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16.10.2012

Innovationen und Strategien von Kübler

Bild 1. Der Drehgeber Sendix SIL und das Safety Modul MSP1 bilden ein effektives System für funktionale Sicherheit

Bild 2. Der robuste Drehgeber Sendix Heavy Duty H120 hat eine genaue Optik, die unempfindlich gegenüber magnetischen Einflüssen ist

Bild 3. Die berührungslosen Messsysteme eignen sich jetzt auch für Außeneinsätze

Bild 4. Eine Besonderheit der Schleifringe ist ihr Safety-Trans-Design mit seinem Zweikammersystem für Last- und Signalübertragung.

Die Kübler Gruppe konnte ihren Umsatz in den letzten 10 Jahren fast verdreifachen und erwirtschaftete 2011 knapp 45 Mio. €. Auch für das Jahr 2012 stehen die Weichen auf Wachstum, allerdings spürt das Unternehmen die Konjunkturabschwächung und erwartet nun ein Umsatz­plus von etwa 5 % – statt den geplanten 13 %. Dies sei vor allem auf den Einbruch der Windenergie in China zurück­zuführen, erläuterte Geschäftsführer Gebhard Kübler anlässlich einer Pressekonferenz.

Zu Kübler, dass sich, basierend auf Zahlen des ZVEI, zu den führenden vier Unternehmen in der Positions- und Bewegungssensorik zählt, gehören sieben Tochterunternehmen, zwei deutsche und ein indischer Produktionsstandort. Insgesamt ist Kübler in über 50 Ländern vertreten. Der Umsatz gliedert sich in die drei Bereiche Positions- und Bewegungssensorik (66 %), Zähl- und Prozesstechnik (28 %) und Transmission (6 %). „Um die zum 50. Firmenjubiläum 2010 gesteckten Ziele (2014 60 Mio. € und 2020 110 Mio. € Umsatz) erreichen zu können, haben wir uns einiges vorgenommen“, erläuterten die Geschäftsführer Gebhard und Lothar Kübler. Dazu gehören zum Beispiel die weitere globale Expansion, der Ausbau von Kernbranchen und der Aus- und Aufbau neuer Produktfelder. Die Marke Kübler soll noch mehr auf die Anforderungen für anspruchsvolle, harte Anwendungen, auf kundengetriebene Innovation, auf Flexibilität und auf enge Kundenbeziehungen ausgerichtet werden.

Modulare Sicherheitssteuerung
Zur SPS/IPC/Drives bringt Kübler wieder einige neue Produkte auf den Markt. So wurde die speziell für Antriebsüberwachung konzipierte Sicherheitssteuerungsfamilie Safety-M mit neuen Varianten erweitert. Durch zusätzliche sichere Ein- und Ausgänge kann die kompakte, modulare Steuerung nunmehr noch komplexere Aufgaben im Bereich Funktionaler Sicherheit übernehmen. Mit ihr lassen sich zwei unabhängige Achsen gleichzeitig und/oder in Abhängigkeit voneinander überwachen. Die Geräte sind frei programmierbar zur sicheren Verarbeitung sowohl von antriebsbezogenen Sicherheitsfunktionen als auch zum Beispiel von Not-Aus-Taster, Zweihandbedienung, Lichtgitter oder Betriebsartenwahlschalter. In der Kombination der beiden Achsen sind auch komplexe Bewegungsüberwachungen möglich. Es sind zwei sichere Geberanbindungen realisierbar. Zudem stehen 14 sichere Eingänge, zwei sichere Analogeingänge und drei sichere Abschaltkanäle zur Verfügung. Um den höchstmöglichen Fehler­erkennungsgrad zu gewährleisten, enthalten die Safety-M-Module tief gehende Diagnosefunktionen für Gebersysteme (Bild 1). In der Firmware der Geräte ist eine geschwindigkeits- und positionsbezogene Sicherheitsfunktion zur Antriebsüberwachung gemäß DIN EN 61800-5-2 VDE 0160-105-2 integriert.

Zuwachs bei der Drehgeberfamilie
Die Drehgeber Sendix H120 (Bild 2) erweitern die Heavy-Duty-Familie mit dem robusten HD-Safety-Lock Aufbau. Dabei ist das Hohlwellen-Design besonders robust und bietet eine integrierte Wellenisolation bis 2,5 kV. Dank des angeschraubten Gehäuses ist der Flanschanbau ebenfalls äußerst stabil. Der H120 verfügt über eine genaue und zuverlässige optische Sensorik (100 % unempfindlich gegen magnetische Einflüsse). Resistente Materialien, inklusive Seewasser-resistentem Gehäuse, ein weiter Temperaturbereich von –40 °C bis 100 °C, eine hohe Schutzart (IP66 und IP67) sowie eine hohe Schock- (2 000 m/s², 6 ms) und Vibrationsfestigkeit (150 m/s², 10 Hz bis 2 000 Hz) stellen eine Unempfindlichkeit gegen härteste Umwelteinflüsse sicher. Die innovative Anschlusstechnik ermöglicht eine einfache und schnelle Installation.

