A A A
| Sitemap | Kontakt | Impressum | Datenschutz
ETZ Logo VDE Verlag Logo

Trends in der Signaltechnik

01  Andreas Gebert ist Vertriebsleiter bei der Werma Signaltechnik GmbH & Co. KG

02  WIN (Wireless Information Network) ist eine einfache Lösung zur drahtlosen Fernüberwachung von Maschinen

03  Mit Andon Control zur Lean Production: Der Fertigungsmit­arbeiter löst über eine Schaltbox ein bestimmtes Signal an der ­Signalsäule aus, um beispielsweise dem Logistiker fehlendes ­Material anzuzeigen

04  Beispiel für eine Andon-Control-Signalsäule: Durch Betätigen der Taster am Fuß der Signalsäule signalisiert der Fertigungsmitarbeiter, zum Beispiel dem Fertigungsleiter oder Logistiker, einen hinterlegten Zustand

In der Signaltechnik geht es heute nicht mehr einzig darum, Produkteigenschaften zu verbessern. Statt dessen gilt es, Signalgeräte in übergreifende Konzepte einzubinden. Ein Thema ist Lean Production, dem sich Werma mit einer Reihe Neuentwicklungen verstärkt angenommen hat. Über Details ­dazu sowie über weitere Entwicklungstrends sprach die etz-Redaktion mit dem Vertriebsleiter Andreas Gebert.

Herr Gebert (Bild 1), Werma ist Spezialist für optische und akustische Signalgeräte. Welche würden Sie als Ihre „Highlight-Innovationen“ im Jahr 2012 bezeichnen?
A. Gebert: Das Jahr 2012 steht bei Werma im Zeichen von „Lean Production“, der schlanken Fertigung. Ziel hierbei ist es, Verschwendung im Fertigungsprozess zu identifizieren und zu reduzieren. Um unsere Kunden hierbei zu unterstützen, haben wir eine ganze Reihe neuer Produkte auf den Markt gebracht bzw. aktuell in der Entwicklung. Ein Beispiel ist unser Win-System (Bild 2) zur Maschinendatenerfassung. Es ermöglicht dem Kunden, den aktuellen Zustand und die Produktivität seiner Maschinen und Anlagen zu erfassen und auszuwerten. Zukünftig wird es auch möglich sein, auftragsbezogene Daten zu erfassen und unter anderem den Erfüllungsgrad einzelner Fertigungsaufträge komfortabel in der Win-Software zu analysieren. Hiermit erhält der Fertigungsplaner ein wertvolles Werkzeug, um seine Prozesse zu optimieren und seine Produktionskapazitäten sinnvoll auszulasten.
Mit Andon Control (Bild 3 und Bild 4) übertragen wir diesen Gedanken quasi auf manuelle Arbeitsplätze. Der Fertigungsmitarbeiter kann über eine manuelle Schaltbox eine Signalsäule mit bis zu vier unterschiedlichen optischen und akustischen Signalen aktivieren, um beispielsweise direkt eine Störung anzuzeigen und Hilfe anzufordern. Eine Einbindung in das drahtlose Win-Netzwerk ist ebenfalls möglich.
Neben diesem Themenfeld haben wir aber natürlich nicht die „klassischen“ Signalgeräte vernachlässigt: Im Frühjahr haben wir eine komplett neue Familie optisch-akustischer Kombinationen auf den Markt gebracht, die unser Produktprogramm – sowohl was die Größe als auch die Leistung anbelangt – nach oben abrundet.

Welche allgemeinen Trends aus der Automation beeinflussen Ihre derzeitigen Produktentwicklungen am stärksten?
A. Gebert: Automation geht heute bei Weitem über den Grundgedanken „Erhöhung der Produktivität bei gleichzeitiger Kostenreduzierung“ hinaus. Insbesondere Unternehmen, die eine Vielzahl von Produkten und Produktvarianten herstellen, wünschen sich eine hohe Flexibilität in ihrem Fertigungsprozess, um bis hinunter zu Losgröße 1 eine gleichbleibend hohe Qualität sicherstellen zu können.
Das ist etwas, was wir täglich auch in unserem Unternehmen vorantreiben. Unsere Signaltechnik hilft an unterschiedlichen Stellen in der Produktion dabei, Verschwendung, zum Beispiel in Form von Stillstandzeiten, zu identifizieren und den Fertigungsprozess zu optimieren.

