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Der Wind bläst in Richtung Smart Grid

Bild 1. Mit dem Netzmessungs- und Überwachungsmodul GMP232 sieht sich Bachmann bereit für das Smart Grid

Seit mehr als 20 Jahren liefert Bachmann Electronic Automatisierungstechnik für Windenergieanlagen. Vor ca. einem Jahr wurde mit einem Netzmessungs- und Überwachungsmodul und einem neuen Echtzeitprotokoll für intelligente Energienetze der Weg in die Smart-Grid-Zukunft beschritten. Geschäftsführer Bernhard Zangerl erklärt im Interview, welche weiteren Ziele zu diesem Thema verfolgt werden.

Herr Zangerl, vor welchem Hintergrund und mit welcher Zielrichtung fokussiert ein Automatisierungsexperte mit ausgewiesener Steuerungskompetenz für Windenergieanlagen das Thema Smart Grid bzw. Smart Metering?
B. Zangerl: Zunächst einmal muss man feststellen, dass der Begriff „Smart Grid“ sehr weit gefächert ist. Unser Fokus liegt in diesem Zusammenhang auf einem Produktangebot für die Energieerzeugungs- und -verteilungsseite; derzeit also nicht auf der Konsumentenseite. Dabei ist es unser Ziel, ganzheitliche Lösungen für Anwendungen in unseren strategischen Zielbranchen als Ergänzung bzw. Erweiterung unseres Produktportfolios zur Verfügung zu stellen. Konkret sind damit beispielsweise Regelungseinrichtungen am Netzverknüpfungspunkt von dezentralen Erzeugungsanlagen gemeint, die alle Anforderungen an Erzeugungsqualität, Netzschutz, bidirektionalen Informationsaustausch von Leistungsdaten oder Fahrplänen ermöglichen.

Viele „Große“ haben sich der Smart-Grid-Thematik angenommen. Wie positionieren Sie sich als mittelständisches Unternehmen in diesem Umfeld und mit welchem Fokus?
B. Zangerl: Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, Angebotsergänzungen in zwei unserer strategischen Zielbranchen – das sind hier Wind und erneuerbare Energien – im B2B-Bereich vorzunehmen. Dazu zählen neben den Komponenten für den Netzverknüpfungspunkt entsprechende Softwarelösungen für den Hardwarebereich.
Wichtig ist uns, auch hier unserer Firmenphilosophie treu zu bleiben, also Produkte und Dienstleistungen mit hohem Qualitätsanspruch und hohem Kundennutzen anzubieten. Ein Beispiel ist die intelligente Einbindung bisheriger Stand-alone-Geräte zur Erfassung von Netzparametern bzw. zum Netzschutz und auch deren vollständiger Ersatz in einer Steuerung mit ganzheitlichem Konzept. Dabei sollte die Steuerung über entsprechende moderne Kommunikationsmöglichkeiten an die Leitzentralen sowohl auf der Erzeuger- als auch auf der Netzseite angebunden sein.
Einen weiteren Fokus legen wir auf Segmente, in denen bislang noch keine oder nur unzureichende Lösungen für eine Problembehebung verfügbar sind. Für die nahe Zukunft betrifft dies hauptsächlich Einrichtungen, die erneuerbare Energieerzeuger bündeln und die mit dem vorgelagerten Netz in Zukunft intensiv „reden“ müssen.

Unter der Überschrift „Bereit für das Smart Grid“ haben Sie im letzten Jahr das Netzmessungs- und Überwachungsmodul GMP232 vorgestellt. Wie war die bisherige Kundenresonanz? Welche Kundengruppe steht hier im Vordergrund?
B. Zangerl: Bekanntermaßen ist die Verfügbarkeit von Strom aus erneuerbaren Energien nicht ebenso planbar wie die von Strom aus konventionellen Kraftwerken. Durch ihren steigenden Anteil müssen diese regenerativen Kraftwerke aktiv zur Netzstabilisierung beitragen und Schutzaufgaben selbstständig übernehmen. Unser GMP-Modul erfasst direkt an der Sammelschiene die Parameter des regenerativen Kraftwerks und analysiert diese. Zusammen mit anderen Anlagenparametern kann so die Anlage während eines Netzfehlers entsprechend dem in den Grid Codes definierten Verhalten am Netz gehalten und ein stabiler Betrieb gewährleistet werden. Durch die Integration in unser Solution Center ergeben sich weitere Vorteile.
Mit dieser Lösung sprechen wir zunächst einmal Kunden in unseren zuvor genannten strategischen Zielbranchen an. Erste Anwendungen in deutschen und chinesischen Windenergieanlagen wurden damit bereits erfolgreich realisiert. Hier ersetzt das Modul bisherige dezentrale, autarke Komponenten. Ein weiteres erfolgreich realisiertes Anwendungsbeispiel findet sich im Bereich der Biogasanlagen.
In Summe können wir sagen, dass die bisherige Resonanz ausgezeichnet ist. Das liegt sicherlich daran, dass diese Thematik speziell durch den Ausbau der erneuerbaren Energieparks weltweit dringlich wird. Grid Codes und entsprechende Überwachungs- und Steuerungseinrichtungen sind zur Stabilisierung des Netzes ein Muss, wie Netzausfälle in China im Frühjahr 2011 gezeigt haben.

