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MES-Lösung erhöht Transparenz und Produktivität

Bild 1. Koziol hat für die Kunststoff-Spritzerei gleich mehrere MES-Module auf einmal eingeführt: Neben dem Leitstand sind das die Maschinendatenerfassung (MDE) und die Auftragsdatenerfassung (ADE)

Bild 2. Die MES-Lösung Hydra hat die Transparenz im Unternehmen spürbar erhöht

Von Referenzbesuchen zum Referenzkunden mit Pilotprojekt – so lässt sich die erfolgreiche Hydra-Einführung bei Koziol beschreiben. Mit der MES-Lösung konnte der Hersteller von Design-Haushalts- und Büroartikeln die Transparenz der Produktionsplanung erhöhen und die Produktion optimieren.

Die Koziol ideas for friends GmbH in Erbach im Odenwald ist ein Markenhersteller hochwertiger Produkte zum Leben und Wohnen. Diese richten sich an qualitätsbewusste Menschen, die funktionale Produkte mit emotionalem Design suchen und schätzen. Das Motto des Unternehmens lautet: 100 % made in Germany, 100 % recycelbar, 100 % korrekt und sauber. Das Verbraucherportal „Ja-zu-Deutschland“ hat Koziol zur Firma des Jahres 2009 gekürt. Das seit 1927 inhabergeführte Familienunternehmen entwickelt und produziert seine Produkte seit nunmehr 83 Jahren ausschließlich in Deutschland. Die komplette Fertigung der Produkte von der Idee bis zum verpackten Artikel befindet sich in einem Haus und am Standort Deutschland.

Zur Standortsicherung tragen hohe Produktivität und Transparenz in der Fertigung bei. Bereits seit einigen Jahren stand daher die Einführung einer MES-Lösung in der Fabrik in Erbach immer wieder auf der Agenda. Auch Thomas Heidorn, verantwortlich für Anwendungstechnik bei Koziol, machte sich dafür stark: Die vollständige Transparenz der Produktionsplanung stand auf der Wunschliste ganz oben. Bei Schichtwechsel sollten sofort Informationen über den aktuellen Status der Maschinen vorliegen. Ziel war es aber auch, Stillstandsgründe und -zeiten zu erfassen, um Optimierungspotenziale zu orten und zu erschließen. „Bisher hatten wir handschriftlich Protokolle geführt, die dann meist in einem Ordner verschwunden sind“, so T. Heidorn. Statistische Aussagen waren so nicht verfügbar.
Für die Spritzerei mit ihrem Dreischichtbetrieb wurde das Vorhaben zur Anschaffung einer MES-Lösung vor drei Jahren konkret. „Wir haben uns die Lösungen mehrerer Anbieter angeschaut“, so der Industriemeister. „Zu den wesentlichen Kriterien zählen der Aufbau und die Verständlichkeit der Software.“ Aber auch der Unternehmenshintergrund spielt eine Rolle. „Es macht schon einen Unterschied, wie sich ein Unternehmen präsentiert“, schließt T. Heidorn an.

Hohe Kompetenz und großes Potenzial
Die Entscheidung fiel daher für Hydra von MPDV. „Bei Referenzbesuchen haben wir uns den Leitstand bei Automobilzulieferern angesehen“, betont der Spezialist für Kunststofffertigung. „Überzeugt haben die hohe Kompetenz von MPDV und das große Potenzial der Hydra-Lösung.“ Anders als in der MES-Welt üblich, hat Koziol für die Kunststoff-Spritzerei gleich mehrere Module auf einmal eingeführt: Neben dem Leitstand sind das die Maschinendatenerfassung (MDE) und die Auftragsdatenerfassung (ADE) (Bild 1). Dazu kommen zwölf Lizenzen für Konsolen und die Langzeitarchivierung für 36 Monate.
Über den Leitstand wird die Spritzerei gesteuert, indem Aufträge an- und abgemeldet sowie Ausschuss rückgemeldet werden. „Der Nutzen der MDE war den Mitarbeitern im Unternehmen sehr leicht zu vermitteln“, erläutert T. Heidorn, der sich autodidaktisch und mithilfe des Supports von MPDV in die MES-Materie eingearbeitet hat. „Dies hat auch geholfen, eventuelle Vorbehalte gegen das ADE-Modul abzubauen.“ Immerhin ist jetzt sofort auf Knopfdruck erkennbar, wer wo wie viel produziert hat. Die Stillstandsgründe werden in Workshops ausgewertet. Die aussagefähigen Daten bilden sogar die reale Basis für Zielvereinbarungen. Die Informationen gehen über eine Schnittstelle direkt zum ERP-System von Sage Bäurer.

Gezielt die Produktion optimieren
Hydra läuft nun seit Januar 2008 im Echtbetrieb bei Koziol. „Die Transparenz im Unternehmen wurde spürbar erhöht“, so T. Heidorn (Bild 2). Für ihn kaum noch vorstellbar, dass noch vor wenigen Jahren zum Beispiel die Maschinenauslastung personalintensiv in Excel-Tabellen erfasst wurde. „Heute haben wir eine Live-Übertragung der Informationen“, setzt er fort. „Wir können gezielt die Produktion optimieren, da wir wissen, wann und wie oft eine Maschine nicht läuft.“ Die Ausschussmengen werden sauber erfasst. Auch das hilft der Analyse zur Optimierung. Außerdem werden die reellen Produktionszeiten für die Nachkalkulation genutzt. Um so viel wie möglich Know-how nicht nur von MPDV, sondern auch von anderen Hydra-Anwendern zu erhalten, ist T. Heidorn außerdem der Hydra User Group beigetreten.
Bei Koziol ging die MES-Initiative von der Produktion aus. T. Heidorn empfiehlt aber, dass die IT in solche Projekte mit eingebunden wird. Er ist überzeugt, dass sich so noch mehr Nutzen aus der MES-Lösung herausholen lässt, denn der Funktionsumfang von Hydra ist groß. „Zusatzprogrammierungen können nach einer Schulung von der eigenen IT vorgenommen werden“, betont er.
Die Koziol-Spritzerei wird in diesem Jahr um elf neue Maschinen erweitert, die in Kürze auch an das MES angeschlossen werden. Die Kommunikation wird mit in Leuchtmelder integrierte Wireless-LAN-Adapter realisiert. „Das ist ein Pilotprojekt“, ergänzt der Fertigungsspezialist. Es müssen so weniger Leitungen verlegt werden.
Geplant ist außerdem die Erweiterung der Hydra-Anwendung um das Modul Qualität. Darüber hinaus ist mittelfristig die Einführung der MES-Lösung in den Produktionsbereichen Tampondruck und Montage bei Koziol vorgesehen. Hydra leistet damit einen kleinen, aber wichtigen Beitrag dazu, dass weiterhin Designprodukte aus dem Odenwald in 50 Länder auf der ganzen Welt geliefert werden können.

Autor: Ronald Heinze