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01 Auf dem Gelände von Wolffkran am Fertigungsstandort in Heilbronn steht der neue Kran Wolff 5014 City. Er gehört zu den ersten Kranen des Unternehmens, die mit dem innovativen Fernwartungssystem ausgerüstet sind

VPN-Fernwartungskonzept erhöht Kranverfügbarkeit

02 Die Siemens-Steuerung Simatic S7-300 kommuniziert über den Kommunikationsadapter Accon-Netlink-Pro Compact von Deltalogic mit dem Industrierouter Moros von Insys Icom

03 Der Industrierouter Moros HSPA ist bei Wolffkran für die sichere und schnelle Datenkommunikation über 3G-Mobilfunknetze zuständig – und das weltweit

04 Die Krane sind mithilfe des VPN-Routers in der Lage, sich selbstständig zu melden; der Server initiiert dann über den Insys Connectivity Service den Aufbau eines VPN-Kanals

05 Über die firmeneigene Software Wolfflink verwaltet der Kranhersteller und -vermieter seine Krane; für den Zugriff auf die Daten in der Kransteuerung kommt Deltalogics Kommunikationsbibliothek Accon-Aglink zum Einsatz

In der Baubranche sind platzsparende, leistungsfähige und flexible Krankonzepte gefragt. Gleichzeitig müssen diese den Anforderungen nach Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit genügen. Als einer der führenden Spezialisten auf dem Gebiet der Turmdrehkrane führt Wolffkran in diesem Jahr ein innovatives internetbasiertes Fernwartungskonzept als Standard ein. Zum Einsatz kommen VPN-Router sowie Automatisierungskomponenten von Deltalogic.

Die Wolffkran International AG blickt auf eine über 150-jährige Firmengeschichte zurück. Ihren ersten Turmdrehkran hat sie 1913 auf den Markt gebracht. Heute präsentiert sich das Unternehmen als Hersteller, Verkäufer und Vermieter von passenden Lösungen für den Wohnungsbau, den Industrie- und Kraftwerksbau, Gebäudekomplexe im Städtebau sowie Infrastruktur-Bauwerke, wie Hafenanlagen und Brücken. Das Angebotsspektrum reicht von starken Laufkatzkranen, platzsparenden und leistungsfähigen Wippkranen sowie montagefreundlichen Citykranen bis hin zu XXL-Kranen. Mit obendrehenden Turmdrehkranen hat sich Wolffkran über die Jahre eine führende Position im internationalen Krangeschäft erarbeitet. Hauptsitz des rund 450 Mitarbeitende beschäftigenden Unternehmens ist Zug/ Schweiz. Heilbronn ist, neben Luckau, einer der beiden deutschen Fertigungsstandorte; hier konzentrieren sich auch die Entwicklungsaktivitäten. „Unsere Krane sind sehr hochwertig und im Premiumsegment angesiedelt“, sagt Andreas Wagner, Leiter Elektrotechnik bei Wolffkran in Heilbronn. „Langlebigkeit, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit zeichnen unsere Produkte aus und haben daher höchste Priorität. Sie sind zum Teil 25 Jahre und länger im Einsatz. Aufgrund dieser langen Lebensdauer ist es für uns entscheidend, auch unser Steuerungskonzept so zukunftsfähig wie möglich zu gestalten.“ Seit den 1980er-Jahren sammelt Wolffkran Erfahrungen mit GSM-Modems zur Datenübertragung via CSD (Circuit Switched Data). Ein entsprechendes Fernwartungskonzept ist seit 2002 in die Krane integriert. Allerdings kommt es im CSD-Dienst mit seiner Datenrate von 9,6 kbit/s und langen RTT (Round Trip Times) von durchschnittlich 1.100 ms (Festnetz zu GSM) immer wieder zu Verbindungsabbrüchen wegen Timeouts. Für die internationale Geschäftstätigkeit von Wolffkran wirkt sich außerdem negativ aus, dass CSD nicht weltweit verfügbar ist. Um seinen Kunden ein leistungsfähiges Teleservice- und Helpdesk-Konzept anbieten zu können, hat sich der Kranspezialist nach Alternativen umgesehen und ein zukunftsorientiertes Konzept entwickelt.

