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Globaler Partner für die Automatisierung im Feld

Christian Wolf, Geschäftsführer der Hans Turck GmbH: „Durch zahlreiche Investitionen an nahezu allen wesentlichen Unternehmens­standorten der Turck-Gruppe haben wir eine gute Grundlage für zukünftiges Wachstum geschaffen“

Christian Wolf, Geschäftsführer der Hans Turck GmbH: „Durch zahlreiche Investitionen an nahezu allen wesentlichen Unternehmens­standorten der Turck-Gruppe haben wir eine gute Grundlage für zukünftiges Wachstum geschaffen“

Die neue Vertriebs- und Marketingzentrale des Automatisierungsspezialisten

Die neue Vertriebs- und Marketingzentrale des Automatisierungsspezialisten

C. Wolf: „Wir sind ein ganzheitlicher Automatisierungsanbieter mit Fokus auf die dezentrale Maschinensteuerung in IP67“

C. Wolf: „Wir sind ein ganzheitlicher Automatisierungsanbieter mit Fokus auf die dezentrale Maschinensteuerung in IP67“

Nach fast zweijähriger Bauzeit hat Turck die Räumlichkeiten in der neuen Vertriebs- und Marketingzentrale bezogen. Was sich bei dem Automatisierungsspezialisten sonst noch im letzten Jahr getan hat, erfuhr die etz-Redaktion im Gespräch mit Geschäftsführer Christian Wolf.

Wie froh sind Sie, Ihr neues Domizil bezogen zu haben?
C. Wolf: Sehr. Das neue Gebäude wurde im Zeit- und Budgetplan abgeschlossen. Es zeichnet sich durch eine hohe Transparenz aus. Mit der offenen, kommunikationsfördernden Architektur und Struktur sind wir sehr zufrieden. Schon nach wenigen Wochen fällt das Feedback der Mitarbeiter sehr positiv aus. Wir konnten verschiedene Bereiche, die wir aus Platzgründen ausgelagert hatten, zusammenführen und haben inzwischen 85 % der Arbeitsplätze belegt. Derzeit werden die Büros im bisherigen Hauptgebäude saniert, sodass wir für die nächsten Jahre genügend Raum für weitere Expansion haben.

Vor einem Jahr wollten Sie das internationale Geschäft von Turck auf die BRIC-Staaten ausrichten. Keine leichte Aufgabe bei den aktuellen wirtschaftlichen Gegebenheiten.
C. Wolf: Auch wenn sich die zunächst hohen Erwartungen von vor zehn Jahren nicht ganz erfüllt haben, bleiben die BRIC-Staaten – neben der ASEAN-Region – sicher ­weiterhin im Fokus. Zwar ist das Wachstum in China mittlerweile eher gedämpft, aber bei so einer großen Volkswirtschaft ist auch ein hohes einstelliges Wachstum eine relevante Größe.
Auch Russland hat sich, nach anfänglichen Schwierig­keiten, zu einem sehr guten Wachstumsmarkt entwickelt. Momentan erwirtschaften wir dort einen Umsatz von mehr als 8 Mio. € und wachsen jedes Jahr zweistellig. Neue Herausforderungen entstehen dadurch, dass die russischen Staatsunternehmen immer mehr Wertschöpfung im eigenen Land fordern. Aber auch hierfür werden wir eine Lösung finden, schließlich wollen wir dieses Geschäft auch in Zukunft weiterentwickeln.
Indien hat sich gerade in den letzten Jahren sehr gut entwickelt und ist immer im Bereich von 20 % bis 25 % gewachsen. Der Break-even hat sich zwar anfangs etwas verschoben, in den letzten fünf Jahren arbeiten wir in Indien aber profitabel.
Die brasilianische Wirtschaft ist eher rezessiv. Wir haben in Brasilien eine klasse Vertriebsmannschaft und wachsen sehr gut. Damit sind wir als noch relativ kleiner Player im brasilianischen Markt aber sicherlich nicht repräsentativ. Unsere Erwartungen in den BRIC-Staaten sind daher in Summe positiv. Und da es sich auch weiterhin um potenzielle Zukunftsmärkte handelt, bleiben sie selbstverständlich im Fokus.

Wie ist es um die ASEAN-Region bestellt, wo Sie in diesem Jahr ein Headquarter in Singapur eröffnen wollten?
C. Wolf: Wir haben unseren koreanischen Geschäftsführer, der dort sehr erfolgreich war, zum Regionalgeschäftsführer ernannt. Um die ASEAN-Region möglichst effizient und ohne Reibungsverluste zu bedienen, gründen wir dort in Kürze ein Joint Venture mit unserem langjährigen Partner Banner Engineering. In diesen Ländern ist besonders die gemeinsam angebotene Optoelektronik sowie das Safety-Sortiment ein wichtiges Plus für uns. Nach der Gründung des Joint-Venture in Singapur in diesem Jahr beabsichtigen wir die Märkte in Thailand, Malaysia und anschließend Indonesien sowie Vietnam lokal zu bedienen.

