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Motion-Engineering leicht gemacht

Lenze-Geschäftsführer Dr. Thomas Cord (links) im Gespräch mit Frank Nolte, stellv. Chefredakteur der etz: „Wir haben es uns auf die Fahne geschrieben, Maschinenbauern das Engineering so einfach wie möglich zu machen“

Lenze-Geschäftsführer Dr. Thomas Cord (links) im Gespräch mit Frank Nolte, stellv. Chefredakteur der etz: „Wir haben es uns auf die Fahne geschrieben, Maschinenbauern das Engineering so einfach wie möglich zu machen“

Ende letzten Jahres stellte Lenze den universell einsetzbaren Frequenzumrichter i500 vor, der hinsichtlich der Baugröße (Kompaktheit), des Zuschnitts auf die ­Anwendung (Modularität) sowie der ­Einfachheit der Inbetriebnahme (Usability) neue Maßstäbe setzt

Ende letzten Jahres stellte Lenze den universell einsetzbaren Frequenzumrichter i500 vor, der hinsichtlich der Baugröße (Kompaktheit), des Zuschnitts auf die ­Anwendung (Modularität) sowie der ­Einfachheit der Inbetriebnahme (Usability) neue Maßstäbe setzt

Mit dem Robotikmodul innerhalb der Application Software Toolbox Fast ermöglicht Lenze jetzt das einfache Projektieren koordinierter Bewegungen mehrerer Achsen im Raum

Mit dem Robotikmodul innerhalb der Application Software Toolbox Fast ermöglicht Lenze jetzt das einfache Projektieren koordinierter Bewegungen mehrerer Achsen im Raum

Dr. T. Cord: „Lenze bietet Produkte und Lösungen für die Multi- und die Einzelachswelt aus einer Hand“

Dr. T. Cord: „Lenze bietet Produkte und Lösungen für die Multi- und die Einzelachswelt aus einer Hand“

Immer mehr Maschinenbauer wünschen sich komplette Systemlösungen aus Antriebs- und Steuerungstechnik plus Software. Dementsprechend bietet Lenze inzwischen neben Motoren, Invertern und Getrieben auch komplette Automatisierungssysteme sowie Engineering-Dienstleistungen und -Tools aus einer Hand. Dass dem Engineering dabei eine besondere Bedeutung zukommt, unterstrich Dr. Thomas Cord, Geschäftsführer von Lenze Automation, im Gespräch mit der etz-Redaktion.

Wenn man sich die Produktneuheiten und Entwicklungen bei Lenze in den vergangenen zwei Jahren anschaut, könnte man den Eindruck bekommen, dass der Fokus mehr auf der Steuerungs- als auf der Antriebstechnik liegt.
Dr. T. Cord: Lenze macht Maschinenautomatisierung seit 1947. Viele Jahre lag der Schwerpunkt dabei auf der Antriebstechnik. Mit unserem Angebot „Motion Centric Automation“ konzentrieren wir uns auf die Automatisierung bewegungslastiger Maschinen. Da die meisten Unternehmen in diesem Bereich Komplettlösungen verlangen, bieten wir heute auch Steuerungen an. Trotzdem ist die Antriebstechnik wichtiger denn je. Die Stärke von Lenze ist die Integration von Steuerungs- und Antriebstechnik zu einem Gesamtsystem aus einem Guss.

Worauf kommt es dabei an?
Dr. T. Cord: Das Engineering ist dabei der wesentliche Aspekt. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, das Engineering für unsere Kunden so einfach wie möglich zu machen, da dort für die meisten Maschinenbauer die größten Kostenpotenziale liegen, die es zu heben gilt. Außerdem legen wir viel Wert auf die Beratung in Bezug auf die Konzeption von Maschinen. Schließlich gewinnt die Systembetrachtung in der Antriebstechnik nicht erst seit der DIN EN 50598 an Bedeutung. Zum Beispiel muss man für eine optimale Energiebilanz bei mehrachsigen Systemen, wie Regalbediengeräten, die Energie zwischen den einzelnen Achsen austauschen.

Inwieweit beeinflusst der Trend zu modularen Maschinen das Engineering?
Dr. T. Cord: Unsere Kunden setzen vermehrt auf modulare Maschinen, um flexibler auf die Bedürfnisse ihrer Kunden reagieren zu können. Die Maschine muss dabei über ihren ganzen Lebenszyklus flexibel bleiben. Um diese Bedürfnisse zu befriedigen, haben wir vor drei Jahren mit unserer Application Software Toolbox Fast begonnen, Software zu vermarkten. Damit haben wir modulare Softwarestrukturen für den Maschinenbau geschaffen. Bis zu 80 % des Software-Engineerings wird durch Fast abgedeckt. Mit den standardisierten Software-Bausteinen, sogenannten Technologiemodulen, lässt sich eine modulare Maschinensteuerung ganz einfach entwickeln. Die gesparte Zeit kann in die Entwicklung der Besonderheit der Maschine investiert werden.
Aber auch unsere Produkte haben wir für den Einsatz in modularen mechatronischen Funktionseinheiten in den Maschinen weiterentwickelt. Damit ist heute im Maschinenbau alles modularisiert – von der Mechanik über die Steuerungs- und Antriebstechnik bis hin zur Software. Das unterstützt den Trend zu modularen Maschinentopologien mit dezentralen Schaltschränken.

