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Sichere Kommunikationslösungen für hohe Ansprüche

Marco Gerhard ist als Geschäftsführer  der Westermo GmbH für die DACH-Region verantwortlich

Marco Gerhard ist als Geschäftsführer der Westermo GmbH für die DACH-Region verantwortlich

Westermos Betriebssystem „WeOS“ bietet für Router und  Switches zahlreiche Cyber-Security-Funktionen

Westermos Betriebssystem „WeOS“ bietet für Router und Switches zahlreiche Cyber-Security-Funktionen

Das Netzwerkmanagement-Tool „WeConfig“ erleichtert nicht nur die Installation,  den Ausbau und die laufende Wartung eines Netzwerks, sondern bietet auch  weitreichende Diagnose-Funktionen

Das Netzwerkmanagement-Tool „WeConfig“ erleichtert nicht nur die Installation, den Ausbau und die laufende Wartung eines Netzwerks, sondern bietet auch weitreichende Diagnose-Funktionen

Cyber Security wird, unter anderem durch das IT­Sicherheitsgesetz für öffentliche Infra strukturen und Energieversorger, für immer mehr Firmen zum Thema. Westermo, der schwedische Spezialist für industrielle Datenkommunikation, beschäftigt sich damit schon lange. Welche Lösungen das Unternehmen anbietet und über seine Pläne sprach die etz-­Redaktion mit dem neuen DACH-­Geschäftsführer Marco Gerhard.
Herr Gerhard, Sie sind jetzt seit sechs Monaten im Amt. Was hat Sie bisher am meisten an Westermo beeindruckt?
M. Gerhard: Von Beginn an hat mich vor allem die Qualität der Produkte und Mitarbeiter gleichermaßen begeistert. Eine derart hochwertige Produktpalette in dieser Breite war auch für mich neu. Zudem ist das große Know-how der relativ kleinen Mannschaft von nur 17 Leuten faszinierend. Gerade für mich als Branchenneuling war es wichtig, dass keine Fragen – ob technisch, juristisch, branchenspezifisch oder strategisch – offen bleiben und dass immer ein kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung steht.
Ihr Neueinstieg erlaubt aber auch einen neutraleren oder objektiveren Blick. Wie sehen Sie Westermo im Markt aufgestellt – vor allem in der DACH-Region?
M. Gerhard: Dazu muss man zunächst definieren, was denn überhaupt „der Markt“ für uns ist. Wenn wir von industrieller Datenkommunikation reden, haben wir in Deutschland einen Marktanteil von ca. 5 %. Als kleines Unternehmen bewegen wir uns in klar definierten Nischen, in denen sich unsere Produkte bewährt haben. Dazu gehören die Zugnetzwerke und Lösungen für Trackside-Anwendungen, wo wir zu den dominanten Playern in Deutschland zählen.
In welchen Branchen wollen Sie Marktanteile gewinnen?
M. Gerhard: Natürlich wollen wir in allen Märkten stärker werden. Aufgrund unserer robusten Produkte und der Erfahrung im Bahn-Business, sehe ich für uns vor allem in der Verkehrstechnik ein großes Potenzial. Zudem sind natürlich der Maschinen- und Anlagenbau sowie die Wasser- und Abwassertechnik für uns von großem Interesse. Entsprechendes Know-how bringen wir etwa im Datenaustausch bei regenerativen Energien und dem autonomen Fahren – sicher ein Zukunftsmarkt – mit.
Wie hat sich das Thema Energie entwickelt?
M. Gerhard: Wir arbeiten weiterhin an Geräten für spezielle Versorgungsspannungen (DC 110 V/220 V), die bei Ihrem letzten Gespräch mit meinem Vorgänger Anders Felling noch in der Planung waren. Hier liegt aber nicht unbedingt unsere höchste Priorität. Wir haben uns eher auf die Segmente Train- und Edge-Networks konzentriert und dort speziell im Zuge der Cyber Security weiter entwickelt. Das schien und scheint uns – allein schon aufgrund der Entwicklungen hinsichtlich Industrie 4.0 – besonders wichtig.