Wie stellt sich die Situation in Amerika, Ihrem größten Markt, dar? Hat sich der Bau des eigenen Werks in Mexiko rentiert?
C. Wolf: Das neue Werk in Saltillo im Norden Mexikos ist in der Turck-Gruppe das mit den meisten Mitarbeitern und einer hervorragenden Performance. Wir profitieren ­dabei durch Kostenvorteile und sehr gut ausgebildete Mitarbeiter. Das ist auch wichtig, da der amerikanische Markt immer noch unter der Öl- und Gaskrise leidet. Mit dem Umsatz in den USA liegen wir aktuell knapp über dem Wert des Vorjahres. Aufgrund der guten Auftragseingänge sowie der anstehenden Projekte gehe ich davon aus, dass wir noch ein Wachstum von mehr als 3 % erreichen können.
Alles in allem ist die Situation in der Turck-Gruppe positiv. Insgesamt beträgt unser Wachstum über 5 %. Wenn das Geschäft in den letzten Monaten des Jahres so weitergeht, werden wir unser geplantes Umsatzwachstum von mehr als 6 % erreichen.

In der Automatisierung gewinnen Service und Dienstleistungen immer mehr an Bedeutung. Welche Rolle spielen sie inzwischen bei Turck?
C. Wolf: Wir haben bereits sehr serviceorientierte Bereiche wie etwa RFID in unserem Unternehmen. In der Turck-Gruppe gibt es weitere Beispiele wie Turck Mechatec oder Turck Duotec. Über Mechatec bieten wir unseren Kunden anschlussfertig konfektionierte Spezial­lösungen, von Kabelmarkierungen bis zum fertig bestückten Schaltschrank, an. Zum Portfolio von Duotec gehören unter anderem Entwicklungs- und Produktionsdienstleistungen für elektronische Baugruppen. Zudem bieten wir eine Vielzahl an internen Trainings und Dienstleistungen an. Allerdings reicht der Umsatz noch nicht aus, um einen eigenen Service- und Dienstleistungsbereich im Bereich der Auto­ma­tisierungstechnik zu etablieren. Bei komplexen und kundenspezifischen Lösungen, wie zum Beispiel Softwareprojekten oder RFID-Konzepten, werden diese Dienstleistungen auch honoriert und tragen nennenswert zum Umsatz bei, im klassischen Automatisierungssegment ist das jedoch weniger der Fall.

Wie gehen Sie das Trendthema Industrie 4.0 an?
C. Wolf: Natürlich bietet Industrie 4.0 viele Chancen. Eine echte Revolution ist das allerdings – allein schon wegen der langen Zeit, seit der darüber gesprochen wird – sicher nicht. So gab es Lösungen für Condition Monitoring schon einige Zeit, bevor von Industrie 4.0 gesprochen wurde. ­Außerdem sind viele Dinge einfach noch nicht ausreichend geregelt. Neue Geschäftsmodelle sind bisher noch nicht ­entstanden. Haupteinsatzgebiete für die durchgängige ­Kommunikation sind Predictive Maintenance sowie die Identifikation.
Mit unseren Sensoren – immerhin der Nukleus der Automatisierung – sind wir dafür bestens gerüstet. Alle unsere Geräte sind mit entsprechenden Kommunikationsschnittstellen ausgestattet, sodass wir jederzeit Daten für beliebige Schnittstellen liefern können.
Bei Industrie 4.0 geht es auch darum immer mehr Daten zu sammeln und auszuwerten. Dabei muss jedoch die Wirtschaftlichkeit immer im Vordergrund stehen. Unsere kapazitiven Sensoren konnten schon vorher neben dem Abstand weitere Daten wie Temperatur und Druck liefern. Man sollte allerdings nicht zu viel in die Sensoren hinein designen. Letztlich muss jedes zusätzliche Feature auch bezahlbar sein. Außerdem muss zunächst einmal festgelegt werden, wie weit denn zum Beispiel eine Predictive Maintenance gehen soll und welche konkreten Vorteile der Anwender daraus erzielen kann.

