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Webbasierte HMI-Software im Fokus

Bild 1. Dieter Barelmann ist Geschäftsführer der Videc GmbH in Bremen

Bild 2. Eine Applikation mit dem Atvise Builder

Bild 3. Mensch-Maschine-Kommunikation über einen beliebigen Webbrowser

Bild 4. Atvise lässt sich mit vielen Geräten nutzen

Mit der webbasierten Visualisierungssoftware Atvise komplettiert Videc als Anbieter für Softwaresysteme im Bereich der Automatisierungs- und Informationstechnik das Produktportfolio. Die Redaktion erkundigte sich nach den Gründen dafür bei Videc-Geschäftsführer Dieter Barelmann

etz: Herr Barelmann, Sie nehmen die Scada-Software Atvise von Certec EDV mit ins Produktprogramm. Warum?
D. Barelmann: Wir sehen Atvise nicht als Scada-Produkt, sondern als ein Web HMI mit Scada-Funktionalitäten. Hier liegt die Betonung auf Web HMI. Für dieses Segment haben wir kein Produkt im Portfolio. In vielen Branchen werden heutzutage und in der Zukunft Entscheidungen in Richtung webbasierter Systeme getroffen. Für diese Bereiche galt es für uns sich entsprechend aufzustellen. Wir haben mit diesem innovativen Produkt eine Lücke geschlossen.

etz: Was ist das Besondere an Atvise?
D. Barelmann: Die Dualität in einem Produkt. Das ist im ersten Moment etwas schwer zu verstehen. Mit Atvise hat man auf der einen Seite eine Web HMI mit Scada-Ambitionen auf Basis reiner Webtechnologie. Auf der anderen Seite steht mit Atvise Web HMI diese Technologie auch Produktherstellern offen. Automatisierungsgeräte und -produkte können das Atvise Web HMI direkt und ohne Umwege jedem Webbrowser zur Verfügung stellen. Mit diesen beiden Möglichkeiten eröffnet sich vielen Anwendern endlich die Möglichkeit, mit einem System unterschiedliche Anforderungen zu erfüllen.
Eine weitere Besonderheit ist das Lizenzmodell beim HMI. Wir zählen die gleichzeitig verwendeten – aktiv angezeigten – Datenpunkte, ohne die im Listing verwendeten Alarme. Anwender brauchen sich keine Gedanken über die Anzahl oder Art der Clients zu machen. Das ist sicherlich ungewöhnlich, dies macht solch ein Produkt für viele Applikationen aber sehr interessant.

etz: Wie unterscheidet sich Atvise von anderen Systemen im Markt?
D. Barelmann: Diese Frage habe ich befürchtet. Ich glaube nicht dass Sie mir soviel Platz in Ihrer Zeitschrift spendieren. Grundsätzlich ist es so, dass Anwender nicht mehr die ganze Zeit am Bildschirm sitzen, vielfältige Aufgaben im Unternehmen erledigen, oder gar ein schneller Zugriff bei einem Störungsfall notwendig ist. Hier ist eine flexible Architektur gefordert – deshalb vielleicht die fünf Hauptmerkmale aus meiner Sicht in Kürze: Atvise basiert auf reiner Webtechnologie. Dies heißt: Die neuesten Technologien wurden integriert. Sie können das System auf jeden beliebigen kompatiblen Browser laufen lassen. Sie benötigen kein Plug-In im Browser wie bei den meisten anderen Systemen. Die Grafik ist vektororientiert, sieht also auch noch sehr gut aus, wenn Sie die Bilder größer ziehen oder von kleinen (Smartphones, SPS, usw.) auf größere Systeme (PC, Monitorwände, usw.) wechseln. Das System ist ergonomisch konzipiert und verdient die Bezeichnung „Easy to use“. Anwender können also innerhalb sehr kurzer Zeit eine Applikation erstellen und diese ins interne oder externe Netz stellen. Damit lassen sich alle Vorteile dieser Architekturen in sehr kurzer Zeit ohne größeres Know-how nutzen.

etz: Wird Atvise den hohen Anforderungen gerecht, den Ihre Kunden an Themen wie Alarmierung und Redundanz stellen?
D. Barelmann: Anforderungen beziehen sich auf Projekte und vertikale Märkte. Die Funktionalität der Alarmierung können wir mehr als ausreichend mit unserem Produkt Melsys abdecken. Für die Anwendungsbereiche der Redundanz planen wir die Scada-Software I-Fix unter das Web HMI zu positionieren – immer vorausgesetzt, die Konstellation macht Sinn. In vielen Projekten ist ein Scada-System wie I-Fix einfach sinnvoller. Es hängt immer von der Anwendung ab. Wir sehen hier keine Überschneidung der Produktlinie – eher eine Ergänzung.

