A A A
| Sitemap | Kontakt | Impressum | Datenschutz
ETZ Logo VDE Verlag Logo

Vereinfachter Datenaustausch mit den neuen S7-Steuerungen

Direkter und schneller Datenzugriff auf S7

01 Rainer Hönle ist Geschäftsführer der Deltalogic Automatisierungstechnik GmbH in Schwäbisch Gmünd

Mit dem optimierten Bausteinzugriff wurde die Performance der CPU der Steuerungen S7-1200 und S7-1500 deutlich gesteigert. Allerdings hatten Anwender bisher keine Möglichkeit, diese Vorteile des TIA Portals außerhalb der Siemens- Produktwelt zu nutzen. Mit Accon-AGLink von Deltalogic wird nun der direkte Datenzugriff mit symbolischer Adressierung ermöglicht. Die etz-Redaktion sprach mit Rainer Hönle, Geschäftsführer des Unternehmens, über die Lösung, die erstmals auf der SPS IPC Drives 2013 vorgestellt wurde.

Mit Accon-AGLink ermöglichen Sie den direkten Datenzugriff mit symbolischer Adressierung. Was war die Herausforderung an der Entschlüsselung der Symbolik des TIA-Portals?
R. Hönle: Die erste Hürde bestand darin, das neue Dateiformat eingehend zu analysieren und im Detail zu verstehen. Da das TIA Portal eine sehr komplexe Angelegenheit mit Projektgrößen von mehreren Megabytes und nicht ganz durchsichtiger Struktur ist, war das eine echte Herausforderung. Im zweiten Schritt galt es dann, einen Weg zu finden, die Kommunikation direkt mit der Steuerung auch mit dem optimierten Bausteinzugriff zu ermöglichen.

Welchen Nutzen hat der Anwender, im optimierten Bausteinzugriff mit den Steuerungen S7-1200 und S7-1500 zu kommunizieren?
R. Hönle: Mit der Entwicklung und Einführung des optimierten Bausteinzugriffs ist es Siemens gelungen, die Performance der CPU deutlich zu steigern. Denn Daten werden nun so abgelegt, wie es für die SPS am effizientesten ist. Zudem sieht der Anwender nur noch die symbolischen Namen. Er muss sich nicht mehr um die Variablenadressen kümmern. Diese verwaltet das System automatisch. Damit ist die Programmierung im TIA Portal weniger fehleranfällig geworden, denn Zugriffsfehler durch Fehlprogrammierung werden unterbunden. Die Vorteile für den Anwender liegen in erhöhter Bedienerfreundlichkeit, Zeiteinsparungen bei der Programmierung und Fehlersuche sowie in den schnelleren Steuerungsprozessen.

Welche Möglichkeiten hat ein Programmierer, außerhalb der Siemens-Welt mit der S7-Steuerung zu kommunizieren?
R. Hönle: Für Anwender, die keinen Zugriff auf das TIA Portal haben, besteht heute die einzige Möglichkeit, auf Daten zuzugreifen, über den Kompatibilitätsmodus. Die Schwierigkeit besteht darin, dass, sobald der Anwender den Kompatibilitätsmodus aktiviert, sich der Datenzugriff um ein sechsfaches verlangsamt – dies wurde auch in einer Siemens-Veranstaltung kürzlich so kommuniziert. Das ist für viele Anwendungen nicht akzeptabel. Hinzu kommt, dass einige Funktionalitäten auch gar nicht im Kompatibilitätsmodus abgebildet werden. Uns stellt sich auch die Frage, wie lange Siemens den Kompatibilitätsmodus noch unterstützt oder ob dieser in der nahen oder fernen Zukunft dann gar nicht mehr zur Verfügung steht. Daher haben wir uns zum Ziel gesetzt, unseren Kunden eine optimierte und verlässliche Lösung zu bieten.

Für wen ist Accon-AGLink insbesondere von Nutzen?
R. Hönle: Unsere neue Lösung ist für jeden relevant, der die Daten einer S7-1200- oder S7- 1500-Steuerung oder auch einer Sinumerik- Steuerung auslesen und Aufgaben, wie Visualisierung, Rezepturverwaltung, Datenlogging, Bedienen und Beobachten, realisieren möchte. Gerade Herstellern von Panels und Visualisierungssoftware bieten wir nun erstmalig die Möglichkeit, auf die Symbolik zuzugreifen. Wir sind sehr optimistisch hinsichtlich der Nachfrage am Markt.

Die Zugriffsmöglichkeit besteht vorerst nur für Windows-basierte Systeme. Sind weitere Betriebssysteme in Planung, da im Zuge der Webvisualisierung die Plattformunabhängigkeit immer wichtiger wird? Wenn ja, wann können wir damit rechnen?
R. Hönle: Ja, das wird für die kommende Zeit ein Fokus sein. Das nächste Betriebssystem, das wir unterstützen, wird Linux sein. Ein Vorteil von Accon-AGLink ist die Unabhängigkeit vom Betriebssystem. In der bisherigen Version unterstützen wir neben Windows auch Linux, Solaris, Vx Works sowie OS9000-Betriebssysteme. Und wir bieten seit neuestem mit „Accon-AGLink“ für Android auch eine Programmierschnittstelle für mobile Systeme. Die Strategie der Plattformunabhängigkeit werden wir auch weiterhin konsequent verfolgen.

Haben Sie die Entwicklung mit Siemens abgestimmt, da Siemens ja kaum Interesse haben kann, seine integrierten Lösungen so einfach für andere Anbieter zu öffnen?
R. Hönle: Nein, mit Siemens abgestimmt haben wir uns hierzu nicht. Wir verstehen uns vielmehr als Anbieter ergänzender Lösungen in Bereichen, in denen Siemens keine Lösungen bietet bzw. wir den Eindruck haben, dass kein Interesse besteht, diese zu entwickeln. Sehr wichtig ist es uns allerdings, bei unserer Arbeit zum Beispiel keine Patente zu verletzen und ein gutes Verhältnis zu Siemens zu wahren.

Besteht Gefahr, dass die von Ihnen ermöglichte Lücke in einer nächsten TIA-Portal-Version wieder geschlossen wird?
R. Hönle: Ja, Sie haben Recht, da besteht ein Risiko. Mit jeder neuen Software-Version, die Siemens einführt, müssen wir in Aktion treten. Es gilt, zu analysieren, ob es Änderungen am Projekt oder der Kommunikationsschnittstelle gab. Ist dies der Fall, so werden wir umfangreiche Tests durchführen und entsprechende Updates vornehmen. Generell sind wir mit unserer Erfahrung aber gut gerüstet und werden alles dran setzen, den Datenzugriff über Accon-AGLink ins TIA Portal auch in Zukunft zu ermöglichen. (hz)

Der Beitrag als pdf