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09.09.2016

Besuch bei ABB in Ladenburg



Durchgängig effizient

Stefan Flöck (links), Geschäftsbereichsleiter Drives and Controls bei der ABB Automation Products GmbH in Ladenburg,  im Gespräch mit Frank Nolte, stellvertretender Chefredaktuer der etz

Stefan Flöck (links), Geschäftsbereichsleiter Drives and Controls bei der ABB Automation Products GmbH in Ladenburg, im Gespräch mit Frank Nolte, stellvertretender Chefredaktuer der etz

Energieeffiziente Antriebslösungen nach IE3 und IE4 sind für ABB schon ein alter Hut. Die Motoren der sogenannten „SynRM2“-Technologie erfüllen bereits die noch nicht bis ins Detail spezifizierten Anforderungen der IE6. Im Gespräch mit Stefan Flöck, Geschäftsbereichsleiter Drives and Controls bei der ABB Automation Products GmbH in Ladenburg, erfuhr die etz-Redaktion, dass das Unternehmen sich aber nicht nur auf die reinen Komponenten der Antriebstechnik fokussiert. Systemeffizienz, Lösungen und Software, die den Kundennutzen im Fokus haben, rücken immer mehr in den Vordergrund.

Bei energieeffizienten Antriebskonzepten nimmt ABB schon lange eine Vorreiterrolle ein. Aber sind Sie mit der „SynRM2“-Technik, die theoretisch der IE6-Klasse entspricht, nicht etwas zu weit nach vorn geprescht? Schließlich werden aktuell lediglich IE3-Antriebe gefordert.
S. Flöck: Als führender Hersteller im Antriebssegment wollen wir frühzeitig zukunftsweisende Technologien zeigen und offerieren. Auch wenn die IE6-Effizienz-Klasse noch gar nicht spezifiziert ist, haben wir aufbauend auf den bisherigen Effizienzklassen eine Weiterentwicklung unserer aktuellen Synchronreluktanzmotoren-Technologie (Bild 1) vorgestellt. Diese „SynRM2“-Technologie ist 20 % effizienter als IE5 – was den Spezifikationen der Norm von morgen entsprechen dürfte. Wir bieten unseren Kunden damit ein Zukunftskonzept. Damit sind sie nicht nur für zu erwartende Anforderungen gerüstet, sondern können auch ihre Prozesse und Abläufe noch effizienter, produktiver und vor allem energiesparender gestalten.

01  Synchronreluktanzmotoren vereinen die Vorteile der ­Permanentmagnetmotoren mit der Kosteneffizienz, Einfachheit und Wartungsfreundlichkeit von Asynchronmotoren

01  Synchronreluktanzmotoren vereinen die Vorteile der ­Permanentmagnetmotoren mit der Kosteneffizienz, Einfachheit und Wartungsfreundlichkeit von Asynchronmotoren

02  Ein kleiner Auszug aus der breiten Produktpalette von ABB: Umrichter, Steuerungen, Panel-PC

02  Ein kleiner Auszug aus der breiten Produktpalette von ABB: Umrichter, Steuerungen, Panel-PC

03  Die App Drivebase verwendet die Technologie des ­dynamischen QR-Tags zur Übertragung von Informationen zwischen Antrieb und Mobilgerät

03  Die App Drivebase verwendet die Technologie des ­dynamischen QR-Tags zur Übertragung von Informationen zwischen Antrieb und Mobilgerät

S.Flöck: „Wir wollen mit unseren ‚IoTSP‘-Lösungen nicht nur die Produktivität verbessern und die Effizienz steigern, sondern auch die Arbeit für den ­Menschen vereinfachen“

S.Flöck: „Wir wollen mit unseren ‚IoTSP‘-Lösungen nicht nur die Produktivität verbessern und die Effizienz steigern, sondern auch die Arbeit für den ­Menschen vereinfachen“

Bei dem Thema Energieeffizienz es geht aber nicht um den Motor allein. Wie auch in der DIN EN 50598 beschrieben, sollte der komplette Antriebsstrang betrachtet werden. Wie vermitteln Sie das Ihren Kunden?
S. Flöck: ABB bietet als Komplettanbieter für elektrische Antriebstechnik schon jetzt gemessene Synchronreluktanzmotor-Umrichter-Paketwirkungsgrade, die den Anforderungen der DIN EN 50598 entsprechen. Für rund 50 Pakete haben wir die ganzen Leistungen auf dem Prüfstand durchgemessen. Die Anwender können damit den Energieverbrauch der Antriebspakete präzise bestimmen.
Die Produkte bilden die Basis. Aber erst durch deren richtige Kombination und Anwendung, unter anderem unter Berücksichtigung der Kommunikation, Bedienung und Analyse, entsteht eine effiziente Lösung. Dementsprechend konzentrieren wir uns auch nicht nur auf einen Produktbereich (Bild 2).