Weg- und Neigungssensorik
Das lagerlose Drehgeber-System mit Limes-Lesekopf und Magnetringen sowie das lineare Messsystem mit Limes-Lesekopf und Magnetbändern (Bild 3) sind berührungslose Systeme, die speziell für anspruchsvolle Umweltbedingungen und enge Installa­tionsverhältnisse entwickelt wurden. Zusätzlich zum standardmäßigen IP67 Lesekopf gibt es jetzt einen speziell für Außeneinsätze konzipierten Lesekopf mit einem besonders stabilen Aluminiumgehäuse mit Edelstahldeckel in den Schutzarten IP69k, IP68 und IP67. Die spezielle Vergusstechnik ermöglicht eine hohe Resistenz gegen Kondensation. Ergänzt um dem weiten Temperaturbereich sowie die UV-beständige Anschlussleitung bietet das System, das nur eine Einbautiefe von 10 mm hat, eine hohe Zuverlässigkeit für alle Einsätze im Freien.
Die Sensoren der Serie IS60 für CAN­open Feldbus-Netzwerke messen Neigungen zweidimensional und können kundenspezifisch fertig parametriert bestellt werden. Das spart Zeit sowie Installationskosten und vermeidet Fehler bei der Installation. Je nach Ausführung sind Messbereiche von ±10°, ±45° oder ±60° möglich. Die IP68-geschützten Sensoren arbeiten in einem Termperaturbereich von –40 °C bis 80 °C. Sie zeichnen sich durch ausgeprägte Schock- und Vibrationsfestigkeit sowie eine hohe Abtastrate und Bandbreite aus. Die Kalibriergenauigkeit beträgt ± 0,1° bei 25 °C.

Berührungslose Signalübertragung
Der SR060 ist mit einer Baugröße von nur 60 mm ein kompakter und wirtschaftlicher Schleifring für bis zu drei Last- und zwei Signalübertragungen von einer stationären auf eine drehende Plattform. Er stellt mit seiner voll gekapselten, in glasfaserverstärkten Kunststoff-Gehäuseschale und der IP64 Schutzart die ideale kontaminationsfreie Lösung dar. Das robuste Design gewährt Wartungszyklen von über 50 Mio. Umdrehungen und eine Lebensdauer von über 500 Mio. Umdrehungen. Das Safety-Trans-Design bietet mit seinem Zweikammersystem für Last- und Signalübertragung sowie dem Aufbau der Feder eine zuverlässige Übertragung sogar bei hohen Vibrationen. Die integrierte Labyrinthdichtung, die einen internen Staubschutz mit elektrischer Isolierung zwischen den Last- und Signalkanälen kombiniert, genügt höchsten Qualitätsstandards.

Nah am Kunden und am Markt

Herr Kübler, Sie werden ihr ambitioniertes Ziel – ein Umsatzwachstum von 13 % – in diesem Jahr nicht ganz erreichen. ­Woran liegt das?
G. Kübler: Wir sehen in erster Linie den schwächeren Windmarkt in China und eine zunehmend schwächere Gesamt­konjunktur in unseren Kernmärkten. Dies können wir durch neue Projekte nicht völlig ausgleichen. Außerdem haben einige größere Kunden in den USA ihre Lagerbestände im Vorjahr stark aufgestockt und zehren noch davon.