etz: Die Stärke von Videc sind genau aufeinander abgestimmte Lösungspakete, bestehend aus mehreren Produkten der Fernwirksysteme, Meldesysteme und Archivierung usw. Wie passt Atvise in Ihr Produktspektrum?
D. Barelmann: Genau in diesem Bereich sehen wir durch Atvise eine starke Erweiterung unserer Möglichkeiten. Die Architektur passt ausgezeichnet zu unserer Fernwirkkonzeption. Sämtliche Schnittstellen unserer Produkte (Acron, ODP, Melsys, usw.) wurden bereits angepasst. Die Integration ist bereits vollzogen. Wir sehen die Zukunft in einer Mischung aus stationären und zunehmend mobilen Applikation. Ein größerer Bereich der Automatisierung wird im Segment der Smartphones abgebildet werden. Noch erscheint diese Ansicht bei vielen etwas ungewöhnlich, jedoch ändert sich die gesamte Kommunikationsperipherie seit einigen Jahren und auch diese neuen Geräte werden neue Lösungswege und Einsparpotentiale zur Verfügung stellen. Wir sehen zum Beispiel in einigen Märkten die Bedeutung von Bedienterminals schwinden. Die Bedienterminals wird man mit den neuen Architekturen nicht mehr benötigen. Es werden ebenfalls neue Marktplätze für Apps in industriellen Anwendungen entstehen. Der Markt erlangt über diese Erweiterungen neue Dimensionen.

etz: Mit den GE-Produkten Proficy I-Fix HMI/Scada, Proficy Historian, Proficy Plant Application und Proficy Portal haben Sie bereits ein komplettes Programm an Scada-, Betriebsführungs- und Echtzeit-Informationsportal-Systemen im Angebot. Wie passt Atvise hier noch dazu?
D. Barelmann: Wie bereits erwähnt sehen wir keine Überschneidungen bei den Produkten. Die klassischen Anwendungen der HMI-Scada-Systeme bleiben bestehen. Dort werden wir genauso sorgfältig weiter arbeiten wie bisher. Atvise ist kein Ersatz, sondern ein Türöffner für Applikationen, bei denen wir bisher nicht in Frage gekommen sind. Dies gilt sowohl technologisch als auch in Bezug auf das Investitionsvolumen für eine Applikation.

etz: Wann empfehlen Sie Ihren Kunden Atvise und wann I-Fix?
D. Barelmann: In erster Linie beraten wir unsere Kunden entsprechend den Anforderungen. Wir versuchen dieses so zu gestalten, dass wir für weitere Projekte gerne wieder angesprochen werden möchten. Das hat zur Folge, dass wir Konzepte nebeneinander stellen und über Vor- und Nachteile sprechen – auch bei grundsätzlichen Architekturentscheidungen. Grundlegend sind die Produkte nicht miteinander zu vergleichen. Wenn eine klassische, zum Beispiel redundante Scada-Struktur mit Clients aufgebaut werden soll, geht heute kein Weg an I-Fix vorbei. In seinen Funktionalitäten ist das Produkt dabei auch unschlagbar. Haben Sie jedoch reine Webanforderungen, Applikationen, die auf der SPS laufen sollen ,oder das Budget ist einfach nicht so groß, dann passt Atvise wahrscheinlich besser. Wir haben das Know-how, für die jeweilige Applikation das beste System herauszusuchen.

Native Windows-CE-Portierung für Web-Visualisierung
Auf der SPS/IPC/Drives 2010 wird die Version 2.1 der webbasierten Visualisierung Atvise von Certec EDV vorgestellt. Mit der Beta-Version konnte die erstmalige native Portierung eines Webbrowsers auf Webkit-Basis für Windows CE realisiert werden. Webkit ist die Grundlage der heutigen Webbrowser mit voller Web-Standardunterstützung. Damit schließt Atvise die letzte Lücke der Webvisualisierung bei Endgeräten. Neben der erweiterten Anwendbarkeit auf mobilen Geräten, wie Mobiltelefonen, Tablet-PC oder iPad, ist die Nutzung von Atvise nun auch auf Touch-Panels mit weniger Rechenleistung (z.B. 200 MHz) auf Windows-CE-Basis möglich. Statt nur einfache, statische Webseiten mit dem integrierten CE Webbrowser anzuzeigen, können vektorbasierte Darstellungen und andere Standard-Webseiten auf diesen Geräten voll genutzt werden. Noch mehr Komfort durch neue Funktionen in der Version 2.1. bietet das Engineeringtool Atvise Builder. Ebenfalls neu sind der komplett überarbeitete und erweiterte Symbolkatalog sowie Scada-Funktionalitäten.

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Autor: Ronald Heinze