Security- und Redundanz-Funktionen sind in Ihren Produkten schon seit Jahren integriert. Ist das eigentlich hinlänglich bekannt?
M. Gerhard: In unseren etablierten Märkten wissen das die Anwender sicherlich, unter anderem deswegen haben wir dort ja auch so einen Erfolg. Den Bekanntheitsgrad im breiten Feld wollen wir, insbesondere im Zusammenhang mit der gestiegenen Security-Aufmerksamkeit durch Industrie 4.0, weiter auszubauen. Beispielsweise sind wir auf Fachkongressen zu diesem Thema stärker präsent. So kam unser Beitrag auf der Communication Conference in der Schweiz sehr gut an und hat unsere Position als kompetenter Partner in diesem Bereich weiter gestärkt.
Durch Industrie 4.0 wachsen Office- und Produktions-IT zusammen. Wie funktioniert das?
M. Gerhard: Nicht immer reibungslos. Das ist auch nicht verwunderlich, da es dabei darum geht, zwei Knowhow-Träger mit unterschiedlichen Anforderungsbedingungen – Büro und Produktion – miteinander zu vernetzen. Jedem ist klar, dass beispielsweise die Anbindung verschiedener Außenstationen an eine zentrale Leitstelle – etwa in der Wasserwirtschaft – völlig andere Anforderungen an die Security aber auch die Widerstandsfähigkeit der Komponente stellt, als die Einbindung eines WLAN-Druckers in ein Büro-Netzwerk. In der Office-IT liegt der Fokus der Betrachtung auf dem Datenvolumen, in der Industrie eher auf der Datenverfügbarkeit.
Fällt es dann nicht schwer, sich allein durch Hardware vom Mitbewerber zu unterscheiden? Oder läuft es letztlich immer auf das günstigste Produkt heraus?
M. Gerhard: Der Kunde erwartet auch bei einem HighLevel-Produkt, wie wir es bieten, einen marktgängigen Preis. Wir versuchen ihn im Rahmen einer Total-Cost-of-Ownership-Betrachtung von den Vorteilen einer etwas teureren, aber robusteren, ausfallsicheren und schon mittelfristig effizienteren Lösung zu überzeugen. Zudem drücken wir die Gesamtkosten eines Netzwerks durch unsere Softwarekomponenten „WeOS“, „WeConfig“ und „WeConnect“. Sie helfen Unternehmen dabei Zeit, Engineering- und Wartungskosten zu sparen. Ohne von der Produktqualität abzurücken, werden wir uns mit unseren Softskills, der Software und den dahinter stehenden Lösungen, weiterhin vor allem als Systemlieferant positionieren, der robuste Kommunikationslösungen bietet.
Die Cloud-Kommunikation wird immer beliebter. Welche Lösungen bieten Sie in diesem Bereich?
M. Gerhard: Wir lassen unseren Kunden hier alle Möglichkeiten. Auf der einen Seite bieten wir eine „WeConnect“-Cloud für die Prozessdatenübertragung an, andererseits sind unsere Produkte natürlich auch geeignet, an andere Clouds angebunden zu werden. Schließlich wollen Anlagenbauer ja bewusst nicht mehrere Clouds in ihrer Maschine händeln.
Welche Relevanz hat bei Ihnen inzwischen die Software in Relation zur Hardware?
M. Gerhard: Sicherlich ist eine gute Software inzwischen die Basis dafür, eine Hardware verkaufen zu können. Trotzdem sollte man beides immer in Kombination miteinander betrachten. Unseren großen Vorteil sehe ich darin, dass wir mit dem Betriebssystem „WeOS“ ein einheitliches System für alle unsere Produkte geschaffen haben. Damit muss ein Kunde nicht ständig umlernen oder auf neue Produkte mit neuer Software geschult werden. Unsere Software-Komponenten entwickeln wir kontinuierlich weiter und halten sie vor allem unter dem Cyber-Security-Aspekt immer auf dem neuesten Stand, was technologisch Machbares anbelangt. Darüber hinaus bieten wir mit „WeConfig“ ein Softwaretool für Techniker an, mit dem eine sehr umfassende Konfiguration des kompletten Netzwerks in wenigen Schritten möglich ist. Mit diesem Tool können bisher ungenutzte Softwarefunktionalitäten auch von wirklich allen Anwendern entsprechend verwendet werden. Wir glauben, dass damit endlich eine Konfigurationstiefe erreicht werden kann, die den neuen Anforderungen gerecht wird. Dazu gehört auch die Härtung der Netzwerktechnik hinsichtlich der Security-Aspekte.