Schaut der Einkäufer nicht immer noch zuerst auf den Preis und sucht nach dem billigsten Produkt?
S. Flöck: Die meisten Kunden berücksichtigen inzwischen die „Total Cost of Ownership“ und haben gemerkt, dass die billigen Produkte über eine längere Zeit nur selten die günstigsten sind. Energieeffizienz, Langlebigkeit und Bedienfreundlichkeit spielen eine immer größere Rolle. Erst recht, wenn der Kunde vom Lieferanten nicht nur ein Produkt, sondern auch Funktionen und Lösungen verlangt. Vor allem bei komplexeren Anwendungen lassen sich schließlich erst mit aufeinander abgestimmten Komponenten und Konzepten möglichst viele Einsparpotenziale erschließen. Letztendlich bieten wir auch so unseren Kunden neue Geschäfts- und Differenzierungsmöglichkeiten. Als zuverlässiger Partner unterstützen wir unsere Kunden bei all dem.
Die Zukunft wird immer mehr beweisen, dass man sich durch ein Angebot an einfach zu realisierenden Gesamtkonzepten differenzieren und profilieren muss. Es geht nicht mehr darum, nur eine Norm zu erfüllen. Die Kunden wollen ihre speziellen Anforderungen verstanden wissen. Wir investieren daher speziell in geschulte Fachleute für die einzelnen Segmente. Sie müssen die Sprache des Kunden sprechen, seine Probleme verstehen und ihm Lösungen bieten – gegebenenfalls diese auch zusammen mit ihm entwickeln. Dementsprechend fokussieren wir uns verstärkt auf spezielle Segmente. Durch unser vielfältiges Know-how in den unterschiedlichsten Bereichen und Branchen können wir die Spezialisten zusammenbringen, die systemübergreifend in einem Team zusammenarbeiten. Das ist eine unserer Stärken.

Welche Rolle spielt dabei eigentlich die Software? Ist sie nicht inzwischen der treibende Technologiefaktor?
S. Flöck: Die Automatisierungstechnik ist im Wandel. Alle Produkte, insbesondere intelligente wie Frequenzumrichter, bauen auf flexibler Software auf. Mit intelligenten Softwarelösungen kommen wir zu intelligenten, flexiblen Systemen, die auch schnell auf veränderte Anforderungen reagieren können. Zum Beispiel lässt sich die Produktion aufrechterhalten, wenn man noch schneller auf Veränderungen des Maschinenverhaltens reagiert, wie etwa eine erhöhte Vibration bei einem Motor. Condition Monitoring und Predictive Maintenance werden immer wichtiger. Darauf sind unsere Systeme und Lösungen schon heute eingestellt, indem sie alle prozessrelevanten Daten auf nahezu beliebigem Wege zur Verfügung stellen – bis hin zur Kommunikation via Satellit.

Sind die Smartphone-Apps ein Beispiel dafür?
S. Flöck: Genau, die beiden Apps Drivebase und Drivetune unterstützen die Optimierung und Wartung von ABB-Frequenzumrichtern. Die serviceorientierte App Drivebase kann kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden. Sie erlaubt es, Antriebe zu registrieren, auf installierte Antriebe und die Dokumentation zuzugreifen oder auch Wartungsintervalle zu planen und zu dokumentieren. Dabei verwendet Drivebase die Technologie des dynamischen QR-Tags, um Informationen zwischen Antrieb und Mobilgerät zu übertragen (Bild 3).
Drivetune eignet sich für die Inbetriebnahme, Störungssuche und Einstellung der Frequenzumrichter. Die App liefert nicht nur bessere Informationen als die in der Industrie üblichen Standard-Bedienpanels, sie enthält auch einen Echtzeit-Zugriff über Bluetooth auf den Antrieb und den Cloud-basierten Internet-Service. Das ist sehr hilfreich, auch wenn es nur um die entsprechende Service-Rufnummer geht. Insgesamt wird so der Service schneller und benutzerfreundlicher. Dies bieten wir nahezu einheitlich für unsere durchgängige Frequenzumrichterreihe an – auch ein Grund für unseren Slogan: All-Compatible-Drives. Sie ist übrigens die durchgängigste Umrichterserie am Markt mit einer nahezu einheitlichen Bedienerplattformen bis hin zum MW-Umrichter.

Bei der Kommunikation – vor allem im industriellen Umfeld – ist die Datensicherheit von großer Bedeutung.
S. Flöck: Richtig, Datensicherheit und -harmonisierung ist ein wichtiges Thema. Im B2B-Bereich, wo wir über standardisierte technische Daten reden, ist die Datensicherheit Grundvoraussetzung, damit die Produktion und die Prozesse reibungslos funktionieren. Aus diesem Grund setzen wir uns bei ABB auch intensiv mit diesem Thema auseinander und bieten hier entsprechende Lösungen an.
Da mehr als die Hälfte unserer Produkte softwarebezogen ist, legen wir sehr großen Wert auf integrierten Cyberschutz. Einzellösungen können die zunehmend vernetzten Systeme nicht sichern. Wir arbeiten deshalb zusammen mit unseren Kunden an einer tiefengestaffelten Sicherheitsarchitektur, bei der mehrere Sicherheitsschichten Bedrohungen erkennen und abwehren.

