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Kübler: Systemlösungen im Fokus

Sichere Antriebsüberwachung und Sicherheitssteuerungs-lösungen mit SIL3/PLe-Drehgeber und Safety-M-Modul

Gebhard Kübler leitet (gemeinsam mit seinem Bruder Lothar Kübler) die Fritz Kübler GmbH in Villingen-Schwenningen als geschäftsführender Gesellschafter

Ende 2011 ergänzte Kübler seine Produktpalette um Sicherheitsmodule für die sichere Antriebsüberwachung. Die Redaktion sprach mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Gebhard Kübler über die Hintergründe. Weitere Themen waren die Branchenausrichtung des Unternehmens, die Umsatzentwicklung sowie die Erwartungen für die Zukunft.

etz: Herr Kübler, ein Highlight Ihres Messeauftritts auf der SPS/IPC/Drives waren die Sicherheitsmodule für die Antriebsüberwachung. In Kombination mit Ihren Drehgebern präsentierten Sie diese als „Kombination für die funktionale Sicherheit, die es so bisher noch nicht gegeben hat“. Bitte belegen Sie diese Aussage kurz anhand technischer Details.
G. Kübler: Sichere Einzelkomponenten alleine führen noch nicht zur sicheren Gesamtanwendung. Erst das optimale Zusammenspiel zwischen Sicherheitssensorik und Sicherheits-Überwachungselektronik bietet zuverlässige Lösungen, die den geforderten Sicherheitsanforderungen gerecht werden.
Wir bieten deshalb dedizierte Sicherheitsmodule für sichere Antriebsüberwachung, die gemeinsam mit den Sendix-SIL-Drehgebern eine einfache Implementierung sicherer Antriebsüberwachung ermöglichen und alle Funktionen nach der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG umsetzen. Unabhängig von der Antriebstechnologie ermöglichen Safety-M-Module praxisgerechte Funktionserweiterungen. Das beinhaltet die sichere Bewegungssteuerung für Geschwindigkeits- oder Positionsüberwachung im Mehrachsenbetrieb mit bis zu zwei Achsen in Bezug zueinander.

etz: Wie viele Varianten umfasst die Safety-M-Produktfamilie und welche Funktionen werden mit Ihnen abgedeckt?
G. Kübler: Wir setzen auch hier auf ein umfangreiches Angebot, um möglichst individuelle Lösungen anbieten zu können. Das gilt für viele Einsatzgebiete – ganz gleich ob Maschinen- oder Anlagenbau, Prozess-, Produktions-, Lager- und Fördertechnik. Dank der modularen Bauweise der Safety-M-Module kann jeder Anwender die passgenaue Lösung für eine sichere Bewegung in Geschwindigkeit und/oder Position auswählen (gemäß DIN EN 61800, VDE 0160-105). Ganz gleich, ob sichere Bewegungsüberwachung, sichere Verarbeitung von Lichtgittern, Türüberwachungen und -verriegelungen, Not-Stopp, Zweihand-Bedienung – mit unserem System lässt sich jede sicherheitstechnische Aufgabenstellung schnell und wirtschaftlich umsetzen.
Die Safety-M-Module gibt es in vier verschiedenen Versionen. Safety MS1 überwacht die Geschwindigkeit, Safety MSP1 Geschwindigkeit und Position auf einer Achse. Safety MS2 wiederum kontrolliert ebenfalls nur die Geschwindigkeit, allerdings auf zwei Achsen, während Safety MSP2 diese Aufgabe für Geschwindigkeit und Position auf zwei Achsen übernimmt. Außerdem stehen verschiedene Busmodule, wie CANopen oder Profibus, zur Verfügung.

etz: Bitte erläutern Sie uns das Programmierkonzept für Ihre Module.
G. Kübler: Die Software Safe PLC erlaubt eine komfortable grafische Programmierung mit Funktionsplan und Block-Funktionen. Es steht eine umfangreiche Funktionsbibliothek für die Vorverarbeitung von Sensoren (Eingänge) oder Aktuatoren (Ausgänge) und vor allem auch für die sichere Antriebsüberwachung zur Verfügung. Durch einfache Verknüpfung der Eingangs-, Überwachungs- und Ausgangsfunktionen mittels Logikbausteinen können auch umfangreiche Sicherheitsfunktionen sehr schnell und transparent aufgebaut werden. Die Geräte sind also frei programmierbar zur sicheren Verarbeitung von Lichtgittern, Türüberwachungen, Not-Stopp/Aus-Tastern, Zweihand-Bedienung sowie antriebsbezogenen Sicherheitsfunktionen. Alle Funktionen sind offen in Bezug auf die verwendeten Sensoren, Antriebe und Aktuatoren gestaltet. Variable Parameter werden ohne Veränderung der Programmierung einfach in der Montage oder im Feld parametriert.