Gerade im Bezug auf das Handling der vielen Daten hört man auch immer öfter von der Anbindung von Sensoren an die Cloud. Welchen Weg beschreiten Sie hier?
C. Wolf: Unsere Strategie ist sehr offen. Wir bieten unsere Geräte mit OPC/UA- und IO-Link-Schnittstelle an. Damit lassen sie sich quasi an alle möglichen Systeme anbinden. Auf Kundenwunsch sind wir auch in der Lage eine Cloud-Lösung bereitzustellen. Ich glaube aber, dass nicht viele Kunden multiple Clouds verschiedener Komponentenhersteller einsetzen werden, sondern diese eher die Daten in die Clouds ihrer Kunden liefern müssen. Zudem spielen dabei sicherlich auch Sicherheitsaspekte eine große Rolle. Ich kenne heute kaum Kunden, die ihre Maschinendaten in einer Cloud ablegen bzw. sie dorthin auslagern wollen.
Anders sieht es bezüglich der Anbindung an ein MES- oder ERP-System aus. Hier bemerken wir eine steigende Nachfrage von unseren Kunden. Um hier künftig besser aufgestellt zu sein, streben wir weitere sinnvolle Kooperationen an. Es wäre aber auch durchaus denkbar, dass wir bei interessanten Unternehmen aus dem Software- und/oder dem Systemintegrationsbereich über eine Beteiligung nachdenken würden.

Mit dem Wissenstransfer im Bereich RFID sind Sie vor elf Jahren ja gut gefahren.
C. Wolf: Stimmt, die Investition in die RFID-Technologie war genau der richtige Schritt für uns. Wir waren einer der Ersten, die konsequent auf RFID im industriellen Umfeld gesetzt und die entsprechende Architektur sowie eine Feldbusanbindung angeboten haben. Die Technologie hat inzwischen stark an Akzeptanz gewonnen, vor allem weil die Tags inzwischen preislich konkurrenzfähig geworden ist. Der Bereich ist für uns sehr erfolgreich und verzeichnet in den letzten Jahren kontinuierlich ein hohes zweistelliges Wachstum. Die RFID-Technologie passt als klassische ­sensornahe Applikation aber auch hervorragend in unser Portfolio. Sie ist prädestiniert für Industrie-4.0-Applikationen. Schließlich müssen dabei fast immer Daten vom Feld ins MES- oder ERP-System gebracht werden und da ist die RFID-Technologie das Mittel der Wahl.

Nicht ganz so zufriedenstellend war die Entwicklung im letzten Jahr im Bereich Interfacetechnik. Konnten Sie das durch die neuen Geräte der IMX12-Familie ändern?
C. Wolf: Wir gehen davon aus, dass die neue Interfacetechnik-Serie für den Ex-Bereich durch ihre hohe Signaldichte, Schnelligkeit, Genauigkeit und Flexibilität im Markt erfolgreich sein wird. Das zeigt sich an ersten vielversprechenden Projekten, die wir mit Kunden derzeit umsetzen. Mit dem Umsatz liegen wir aktuell knapp 2 % über dem Vorjahreswert, auch bedingt durch den weltweit schwachen Öl- und Gasmarkt. Das liegt aber auch an den recht komplexen Zulassungsverfahren, die sich verzögert haben. Unabhängig davon arbeiten wir daran, die Produktfamilie mit weiteren Geräten abzurunden.

Ein Bereich, in dem sich Turck in letzter Zeit stärker etablieren will, ist Safety. Was können Sie darüber berichten?
C. Wolf: Dass wir durch unsere langjährige Partnerschaft mit dem US-Unternehmen Banner Engineering im Prinzip ein komplettes Safety-Portfolio im Programm haben, ist in der Tat bisher vor allem nur unseren eigenen Kunden bekannt. Wir arbeiten aber daran, das zu ändern. Dementsprechend stellen wir unter anderem auf Messen die gesamte Familie vor, die von Lichtschranken und -gittern über Opto­sensoren und Laserscanner bis zu Sicherheitsrelais und -controllern reicht.
Zudem wird unser hybrides Safety-IO-Modul, was wir im letzten Jahr mit Bihl + Wiedemann entwickelt haben, am Markt sehr gut angenommen. Alle Automobilisten interessieren sich dafür. Natürlich können wir uns noch nicht mit den Marktführern im Bereich Safety messen. Dafür ist das Segment bei uns noch zu klein, aber wir werden den Bereich konsequent ausbauen. Dabei haben wir vor allem die Themen IO-Link-Safety sowie Profisafe und CIP-Safety im Fokus. Aber wir beschäftigen uns auch mit der Integration der Sicherheitsfunktionen nach PLCopen. Schließlich möchten wir zunehmend unseren Kunden auch im Safety-Bereich als ganzheitlicher Lösungsanbieter zur Seite stehen.