Immer häufiger hört man in dem Zusammenhang auch das Schlagwort Cloud-Kommunikation. Denken Sie auch über solche Lösungen nach?
S. Flöck: Der Gedanke der Cloud-basierten Lösungen ist für uns nicht neu. Produkte und Dienstleistungen stehen dafür bereits zur Verfügung. Die spannende Aufgabe ist es, dies unseren Kunden schnell umsetzbar anzubieten, ohne dabei die Transparenz zu verlieren. Das bedeutet, wir müssen immer mehr Anwendungen und Prozesse einbinden und diese Lösungen nicht nur für ausgesuchte Applikationen nutzen. Scada-Systeme stellen hier eine einfache Bedienbarkeit in den Mittelpunkt. Es ist schon immer unsere Zielsetzung gewesen, dass der Kunde unsere Systeme einfach verstehen und bedienen kann.

Kommt bei den Konzepten der effizienten Produktion nicht der Faktor Mensch zu kurz?
S. Flöck: Deswegen sprechen wir bei ABB nicht einfach von Industrie 4.0, sondern vom „Internet of Things, Services and People“, kurz „IoTSP“. Wir wollen mit unseren „IoTSP“-Lösungen nicht nur die Produktivität verbessern und die Effizienz steigern, sondern auch die Arbeit für den Menschen vereinfachen. Wir sind im Moment dabei, die Produktion zu perfektionieren. Ein Mehr an Automatisierung kommt so letztlich auch dem Menschen zugute, unter anderem dadurch, dass neue Tätigkeitsfelder entstehen.
Wir bieten unseren Kunden „Value Added Services“, die die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle erlauben und somit auch ein großes Potenzial für neue Beschäftigungsfelder bieten. Der Wandel von einer Schadensbeseitigung zur Schadensvorbeugung durch Condition Monitoring oder Predictive Maintenance lässt sich schließlich nur durch entsprechende Software- und Servicekonzepte realisieren. So liefern unsere neuen Remote Condition Monitoring Services in Echtzeit exakte Zustands- und Ereignismeldungen von ABB-Frequenzumrichtern sowie -motoren und helfen so, den Betriebszustand sowie den Wartungsbedarf zu ermitteln. Neben dem Zugriff auf Echtzeit-Daten erhält der Anwender zum Beispiel für die Motoren E-Mail-Benachrichtigungen zu kritischen Zustandsänderungen wie einem Temperaturanstieg. Außerdem kann er beispielsweise für seinen Frequenzumrichter auf Wunsch eine regelmäßige Expertenanalyse zu dessen Zustand bekommen. Mit unseren Konzepten können wir proaktiv – beispielsweise durch Bereitstellung von Daten in der Cloud – vorbeugende Wartung, Planung von Serviceintervallen und Ähnliches realisieren.

Was sind die nächsten Schritte bei ABB?
S. Flöck: Wir werden gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern an entsprechenden Geschäftsmodellen arbeiten und bestehende ausbauen, basierend auf unserem bereits vorhandenen breiten Angebot an Standardanwendungen. Das Ziel ist es, bereits vorhandene „kommunikative“ Produkte und die hieraus zur Verfügung stehenden Daten in Verbindung mit Softwarelösungen wie Visualisierungs- beziehungsweise Scada-Systemen zu koppeln und benutzerfreundlich anzuwenden. Dies führt letztendlich zu einer höheren Produktivität und Energieeffizienz.



Ob die zwei jemand mitnimmt?

Ob die zwei jemand mitnimmt?

Der nächste Stop der etz@Tour ist in Ladenburg bei ABB. Am 15. Juli sprechen wir mit Stefan Flöck über Trends und Konzepte der Antriebstechnik.


Das Wetter an der Bergstraße ist fast so gut, wie unsere Laune.

Das Wetter an der Bergstraße ist fast so gut, wie unsere Laune.

Ankunft im schönen Ladenburg - auch wenn uns ABB eingeladen hat

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Da sind wir schon

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Stefan Flöck, Leiter Vertrieb Drives & Motors bei der ABB Automation Products GmbH in Ladenburg, erläutert Frank Nolte (rechts) das IoTSP-Konzept von ABB

Stefan Flöck, Leiter Vertrieb Drives & Motors bei der ABB Automation Products GmbH in Ladenburg, erläutert Frank Nolte (rechts) das IoTSP-Konzept von ABB

Stefan Flöck: "Wir wollen dem Kunden nicht nur ein Produkt, sondern ein Lösungspaket inklusive Verfügbarkeit und Service bieten."

Stefan Flöck (links): “Wir wollen dem Kunden nicht nur ein Produkt, sondern ein Lösungspaket inklusive Verfügbarkeit und Service bieten.”


Wiederum ein sehr interessantes und informatives Gespräch. Das Interview erscheint in der Ausgabe 9/2016 der etz und demnächst auch hier.

Wenn wir Ihr Antriebstechnikunternehmen auch mal besuchen sollen, kontaktieren Sie uns doch einfach.