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01 Der Uhrenbeweger hält Automatikuhren nicht nur schonend in Gang, sondern präsentiert sie auch als Teil eines ästhetisch anspruchsvollen Gesamtkunstwerks

Antriebstechnik für anspruchsvolle Mechanik

02 Die Zylinder, in denen die Uhren befestigt sind, rollen aufeinander und halten sich so gegenseitig in Bewegung. Nur der mittlere Zylinder muss angetrieben werden

03 Der Motor ist zentrales Element eines Gesamtkunstwerks, das ausschließlich aus hochwertigen Einzelteilen zusammengefügt wird

04 Mit der Lumi-Sidus-App können die Eigentümer das Gerät in jeder Farbe erstrahlen lassen

Ein Uhrenbeweger ist ein mechanisches Gerät, um Automatikuhren aufzuziehen und betriebsbereit zu halten, auch wenn sie nicht getragen werden. Heute gibt es Lösungen, die ästhetisch so ansprechend sind, dass man sich ohne Weiteres auch in einer Galerie oder einem Museum vorstellen könnte. Ein kleiner und laufruhiger Getriebemotor spielt bei diesem ästhetisch und technisch anspruchsvollen Uhrenbeweger eine Schlüsselrolle.

Alexander Merklinger, einer der Gründer der Firma M&E, ist passionierter Querdenker und Erfinder. Seine Leidenschaft für knifflige mechanische Aufgaben lässt ihn auch in der Freizeit nicht los. Kein Wunder, dass er auch ein Liebhaber und Sammler hochwertiger mechanischer Uhren ist. Diese sind meist mit Mechanismen ausgestattet, die das „Aufziehen“ normalerweise durch die Bewegung ihres Trägers bewerkstelligen. Das funktioniert natürlich nicht, wenn eine Uhr unbewegt im Schrank liegt. Bleibt eine der Uhren aus der Sammlung stehen, wird das Aufziehen und Justieren von Hand recht umständlich. Das gilt besonders, wenn das Uhrwerk über zusätzliche Funktionen – sogenannte Komplikationen – verfügt, die über das Anzeigen von Stunde, Minute und Sekunde hinausgehen. Dazu gehören beispielsweise Datum, Wochentag, Mondphase oder Ähnliches. A. Merklinger hatte deshalb den Plan gefasst, sich einen Uhrenbeweger anzuschaffen, der die nicht getragenen Chronometer beständig in Gang hält.

Von der Kunstausstellung in die Entwicklerwerkstatt
Tatsächlich war dann beim Besuch einer Kunstausstellung der Anblick einer Skulptur, die sich in sich drehte, der Urknall für die Firma M&E. Die Gründer nahmen die Faszination, die vom Kunstwerk ausging, mit in die Entwicklerwerkstatt. Sie verbanden sie mit raffinierter Technik und edlen Details. Sie entwickelten einen neuartigen Uhrenbeweger, der die hochwertigen Automatikuhren nicht nur schonend in Gang hält, sondern auch als Teile eines ästhetisch anspruchsvollen Gesamtkunstwerks präsentiert (Bild 1). Die mechanische Grundidee dieses Lumi Sidus besticht durch ihre Einfachheit: Die Zylinder, in denen die Uhren befestigt sind, rollen aufeinander und halten sich so gegenseitig in Bewegung (Bild 2). Nur der mittlere Zylinder muss angetrieben werden. Die technische Umsetzung der Idee folgt ebenfalls dem Prinzip der Schlichtheit und klaren Linie. „Bei dieser kraftschlüssigen Verbindung sind die Rollen in keiner Weise miteinander gekoppelt, sie berühren einander lediglich an den Außenflächen“, erklärt A. Merklinger, „Die Bewegung wird nur durch das Abrollen von Zylinder zu Zylinder übertragen.“ Damit das Ganze funktioniert, müssen diese ebenso wie die beiden äußeren Halteringe präzise gefertigt sein. Bei der Montage werden neun Zylinder aus Metall und Plexiglas einfach um den angetriebenen Zentralzylinder in den Rahmen gelegt, erst das Einbringen des Elften stellt die stabile Verbindung aller Elemente des Systems her.

