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Jürgen Göbelhaider (links) ist Geschäftsführer der Megger GmbH, Dipl.-Ing. Klaus Spitzenberg ist Manager Training & Application des Herstellers von Mess- und Prüftechnik

Mess- und Prüftechnik – handhabbar und verständlich

01 Das Multifunktionsprüfsystem Sverker 900 für die 3-Phasen- Prüfungen in Schaltstationen bietet unter anderem drei Ströme und vier Spannungen, Stand-Alone-Funktionalität sowie 900 V und 105 A im einphasigen Modus

Die Energiewende lässt überall im Land neue Einspeisepunkte in die Mittelspannungsnetze entstehen. Die dafür erforderlichen Schaltanlagen mit entsprechenden Schutzrelais, Wandlern und Leistungsschaltern sowie gegebenenfalls Batterieanlagen müssen auch geprüft werden. Da spezialisierte Mess- und Prüftechniker Mangelware sind, ist entsprechende Mess- und Prüftechnik erforderlich. Wobei es darauf ankommt, erläutern Jürgen Göbelhaider und Klaus Spitzenberg von Megger im Gespräch mit der etz-Redaktion.

Was muss bei den vielen dezentralen Schaltanlagen überhaupt geprüft werden?
J. Göbelhaider: Heute findet man nahezu in jeder Schaltanlage in einem Mittelspannungsnetz viele wichtige Komponenten. Dazu gehören Leistungstransformator, Leistungsschalter, Schutzrelais, Stromwandler sowie unter Umständen Batterieanlagen. Für all diese Komponenten bietet Megger seit vielen Jahren ein umfangreiches Mess- und Prüftechnik-Sortiment an. Die Technik von Megger und der ehemaligen Programma ist seit Jahrzehnten fest bei den Anwendern etabliert und aufgrund ihrer Unverwüstlichkeit und einfachen Handhabung sehr beliebt. Die Mess- und Prüfarbeiten gehen aber über die klassischen Funktionsprüfungen hinaus und beinhalten auch sicherheitsrelevante Überprüfungen, zum Beispiel nach den anerkannten Regeln der Technik – den DIN- und VDE-Bestimmungen. Das gilt sowohl für die Erstinbetriebnahme als auch für regelmäßige Intervalle anhand einer Gefährdungsbeurteilung. Auf den Anlagenbetreiber kommen somit zum Beispiel zusätzliche Erdungs-, Isolations-, Schleifen- und Niederohmmessungen zu.
K. Spitzenberg: Im Prinzip gelten hier die gleichen Regeln, wie in anderen Mittelspannungsanlagen auch. Jedoch sind in den dezentralen Schaltanlagen oft einfachere Schutzkonzepte umgesetzt. Durch Kostendruck wird hier dann noch vielfach interdisziplinäres Arbeiten zwischen Primär- und Sekundärtechnik erwartet, was dann auch für das Prüfen gilt.

Ist besonderes Know-how erforderlich, um alle diese Prüfungen vornehmen zu können?
J. Göbelhaider: Um zunächst rein formal auf diese Frage zu antworten: Es muss sich bei dem beauftragten Techniker um eine Elektrofachkraft EFK oder zumindest eine befähigte Person gemäß § 13 des Arbeitsschutzgesetzes handeln. Damit ist in jedem Fall ein gewisser Ausbildungsstandard gewährleistet. Allerdings sind die Prüfungen jeder einzelnen Komponente im Umspannwerk für sich genommen so komplex, dass es „den Prüftechnikspezialisten für Umspannwerke“ nur selten gibt. Darauf muss bei der Konzeption der Mess- und Prüftechnik von Anfang an geachtet werden.
K. Spitzenberg: Richtig! In der Regel werden die erforderlichen Prüfungen bei einer Inbetriebnahme dem Anlagenbetreiber vertraglich überantwortet. Der Ausführende vor Ort ist aber eher ein Primärtechniker. Dieser ist mehr auf das Errichten spezialisiert und eher weniger messtechnisch orientiert. Nun soll dieser Mitarbeiter mal eben die sekundärtechnischen IBN-Prüfungen hinsichtlich Schutz- und Leittechnik auch noch mitmachen („…ist ja nur UMZ…“), nur um einen ausgewiesenen Sekundär- bzw. Schutztechniker einzusparen.

Aber kommen normale Elektrotechniker mit der umfangreichen Prüftechnik überhaupt im Alltag zurecht?
K. Spitzenberg: Kenntnisse über Mittelspannungsschaltanlagen sind natürlich erforderlich. Was die entsprechende Prüftechnik angeht, lässt sich feststellen, dass für die einzelnen Anlagenkomponenten und Prüfapplikationen spezielle Geräte zur Verfügung stehen. Diese Prüfgeräte, nehmen wir hier mal eine Sekundärschutzprüfeinrichtung wie unseren Sverker 700, decken dann den Bereich von der Mittel- über die Hoch- bis hin zur Höchstspannung ab. Und sie unterstützen obendrein internationale Prüfapplikationen, die hier aber nicht relevant sind. Die Komplexität, die sich hieraus für den Prüftechniker ergibt, ist enorm.

