland verändern und unsere Wahrnehmung als kompetenter Lösungsanbieter für Energiemanagement weiter voran bringen. Meine Vision ist, dass jeder in drei bis vier Jahren weiß wofür Schneider Electric steht: Für Kompetenz Energiemanagement, und zwar in allen Bereichen zwischen Kraftwerk und Steckdose – also Infrastruktur, Industrie, Rechenzentren, Gebäude und Wohngebäude.

Der Beitrag als pdf

Autor: Frank Nolte