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Komplettes Automatisierungsportfolio für den Anlagenbau

Bild 1. Frank Winter ist Geschäftsführer der B&R Industrie-Elektronik GmbH in Bad Homburg

Bild 2. Automation Studio 4: Neben vielen hilfreichen Automatismen bringen funktionsäquivalente Architekturmodelle, Versionierung, Unterstützung für die Teamarbeit und nicht zuletzt die komfortablere Programmierung mit Objekten die Effizienz in der Programmgestaltung auf ein neues Niveau

Bild 3. Die Technologieschwer-punkte von B&R

Mit „Technology by the Innovators“ stellt B&R nicht nur ein komplettes Automatisierungsportfolio für den Maschinenbau, sondern mittlerweile auch für den Anlagenbau zur Verfügung. Die etz-Redaktion sprach mit Frank Winter, Geschäftsführer der deutschen Niederlassung, über die neue Strategie des Unternehmens.

Der Anlagenbau umfasst verschiedene technische Disziplinen, je nachdem, um welche Art der Anlage es sich handelt. Dementsprechend stellt er auch ganz unterschiedliche Anforderungen an die einzusetzende Automatisierungstechnik. Zum Steuern und Regeln aller Arten verfahrenstechnischer Anlagen kommt Prozessleittechnik zum Einsatz, in deren Zentrum ein Prozessleitsystem agiert. Zu den aktuellen Herausforderungen für die Prozessleittechnik gehören steigende Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit und die Sicherheit der Prozesse bei gleichzeitig sinkenden Entwicklungszeiten.
Basierend auf der Aprol-Prozessleittechnik kommt der Anlagenbau immer mehr in den Fokus des österreichischen Automatisierungstechnik-Anbieters B&R, der bisher seinen Vermarktungsschwerpunkt im OEM-Maschinenbau sah. „Es gibt nur ganz wenige Anbieter, die nahezu komplett die Bereiche Anlagen- und Maschinenbau abdecken können. Neben Siemens gehört B&R als einziger Mittelständler dazu“, stellt F. Winter heraus (Bild 1). „Wir haben nicht nur das Angebot für den OEM-Markt deutlich erweitert, sondern können nun auch nahezu komplett den Anlagenbau bedienen. Die vielfältigen Entwicklungen und Innovationen aus unserem Haus lassen dies zu.“ Und er schließt an: „Wir wollen das, was wir schon seit Langem für viele Kunden im Bereich des Anlagenbaus leisten, nun auch deutlicher herausstellen.“

Den Kern des Angebots für den Anlagenbau bildet das auf Linux basierende Prozessleitsystem Aprol. Durch eine große Palette industrieerprobter Hardware können die Automatisierungsanforderungen der Anlagen optimal erfüllt werden. Die Controller nutzen den echtzeitfähigen Ethernet Powerlink, wodurch eine flexible Gestaltung der Topologie ermöglicht wird. Alle Produktlinien aus dem Angebot wurden an die neuen Anforderungen angepasst. Neben der Innovationsbereitschaft des Anbieters von Automatisierungstechnik liegt dies auch „an den Möglichkeiten der Prozessortechnologie und IT, die zur Verfügung steht“, so F. Winter. „Die Herangehensweise an die Applikation ist von beiden Seiten möglich.“ Über die Prozessleittechnik von Aprol zu den anderen B&R-Systemen, oder über die integrale Automatisierungstechnik zu Aprol.
„Auch bisher sind bereits unzählige B&R-Komponenten in vielen Anlagen der Enduser im Einsatz, so zum Beispiel in der Versorgungstechnik bei Automobilbauern. Aprol ist mittlerweile eine Erfolgsstory“, teilt der Geschäftsführer mit: „Endanwender schreiben immer öfter Maschinenausrichtern Automatisierungstechnik von B&R vor, da Aprol sich im Anlagenbau erfolgreich im Einsatz befindet.“ Daher wird das Unternehmen nun auch offensiver den Anlagenbau fokussieren.

