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Intelligente Dienstleistungen sind die Kür im Kabelgeschäft

Bild 1. TKD-Geschäftsführer Ralf Domek: „Durch unser modernes Hochregallager können wir unseren Kunden in Europa in maximal 48 Stunden ihre Ware zur Verfügung stellen.“

Bild 2. Vom Hochregallager in Nettetal gehen die TKD-Leitungen in die ganze Welt

Bild 3. Anschlussfertige Kabelsysteme mit unterschiedlichen Steckerlösungen sorgen für Plug-and-Play-Funktionalität beim Anwender

Bild 4. Die passend abgelängte und konfektionierte Aufzugleitung ist fertig zum Versand

Dicke Kataloge mit Tausenden von Leitungstypen sind nur die Pflicht im Kabelgeschäft, während intelligente Zusatzleistungen die eigentliche Kür ausmachen. Auf dem Programm steht dabei einiges: Von kundenspezifischer Aufmachung über individuelle Logistik bis zur ausführlichen Beratung, bei der unterm Strich sogar komplett neue Lösungen entstehen können. Wie diese Kür funktioniert, zeigt ein Blick hinter die Kulissen bei TKD Kabel.

Der Kern des Programms von TKD Kabel, einem führenden Anbieter von katalogbasierten Spezialleitungen, bildet ein 650 Seiten starker Katalog. Dieser enthält über 26 000 standardnahe Highend-Leitungen, die gezielt für Einsätze unter anderem in der Automatisierung, im Maschinenbau, der Robotik bzw. der Aufzug-, Kran- und Fördertechnik ausgelegt sind. Das Basissortiment ergänzt einen seperater Zubehörkatalog mit 10 000 weiteren Artikeln.
Zum Tekaplus-Baukasten gehört nahezu alles, was als Montagezubehör benötigt wird. Das Spektrum reicht von Schutzschläuchen über Verschraubungen bis zu kompletten Energieführungsketten. „Mit Tekaplus haben wir 2007 gezielt auf den Markt reagiert – und Kunden die Möglichkeit gegeben, sich auch in Sachen Leitungsperipherie bei uns zu bedienen,“ so TKD-Prokurist Michael Andris, der für das Produktmanagement des in Deutschland ansässigen Kabelanbieters zuständig ist. Dass dieser „One-stop-Shopping“-Ansatz, der für effiziente und wirtschaftliche Beschaffung steht, ankommt, zeigt ein Blick auf die Geschäftsentwicklung: Allein im letzten Jahr konnte der Umsatz bei Tekaplus um gut 50 % gesteigert werden – und das bei allen Zielgruppen, vom OEM über die Zulieferer bis zum Großhandel.

Logistik, die passt
Präzise und kundenspezifische Logistik markiert ein weiteres Element über das sich erfolgreiches Kabelgeschäft definiert. „Unsere Kunden wollen ‚ihre’ Leitungen genau dann, wenn sie sie brauchen“, unterstreicht TKD-Geschäftsführer Ralf Domek (Bild 1). „Dementsprechend gehören ‚Just-in-time’ und Kanban zu den Schlüsselbegriffen.“ Das operative Rückgrat von TKD bildet das moderne Logistikzentrum im niederrheinischen Nettetal (Bild 2). Hier, unweit der holländischen Grenze, steht ein Hochregallager mit einer Kapazität von rund 12 000 Stellplätzen für Europaletten, in dem vier vollautomatische Flurförderzeuge Ordnung und schnelle Versorgung garantieren.
Die kommissionierte Ware erreicht Kunden in Europa in maximal 48 Stunden, wobei immer mehr Lieferungen nach Übersee gehen. Allein China steht Woche für Woche mit mindestens vier Containern auf dem Programm. Was exakt auf Lager liegt, können registrierte Kunden online ermitteln: Die Internet-Abfrage der Lagerbestände gehört zu den populärsten Tools auf der TKD-Webseite.