Welche Anforderungen muss die Mess- und Prüftechnik für solche Aufgaben denn erfüllen?
K. Spitzenberg: Albert Einstein hat einmal gesagt: „Man soll die Dinge so einfach wie möglich machen, aber nicht einfacher.“ Auf die Prüftechnik übertragen könnte man sagen: Die Aufgabe muss natürlich erfüllt werden, aber nicht unnötig kompliziert. Gerade in der Mittelspannung ist die Beschränkung auf das Wesentliche für den dort Tätigen mehr. Häufig wird auch der Ruf nach Prüfautomatisierung laut. Das Problem hierbei ist, dass mit steigendem Automatisierungsgrad die benötigten Sollvorgaben steigen. Und es gibt noch ein Problem: Bekommt man das in den Griff und die Prüfung bietet durchweg positive Ergebnisse und zeigt „OK“, ist zunächst einmal die Komplexität augenscheinlich kaschiert. Wird aber nur einer der vielen Prüfpunkte mit „schlecht“ bewertet, ist der normale Elektrotechniker schnell hoffnungslos überfordert, denn jetzt muss er die Ursache für das schlechte Ergebnis finden. Für viele Anwendungen in der Mittelspannung sind deshalb klar umrissene, einfach nachvollziehbare Prüffunktionen deutlich zielführender.
J. Göbelhaider: Je komplexer die Anwendung, desto einfacher muss das Messgerät sein. Dieser Ansatz findet sich praktisch in allen Mess- und Prüfgeräten von Megger wieder. Einfache, robuste Drehknöpfe und Schalter, die man auch mit dicken Sicherheitshandschuhen sicher bedienen kann, sind dem Praktiker erfahrungsgemäß lieber als verästelte Untermenüs mit zig unnötigen Funktionen. Soweit es geht, bauen wir unsere Mess- und Prüftechnik in robuste Koffer mit kompakten Abmessungen ein, die auch mal einen Sturz von der Leiter abkönnen.

Was für Messgeräte bieten Sie diesbezüglich an für welche Aufgaben?
K. Spitzenberg: Das ist schon ein ordentliches Portfolio. In der Mittelspannung bieten wir unseren Kunden zum Beispiel die Hochstromprüfeinrichtung Ingvar, die einphasige Schutzprüfeinrichtung aus der Sverker 700-Serie, das mit nur 1 kg leichteste Mikroohmmeter der Welt „Mom2“ mit 200 A Prüfstrom, die DC-Isolationsmessgeräte der MIT-Serie bis 5/10/15 kV, den Schaltzeitanalysator Egil, den einzigen Tester für Vakuum- Schaltklammern Vidar und das neue Multifunktionsprüfgerät Sverker 900 (Bild 1). Für die Batterieanlagen gibt es bei uns den Torkel. Der ist das Maß aller Dinge, wenn es um die Kapazitätsprüfung bei stationären Batterieanlagen geht. Er wurde zwar mittlerweile oft kopiert, aber nie wirklich erreicht.

Was zeichnet all diese Geräte aus?
J. Göbelhaider: Bei allen genannten Mess- und Prüfgeräten handelt es sich um für jede Anwendung klar zugeschnittene Technik mit einfach nachvollziehbaren Prüfmethoden. Alle Mess- und Prüfgeräte von Megger sollen möglichst intuitiv erlernbar sein und sich ohne langes Studium des Handbuchs schnell und sicher bedienen lassen. Ein großer Vorteil gerade für Techniker, die nicht regelmäßig mit ihren Geräten arbeiten und diese nur gelegentlich einsetzen. Genau solche Anwender werden im Tagesgeschäft der Energiewende immer mehr gefordert und bilden daher den Kern unserer Zielgruppen.

Aber braucht ein Elektrotechniker dann nicht eine Vielzahl an Prüfgeräten, um seine Aufgaben in den Schaltanlagen zu erfüllen?
K. Spitzenberg: Selbstverständlich. Aber genau hier setzen wir mit unserer neuen Multifunktionsprüfeinrichtung, dem dreiphasigen Sverker 900, an. Dabei handelt es sich um einen gut sortierten Werkzeugkoffer mit vielen geschickt ausgelegten Prüfquellen für Strom und Spannung. Er bietet dem Prüftechniker übersichtlich einen sehr flexiblen und vielfältigen Anwendungsbereich: Von der mehrphasigen Sekundärprüfung bis hin zu einer weitreichenden Primärprüffunktionalität – unterstützt durch eine sehr einfach bedienbare und flexible Messtechnik; aber auch neueste Technologien wie einen Farb-Touchscreen.

