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12.11.2017

Namur: Drei Initiativen für flexible Automatisierung

Dr. Michael Krauß von BASF: Den nächsten „Feldbuskrieg“ verhindern

Am 9. und 10. November 2017 fand die 80. Namur-Hauptsitzung in Bad Neuenahr statt. Das Motto der Hauptsitzung hieß: „Mastering the Digital Tranformation oft he Process Industry“. Der passende Sponsor dazu hieß GE Digital. Ausführlich vorgestellt wurden die drei Automatisierungsinitiativen Namur Open Architecture, MTP als serviceorientierte Schnittstelle zur Interaktion mit dem Leitsystem sowie Open Process Automation von Exxon Mobil.

Unternehmen der Chemie suchen im Consumer Internet nach Anregungen für neue Geschäftsmodelle und datengetrieben Verbesserung der Produktionseffizienz. Neue Generationen der Vernetzung, Cloud Computing, smarte Sensorik und nahezu unendlicher Speicherplatz und Rechenleistung lassen immer mehr Daten zur Verfügung stehen. Die Namur hatte daher GE Digital als Spomsor der Hauptsitzung 2017 eingeladen, um die Erfahrungen beim Wandlungsprozess unter dem Motto „Mastering the Digital Tranformation oft he Process Industry“ zu teilen.
Dr. Kai Dadhe von Evonik berichtete über Prozessführung im Zeichen der Digitalisierung. Als Haupttreiber für die Digitalisierung sieht er vor allem die Schnelligkeit bei der Rückkopplung zum Prozess. Als Voraussetzung für die digitale Transformation gilt laut Erwin Kruschitz die Security. Er erläuterte die notwendigen Maßnahmen: Dazu gehören Patch Management, Firewall Management, Key Management, User Management, Monitoring IDS, Log Management sowie Version Management. Für Security ist darüber hinaus die Kompetenz wichtig, die in der Community geteilt werden kann. Als Beispiel dafür nennt E. Kruschitz gegenseitige rechtzeitige Warnungen. Für ihn ist Security wie Händewaschen im Krankenhaus: „Jeder muss es tun, dann wirkt es.“
Ausführlich vorgestellt wurden die drei Automatisierungsinitiativen Namur Open Architecture (NOA), MTP als serviceorientierte Schnittstelle zur Interaktion mit dem Leitsystem sowie Open Process Automation von Exxon Mobil. NOA beschreibt einen Ansatz für die effiziente und flexible Umsetzung von Industrie-4.0-Lösungen für Neu- und bestandsanlagen der Prozessindustrie. Dabei baut NOA auf der Automatisierungspyramide auf, denn „diese erlaubt, hochverfügbare und reife Systeme“, so Michael Krauß von der BASF SE. Jörn Oprzynski von Siemens stellt Modul Type Package (MTP) vor, eine herstellerneutrale, funktionale Beschreibung von Prozessmodulen für deren flexible Integration in Produktionsanlagen. MTP ist laut J. Oprzynski „eine serviceorientierte Schnittstelle zur Interaktion mit dem Leitsystem“. Die aktuellen Ergebnisse zur Visualisierung und Steuerung von Modularen Prozessanlagen auf Basis des MTP wurden demonstriert. MTP wurden 2014 auf der Namur-Hauptsitzung vom damaligen Hauptsponsor Wago im Rahmen des Dima-Projekts vorgestellt. Die Namur hat MTP aus diesem Projekt herausgezogen und an die ZVEI zur Bearbeitung weitergegeben. Auf der Hannover Messe 2018 kommt ein weiterer Baustein für die flexible Produktion hinzu. Für MTP wird eine IEC-Norm angestrebt. Der Vorteil von MTP für die Prozessindustrie besteht in der kostengünstigen effizienten Integration von Produktionsmodulen und einem schnelleren Time-to-Market. Die dritte Initiative – Open Process Automation (OPA) – stellte Don Bartusiak, Chief Engineer bei Exxon Mobil, vor. Die Motivation bei Exxon Mobil besteht darin, dass die meisten DCS-Systeme ersetzt werden müssen. Ziel ist eine vollständig offene Automatisierungsbasis, um Best-in-class-Systeme einkaufen und einsetzen zu können. Letztes Jahr wurde das Open Process Automation Forum gegründet, um Standards zu entwickeln. Im März 2018 soll der OPA Standard V1 erscheinen. Für das Jahr 2020 ist der Beginn der Produktionseinführung vorgesehen.
Laut Dr. M. Krauß von BASF haben alle drei Initiativen im Kern gemeinsame Ziele und eigene Spezialitäten. Verhindert werden sollen aber Doppelarbeit und ein nächster „Feldbuskrieg“.
Bereits heute werden daher Dokumente getauscht. Für den April 2018 ist ein gemeinsamer technischer Workshop geplant. MTP und NOA können Teil des Open Process Automation Forums werden. Er spricht von einer sehr guten Kooperation wischen Open Process Automation Group, Namur und ZVEI.
Verliehen wurden auch wieder die Namur-Awards. Zum Beispiel stellte Chris Paul Jatrou von der TU Dresden seine Diplomarbeit vor: Diese beinhaltet echtzeitfähiges OPC UA im FPGA. Ermöglicht werden 24 µs Responsezeit ohne Ethernet TSN.
Am 8. und 9. November 2018 findet die nächste Namur-Hauptsitzung in Bad Neuenahr statt. Das Thema lautet Field Instruments Supporting Digital Transformation. Dem entsprechend wurde als Sponsor die Firma Endress+Hauser auserkoren. Weitere Schwerpunkte werden Industrie 4.0, Digitalisierung und die Neuwahl des Vorstands sein.