etz: Mit dieser Erweiterung Ihrer Produktpalette gehen Sie einen Schritt in Richtung Systemlösungsanbieter. Soll dieser Weg weiter ausgebaut werden? Wenn ja, mit welcher Zielrichtung und mit welchem Zeitplan?
G. Kübler: Genau dafür haben wir einen eigenen Geschäftsbereich gegründet. Integrierte und passende Systemlösungen für jede Anwendung anzubieten, gehört zu unseren strategischen Ansätzen, die wir mit unserem Geschäftsbereich OPS verfolgen. Wir bieten komplette Systemlösungen für alle Arten von Anzeige-, Steuerungs- und Positionierungsaufgaben. In enger Zusammenarbeit mit den Kunden begleiten und entwickeln wir Lösungen vom Prototypen bis hin zur Serienreife. Wir greifen dabei sowohl auf unsere Standardprodukte, wie Drehgeber, Zähler und Prozessgeräte, als auch auf ausgereifte Systemkomponenten unserer qualifizierten Netzwerkpartner zurück. Wie richtig dieser Weg ist, zeigt sich an den ersten Erfolgen, die wir erzielen konnten. Es haben sich schon sehr interessante Projekte daraus ergeben – ja mehr noch: Wir haben bereits neue Produktbereiche daraus entwickelt. Darauf lässt sich in den nächsten Jahren aufbauen, und wir gehen hier Schritt für Schritt voran.

etz: Auf welche Top-5-Branchen legen Sie aktuell Ihren Fokus und wie schätzen Sie deren Wachstumspotenziale für die nächsten fünf Jahre ein?
G. Kübler: Das Erfolgsmodell Kübler basiert auf einer klaren Strategie: Neue Produkte und Systeme entstehen in enger Kooperation mit den Kunden und zielen genau auf deren spezifische Anwendungen. Universell bedeutende Themen, wie funktionale Sicherheit oder Ethernet, werden somit individuell angepasst. Damit können wir optimale Lö­sungen offerieren, die dem Kunden ein Höchstmaß an Mehrwert bieten. Dank dieser unmittelbaren Nähe zum Markt erkennen wir sehr früh den Kundenbedarf von morgen – und können heute schon neue Entwicklungen aufsetzen.
Den Kunden stets im Blick – das ist unsere oberste Prämisse. Aus diesem Denken heraus haben wir konsequenterweise Zielbranchen definiert, um hier ein jeweils passgenaues Produktpaket schnüren zu können. Gleichzeitig ist dies ein Ausweis unserer Kompetenz in den verschiedenen Segmenten. Zu diesen Branchen gehören Antriebstechnik, Windenergieanlagen, Schwerindustrie mit Fokus auf die Stahlbranche, Mobile Automation und die Lifttechnik.
Angesichts der verstärkten Nachfrage nach regenerativer Energie sehen wir bei der Windbranche großes Potenzial. Allerdings werden die Intervalle der konjunkturellen Schwankungen immer kürzer und Prognosen somit auch immer schwieriger. Indem wir konsequent auf neue Anwendungen und Lösungen setzen, wollen wir uns von dieser Entwicklung weitgehend entkoppeln. Wir sind breit aufgestellt und sehen optimistisch nach vorn.

etz: Bitte geben Sie abschließend noch einen Rückblick auf das abgelaufene Geschäftsjahr 2011 und eine Prognose für 2012.
G. Kübler: Wir blicken durchaus mit Zufriedenheit auf das Jahr 2011 zurück, schließlich konnten wir im Vergleich zum Rekordjahr 2010 noch einmal zweistellig zulegen. Allerdings sandten die Märkte gerade im letzten Quartal widersprüchliche Signale aus, zweifelsohne eine Auswirkung der weltweiten wirtschaftlichen Unsicherheit. Doch sind wir überzeugt, die richtigen Antworten auf diese Situation zu haben, und so planen wir auch für das laufende Jahr einen zweistelligen Zuwachs. Dieses ambitionierte Ziel wollen wir mit neuen Projekten und Kunden erreichen.
Eine ganz entscheidende Rolle wird dabei das Thema funktionale Sicherheit einnehmen. Ohne Übertreibung dürfen wir uns hier als einen der Vorreiter bezeichnen. So haben wir beispielsweise vor zwei Jahren als erstes Unternehmen eine komplette SIL3-zertifizierte Drehgeber-Familie (inkremental und absolut) auf den Markt gebracht. Ein echter Meilenstein, auf dem wir mit unserer Kombination aus Drehgebern und Sicherheitsmodulen aufbauen. Hier sehen wir ein großes Wachstumspotenzial, denn die sicherheitsspezifischen Anforderungen sind allgegenwärtig.
Keine Frage, wir leben in spannenden Zeiten mit enormen Herausforderungen. Und ich freue mich darauf.

Autor: Inge Hübner