Weltweit ähnliche Kommunikationslösung
„Wir rüsten alle Krantypen mit der gleichen Kabine und demselben Steuerungskonzept aus, welches auf die Verwendung von Standardkomponenten setzt. Je nach Krangröße wird das Konzept dann modular skaliert“, erläutert A. Wagner. „Das ist für uns die kosteneffizienteste Lösung, von der Konfiguration bis zur Lagerhaltung.“ Deshalb kommen derzeit bei allen Kranen die Steuerungen Simatic S7-300 von Siemens zum Einsatz. Auf diese und andere Automatisierungskomponenten wie Frequenzumrichter will der Kranhersteller mit einer weltweit einheitlichen Kommunikationslösung aus der Ferne zugreifen können, um alle wichtigen Daten im Blick zu haben. Beispiele dafür sind die Motortemperatur, der Bremsbelagverschleiß, Betriebs- und Stillstandszeiten oder eine Störung der Zentralschmierung. Dies ist zum einen für die Mietflotte mit ihren weltweit mehr als 550 Kranen wichtig. Parallel profitieren davon auch alle anderen Kunden mit entsprechendem Serviceanspruch. So müssen Techniker weniger Reisen an ferne Einsatzorte antreten, was letztlich Zeit und Geld spart.

Verschlüsselte Verbindungen für sichere Fernwartung
Die Anforderungen an die neue Fernwartungslösung sind hoch: Sie soll weltweit einsetzbar, unabhängig von einem speziellen Provider und leicht zu installieren sein, dabei eine hohe Datenübertragungsrate bieten sowie die Möglichkeit einschließen, jederzeit weitere Geräte anbinden zu können. Spezielle Erwartungen hat Wolffkran an das Management der verschlüsselten Verbindungen von und zu der Automatisierungstechnik in den Kranen. So soll einerseits im störungsfreien Betrieb auf „Always on“-Verbindungen verzichtet werden, um Verbindungskosten zu sparen. Andererseits muss im Störungsfall automatisch und innerhalb kürzester Zeit eine verschlüsselte VPN-Verbindung über ein möglichst bandbreitenstarkes Mobilfunknetz aufgebaut werden. Nach eingehender Prüfung der derzeit am Markt verfügbaren Systeme hat sich Wolffkran in Zusammenarbeit mit der Deltalogic Automatisierungstechnik GmbH für den Industrierouter Moros HSPA von Insys Icom sowie den Insys Connectivity Service als VPN-Dienst entschieden. Kern des Teleservice- und Helpdesk-Konzepts von Wolffkran bilden der Wolffkran-Server und die firmeneigene Software Wolfflink.

Das TCP/IP-basierte Fernwartungskonzept nutzt die VPN-Mobilfunkrouter Moros für die sichere Konnektivität zu den internationalen Baustellen – egal ob in der arabischen Sonnenhitze, auf schneebedeckten Alpengipfeln oder im Smog asiatischer Boomtowns. Ausschlaggebend waren hier vor allem Faktoren, wie die robuste und kompakte Bauweise, der integrierte Switch, die einfache Konfiguration, industrietaugliche 24/7-Leistungsfähigkeit sowie viele weitere nützliche Features. Zudem sind die Geräte optimal auf den Insys Connectivity Service, einen webbasierten VPN-Dienst für einfaches VPN-Client- und Zertifikatsmanagement, abgestimmt. Das Wolffkran-Konzept sieht vor, dass sich die Kransteuerung im Bedarfsfall selbstständig per SMS beim zentralen Wolffkran-Server meldet. Dieser Server steuert dann „on demand“ den Mobilfunkrouter per SMS, damit dieser einen verschlüsselten VPN-Tunnel aufbaut. Daraufhin kann die Wolfflink-Software, unterstützt durch das direkte Routing des Insys Connectivity Service, alle relevanten Störungs-, Zustands- und Verbindungsdaten aus der S7-300 auslesen oder der Wolffkran-Servicemitarbeiter greift auf die über Ethernet oder RS-232 angeschlossenen Automatisierungskomponenten zu.