Die richtige Aufmachung
Gut 70 % der Leitungen verlassen das Lager in einer anderen Aufmachung, als sie angeliefert wurden. Dabei kommt das gesamte Service-Spektrum zur Anwendung, das von einem Top-Dienstleiter erwartet wird. Leistungsstarke Ablängmaschinen sorgen, oft in Kombination mit aufwendiger Handarbeit, dafür, dass der Kunde seine Leitungen in der gewünschten Aufmachung und Losgröße erhält. „Selbst mit kurzen Längen, passend abisoliert oder konfektioniert, haben wir keine Probleme“, so M. Andris. „Flexibilität wird bei uns großgeschrieben – egal, ob es um kleine oder große Stückzahlen geht.“ Ein Bestandteil der individuellen Aufmachung ist die kundenspezifische Bedruckung.
Das Service-Paket umfasst auch Dienstleistungen, die auf den ersten Blick kaum wahrnehmbar sind. So können Kunden ihre Leitungen mit standardisiertem Barcode erhalten, der eingelesen werden kann und selbst bei einem komplexen Materialfluss ein genaues „Tracking&Tracing“ ermöglicht. Zum Service gehören zudem spezifische Zulassungen oder praktische Ratschläge für die optimierte Exportaufmachung.

So hat TKD innerhalb der TKH-Gruppe, Zugriff auf spezielle Laboreinrichtungen, mit denen sich die Leitungen auf Herz und Nieren, zum Beispiel auf Abrieb- und Biegewechselfestigkeit oder Korrosivität im Brandfall, testen lassen. Spezielles Know-how greift bei der Export-Beratung: Hier reicht das gebündelte Wissen von den jeweiligen Zollbestimmungen bis zur „richtigen“ Aufmachung der Lieferung in ferne Länder. Gehen die Leitungen etwa auf dem Seeweg nach Übersee, sollten sie auf vollverschalten Trommeln geschützt werden. Lautet das Ziel Asien, ist die Schädlings-Prophylaxe ein Thema: Hier ist die Wärmebehandlung der Trommeln zwingend vorgeschrieben.
Über gruppeneigene Konfektionäre können die Leitungen mit Steckern bestückt und zu anschlussfertigen Komplett-Systemen aufgewertet werden (Bild 3). Um mehr als die nackte Leitung geht es zum Beispiel bei komplett konfektionierten Aufzugsteuerleitungen. Die „just-in-time“ auf den Bau gelieferten Flachleitungen, die an „Lakritzschnecken“ erinnern, sind an beiden Enden mit komplexer Anschlusstechnik versehen (Bild 4). Nach fundierter Analyse der Bestellungen, hat sich TKD die gängigsten Formate bzw. Längen fix und fertig ins Regal gelegt, sodass der Kunde in noch kürzerer Zeit versorgt wird.

Auf die Kommunikation kommt es an
Ein zentraler Eckpfeiler beim Service ist zudem der unmittelbare Dialog mit dem Anwender. In den beiden Kompetenzzentren in Pliezhausen und Iserlohn finden beispielsweise Neukunden Hilfe bei erfahrenen Verkaufsingenieuren, um sich im umfassenden TKD-Portfolio besser orientieren zu können. Außerdem können Bestandskunden hier bei neuen Anwendungen mit praktischen Einbau- oder Montagetipps rechnen.
„Dialog pur“ steht auf dem Programm, wenn gemeinsam mit dem Kunden eine neue Leitung entwickelt wird. „Dies ist – trotz der Tiefe unseres Sortiments – fester Bestandteil unseres Alltagsgeschäftes“, so R. Domek. Typisches Beispiel einer kundenspezifischen Sonderlösung ist eine Steuerleitung für eine neue „Triple-Mast“-Gabelstapler-Generation, die bei der Arbeitshöhe besonders hoch hinaus will. Lange Einsatzwege, hohe Verfahrgeschwindigkeiten und eine Menge Umlenkungen machten eine robuste und auf Zugfestigkeit getrimmte Leitung erforderlich, das es so (noch) nicht im Katalog gab. Konzipiert wurde eine langlebige Steuerleitung, die exakt auf den tatsächlichen Einsatz zugeschnitten ist. Bei der Konstruktion wurden sämtliche Register gezogen: So wurde die Schlaglänge optimiert und eine Aramidfaserverstärkung integriert, die mit dem Außenmantel verklebt ist. Heraus kam eine Leitung, die eine hohe Zugentlastung aufweist und das Zeug hat, bei der nächsten Neuauflage des TKD-Katalogs ins Standardprogramm aufzurücken.

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Autor: Martin Wendland ist freier Journalist in Toronto/Kanada.