Trotzdem planen Sie auch für 2013 wieder ein zweistelliges Wachstum. Woher kommt der Optimismus?
G. Kübler: Nun, die Planungen sind noch nicht abgeschlossen, dennoch meinen wir, dass ein solches Ziel aus heutiger Sicht realistisch ist, da wir in vielerlei Hinsicht gut dafür aufgestellt sind. Das neue Geschäftsfeld Übertragungstechnik entwickelt sich sehr positiv und auch einige Branchen, wie die Aufzugtechnik, laufen gut. Zudem haben wir einige interessante größere Projekte am Start, zum Beispiel ein neues Solarkraftwerk in China.
Daneben haben wir in den letzten Jahren unsere Prozesse stark optimiert. Das wirkt sich nicht nur positiv auf der Kostenseite aus, sondern auch auf unsere „time to market“ im Produkt­entstehungsprozess, also unseren Markterfolg. Für letzteren haben wir zum Beispiel unser Projektmanagement ausgebaut – und zwar nicht nur für neue Produkte, sondern vor allem für die zunehmende Zahl größerer OEM-Projekte – unter direkter Einbindung unserer Kunden. Übrigens heißt dies nicht nur schneller zu entwickeln, sondern am Anfang sogar mehr Zeit in die Produkt­definition zu stecken, um am Ende die Produkte am Markt mit zielgerichteten Methoden schneller auf den Markt zu bringen. In den letzten zwei Jahren konnten wir zehn neue Produkte beziehungsweise -familien platzieren, dazu gehören auch einige wichtige Neuheiten, die wir auf der SPS/IPC/Drives lancieren.

Einer Ihrer Schwerpunkte ist die Positions- und Bewegungssensorik.
G. Kübler: Das stimmt und wird auch künftig der Fall sein. Der Bereich – in dem wir zu den führenden Unternehmen weltweit zählen – umfasst, neben unserer breiten Palette an Dreh­gebertechnologien, magnetisch lineare Messsysteme, Seilzugsysteme, Neigungssensoren sowie unsere modulare Sicherheitssteuerung und sicheren Drehgeber.

Nicht zu vergessen die integrierten Antriebe.
G. Kübler: Stimmt, die integrierten Kompaktantriebe bis zu einer Leistungsklasse von ca. 450 W bestehen aus Servomotor, Getriebe und Drehgeber. Sie werden in strategischer Kooperation mit der Firma Spat projektiert und durch uns vertrieben. Die Kunden kommen vor allem aus der Verpackungs-, der Solar- und der Holzbearbeitungsindustrie, sodass die Antriebe eine gute Ergänzung zu unseren Drehgebern und Linearsystemen sind. Die Vertriebs- und Technologiepartnerschaft mit Spat wollen wir übrigens künftig noch weiter ausbauen.

Was ist außerdem geplant?
G. Kübler: Wir wollen immer weniger nur Katalogprodukte verkaufen, sondern uns in Zukunft noch intensiver mit unseren Kundenwünschen auseinandersetzen. Dies tun wir nicht nur in Deutschland, sondern international. Dazu verfolgen wir mehrere Ansätze.
Außerdem beabsichtigen wir unser globales Branchenmanagement, das wir 2002 aus der Taufe gehoben haben, weiterzuentwickeln. Die wesentlichen Kernbranchen sind die Antriebstechnik, die mobile Automation, Windenergieanlagen, die Stahlindustrie, Verpackungsmaschinen und Aufzüge – sowie seit Kurzem die Solarindustrie. Unsere Kunden profitieren dabei von gebündeltem Wissen über Anwendungen bis hin zu auf Branchen zugeschnittene Produkte. Da die meisten dieser Branchen durchweg höchste Umweltanforderungen haben, können wir so beispielsweise unsere Kompetenz im Heavy-Duty-Bereich unter Beweis stellen.
Da unsere Produkte zunehmend technologieintensiver werden, bedarf es auch des gezielten Ausbaus des globalen Application Engineerings. Dabei werden wir in den Bereichen Safety, Feldbusse/Ethernet sowie Schleifringe unsere Standardprodukte in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden applikationsoptimiert anpassen. Das erfordert von uns zwar viel Beratungsaufwand, spart dem Kunden aber eine Menge Kosten und löst ihre Probleme.

Und in Bezug auf die Globalisierung?
G. Kübler: Wir sind heute in über 50 Ländern vertreten, davon zurzeit in fünf Ländern mit eigenen Gesellschaften. Wir fertigen in Deutschland sowie in Indien und erwirtschaften ca. 70 % unseres Umsatzes durch Export. Wir haben nun einige Jahre lang die bestehenden Töchter in China, Indien, Frankreich, Italien und Polen gefestigt. Jetzt sind in den nächsten Jahren weitere Landesgesellschaften geplant. So sind in der Türkei die Vorbereitungen für die Eröffnung einer Landesgesellschaft gerade in vollem Gange. Auch in Asien, allen voran China, investieren wir strategisch in Personalaufbau und bereiten uns auf weitere Asia Pacific Märkte (APEC) vor. Weitere interessante Märkte für uns sind ferner auch Brasilien, Südafrika und Russland, wo wir zurzeit mit Vertretungen arbeiten. Wir werden bei der weiteren Internationalisierung aber nichts überstürzen, Qualität geht uns vor Quantität.