Die Sicherheits-Features
Moros-Geräte (Modem, Router und Switch) vereinen das komfortable Verbindungsmanagement für die Fernkommunikation in einem Router, der sowohl Verbindungen von außen annehmen als auch von innen aufbauen kann. Hierzu kommt ein 4+1-Port-Switch zum Einsatz, der den Anschluss von bis zu fünf Ethernet-Teilnehmern erlaubt. Größtmögliche Sicherheit bieten ein gehärtetes Betriebssystem auf Linux-Basis sowie integrierte Firewalls und VPN-Funktionalität mit zertifikatsbasierter Authentifizierung. Eine RS-232-Schnittstelle am Router ermöglicht die Portierung des neuen Wolffkran-Konzepts auch auf solche Krane, die schon länger bei Kunden im Einsatz sind und deren SPS nur seriell kommunizieren kann. Die Geräte der Moros-Baureihe sind in verschiedenen Varianten, wie LAN/WAN, ADSL, Modem und ISDN, erhältlich. Wolffkran setzt allerdings durchgehend auf die Mobilfunk-Ausführung Moros HSPA. „Ein wichtiger Aspekt für uns: Der Moros-Router sucht sich – wie ein Handy – überall auf der Welt selbstständig das schnellste und beste Mobilfunknetz und ist damit auf jeder Baustelle sofort startklar“, erklärt A. Wagner.

Die Vorteile der Kommunikationsbibliothek
Von der Wolffkran-Servicezentrale im baden-württembergischen Heilbronn bis zum lokalen Netz der Krane wird per TCP/IP über Internet und Mobilfunk kommuniziert. Die Automatisierungs- und Safety-Komponenten des Krans kommunizieren ihrerseits autonom über Profibus. Für die reibungslose Kommunikation zwischen der TCP/ IP-Welt und der proprietären MPI-Schnittstelle von Siemens (Multi Point Interface) sorgt Deltalogics Kommunikations- und Programmieradapter Accon-Netlink-Pro Compact, der zwischen dem Mobilfunkrouter und der S7-300 positioniert ist. Die Arbeitsplatz-PC der Servicemitarbeiter und der Wolffkran-Server nutzen die Deltalogic-Kommunikationsbibliothek Accon-Aglink, mit deren Hilfe alle Daten aus den Simatic-S7-300-Steuerungen der Krane zuverlässig ausgelesen werden können. Die Servicemitarbeiter haben damit per Wolfflink und VPN-Verbindung direkten Zugriff auf die Echtzeitdaten des Krans.

M2M-Connectivity und VPN in einem
Die komfortable und sichere Verwaltung der VPN-Verbindungen ermöglicht der internetbasierte Insys Connectivity Service. Dieser managt die VPN-Zertifikate, aktualisiert selbstständig die Zertifikatsperrliste (CRL: Certificate Revocation List) und gewährleistet so einen jederzeit verschlüsselten Datenaustausch. Das Lizenzmodell des VPN-Diensts ist einfach skalierbar und als Einzellizenz oder im Zehnerpaket erhältlich. Um den Austausch von Geräten im Reparaturfall zu erleichtern, gehören immer zehn zusätzliche Lizenzen pro Kunde zum Paket. Mit dem Insys Connectivity Service ist Wolffkran zudem in der Lage, seine Kranflotte und die Krane von Kunden in geschlossene Benutzergruppen zu unterteilen. Somit können Daten innerhalb einer Gruppe problemlos ausgetauscht werden; untereinander haben die Gruppen aber keinen Zugriff und können sich auch nicht „sehen“. „Viele unserer Krane sind im Ausland im Einsatz“, erklärt Konstantinos Christou, Mitarbeiter der Elektroentwicklung bei Wolffkran, den Ablauf der Kommunikation. „