Gleiche Datenbasis für Engineering-Plattform und Prozessleitsystem
Von Vorteil ist dabei die tiefe Integration von Aprol in die B&R-Welt: Dies gilt bereits für die bisherige Version 3.x der Engineering-Plattform Automation Studio und erst recht für die neue Version 4 von Automation Studio. Die Multitasking-Funktionalitäten und die internen Kommunikationsstrukturen basieren bei Aprol und Automation Studio auf den gleichen Mechanismen. „Die Durchgängigkeit der Datenpunkte ist für beide Welten komplett“, betont F. Winter. „Ein Produkt wie X20 steht sofort auch für Aprol zur Verfügung“, setzt er fort. „Alle Produkte, die hier funktionell Sinn machen, werden sofort integriert.“ Das X20-System reduziert die Kosten durch Skalierbarkeit und freie Gestaltung auch im Anlagenbau und stellt diverse Hardwareknoten für führende Feldbusse und Industrial-Ethernet-Protokolle zur Verfügung, zum Beispiel für Profibus, Profinet und Ethernet/IP.
Auf der Engineering-Ebene bemerkt B&R ein verstärktes Interesse an Kontaktplan (KOP). Dies begründet F. Winter mit der Orientierung großer Maschinen- und Anlagenbauer – meist mit Seriencharakter – auf die Serviceebene. Die Maschinen- und Anlagenbauer sind darauf angewiesen, dass überall auf der Welt schnell Verknüpfungen geändert werden können. Gerade in den USA und China ist KOP weit verbreitet. Andererseits gibt es einen Trend hin zu objektorientierter Programmierung. „Unser Automation Studio deckt in der Version 4 beide Anforderungen hervorragend ab“, so F. Winter. Mit der Version 4 von Automation Studio lassen sich beim Engineering neue, intelligente Wege beschreiten. Funktionsäquivalente Architekturmodelle, Versionierung und Unterstützung für die Teamarbeit sorgen neben der komfortablen Programmierung mit Objekten für eine hohe Effizienz in der Programmgestaltung (Bild 2).

Das Anlagenengineering unterstützt der Caemanager als Bestandteil des Prozessleitsystems Aprol während des gesamten Lebenszyklus, beginnend bei Planung, Bibliothekserstellung, Konfiguration, Inbetriebnahme und bei Betrieb der Anlage.
Anders herum wird das Prozessleitsystem auch zunehmend für OEM interessant. „Ein herkömmliches Scada-System können wir immer schlagen“, ist F. Winter überzeugt. „Wir bieten echte Prozessleittechnik mit zum Beispiel Validierbarkeit und Chargenverfolgbarkeit zu Scada-Kosten an.“ Vor allem in Fertigungsanlagen, in denen mehrere Maschinen miteinander vernetzt arbeiten, sorgt Prozessleittechnik für mehr Datentransparenz. Laut F. Winter wurden „strategisch gut zu einander passende Produkte zusammengefasst“. Möglich wurde dies, da die Aprol-Gesamtmechanismen auf die B&R-Welt umgestellt wurden.
Bereits innerhalb von Automation Studio lässt sich mit Visual Components eine Visualisierung „Windows-like“ auf hohem Niveau erstellen. Wenn die Anforderungen darüber hinaus gingen, setzten in der Vergangenheit Anwender häufig auf Scada-Systeme. „Zukünftig können wir für solche Fälle verstärkt Aprol anbieten“, so F. Winter. Der Anwender spart damit auch Komponenten, wenn zum Beispiel der Industrie-PC zur Steuerung und für das Prozessleitsystem eingesetzt wird. „Große Anlagen lassen sich heute wie ein ‚iPhone‘ bedienen“, setzt er fort. „Unser Angebot für Multitouch und Widescreen wurde gut aufgenommen. Mit Windows 7 Embedded und modernen Prozessoren standen die entsprechenden Voraussetzungen zur Verfügung.“ Die Langzeitverfügbarkeit unserer PC-Technologie entspricht dem Lebenszyklus der Anlagen.