Außerdem präsentierten Sie 2011 das neue Echtzeitprotokoll für intelligente Energienetze „bluecom“. Dieses sollte auch zur Standardisierung gebracht werden. Bitte geben Sie einen Überblick über den Stand des Erreichten – ein Jahr nach dessen Vorstellung.
B. Zangerl: Die Problematik der optimalen Energiebereitstellung im Hinblick auf Energieausbeute, Zuverlässigkeit, wie Belastung von Anlagen oder Energieverteilung im Netz, sowie betriebswirtschaftliche Aspekte ist ein Thema, das durch die vielen neuen Energieparks deutlich komplexer wird. Hier sehen wir noch großes Optimierungspotenzial. Die Basis dazu bildet die Möglichkeit der Überwachung und schnellen Regelung der Energieparks. Mit „bluecom“ stellen wir die passende Kommunikationslösung dafür bereit; herkömmliche Lösungen sind dazu nicht geeignet. So sind die existierenden Kommunikationsprotokolle für die hohe Zahl der Teilnehmer, wie Windenergieanlagen, Umrichter, Kompensationsanlagen, und ihre physische Distanz untereinander oder zum Netzverknüpfungspunkt zu langsam. Anders ausgedrückt: Die erforderlichen individuellen Informationen für jeden Teilnehmer sind entweder nicht umfassend genug oder nicht schnell genug verfügbar.
Mit „bluecom“ decken wir diese Anforderungen ab. Wir haben dieses Echtzeitprotokoll für intelligente Energienetze gemeinsam mit „Lead-Usern“ konzipiert, entwickelt und mit großer Resonanz in den Markt eingeführt. Um auch hierbei unserem Grundsatz der „Offenheit“ gerecht zu werden, wollen wir diese Lösung dem Markt auf breiter Basis zur Verfügung stellen und als Standard etablieren. Alle für die Markteinführung erforderlichen Schritte, wie Lizenzierungsmodelle, Dokumentation usw., haben wir kürzlich zum Abschluss gebracht. Es kann jetzt losgehen.

Mit welchen weiteren Maßnahmen bzw. Innovationen wollen Sie als nächstes Ihre Smart-Grid- bzw. Smart-Metering-Kompetenz ausweiten?
B. Zangerl: Unser Fokus liegt weiterhin auf dem gezielten Ausbau unserer Lösungskompetenz und unseres Produktportfolios für Kunden in unseren strategischen Zielbranchen. Ferner streben wir Lösungen für aktuelle und zukünftige Anforderungen an, die durch den Ausbau der „Erneuerbaren“ speziell für Parkbetreiber und Energieversorger entstehen. Hier scheint die Branche derzeit allerdings selbst noch in der Findungsphase zu sein. Deshalb werden wir einen intensiven Dialog mit Stadtwerken, größeren Erzeugern im Bereich der erneuerbaren Energien sowie Modellregionen für Smart Energy und Forschungsinstituten führen, um frühzeitig die entsprechenden Produkte marktgerecht zu entwickeln.

Welche Bedeutung hat dieses Thema für Ihr Unternehmen umsatzseitig heute und wie ist der Entwicklungsplan bis 2020?
B. Zangerl: Heute steckt das Thema Integration in die Netzinfrastruktur noch in den Kinderschuhen. Wie bereits erwähnt, erwarten wir jedoch, dass die Problematik durch den Aufbau vieler dezentraler Energieparks deutlich an Dynamik gewinnt. Entsprechend befinden wir uns momentan in einer Phase, in der wir vor allem Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung tätigen und umsatzseitig noch gering profitieren. Bis 2020 erwarten wir dann einen relevanten Umsatzanteil aus diesem Segment. Genaue Zahlen sind heute aber noch nicht abschätzbar.

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Autor: Bernhard Zangerl ist CEO der Bachmann Electronic GmbH in Feldkirch/Österreich