Antrieb sorgt für meditative Ruhe
Die gegenläufig kreisende Bewegung des Lumi Sidus strahlt eine meditative Ruhe aus, weil sie sich ohne Zahnräder, Riemen oder andere Hilfsmittel gleichsam schwebend vollzieht. Zehn Zylinder kreisen nicht nur auf der eigenen Achse, sondern – wie Planeten um das Zentralgestirn – auch um den mittleren Zylinder. Bei dieser schon fast majestätischen Darbietung darf natürlich kein Antriebsgeräusch stören. „Wir haben uns unter anderem deshalb für den Faulhaber-Motor entschieden, weil von ihm im Betrieb nichts zu hören ist“, fährt A. Merklinger fort. „Mit seiner extremen Laufruhe hat er sich von allen anderen Motoren auf dem Markt deutlich abgehoben.“ Der lautlose Betrieb war eine wichtige, aber nicht die einzige Anforderung an den Motor, erinnert sich Hendrik Stockhaus, Vertriebsexperte bei Faulhaber : „Er sollte auch klein genug sein, um in der weitgehend transparenten Konstruktion nicht aufzufallen. Trotzdem muss er ein hohes Drehmoment liefern, um die elf Zylinder in stetiger Bewegung zu halten, und das bei einer sehr niedrigen Drehzahl. Natürlich sollte er all das ohne Wartung über lange Zeit zuverlässig schaffen.“

Getriebemotor mit hoher Untersetzung
Nach detaillierter Abstimmung mit dem Kunden fiel die Wahl auf den passenden Getriebemotor. Dank seiner hohen Untersetzung kann er mit einer zehntel Umdrehung in der Minute arbeiten – beim Uhrenbeweger liegt die tatsächliche Drehzahl zwischen 1 min –1 und 2 min –1. Passend zu den meist Schweizer Uhren, die in dem Uhrenbeweger ihre Kreise ziehen, wird auch der Antrieb bei Faulhaber Minimotor im schweizerischen Croglio gefertigt. Der Motor ist zentrales Element eines Gesamtkunstwerks, das ausschließlich aus hochwertigen Einzelteilen zusammengefügt wird (Bild 3). Der Edelstahlrahmen kann zum Beispiel auch mit einem Überzug aus Gold oder Platin geliefert werden. Der Standfuß ist entweder aus schwarzem Granit oder aus Edelkristallen – Rauchquarz oder Achat – gefertigt. Letztere erreichen in ihrer natürlichen Form nicht die Ausmaße, um eine Platte von ausreichender Größe zu liefern. Deshalb werden einzelne Kristallstücke in einem aufwendigen Prozess zu einer fugenlosen Platte gefügt, die wie gewachsen aussieht und selbst ein Kunstwerk darstellt.

Eine App steuert Licht und Bewegung
Diesen Kristallfüßen verleiht ein integriertes Lichtsystem aus LED, die in einer Nut im Stein untergebracht sind, einen geheimnisvollen Schimmer. Mit der Lumi-Sidus-App können die Eigentümer das Gerät in jeder Farbe erstrahlen lassen (Bild 4). Der Verbindung von planetarischer Bewegung und Lichterglanz verdankt der Uhrenbeweger übrigens auch seinen Namen: Lumi Sidus ist eine Verbindung der lateinischen Worte für Licht (Lux, Lumen) und kreisendes Gestirn (Sidus). Mit der App lässt sich auch das Intervall zur Drehrichtungsänderung einstellen. „Bei manchen Uhren läuft der Rotor, der das automatische Aufziehen bewirkt, nur in eine Richtung“, erklärt A. Merklinger. „Man muss also die Drehrichtung regelmäßig ändern, damit jede Uhr zuverlässig aufgezogen wird.“ Ihre Premiere hatten die Uhrenbeweger auf der Fachmesse Munich Time im Herbst 2014, nachdem die Fertigung im Sommer mit voller Kapazität zu arbeiten begonnen hatte. „Wir beziehen alle Einzelteile und Materialien aus Deutschland und der Schweiz“, betont A. Merklinger. Obwohl noch ganz neu auf diesem exklusiven Markt, haben die Mannheimer Newcomer bereits namhafte Interessenten und Partner gefunden. Nur wenige Jahre nach ihrem Urknall ziehen die Gestirne von Lumi Sidus ihre Kreise bereits auf stabilen Bahnen. Leistungsstarke, laufruhige Kleinstantriebe haben dazu beigetragen. (mh)

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Autoren:
Dipl.-Ing. (BA) Andreas Seegen ist als Leiter Marketing für die Dr. Fritz Faulhaber GmbH & Co. KG in Schönaich tätig. andreas.seegen@faulhaber.de

Ellen-Christine Reiff, M.A., ist Fachautorin im Redaktionsbüro Stutensee. ereiff@rbsonline.de