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Die Statements des Maschinenbaus und der produzierenden Industrie zu Industrie 4.0 (Quelle: VDE VERLAG, Think Company, Dr. Linus Schleupner Consulting 2014)

Einschätzungen und Erwartungen der Anwender an Industrie 4.0

Alle reden von Industrie 4.0. Aber keiner weiß wirklich, was die betroffenen Unternehmen und Experten darüber denken. Dieses Dilemma ändert die nachfolgend beschriebene Studie. Im Rahmen des zweiten Teils des Projekts wurden insgesamt 42 Hersteller aus dem Bereich Maschinenbau und produzierendes Gewerbe zu ihrer Einschätzung der zukünftigen Entwicklung des Themas sowie ihrer eigenen, weiteren Planungen befragt.

Zusammen mit Teil 1, in dem 80 Automatisierer befragt wurden, wird das Meinungsbild der Akteure entlang der Wertschöpfungskette nunmehr komplett. Insgesamt ist die Einstellung der befragten Branchen zum Thema Industrie 4.0 positiv: Von den vorgegebenen Statements erzielen alle wohlwollenden Aussagen die höchsten Zustimmungswerte; die ablehnenden Aussagen werden dagegen weitgehend zurückgewiesen. Sehen der Maschinenbau und die produzierenden Unternehmen dabei insbesondere die effizientere (bestehende) Produktion im Vordergrund, so erreicht bei den Automatisierungstechnikunternehmen die Schaffung neuer Geschäftsmodelle die meiste Zustimmung. Nur Wenige bezeichnen das Thema als vorübergehende Modeerscheinung oder finden, dass Industrie 4.0 nur etwas für große Unternehmen sei (Bild). Ein Negativ-Image kann Industrie 4.0 anhand dieser Daten also keinesfalls attestiert werden. Vielmehr überwiegen die positiven Erwartungen bezüglich dieser neuen Technologie. Aus Sicht der Befragten bringt Industrie 4.0 damit gute Voraussetzungen mit, um ein Wachstumstreiber zu werden, wobei der Fokus jedoch zumindest zunächst auf der Effizienzsteigerung bestehender Fertigungsprozesse liegen wird.

Effizienz schlägt Vielfalt
Die Frage nach den Treibern der Technologie wird von den Befragten insbesondere mit „Eine flexiblere Anpassung an die Nachfrage“, „Verkürzte Produktionszeiten“ und „Eine höhere Auslastung“ beantwortet. Ebenso wichtig sind die Transparenz über Bestände und Kapazitätsauslastungen sowie der effizientere Einsatz von Mitarbeitern. Den Unternehmen geht es also vor allem um eine Optimierung ihrer tagtäglichen Abläufe. Die einfachere Realisierung kundenindividueller Produkte, der die Automatisierungstechnikunternehmen ebenfalls eine hohe Bedeutung beimessen, landet beim Maschinenbau und der produzierenden Industrie dagegen nur im Mittelfeld. Gleiches gilt für die Vermeidung von Fehlern bei der Produktionsumstellung und der schnelleren Time-to-Market bei Produktneueinführungen. Diese Abweichungen vom normalen Produktionsalltag haben also nicht die Relevanz, die Automatisierungstechnikhersteller ihnen unterstellen. Zusammengefasst ergibt sich für die Treiber von Industrie 4.0-Projekten folgende Rangfolge: Nach der Fertigungs- und Mitarbeitereffizienz folgen die Fertigungsplanung und die Bewältigung von Sonderformen der Produktion sowie dann Personaleinsparungen. Dieses Ranking ist weitaus stärker am derzeitigen „Daily Business“ der Maschinenbauer und Endkunden ausgerichtet, als dies bei den Automatisierungstechnikherstellern der Fall ist.

Herausforderung Datenmanagement
Zu Industrie 4.0 gehört die Verknüpfung unterschiedlicher Informationen aus Produktion, Unternehmenssteuerung, Absatzkanälen und weiteren Quellen. Und das wiederum stellt eine klassische IT-Domäne dar. Entsprechend werden auch die damit zusammenhängenden Fragestellungen als wesentliche Herausforderungen gesehen. Ganz vorn rangiert dabei die Standardisierung der Datenschnittstellen zwischen Markt, Verwaltung und Fertigung. Dies ist für über 75 % der Befragten das alles entscheidende Thema. Für rund die Hälfte der Unternehmen stehen zudem die Themen Datensicherheit und -qualität, die Beherrschung komplexer Datenströme, aber auch die notwendigen Investitionen für die IT-Infrastruktur ganz oben auf der To-do- Liste. Konzepte, wie Total Cost of Ownership, werden für die auf Effizienz bedachten Anwenderbranchen ein Punkt sein, dem sie sich bei der Initiierung entsprechender Projekte besonders intensiv widmen müssen. Entsprechend den Ergebnissen der Studie unterschätzen die Automatisierungstechnikhersteller möglicherweise die Bedeutung der Schnittstellenproblematik und der notwendigen Investitionen in die IT-Infrastruktur. Ferner widmen sie dem Thema der Dokumentation der einzelnen Projektschritte bisher zu wenig Aufmerksamkeit.

Die Bedeutung steigt – aber nur langsam
Bei aller positiven Einstellung gegenüber dem Thema Industrie 4.0 bleibt man realistisch: Derzeit sprechen vor allem die Maschinenbauer und die Produktionsunternehmen dieser Technologie eine äußerst geringe Bedeutung zu. Die Automatisierungstechnikhersteller sind demgegenüber etwas optimistischer. Alle befragten Gruppen sind sich jedoch einig: Die Bedeutung wird in den nächsten Jahren zunehmen. Mit hoher Übereinstimmung geben alle Branchen die zeitliche Prognose, dass Industrie 4.0-Lösungen in acht bis neun Jahren zum allgemeinen Branchenstandard gehören werden. Es ist also jetzt die Zeit, zu handeln und die notwendigen Innovationen anzustoßen. (hz)

Trendstudie: Industrie 4.0 – Einschätzung und Erwartungen des Maschinenbaus und der produzierenden Industrie
Die kompletten Ergebnisse der Befragung von 42 Hersteller aus dem Bereich Maschinenbau und produzierendes Gewerbe sind in einem 30-seitigen Bericht zusammengefasst, den Interessierte für 290 € + MWSt. beim VDE VERLAG (Kerstin Grzechnik, grzechnik@vde-verlag.de, Tel. 0 69/84 00 06-13 80) in Papierform oder als PDF erwerben können. Ebenfalls steht der Bericht der Befragung von 80 Automatisierungstechnikherstellern für 290 € + MWSt. zur Verfügung. Beide Berichte werden zusammen für 390 € + MWSt. angeboten.

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Autoren:
Prof. Dr. Linus Schleupner ist Geschäftsführer der Linus Schleupner GmbH Strategisches Management in Willich. info@dr-linus-schleupner.de

Dipl.-Psych. Christian Manzei ist Inhaber des Marktforschungsunternehmens Think Company. christian.manzei@think-company.de

Dipl.-Ing. Ronald Heinze ist Chefredakteur der etz elektrotechnik & automation. ronald.heinze@vde-verlag.de