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Retrofit von Pressen

Die Presse vor und nach dem Retrofit

Die Presse vor und nach dem Retrofit

01  Der Schaltschrank vor dem Retrofit

01  Der Schaltschrank vor dem Retrofit

02  Der Schaltschrank nach dem Retrofit

02  Der Schaltschrank nach dem Retrofit

Eine Modernisierung beziehungsweise ein Retrofit von Pressen oder anderen Maschinen mit großem mechanischem Anteil lohnt sich meist. Und das nicht nur aus Kostengründen. Der vorliegende Beitrag zeigt die Vorteile gegenüber einer Neuanschaffung oder einem unveränderten Weiterbetrieb einer Altmaschine. Dabei wird die allgemeine Vorgehensweise bei einem CE-konformen Umbau erläutert.

Ein Retrofit bietet sich vor allem für „in die Tage gekommene“ Maschinen an, bei denen die Mechanik einen Großteil der Kosten ausmacht. Typische Vertreter sind Pressen jeglicher Art. Hier liegt der Kostenanteil für die Mechanik oft weit über 90 %. Häufig ist die Steuerung nach 20 oder 30 Jahren nur noch für Historiker interessant, die Mechanik ist aber selbst im Vergleich zu aktuellen Pressen praktisch gleichwertig. Das ist auch schon die Grundidee: Unter Beibehaltung der Mechanik wird die Presse auf einen aktuellen Technologiestand gebracht. Einsparungen gegenüber einer Neuanschaffung von über 90 % sind erreichbar, weshalb derartige Umbauten sich praktisch immer lohnen.

Warum ein Retrofit?
Welche Vorteile bringt ein Retrofit? Der wohl wichtigste Aspekt ist die Wiederherstellung der Zuverlässigkeit der Maschine. Alte Steuerungselektrik ist irgendwann so verbraucht, dass Reparaturen fällig werden, welche dann aber mangels Verfügbarkeit von Ersatzteilen nicht mehr möglich sind. Ein zweiter Punkt ist die Erhöhung der Produktivität. Dies kann über modernere Sicherheitseinrichtungen realisiert werden, welche Sicherheitsreaktionszeiten der ­Maschine verbessern oder bedienerfreundlichere Arbeitsabläufe ­ermöglichen. Echte Leistungserhöhungen im Sinne von schnelleren Antrieben oder erhöhter Antriebsleistung sind häufig mit Vorsicht zu genießen, da hierdurch der Aufwand des Retrofit massiv ansteigen kann. Was aber in jedem Falle möglich ist, ist durch aktuelle Antriebstechnik oder mittels einer überarbeiteten Hydraulik oder Pneumatik die Energieverluste zu senken und damit die Betriebskosten der Maschine. Leckagen werden dabei behoben und es können elektrische Antriebe mit höheren Wirkungsgraden zur Verwendung kommen. Praktisch als Gratiszugabe können derartige Umbauten auch moderne Kommunikationstechnik nutzen. Von Visualisierungs-Schnittstellen zur Leitebene über Touchpanels mit Anzeige der Produktivdaten bis hin zu VPN-Schnittstellen für den Fernzugriff ist hier alles möglich, was auch neue Anlagen bieten.
Insbesondere für das Management kann ein Retrofit auch einen ruhigeren Schlaf bedeuten. Die mit dem Retrofit einhergehende neue Dokumentation zur Maschine sorgt dafür, dass der sichere Betrieb der Maschine nicht nur Tatsache, sondern auch rechtssicher dokumentiert ist.
Eine der häufigsten Fragen im Zusammenhang mit ­einem Retrofit lautet: Kann jede Maschine auf einen aktu­ellen Stand gebracht werden, egal wie alt, egal ob mit oder ohne CE? Leider ist diese Frage nicht pauschal mit ja zu beantworten. Als Faustregel gilt jedoch: Eine Maschine, die derzeit sicher betrieben werden kann und darf, hat gute Chancen für ein Retrofit mit vertretbarem Aufwand. Ob die Maschine anschließend ein neues CE benötigt, hängt von den individuellen Bedingungen ab. Dabei spielen Alter, Umfang des Umbaus und bereits vorhandene Dokumentation zur Maschine die wesentlichen Rollen. Maschinen, die derzeit nicht in einem betriebsfähigen Zustand sind, können trotzdem Chancen auf eine Wiederaufarbeitung haben, ­allerdings ist immer eine individuelle Bewertung unerlässlich.

