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Ungenaue Aussagen bei der Spezifikation führen oft zu nachträglichen Änderungen, die eine Lösung unnötig verteuern

Klare Kommunikation in der Bildverarbeitung

Die uns alltäglich umgebende Bildverarbeitung, zum Beispiel in Smartphones, ist inzwischen so leistungsfähig, dass von industrieller Bildverarbeitung erwartet wird, dass sie ihre Aufgaben fast von alleine erfüllt. Allerdings haben hier schon leichte Abweichungen vom Standard große Auswirkungen auf das Ergebnis. Dementsprechend ist es wichtig, die Anforderungen an ein Bildverarbeitungs­system genau zu spezifizieren. Die dabei erforderliche Kommunikation zwischen Anbietern und Anwendern soll die neue Richtlinie VDI/VDE 2632 Blatt 2 ver­einfachen.

Viele Methoden, die für die industrielle Bildverarbeitung entwickelt wurden, sind längst in den Alltag eingezogen. Moderne Fotoapparate erkennen das Lächeln von Personen und wählen automatisch den optimalen Aufnahmezeitpunkt für das Bild. Handykameras nehmen Fotos einer Plakatwand auf, finden und lesen den dort abgedruckten Text, erkennen, dass der Text eine Internet-Seite angibt, und bieten dem Benutzer an, die entsprechende Website zu öffnen. 2-D-Codes mit Informationen von Flugtickets werden nicht mehr ausgedruckt, sondern direkt vom Handy-Display gelesen.
Diese Beispiele könnten bei den Anwendern der indus­triellen Bildverarbeitung den Eindruck erwecken, dass die modernen bildgestützten Positionier-, Prüf- und Messeinrichtungen quasi von alleine ihre Aufgaben erfüllen. Das ist aber nicht so.

Unklarheiten sind zu beseitigen
Beispielsweise kann eine veränderte Oberflächenrauheit für ein Produkt nicht qualitätsrelevant sein, ein anderer Farbton dagegen schon. Bei anderen Produkten können die Qualitätskriterien genau umgekehrt definiert sein. Daher ist in der industriellen Bildverarbeitung genau festzulegen, was die Prüfaufgabe ist, wie die Prüfobjekte aussehen, und wie die Umgebungsbedingungen sind. Dadurch lassen sich zum Beispiel die Verständnisschwierigkeiten hinter folgenden Anwenderaussagen vermeiden:

Ergänzung zur Richtlinie für industrielle Bildverarbeitung
Das als Entwurf veröffentlichte Blatt 2 der Richt­linie VDI/VDE 2632 ergänzt die Richtlinienreihe zur „Industriellen Bildverarbeitung“ des Fachaus­schusses 3.51 im GMA Fachbereich 3 „Fertigungsmesstechnik“. Einsprüche zur Richtlinie können bis zum 28.02.2013 über das VDI-Richt­linien-Einspruchsportal (www.vdi.de/­einspruchsportal) eingereicht werden. Das bereits veröffentlichte Blatt 1 dieser Richtlinie behandelt die Grundlagen und Begriffe der industriellen Bildverarbeitung. Weitere Blätter sind in Planung.

Diese Aussagen sind zwar frei erfundenen, aber realitätsnahen Aussagen können ein komplettes Anlagenkonzept infrage stellen:

Vereinfachte Erstellung eines Lastenhefts
Die soeben als Entwurf veröffentlichte Richt­linie VDI/VDE 2632 Blatt 2 unterstützt die Anwender und die Anbieter von Machine ­Vision Systemen bei der Kommunikation miteinander, um Missverständnisse und eine unvollständige Aufgabenbeschreibung zu vermeiden. Sie hilft dabei, Bildverarbeitungsprojekte im vollen Funktionsumfang und innerhalb des geplanten Zeit- und Kostenaufwands zu realisieren.
Die Richtlinie gibt Hinweise zur Erstellung eines Lastenhefts und führt detailliert Einflussgrößen auf, die bei der Spezifikation einer Bildverarbeitungsaufgabe vom Anwender berücksichtigt werden sollen. Die hier aufgeführten Aspekte lassen sich auf fast alle Bildverarbeitungsaufgaben anwenden, seien es Mess-, Positionier-, Prüf- oder Sortieraufgaben.
Außerdem enthält die Richtlinie Vorschläge für mögliche Inhalte eines Pflichtenhefts, in dem ein Anbieter dem Anwender seinen Lösungsvorschlag unterbreitet. Das erleichtert es den Anbietern, den Leistungs- und Funktionsumfang der angebotenen Lösung vollständig und für den Anwender transparent zu beschreiben. Die nach dieser Richtlinie erstellten Lasten- und Pflichtenhefte unterstützen Anwender und Anbieter bei der erfolgreichen Projektabwicklung mit industriellen Bildverarbeitungssystemen. (no)

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Autor: Dr. Erik Marquardt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA), Düsseldorf.