A A A
| Sitemap | Kontakt | Impressum | Datenschutz
ETZ Logo VDE Verlag Logo

Leitungen und Schaltschränke in der Lebensmittelindustrie

01  Ein Blick in die Produktion von Kartoffelchips: Auf Transportbändern, Schütten und Zwischencontainern werden die Kartoffeln durch verschiedene Stationen geschickt, bis aus ihnen zwei Hallen weiter das Fertigprodukt entsteht

01  Ein Blick in die Produktion von Kartoffelchips: Auf Transportbändern, Schütten und Zwischencontainern werden die Kartoffeln durch verschiedene Stationen geschickt, bis aus ihnen zwei Hallen weiter das Fertigprodukt entsteht

02  Sämtliche Schaltschränke inklusive Stromverteilungs- und Klimatisierungstechnik stammen von Rittal. Sie sind zentral und meterlang an der Wand angereiht oder in kleinerer Version als Kompaktgehäuse über den Förderbändern befestigt

02  Sämtliche Schaltschränke inklusive Stromverteilungs- und Klimatisierungstechnik stammen von Rittal. Sie sind zentral und meterlang an der Wand angereiht oder in kleinerer Version als Kompaktgehäuse über den Förderbändern befestigt

03  Für die Verkabelung der Schaltschränke kommen viele Kilometer Ölflex-Kabel von Lapp zum Einsatz

03  Für die Verkabelung der Schaltschränke kommen viele Kilometer Ölflex-Kabel von Lapp zum Einsatz

In der Produktion von Lebensmitteln gelten hohe Hygieneanforderungen. Dementsprechend müssen dort zum Einsatz kommende Komponenten, wie Leitungen und Schaltschränke, spezielle Eigenschaften erfüllen. Dazu zählt unter anderem die Beständigkeit gegen aggressive Reinigungsmittel sowie riefenfreie, glatte Oberflächen. Leitungen von Lapp und Schaltschränke von Rittal demonstrieren ihre Eignung im täglichen Einsatz bei einem Hersteller von Kartoffelchips.

Im Werk eines bekannten Snackproduzenten in Neunburg vorm Wald werden jährlich Millionen Kartoffeln aus dem Landkreis Schwandorf in der Oberpfalz zu Kartoffelchips verarbeitet. Über Transportbänder gelangen sie in Schütten und Zwischencontainern, wo sie von Erde, Kraut und Steinen gereinigt, gewogen, nach Größen sortiert und gewaschen werden (Bild 1). Zwei Hallen weiter entstehen daraus dann die Chips.
„Damit das reibungslos funktioniert, ist die Technik in hohem Maße gefordert“, sagt Martin Tischler, Projektingenieur im Werk und verantwortlich für den Aufbau einer komplett neuen Anlage zur Verarbeitung der Kartoffeln. Sie läuft seit einem Jahr im Regelbetrieb und soll mindestens 25 Jahre Bestand haben. Bei der Auswahl der technischen Komponenten wurde deshalb hoher Wert auf deren Qualität und Langlebigkeit gelegt. So sind sie einer hohen Staubbelastung und täglichen Reinigungsarbeiten innerhalb der Anlage ausgesetzt.
Bei den Schaltschränken inklusive Stromverteilungs- und Klimatisierungstechnik setzt man deshalb auf Produkte aus dem Haus Rittal. Zentral und meterlang an der Wand angereiht (Bild 2) oder in kleinerer Version als Kompaktgehäuse über den Förderbändern befestigt, schützen die Edelstahlschränke die Stromverteilungstechnik sowie die Steuerung, die rund 80 Antriebe und annähernd 400 Sensoren kontrolliert.

Ausschließlich Leitungen von Lapp
In den Schränken kommen, feinsäuberlich zwischen den Steuerungen von Siemens verlegt, Ölflex-Leitungen von Lapp (Bild 3) zum Einsatz. Das robuste Kabel ist hier hundertfach verbaut. Auch die bunten und unbeschrifteten Einzeldrähte stammten von dem Stuttgarter Hersteller. Nicht nur in der neuen Kartoffelverarbeitung, sondern auch anderswo in der Fabrik finden sich Kabel und Leitungen von Lapp, beziehungsweise ersetzen nach und nach ältere Kabel anderer Hersteller.
Geplant und ausgeführt wurde das Projekt von F.EE. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die elektrotechnische Ausführung von Automatisierungsprojekten aller Größen. Das Werk zur Bestückung von Schaltschränken in Neunburg befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Chipsfabrik. Die kurze Distanz sei für den Kunden zwar ein Pluspunkt gewesen, sagt Rainer Walbrun, Einkaufsleiter bei F.EE, doch letztendlich zählten die Kosten. „Kompromisse bei der Qualität machen wir aber trotzdem nicht, denn am Ende geht es auch um die Kosten über die gesamte Lebensdauer der Anlage gesehen – und da macht sich Qualität schnell bezahlt“, stellt er heraus. Deshalb seien Lapp und Rittal bei allen Projekten die Wunschpartner gewesen.