Das Produktportfolio von Turck reicht ja mittlerweile schon einiges über die Feldebene hinaus und umfasst unter anderem HMI sowie integrierte Steuerungen. Wie positioniert sich das Unternehmen inzwischen?
C. Wolf: Mit unserem neuen Unternehmensclaim „Your global automation partner“ wollen wir verdeutlichen, dass wir uns als ganzheitlichen, weltweiten Automatisierungsanbieter sehen. Dies ist unser Anspruch und zugleich unser Leistungsversprechen an den Markt. Den Fokus legen wir aber hier ganz klar auf IP67 für die dezentrale Maschinensteuerung. Der Kunde, der dezentrale Intelligenz im Feld sucht, hat in uns den idealen Partner. Wir sind ein Nischenanbieter in der Steuerungstechnik und in der Feldebene sehr breit aufgestellt. (no)

Produktneuheiten zur SPS IPC Drives

Auf der SPS IPC Drives wird Turck in der Halle 7-351 auch in diesem Jahr wieder einige Produktneuheiten präsentieren. Dazu gehören die kompakte IP67-Codesys-3-Steuerung TBEN-PLC für kleinere oder modulare Maschinen, die kapazitive Sensorserie BCT mit IO-Link-Schnittstelle, eine neue Familie induktiver Näherungsschalter im M8-Gehäuse sowie der Temperaturmessverstärker IMX12-TI.

Die Block-IO-Steuerung TBEN-PLC (Bild) wird mit Codesys 3 programmiert. Sie agiert direkt im Feld und ermöglicht so schaltschranklose Maschinen oder Maschinenmodule, die flexibel über eine Kommunikations- und eine Spannungsversorgungsleitung mit anderen Modulen gekoppelt werden können. So reduzieren Anwender ihren Verkabelungsaufwand durch vorkonfektionierte Leitungen. Diese Flexibilität unterstreicht die Kompaktsteuerung durch die Vielzahl ihrer Kommunikationsschnittstellen: Als Master unterstützt das Gerät neben den Industrial-Ethernet-Protokollen Profinet, Ethernet/IP und Modbus TCP auch CANopen und SAE J1939 sowie die seriellen Schnittstellen RS-232 und RS-485. Daneben bietet TBEN-PLC acht universelle IO-Kanäle zur direkten ­Anbindung von Sensoren und Aktoren. In den Ethernet-Netzwerken kann TBEN-PLC auch als Slave (bzw. Device) agieren, was den Einsatz als Protokollkonverter ermöglicht.
Die kapazitiven Sensoren der Serie BCT (Bild) lassen sich über IO-Link noch einfacher parametrieren. Über FDT-Frameworks wie Pactware oder die Steuerung der Maschine kann der interne Prozesswert des Sensors bei unterschiedlichen Bedämpfungszuständen angezeigt werden. Das erleichtert das Einlernen des Sensors in schwierigen Applikationen und ermöglicht eine Diagnose der Verschmutzung des Sensors oder des Behälters. Die IP67-geschützten Sensoren gibt es als M18-Sensor mit 5 mm Norm-Schaltabstand sowie als M30-Sensor mit 10 mm Schaltabstand – jeweils bei bündigem Einbau. Beide Varianten sind mit oder ohne Teach-Taster verfügbar. Der BCT mit IO-Link überwacht die Temperatur im Gehäuse sowie den Zustand der Spannungsversorgung und erlaubt dem Anwender so eine vorausschauende Wartung.
Die modulare Konstruktion der induktiven Näherungsschalter (Bild) ermöglicht ein breites Portfolio mit erhöhten Schaltabständen und in den vier Baulängen 15 mm, 22 mm, 30 mm und 40 mm. So werden die Geräte zum bündigen Einbau neben dem klassischen Schaltabstand von 2 mm nun auch mit einem erweiterten Schaltabstand von 3 mm angeboten. Analog dazu sind die nicht-bündigen Sensoren mit 3 mm oder 5 mm Schaltabstand verfügbar. Ausgangsseitig bietet Turck M12- oder M8-Stecker sowie Geräte mit Kabelausgang an, die wiederum jeweils mit 3- oder 4-Draht-Anschluss als Öffner oder Wechsler geordert werden können. Weitere Varianten ergeben sich durch die Wahl zwischen Geräten zum bündigen oder nicht-bündigen Einbau mit standard- oder erweitertem Schaltabstand.
Die 12,5 mm schmalen Temperaturmessverstärker IMX12-TI (Bild) zum Einsatz in SIL2-Kreisen sowie in Zone 2 setzen in puncto Kanaldichte Maßstäbe und zählen zu den genau­esten Geräten am Markt. Neben einer einkanaligen Variante, die Überschreitungen des Temperaturgrenzwerts direkt über einen zusätzlichen Relaiswechselkontakt ans Leitsystem meldet, gibt es noch zwei zweikanalige Versionen: eine für Widerstandsthermometer oder Thermoelemente in 2- oder 3-Leiter-Anschaltung, eine weitere für Widerstandsthermometer in 4-Leitertechnik.