Generic Motion Control und Safety für den Anlagenbau
Gibt es Beispiele für die tiefe Integration der Prozessleittechnik Aprol und der übrigen B&R-Automatisierungstechnik? „Unter Aprol sind Generic-Motion-Control- und Safety-Anwendungen möglich“, antwortet F. Winter. Auch der Anlagenbau kann von der hohen Performance und Systemsynchronität zum Beispiel im Bereich des Generic Motion Control profitieren. In der B&R-Prozessleittechnik gelten die gleichen Sicherheitsreaktionszeiten wie für Maschinen. „Das Transportmittel ist auch hier Powerlink“, hebt er hervor. „Die Safety-Integration ist vollzogen.“
„Wir machen schnelle Reaktionszeiten im Bereich von Millisekunden auch für kleine Safety-Einheiten wirtschaftlich. Unsere skalierbaren Safe-Logic-Steuerungen lassen sich über sicheren Powerlink problemlos anbinden.“ Vorteile ermöglicht der sichere Powerlink auch für die Antriebstechnik: „Safe Motion in der höchsten Sicherheitsklasse können zwar inzwischen einige Anbieter“, so der B&R-Manager. „Aber die wenigen, die es können, können es meist nicht über einen Bus, sondern mit diskreten Anschaltungen.“ Safety über Powerlink verringert den Engineering- und Verdrahtungsaufwand.
Opensafety biete laut F. Winter nicht nur Vorteile für Maschinenbauer und Drittanbieter, sondern auch im Anlagenbau sowie für Endanwender. Letztere können für verschiedene Maschinen und Anlagen auf ein einheitliches Sicherheitsprotokoll zurückgreifen. Opensafety funktioniert auf unterschiedlichen Kommunikationsprotokollen.

Neue Vermarktungsstrategie
Die Vermarktungsstrategie wurde entsprechend angepasst. Das überarbeitete Konzept für die Öffentlichkeit verdeutlicht die Schwerpunktthemen, die über mehrere Ebenen zu den einzelnen Produktgruppen führen. Zu diesen Schwerpunktthemen gehören zum Beispiel Smart Engineering, Efficient Automation, Generic Motion Control, Advanced Panel Solutions und Just Powerlink (Bild 3). „Hinzugekommen als Schwerpunktthema ist darüber hinaus die Mobile Automation“, ergänzt der Manager.
Interessant sind laut F. Winter auch die Kombinationen der unterschiedlichen Schwerpunktthemen. Als Beispiel nennt er das Zusammenspiel aus Process Control und Mobile Automation: So sind in mobilen Tiefbohrmaschinen B&R-Komponenten der Mobilen Automation zusammen mit Aprol im Einsatz. Ebenso stehen dort die Schwerpunktthemen Smart Engineering und Efficient Automation auf der Tagesordnung.
F. Winter ist sich sicher, dass das nun von B&R forcierte Thema Anlagenbau auf der Hannover Messe hohes Interesse finden wird: „Dort ist die Besucherstruktur eine andere als auf der SPS/IPC/Drives und Prozessleittechnik wird eine noch wichtigere Rolle spielen.“

Auf Wachstumskurs
„Für 2012 erwarten wir ein deutlich zweistelliges Wachstum in Deutschland“, stellt Frank Winter heraus, Geschäftsführer der B&R Industrie-Elektronik GmbH in Bad Homburg. Insgesamt visiert der B&R-Konzern weltweit 450 Mio. € Umsatz an. Den Grund für diesen Optimismus liefert er auch: „Wir haben in den letzten Jahren viele Neukunden gewonnen, was entsprechende Auswirkungen auf 2012 haben wird.“
Der Standort in Bad Homburg wurde deutlich vergrößert. Vor allem die Schulungskapazitäten wurden vervielfältigt. „Nicht zuletzt die wachsende Verbreitung von Aprol erhöht den Schulungsbedarf deutlich“, betont der Geschäftsführer. Der größte Raum kann bis zu 100 Teilnehmer aufnehmen, sodass auch größere Foren stattfinden können. „Neben dem Schulungszentrum stehen auch neue Büros und Sozialräume für die Mitarbeiter zur Verfügung.“

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Autor: Ronald Heinze