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Der Industriepark II in Jaraguá do Sul im Bundesstaat Santa Catarina ist einer von acht eigenen Industrieparks von WEG in Brasilien. So hat das Unternehmen alle Produktionsetappen, angefangen mit den Gießereien, Stanzereien, bis hin zur Kupferdrahtherstellung und Verpackung, unter Kontrolle

Antriebstechnik mit brasilianischem Flair

Wilmar Henning ist Geschäftsführer der WEG Germany GmbH in Kerpen-Türnich

Für die Einführung der Motorenbaureihe W22 Super Premium hat das internationale Forschungsinstitut Frost & Sullivan WEG kürzlich mit dem „European Electric Motors for Water and Waste Water Customer Value Enhancement Award 2012“ ausgezeichnet

WEG erwirtschaftete bisher mehr als die Hälfte seines Umsatzes in seinem Heimatland Brasilien. Jetzt will sich der Hersteller von Energie- und Automati­sierungskomponenten globaler aufstellen. Die etz-Redaktion sprach mit Wilmar Henning, Geschäftsführer der WEG Germany GmbH, darüber, mit welcher Strategie und welchen Produkten das gelingen soll und welche Rolle der deutschsprachige Markt dabei spielt.

Im Maschinen- und Anlagenbau gehört Deutschland zu den führenden Nationen weltweit. WEG ist hier allerdings noch recht unbekannt. Wie wollen Sie das ändern?
W. Henning: Deutschland ist ein wichtiger Markt für uns. Wir sind hier bereits seit mehreren Jahren erfolgreich tätig und bieten unseren Kunden Elektromotoren an – das ist das Produkt, für das wir derzeit am bekanntesten sind. Unsere Kompetenzen reichen aber weit darüber hinaus. WEG ist eines der wenigen Unternehmen weltweit, die umfassende Lösungen für den gesamten Antriebsstrang entwickeln, fertigen und prüfen. So können wir unseren Kunden eine Gesamtlösung anbieten – von mechanischen Bauteilen, wie Getrieben, über Elektromotoren und Frequenzumrichter bis hin zu Automatisierungskomponenten oder Schaltschränken.
Da wir die Anwendungen und Bedürfnisse unserer Kunden verstehen, stehen energieeffiziente Lösungen, die optimal auf die Anforderungen der Kunden zugeschnitten sind, im Zentrum unserer Geschäftstätigkeit. Dieses Konzept, das in anderen Regionen bereits erfolgreich eingesetzt wird, wollen wir jetzt verstärkt auch in Europa und in Deutschland etablieren.

Wie ist WEG Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgestellt?
W. Henning: Unsere deutsche Niederlassung hat ihren Sitz in Kerpen-Türnich in der Nähe von Köln. Dort ist nicht nur unser zentrales Vertriebs- und Marketing-Team angesiedelt, sondern auch eines der größten Motorenlager weltweit mit mehr als 60.000 Motoren. Insgesamt arbeiten rund 100 unserer 24.000 Mitarbeiter in Deutschland.
Wir sind aktuell dabei, unseren Vertrieb und unsere Präsenz in Europa noch weiter zu verstärken. Mit der Übernahme von Watt Drive Ende 2011 haben wir nicht nur unser Produktportfolio über die Elektrik hinaus auf Getriebe und Getriebemotoren erweitert, sondern auch unsere Präsenz in der gesamten deutschsprachigen Region ausgebaut. In der Schweiz sind wir außerdem durch unseren Distributor HS Motors GmbH vertreten.
Um die Kunden in dieser Region bestmöglich zu betreuen, haben wir unser Unternehmen kürzlich umstrukturiert und zwei neue Führungskräfte ernannt: Andreas Schulte Mesum, der bereits seit acht Jahren für WEG arbeitet, ist für unsere größeren Projekte im Mittel- und Hochspannungsbereich zuständig und fokussiert sich aktuell insbesondere auf die Industrien Öl und Gas, Bergbau und Zement sowie Wasser- und Abwassertechnik. Klaus Sirrenberg, der im Rahmen der Akquisition von Watt Drive in unser Unternehmen kam, ist jetzt auf dem deutschen Markt für die Niederspannungslösungen und europaweit für die komplette Palette von Asynchronmotoren und Getrieben sowie für die Integration von Watt Drive in den WEG -Konzern verantwortlich.
Aktuell haben wir in Deutschland keine Fertigungseinrichtungen, aber wir unterhalten mehrere Fertigungsstandorte weltweit (Brasilien, Argentinien, Mexiko, USA, Österreich, Portugal, China, Indien und Südafrika).

Wie viel Umsatz erwirtschaften Sie bisher im deutschsprachigen Raum und was sind Ihre Ziele?
W. Henning: Der europäische Markt ist für uns sehr wichtig. Europa macht derzeit etwa 24 % unserer weltweiten Exporte aus. Das Volumen des deutschsprachigen Markts beläuft sich auf ca. 280 Mio. R$ (110 Mio. €). Weltweit erwirtschaftete WEG 2012 einen Umsatz in Höhe von fast 6, 174 Mrd. R$ (2,4 Mrd. €). Unser Ziel ist es, den Gesamtumsatz bis zum Jahr 2020 auf 20 Mrd. R$ (7,7 Mrd. €) zu steigern, was einer jährlichen Wachstumsrate von 17 % entspricht. Diese Expansion soll im Wesentlichen durch organisches Wachstum, aber auch durch Fusionen und Akquisi­tionen stattfinden, die wir weiter aktiv verfolgen – sowohl weltweit als auch in Europa.