Welche kurz- und mittelfristigen Ziele haben Sie mit Westermo?
M. Gerhard: Erstens wollen wir unseren Bekanntheitsgrad weiter ausbauen. Als schwedisches Unternehmen hat Westermo bisher nicht allzu offensiv agiert. In Zukunft wollen wir mehr Präsenz zeigen, ohne aggressiv zu wirken. Wir bieten kunden- und projektspezifische Lösungen für den Markt, betreiben aber keinen Produktverkauf, sondern eine lösungsorientierte Beratung. Der Markt für unsere in Schweden gefertigten Produkte bietet nach wie vor großes Potenzial. Daher ist ein weiterer Ausbau – auch hinsichtlich der Mitarbeiterzahl in der DACH-Region – aktuell 17, zwölf davon in Deutschland – geplant.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
M. Gerhard: Vor allem im Preisdruck aus dem asiatischen Markt. Diesem müssen wir unsere Qualität und lokale Netzwerkkompetenz entgegenstellen. Es muss uns gelingen, den Nutzen und Mehrwert unserer Lösungen am Markt intensiver darzustellen. Dabei wollen wir verdeutlichen, was Cyber Security für ein Unternehmen bedeutet. Das heißt, die Anwender von der Notwendigkeit dieses speziellen Anlagenschutzes zu überzeugen und gleichzeitig die einfache, aber überaus sichere und effiziente Wirkungsweise der Westermo-Lösungen aufzuzeigen. Zudem verändert sich die Datenübertragung in der industriellen IT. Durch neue Technologien steigt die erforderliche Rechenleistung, und es werden neue Prozessoren benötigt. Das hat dann auch Auswirkungen auf unsere Lösungen, die sich auf Lösungen der klassischen IT stützen werden. Während in der Vergangenheit das Updaten/Patchen von Systemen bewusst vermieden wurde, wird genau das in Zukunft ein wesentlicher Faktor sein. Darauf müssen sich sowohl Anlagenbauer als auch Endkunden erst einstellen, schließlich sind Themen wie Verfügbarkeit der Anlagen immer noch höher bewertet. Außerdem sehen wir speziell im Mobilfunk eine nie zuvor da gewesene Akzeptanz sowie Vertrauen in Verfügbarkeit und Sicherheit. Doch jede Technologie hat ihre Grenzen – und genau hier kommen wir mit unseren Redundanzmöglichkeiten wieder ins Spiel! Eine weitere Hauptaufgabe für uns ist das Zusammenbringen der beiden Welten – Office und Industrie – insbesondere in Bezug auf die Sensibilisierung für die Sicherheitsanforderungen. Jeder ändert dauernd sein Passwort im Büro,
bei industriellen Anwendungen heißt es oft: „Hauptsache, die Anlage läuft“. Die Sichtweisen sind halt komplett verschieden. Wir wollen mit unserem Know-how und unseren Lösungen zwischen den IT- und den Anlagenverantwortlichen eine sichere und zuverlässige Brücke bauen.
Was ist produkttechnisch geplant?
M. Gerhard: Kürzlich wurde unser „WeConfig“-Tool in der Version 1.6 um zusätzliche Security-Funktionalitäten erweitert, wie die Unterstützung bei der Konfiguration der Firewall und von VPN. Hier geht die Arbeit immer weiter, sodass man künftig noch mehr Features darüber schnell und sicher konfigurieren kann. Außerdem erweitern wird demnächst unsere Switch- und Routingswitchpalette um neue Typen mit allgemein verbesserten Features und Performance, vor allem im Hinblick auf Cyber Security, Routingperformance und Verschlüsselungstechnologien. (no)