A A A
| Sitemap | Kontakt | Impressum | Datenschutz
ETZ Logo VDE Verlag Logo

30.05.2011

Studie zu energieeffizienten Antrieben

Die Bereitschaft der Maschinenbauer, zu energieeffizienten Antrieben zu wechseln, ist dieses Jahr sprunghaft angestiegen. Die Beweggründe dafür sind unterschiedlich, auch der Einfluss der Endkunden und die Preisgestaltung spielen eine Rolle. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie von Quest Technomarketing. Konkret ergab die Studie, dass in diesem Jahr mit 55 % mehr als die Hälfte der untersuchten Maschinenbauer planen, energieeffiziente Antriebe an den Maschinen einzusetzen. Damit übertrifft der Wechsel zu diesen Antrieben alle weiteren Änderungen, die die Maschinenbauer in diesem Jahr in der elektrischen Antriebstechnik (31 %) und der Steuerungstechnik (24 %) beabsichtigen.

Seit 2009 hat sich die Bereitschaft der Maschinenbauer für den Einsatz von energieeffizienten Antrieben stetig erhöht (Bild 1).
Energieeffiziente Antriebe weisen vielseitige Bedeutungen auf. Die Quest-Studie hat sie für die Untersuchung wie folgt ermittelt:
• bisher konstante Drehzahl von Motoren wird durch Frequenzumrichter variabel,
• Einsatz von energiesparenden Drehstrommotoren gemäß IE1 bis IE3 (DIN EN 60034-30 (VDE 0530-30)),
• Einsatz von permanenterregten Motoren (elektronisch kommutierter Servomotor bzw. PM-Motor).

Herstellerstimmen zu unterschiedlichen Trends
Das Hauptmotiv für die Einführung von energieeffizienten Antrieben liegt in diesem Jahr darin, der neuen Norm DIN EN 60034-30 (VDE 0530-30) und Klassifizierung nach den Wirkungsgradklassen IE1 bis IE3 zu entsprechen. „Hier geht es um den Ersatz von 200 Drehstrommotoren nach der alten ,EFF-Norm‘ durch IE2-Motoren an 200 Maschinen“, sagte ein Hersteller von Gummi- bzw. Kunststoff­maschinen, im Zusammenhang mit der Studienbefragung.

Eine weitere Tendenz geht dahin, Dreh­­­­­strommotoren aus Energiespargründen zusätzlich mit Frequenzumrichtern auszurüsten und Drehstrommotoren nach neuer Norm einzusetzen. „Es geht um die schrittweise Einführung – einmal von Drehstrommotoren nach der neuen Norm und dann um den zusätzlichen Anschluss von Frequenzumrichtern –, damit Ölpumpen nicht im Dauerbetrieb fördern, sondern nur auf Anforderung“, ist das Argument eines Herstellers von Werkzeugmaschinen. Ein Hersteller von Maschinen für den Bereich Druck- bzw. Papiertechnik schlüsselt für seine Maschinen auf: „Energieeffiziente Antriebe betreffen 20 Hilfs- und 20 Hauptantriebe. Bei den Hilfsantrieben setzt man Drehstrom­motoren nach der neuen Norm ein (Hilfsantriebe für Pumpen) und bei den Hauptantrieben kommt zusätzlich ein Frequenzumrichter zum Einsatz.“

Schließlich fokussieren sich Maschinenbauer auf den Einsatz von PM-Motoren aus Energiespargründen.„Die neuen Motoren setzen wir bereits ein. Zusätzlich kommen nun noch die vom Kunden geforderten Servomotoren hinzu“, so ein Hersteller von Gummi- bzw. Kunststoffmaschinen. „Wir beachten die gesetzlichen Vorgaben in den Ländern: Wo es gefordert ist, setzen wir IE2- und IE3-Motoren ein. Darüber hinaus bieten wir optional auch PM-Motoren an. Wenn der Kunde die Mehrkosten übernimmt, rüsten wir unsere Maschinen auch mit PM-Motoren aus“, sagte ein Hersteller von Verpackungsmaschinen im Zusammenhang mit der Studienbefragung.

Orientierung am Endkunden
Was in diesen Statements der Maschinenbauer bereits anklingt, ist der Einfluss des Endkunden auf den Einsatz von energieeffizienten Antrieben. Von dort erreicht den Maschinenbau noch ein unterschiedliches Echo. So formulierte noch im Jahr 2009 ein Hersteller von Robotik und Automa­tion: „Energieeffiziente Antriebe sind kein Thema, das seitens des Anlagenbaus forciert wird, sondern hier wartet man auf die Freigabelisten der Automobilindustrie. Ob die einen energieeffizienten Antrieb fordern, hängt auch von deren Ersatzteilbevorratung usw. ab. Sobald sie dies fordern, ist es kein Thema, sie einzusetzen.“ Ein Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen hingegen sah sich im Jahr 2010 von seinen großen Kunden gedrängt: „Energieeffizienz wird immer stärker von großen Kunden vorgeschrieben, dies erfordert sowohl den Einsatz von Frequenzumrichtern bzw. Servomotoren, aber auch, dass man Hydraulikantriebe wegen Ölverschmutzung durch energieeffiziente elektrische Antriebe ersetzt.“

Akzeptanz von Mehrpreisen
Außerdem wird die Einführung energieeffizienter Antriebe für den Maschinenbauer von der Bereitschaft seines Endkunden bestimmt, einen möglichen Mehrpreis zu akzeptieren. So meinte ein Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen: „Energieeffiziente Antriebe müssen vom Kunden bezahlt werden. Das tun sie bisher nicht.“ Die Bereitschaft der Endkunden, Mehrpreise zu akzeptieren, hängt auch von der Zeitdauer der erwarteten Energieeinsparung ab, wie ein Hersteller von Gummi- bzw. Kunststoffmaschinen berichtet: „Die Motoren fahren im Start/Stopp-Betrieb und nicht etwa 24 Stunden. Da die energieeffizienten Antriebe teurer sind, rechnet es sich nicht innerhalb von drei Jahren für den Kunden, diese teureren Antriebe einzusetzen.“ Die „ein bis zwei Kundenanfragen“, die man erhalten habe, hätte man auch so beantwortet. Erst wenn eine EU-Richtlinie dies vorschreiben würde, wäre dieses Thema anders zu bewerten.“