Wie unterstützen Sie Elektrotechniker sonst noch bei ihrer Prüfarbeit?
J. Göbelhaider: Unser Kunde darf von uns eine kompetente und schnell verfügbare Beratung erwarten, die sich selbstredend analog zu unserer Gerätephilosophie exakt an seiner Anwendung orientiert. Er soll von uns eben nur das erhalten, was er in seiner täglichen Praxis tatsächlich auch nutzen wird. Unser Außendienst-Team ist diesbezüglich engagiert und geschult. Bei eventuellen Störungen oder Rückfragen in der Anwendung bieten wir unseren Kunden einen persönlichen Ansprechpartner vor Ort, der sich sofort um seine Belange kümmert. Unser Team aus Produktmanager, technischem Support und Außendienst ist im Übrigen das mit Abstand Größte in der Republik und deckt dicht besiedelte Gebiete mehrfach ab, sodass wir dem Kunden stets einen besonders schnellen und intensiven Service anbieten können.
K. Spitzenberg: Unsere Schulungen sind als Praxisworkshops ausgelegt und finden zum Teil auch „live“ in echten Schaltanlagen statt. Denn neben der Vermittlung theoretischer Grundlagen steht bei Megger das praktische Üben und Verinnerlichen der verschiedenen Prüfaufgaben im Vordergrund. Aus diesem Grund ist die Teilnehmerzahl begrenzt, damit in kleinen Arbeitsgruppen gearbeitet werden kann und jeder Teilnehmer den maximalen Nutzen für sich erarbeitet. (no)

Autor: Frank Nolte

Mess- und Prüfgeräte vom traditionsreichen Spezialisten

Megger ist ein weltweit tätiger Hersteller von Mess- und Prüftechnik. Die Konzernzentrale befindet sich in Dover in England. Die Tradition des Unternehmens geht zurück bis in das Jahr 1889. Die Entwicklungs- und Produktionsstandorte in Deutschland sind in Baunach bei Bamberg und in Radeburg bei Dresden. Zudem gibt es Vertriebs- und Service-Niederlassungen in Oberursel bei Frankfurt am Main sowie in Grevenbroich am Niederrhein. Weitere Produktionsstandorte finden sich in England, Schweden und den USA. Das Produktspektrum reicht über alle Ebenen der Energieübertragung vom Kraftwerk bis zur Steckdose.

Zum Produktportfolio von Megger gehören auch die Prüfgeräte von Programma (2007 von Megger übernommen). Das sind einfache, robuste und „unkaputtbare“ Standardprüfgeräte, die von jedem Prüftechniker mit etwas Erfahrung fast intuitiv eingesetzt und beherrscht werden können. Ein gutes Beispiel dafür ist das meistverkaufte einphasige Schutzrelaisprüfgerät der Welt. 2014 wurde bereits der 20.000. Sverker ausgeliefert. Die neue dreiphasige Variante, der Sverker 900, ist ein einfaches zu bedienendes und handliches Prüfgerät mit LCD-Touchscreen und einem zentralen Drehknopf. Das Gerät bietet eine praxisgerechte Kombination aus Strom- und Spannungsquellen und vielfältige Messmöglichkeiten. Der Egil (links) ist ein leichter, kompakter und sehr einfach zu bedienender Schalteranalysator mit drei Kanälen zur Messung der Schaltzeiten der Hauptkontakte. Für die Messung von Hilfskontakten sind zwei zusätzlich getrennte Zeitmesskanäle vorhanden. Um die Anschaltung vor Ort einfach zu gestalten, gibt es ihn mit fertig konfektionierten Multikabelsätzen sowohl für Haupt- als auch für Hilfskontakte. Die Spulenströme werden automatisch gemessen und mit anderen Werten sofort nach der Prüfung auf dem Display oder dem internen Drucker ausgegeben. Mit dem Vidar (rechts) lässt sich die Unversehrtheit des Vakuums in Vakuum-Leistungsschaltern prüfen. Man legt eine geeignete Prüfspannung (DC) an den Schalter an – und hat sofort das Ergebnis. Die Handhabung ist auch deshalb so einfach, weil die Schaltröhren zum Prüfen nicht ausgebaut werden müssen. Mit dem Batterielastsimulator Torkel lässt sich eine Entladeprüfung durchführen, um die Batteriekapazität zu messen. Die Hochstromprüfeinrichtungen CSU 600 A und CSU 600 AT werden sowohl bei der Primärprüfung von Schutzrelaiseinrichtungen als auch bei der Hochstromprüfung an Niederspannungsleistungsschaltern und Überstromschaltgeräten eingesetzt. Das unverwüstliche Prüfsystem Oden dient zur Primärprüfung von Schutzrelaiseinrichtungen und Leistungsschaltern. Außerdem eignet es sich zum Prüfen der Übersetzungsverhältnisse von Stromwandlern und sonstigen Anwendungen, die hohe Ströme benötigen.

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