Auf welche Branchen konzentrieren Sie sich bei Ihrer Wachstumsstrategie?
W. Henning: Die wichtigsten Märkte in Europa liegen für uns in der Energieerzeugung und im Verarbeitungssektor – dazu gehören zum Beispiel Wasser- und Abwassertechnik, Bergbau, Stahl- und Zementindustrie, Petrochemie, die chemische Industrie und der allgemeine Maschinenbau. In Deutschland ist insbesondere auch der Energiesektor von großem Interesse, also Energieerzeugung, -übertragung und -verteilung.

In erster Linie verbindet man mit dem Namen WEG energieeffiziente Antriebstechnik. Wie sieht Ihre Produktpalette in diesem Bereich aus?
W. Henning: Energieeffizienz steht im Zentrum unserer gesamten Geschäftstätigkeit. WEG bietet die derzeit branchenweit breiteste Palette an energieeffizienten Motoren. Letztes Jahr haben wir die neue Motorenbaureihe W22 ­Super Premium mit Nennleistungen zwischen 3 kW und 355 kW auf den Markt gebracht. Das war die erste komplette Motorbaureihe, die den noch nicht verabschiedeten Vorschriften IE4 entspricht. Zu beachten ist, dass diese Motoren eine Standard-Induktionstechnologie verwenden. Es handelt sich also nicht um Permanentmagnetmotoren.
Wir setzen auf Nachhaltigkeit und wollen unseren Kunden helfen, die Energieeffizienz über ihre gesamten Automationsprozesse und Anwendungen hinweg signifikant zu erhöhen. Da Elektromotoren für 40 % des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich sind, ist der Motor ein zentrales Element beim Energiesparen. Allerdings haben auch alle anderen Komponenten des Antriebsstrangs, wie die Mechanik oder der Frequenzumrichter, einen entscheidenden Einfluss auf die Energieeffizienz. Deswegen liefert WEG nicht nur die Bauteile, sondern hat auch die nötige Fachkompetenz, Antriebslösungen zu entwickeln, die optimal an die Bedürfnisse des Kunden angepasst und gleichzeitig energieeffizient sind.

Wie unterscheiden Sie sich dabei von den vielen in Deutschland etablierten Herstellern?
W. Henning: Wesentliche Vorzüge unserer Produkte sind die hohe Energieeffizienz, die Wartungsfreundlichkeit sowie die robuste Bauweise, die auch den Anforderungen anspruchsvollster industrieller Anwendungen entspricht. Unser wichtigstes Ziel ist es, die Zusammenarbeit mit unseren Kunden möglichst unkompliziert zu gestalten. Obwohl wir ein großes Unternehmen mit weltweiter Präsenz sind, sind wir stolz darauf, dass wir trotzdem flexibel auf die individuellen Anforderungen unserer Kunden eingehen und ein hohes Maß an kundenspezifischer Anpassung bieten können.
Im Unterschied zu vielen anderen Unternehmen sind wir ein in hohem Maße vertikal aufgestellter Hersteller. Das bedeutet, dass wir den gesamten Fertigungsprozess kontrollieren können. Die meisten Prozesse werden bei uns im Hause durchgeführt und nicht an externe Unternehmen vergeben. Dies ermöglicht uns ein hohes Maß an Flexibilität und kundenspezifischer Anpassung. Es verschafft uns darüber hinaus Vorteile im Hinblick auf Logistik und kurze Lieferzeiten. Wir stellen unsere Lacke und Farben selbst her, wir haben eigene Gießereien zur Herstellung von Gussteilen, wir ziehen unsere Kupferdrähte selbst, und wir haben auch einen eigenen Forst auf einer Fläche von ca. 175 km 2 angelegt. Alle Maßnahmen, die wir ergreifen, um Nachhaltigkeit zu gewährleisten, machen uns zu einem praktisch CO 2-neutralen und „grünen“ Hersteller.

Größtenteils werden bisher Drehstrom-Asynchronmotoren im Leistungsbereich von 0,75 kW bis 375 kW mit IE2-Klassifizierung verkauft. Erst ab 2015 müssen diese der IE-Klasse 3 entsprechen. Warum sollten Anwender schon jetzt Ihre IE4-Motoren einsetzen?
W. Henning: Es gibt eine Vielzahl von Unternehmen, gerade OEM, die sich im Hinblick auf die verbindliche Einführung der IE3-Vorschriften im Jahre 2015 schon jetzt für IE3-Motoren entscheiden. Sie wollen als Marktführer wahrgenommen werden, der die beste und effizienteste Ausrüstung anbietet und dem Markt einen Schritt voraus sein. Außerdem stellen wir fest, dass sich unsere Gesprächspartner auf Kundenseite geändert haben. Wir sprechen nicht mehr nur mit den Anwendern unserer Technologie, sondern mit Ansprechpartnern unterschiedlichster Ebenen. Geschäftsführung, Finanzabteilung sowie für Umweltfragen und Nachhaltigkeit zuständige Führungskräfte erkennen in steigendem Maße den Wert energieeffizienter Anlagen und beteiligen sich immer mehr an Einkaufsstrategien und Entscheidungen.
Deshalb sind wir davon überzeugt, dass das Interesse an den derzeit energieeffizientesten Motoren auf dem Markt weiter steigen wird. Außerdem haben wir einen technologischen Vorsprung, da unsere IE4-Motoren auf Standard­-Induktionstechnologie basieren. Das bedeutet, dass sie wesentlich kostengünstiger sind als IE4-Motoren mit Permanentmagneten basierend auf seltenen Erden, bei denen die Investitionen etwa drei bis vier Mal so hoch sind wie bei unseren Motoren. Ein weiterer Faktor, den Unternehmen berücksichtigen sollten, ist, dass bei den meisten Motoren der Energieverbrauch bereits in den ersten sechs Monaten genauso hoch ist wie der Anschaffungspreis! (no)

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