Daher haben wir ein spezielles Konzept entwickelt, um die Kosten für die mobile Kommunikation zu optimieren. Für internationale und deutsche Baustellen werden zwei verschiedene Vorgehensweisen dafür, wie ein Kran eine VPN-Verbindung aufbaut, genutzt“, erläutert K. Christou. „Im internationalen Einsatz meldet sich die Kransteuerung per SMS bei unserem zentralen Wolffkran-Server. Auf diesem Server sind alle Krane registriert und werden anhand der eingehenden SMS automatisch erkannt. Der Server steuert dann ,on demand‘ den Mobilfunkrouter im betreffenden Kran durch eine automatisch versandte SMS, damit dieser einen verschlüsselten VPN-Tunnel zum Wolffkran-Server aufbaut“, erklärt er weiter. Auf diese Weise muss nicht dauerhaft eine kostenpflichtige Roaming-Verbindung aufrechterhalten werden. Diese wird nur im Bedarfsfall hergestellt. Der Server ruft dann Fehler- und Betriebsdaten des Krans automatisch ab und speichert diese in der Datenbank. Zudem stellt der Wolffkran-Server nach der automatischen Kran-Identifikation fest, von welcher Niederlassung und von welchem Mitarbeiter der Kran betreut wird. Dieser Servicetechniker wird durch eine ebenfalls automatisch verschickte SMS inklusive der konkreten Fehlermeldung zur direkten Bearbeitung informiert. Im anderen Fall, wenn der Kran in Deutschland steht und die Datenmenge aufgrund einer Flatrate keine Rolle spielt, kann eine ständige Verbindung über die Moros-Keep-alive-Funktion aufrechterhalten werden. In diesem Szenario sendet der Router die Störungsmeldung nicht als SMS, sondern per E-Mail an den Server. Der Betreuer erhält die Meldung wiederum per SMS.

Zukunftsweisende Lösung
Über die Software Wolfflink sind die Servicemitarbeiter jederzeit in der Lage, auf alle wichtigen Betriebs- und Stördaten in der Datenbank zuzugreifen. So lässt sich beispielsweise für Krane der Mietflotte einfach feststellen, wie viele Betriebsstunden ein Kran gelaufen ist, wann er ein- und ausgeschaltet wurde, welche Lasten er bewegt hat und welche Störmeldungen aufgelaufen sind. Die Software nutzt diese Daten, um sie in der Datenbank zu speichern und zu verwalten. Damit ergibt sich auch die Perspektive für völlig neue Geschäftsmodelle der Mietflotte, um auf die Bedürfnisse der internationalen Kunden noch besser eingehen zu können. „Wir haben uns eingehend mit den derzeitigen Möglichkeiten am Markt beschäftigt und sind froh, eine Lösung gefunden zu haben, die unseren hohen Ansprüchen gerecht wird: Die Moros- Mobilfunkrouter haben ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis; sie bieten extrem viel Funktionalität und den Vorteil, dass sie sich einfach und schnell konfigurieren lassen – das spart wertvolle Arbeitszeit“, sagt A. Wagner. „Zudem haben wir viele neue Ideen für weitere Funktionen und Services, die wir unseren Kunden in Zukunft bieten möchten. Dafür benötigen wir die Möglichkeit, zusätzliche Geräte, wie Industrie-PC, Frequenzumrichter oder Kamerasysteme, einfach einzubinden. Das ist nun der Fall. Wir haben unsere ersten Krane wie den Wolff 5014 City bereits mit diesem Konzept bestückt und nur gute Erfahrungen gemacht. Deshalb werden in Zukunft alle unsere Krane mit dieser Lösung von Deltalogic und Insys ausgestattet“, blickt A. Wagner zufrieden in die Zukunft. (ih)

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Autor:
Rainer Hönle ist Geschäftsführer der Deltalogic Automatisierungstechnik GmbH in Schwäbisch Gmünd. rhoenle@deltalogic.de