Ablauf des Retrofit
Wie läuft ein Retrofit praktisch ab? Im ersten Schritt wird bewertet, ob die Maschine zum aktuellen Zeitpunkt den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Ist dies der Fall, steht einem weiteren Vorgehen nichts im Wege. Wurden in der Vergangenheit undokumentierte Änderungen durchgeführt oder ist der Zustand der Maschine fragwürdig oder gar nicht mehr sicher, ist zuerst ein sicherer und gesetzeskonformer Zustand herzustellen. Dies ist häufig der größte und schwierigste Teil eines Retrofit, denn nicht selten sind die Maschinen nach vielen kleinen und undokumentierten Umbauten in einem Zustand, der den aktuellen rechtlichen Anforderungen nicht mehr entspricht. Hier ist viel Fingerspitzengefühl erforderlich.
Als nächstes werden die individuellen Änderungen geplant. Dies geschieht nach Themenpaketen, zum Beispiel Elektrik, Sicherheitstechnik, Hydraulik oder Antriebstechnik. Bei geeigneter Planung und Dokumentation kann hier häufig auf die Notwendigkeit einer erneuten CE-Konformitätserklärung verzichtet werden. Selbst bei sehr alten Maschinen, welche vor dem Inkrafttreten der Maschinenrichtlinie 98/37/EG aus dem Jahre 1998 in Verkehr gebracht wurden, kann ebenfalls in vielen Fällen die Notwendigkeit für eine CE-Konformitätserklärung vermieden werden. Die CE-Konformitätserklärung würde, falls das Retrofit ungeschickt durchgeführt wird, eine komplette Neubetrachtung der Maschine erfordern und ist als solches naturgemäß zu vermeiden. Die Planung und die eigentlichen Umbauarbeiten bietet zum Beispiel das Unternehmen Wieland Electric als Generalunternehmer an. Kunden können auch auf ­eigene Handwerker zurückgreifen oder Wieland Electric lediglich für Beratung und Planung buchen.
Im Beispiel wurde eine 29 Jahre alte Hydraulikpresse überarbeitet. Der Neuanschaffungspreis liegt bei circa 100 000 €. Die Retrofit-Kosten hingegen lagen unter 10 000 €. Im Rahmen des Retrofit wurde die komplette Elektrik und die komplette Sicherheitstechnik ausgetauscht (Bild 1 und 2). Eine Sicherheitskleinsteuerung Samos Pro Compact ersetzt die traditionelle Schütztechnologie. Mit der Sicherheitssteuerung wird sowohl die Sicherheitstechnik als auch die normale Steuerung der Presse durchgeführt, was eine zweite Steuerung spart. Das Sicherheitslichtgitter wurde durch das Modell SLC in schlanker Bauform ersetzt. Funktional sind Bedien- und Sicherheitskonzept unverändert. Da die Hydraulik und die Ventile zum Großteil noch dem ­aktuellen Stand entsprachen, war im Bereich der Antriebe lediglich eine umfangreiche Wartung erforderlich, um Undichtigkeiten und kleinere Mängel zu beheben. Die Dauer des Umbaus selbst betrug zehn Arbeitstage.

Fazit
In Anbetracht der Kosten von weniger als 10 % des Anschaffungspreises und der relativ kurzen Umbauzeit lohnt sich ein Umbau in jedem Falle. Wenn, wie im Beispiel beschrieben, eine 29 Jahre alte Maschine wieder 20 Jahre betrieben werden kann, ist die Wirtschaftlichkeit immer gegeben. (hz)

Dipl.-Ing. Thomas Kramer-Wolf ist Fachreferent Safety/Maschinenbau bei der Wieland Electric GmbH in Bamberg. thomas.kramer-wolf@wieland-electric.de