Die Funktechnologie tritt nun auch bei den Signalgeräten ihren Siegeszug an. Bitte erläutern Sie Ihre Lösungen im Detail. Wie beurteilen Sie die Akzeptanz der Funktechnologie auf Kundenseite?
A. Gebert: Unser Win-System (Wireless Information Network) ist ein einfaches System zur Maschinendatenerfassung. Wir bieten damit unseren Kunden die Möglichkeit, nicht nur den aktuellen Status von bis zu 50 Maschinen anzuzeigen, sondern diese auch zentral auf einem PC darzustellen und auszuwerten.
Hierzu werden in unsere Signalsäule Kombi-Sign Funksender integriert, die dann drahtlos auf dem 868-MHz-Band den Maschinenzustand an einen zentralen PC übertragen. Der Kunde hat dabei keinerlei Verdrahtungsaufwand.
In der Win-Software kann der Anwender sich dann die unterschiedlichen Maschinenzustände anzeigen lassen und beispielsweise die Produktivität über ein frei definierbares Zeitfenster analysieren. Dies hilft dabei, Prozesse zu optimieren, Maschinenstillstand zu minimieren und letztendlich die Produktivität zu steigern. Das System eignet sich aufgrund seiner Einfachheit und der Montage mit wenigen Handgriffen gut zur Integration in bestehende Anlagen. Da die Signalsäule als Schnittstelle dient, lassen sich Maschinen und Anlagen unabhängig von Hersteller und Alter einfach in das Netzwerk integrieren. Jeder Teilnehmer im Funknetzwerk dient dabei gleichzeitig als „Repeater“, um die Reichweite zu erhöhen.
Die Akzeptanz für Funksysteme in der Produktion ist in den letzten Jahren generell deutlich gestiegen. Dennoch ist es für unsere Vertriebsmannschaft wichtig, immer wieder Hemmschwellen abzubauen. Hierbei hilft uns auch, dass wir nicht auf dem durch WiFi, Bluetooth etc. stark belasteten 2,4-GHz-Band operieren, sondern auf dem weniger häufig genutzten 868-MHz-Band. Dies hat den zusätzlichen Vorteil, dass die geringere Frequenz eine höhere Durchdringung von Hindernissen, wie Wänden und Anlagenteilen, ermöglicht.

Im Frühjahr hatten Sie eine „sprechende“ Signalsäule vorgestellt. Bitte nennen Sie ein bis zwei einzigartige Beispiel­applikationen. Ist geplant, auch andere Signalgerätetypen mit einem Sprachausgabeelement zu versehen?
A. Gebert: Die „sprechende“ Signalsäule, unser Sprachausgabeelement, bietet dem Kunden einzigartige Vorteile. So kann er am PC Sprachnachrichten, Töne und Melodien, die als „mp3“- oder „wav“-Dateien vorliegen, auf das Element kopieren und mit der mitgelieferten Software entsprechend der gewünschten Abspielreihenfolge arrangieren. Das Element selbst kann nun in die Signalsäule Kombi-Sign integriert werden und bis zu 15 Audio­dateien wiedergeben.
Wir haben einige schöne Beispielanwendungen bei einem großen Automobilhersteller. Hierbei wird das Sprachausgabeelement vom Montagemitarbeiter manuell aktiviert, um bei Schwierigkeiten direkt und in „Klartext“ Hilfe anzufordern. An anderer Stelle wird es genutzt, um klare Anweisungen in unterschiedlichen Sprachen zu geben, damit auch Mitarbeiter unterschiedlicher Nationalitäten diese klar verstehen können.
Wir werden zukünftig eine weitere Variante des Sprachausgabeelements für die Signalsäule Kombi-Sign mit noch höherer Lautstärke anbieten und können uns auch vorstellen, die Technologie auf akustische Stand-alone-Geräte zu übertragen.

Welche Neuheiten werden zur SPS IPC Drives präsentiert?
A. Gebert: Neben den bereits erwähnten Neuerungen für unser Win-Netzwerk werden auch in diesem Jahr wieder viele weitere Neuheiten aus der Welt der Signaltechnik auf unserem Stand zu finden sein. Ein Beispiel ist das Multicolour-Element für unsere Signalsäule Kombi-Sign, das in einer Stufe bis zu sieben unterschiedliche Farben darstellen kann. Ein weiteres Beispiel stellt die Sirene 153 dar, die als akustische Ergänzung zu unserer erfolgreichen quadratischen LED-Leuchtenfamilie 853 ordentlich Lärm produziert.

Der Beitrag als pdf

Autor: Inge Hübner