Keimen keine Chance
Mit diesem Projekt kann Lapp einen weiteren Erfolg in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie verbuchen. Zwar sind die Stuttgarter schon länger in dieser Branche unterwegs, zusätzlich haben sie in den letzten beiden Jahren diverse neue Produkte vorgestellt, die speziell auf die Lebensmittelbranche zielen. Ein Beispiel stellen mehrere EHEDG-zertifizierte und nach den Prinzipien des Hygienic Design konzipierte Produkte dar, also mit glatten Oberflächen und ohne Vertiefungen, in denen sich Lebensmittelreste oder Keime festsetzen könnten. Ein weiteres Beispiel sind Kabel mit besonders robustem Mantel, die die regelmäßige Reinigung mit industrieüblichen Reinigungs- und Desinfektionsmitteln aushalten. In der Chipsfabrik übernimmt das eine externe Reinigungsfirma, die täglich mit Heißdampf und aggressiven Putzmitteln zu Werke geht.

Extradichte Schaltschränke
Rittal ist einer der Vorreiter für hygienegerecht gestaltete Gehäusetechnik. Auch die großen Schaltschränke, die etwas abseits der Kartoffel-Förderbänder stehen, haben schräge Hauben, von denen das Reinigungsmittel abläuft. Kleinere Schränke, die sich näher an den Kartoffeln befinden, haben außen liegende blaue Dichtungen, damit durch die Tür keine Feuchtigkeit eindringt. Statt Polyurethan werden Dichtungen aus Silikon verwendet. Sie sind beständiger gegen Reinigungsmittel. Die großen Schränke stehen erhöht auf einer Betonwanne, die Flüssigkeit abhält. In der Wanne selbst liegen viele Kilometer Lapp-Kabel, die von den Steue­rungen in den Schränken über offene Kabelschächte unter der Hallendecke zu den Motoren und Sensoren führen. Auch sie sind von dem Reinigungsprozess betroffen und müssen entsprechend robust ausgelegt sein. Zum Einsatz kommen unter anderem Ölflex Classic 110, Ölflex Classic 115 CY, die hochflexible Ölflex FD 810 CP sowie Ölflex Lift F in Schleppketten und die Profinet-Leitungen Etherline PN Cat.5 Y Flex Fast Connect. Für hermetische Dichtheit der Kabeldurchführungen sorgen Skintop-Kabelverschraubungen in diversen Größen und Ausführungen. In anderen Projekten setzen die Techniker von F.EE noch weitere Lapp-Produkte ein. In der Werkhalle bei F.EE, wo die Schaltschränke bestückt werden, nimmt das Lagerregal mit hunderten Kabeltrommeln einen zentralen Platz ein.

Kabelbinder in Signalfarbe
Alle Kabel in der Kartoffelsortierung sind an der Außenseite der Schaltschränke mit Edelstahletiketten beschriftet, die mit speziellen Kabelbindern von Lapp befestigt sind. Diese sind blau und enthalten einen Anteil Metall, damit sie leicht zu finden und magnetisch herauszupicken sind, falls sie doch einmal in einen Lebensmittelbehälter fallen sollten.
Auch in den Schaltschränken sind die Verarbeitungsstandards hoch. Besondere Beachtung erfährt die Abschirmung und Erdung der Kabel. So kommen auch Frequenzumrichter in der Anlage zum Einsatz, die die Drehzahl der Motoren an den Transportbändern regeln, und hochfrequente Störstrahlungen verursachen können. In den Schaltschränken sind deshalb an mehreren Stellen Erdungsleisten montiert, an denen die Schirmungen einiger Kabel eingeklemmt sind. Hier werden aber weder Leiter noch Schirmung unterbrochen; der Mantel ist lediglich auf wenigen Zentimetern ­Länge entfernt.

Know-how macht den Unterschied
Aufgrund der guten Erfahrungen will F.EE auch bei zukünftigen Projekten auf Lapp und Rittal als Partner setzen. „Wir bestücken jedes Jahr Schaltschränke, die nebeneinander­gestellt vier Kilometer lang wären“, sagt R. Walbrun, „und da wollen wir Defekte vermeiden.“ Besonders schätzt der Einkaufsleiter das Know-how des Lapp-Vertriebs, der für jedes Problem eine Lösung finde. „Denn am Ende machen nicht Schaltschränke oder Kabel das Geschäft, sondern die Menschen“, stellt er abschließend heraus. (ih)

Bernd Müller ist als freier Journalist unter anderem für die U.I. Lapp GmbH tätig. info@lappkabel.de

Bernd Müller ist als freier Journalist unter anderem für die U.I. Lapp GmbH tätig. info@lappkabel.de