Wie sieht das Antriebsportfolio von Lenze aus?
Dr. T. Cord: Wir sind einer der führenden Anbieter von Servo- und Frequenzumrichtern und haben zudem ein breites Portfolio im Bereich der Elektromechanik, also die unterschiedlichsten Motoren und Getriebe. Allerdings sind wir kein reiner Produktanbieter. Unsere Stärke ist unsere Kompetenz bei der Konzeption sowie der Auslegung von Automatisierungskonzepten im Maschinenbau und diese ist heute gefragter denn je.
Lenze ist eine der wenigen Firmen, die Einzel- und Multi­achssysteme aus einem Guss bedienen kann. Wir bieten sowohl Produkte mit einer im Antrieb integrierten Bewegungsführung an, als auch Multiachssysteme, bei denen sich die Bewegungsführung in einer zentralen Steuerung befindet. Da wir die Softwarefunktionen über die Bereichsgrenzen hinweg standardisieren, können unsere Kunden einfach zwischen beiden Welten wechseln.

Bieten Sie auch kundenspezifische Produkte an?
Dr. T. Cord: Wenn man erfolgreich sein will, muss man die Bedürfnisse der Kunden erfüllen. Wenn ein Kunde ­spezifische Funktionalitäten benötigt, muss man ihm die liefern und das können wir. Die Königsdisziplin ist es, die Anforderungen der Kunden so zu verstehen, dass man nicht für jeden Kundenwunsch eine Sonderlösung konstruieren muss – auch das beherrschen wir.

Um welche Themen kümmern Sie sich bei Ihren Beratungsdienstleistungen?
Dr. T. Cord: Neben der Energieeffizienz gibt es noch verschiedene weitere Optimierungskriterien. So beraten wir Maschinenbauer auch in Bezug auf die Standardisierung oder Modularisierung ihres Maschinenportfolios. Auch der effiziente Umgang mit Ressourcen ist manchmal ein wichtiger Aspekt. Beispielsweise ist das Handling von dünnen Folien in der Verpackungsbranche eine knifflige Sache. Wir kümmern uns quasi um alle Aspekte des Engineerings. Die Engineeringeffizienz ist heute für unsere Kunden das A&O.

Das geht ja auch in Richtung applikationsspezifischer Funktionen?
Dr. T. Cord: Genau – mit den in unserer Software inte­grierten Funktionen können unsere Kunden bestimmte Aufgaben einfacher lösen. Beispiele hierfür gibt es in fast allen Segmenten des Maschinenbaus. In der Verpackungsbranche geht es beispielsweise um das Abwickeln von dünnen Folien mit konstanter Bahnspannung, in der Papier­industrie um das Schneiden von Papier oder Pappe mit einem intelligenten, selbstoptimierenden Verfahren, bei dem sich die Maschine automatisch an die Umgebungsbedingungen anpasst. Zudem haben wir für unsere Zielbranchen spezifische Sicherheitsfunktionen entwickelt, die über die Standardfunktionen, wie STO oder SLS, hinausgehen. So kann man mit der sicher reduzierten Geschwindigkeit bei einem Regalbediengerät oder einem Portalroboter auf einen mechanischen Puffer verzichten.

Wenn man so viel Wert auf applikationsspezifische Anwendungen legt, kann man nicht überall Know-how haben. In welchen Branchen ist Lenze tätig?
Dr. T. Cord: Wir fokussieren uns auf spezielle Segmente des Maschinenbaus, in denen wir das entsprechende Anwendungs-Know-how haben, um unsere Kunden optimal beraten und unterstützen zu können – dazu gehören die Automobilindustrie, die Intralogistik sowie die Produktion und Verpackung von Konsumgütern. In den Bereichen Druck, Papier und Textil sind wir dabei dieses Know-how aufzubauen. Für diese Branchen entwickeln wir applika­tionsspezifische Funktionen, zum Beispiel für das Ab- und Aufwickeln oder Schneiden, die dem Anwender das Engineering erleichtern.

Wohin entwickelt sich Lenze?
Dr. T. Cord: Wir betrachten und bearbeiten verschiedene Trends, wie die Individualisierung von Produkten und die damit verbundene Flexibilität von Maschinen. Dazu kommt im Umfeld von Industrie 4.0 natürlich die Digitalisierung der Maschine und die durchgängige Kommunikation von den Motoren im Feld bis zum ERP-System ggf. inklusive Anbindung an eine Cloud. Dementsprechend befassen sich inzwischen viele unserer Mitarbeiter mit klassischen IT-Themen, wie Security. Natürlich wird es auch produkttechnisch, beispielsweise im Bereich der Antriebstechnik, Weiterentwicklungen geben. (no)