A A A
| Sitemap | Kontakt | Impressum | Datenschutz
ETZ Logo VDE Verlag Logo

Produkte und ERP-System verstehen sich

01  Den Datamatrix-Code, hinter dem sich eine 19-stellige Identifikationsnummer verbirgt, bringt die Schleiferei dauerhaft per Laser auf jedem Werkzeugschaft an

01  Den Datamatrix-Code, hinter dem sich eine 19-stellige Identifikationsnummer verbirgt, bringt die Schleiferei dauerhaft per Laser auf jedem Werkzeugschaft an

02  Der Werker übermittelt per Scanner die ­Produktdaten an Proalpha

02  Der Werker übermittelt per Scanner die ­Produktdaten an Proalpha

03  Josef Neumüller, Geschäftsführender Gesellschafter der Josef Neumüller Werkzeugschleiferei GmbH: „Wir ­,taufen‘ die Werkzeuge. Deshalb können wir Kundenaufträge ­papierlos und effizient bearbeiten“

03  Josef Neumüller, Geschäftsführender Gesellschafter der Josef Neumüller Werkzeugschleiferei GmbH: „Wir ­,taufen‘ die Werkzeuge. Deshalb können wir Kundenaufträge ­papierlos und effizient bearbeiten“

20 Mitarbeiter, ein familiäres Team und ein Standort, der bayerische Gemütlichkeit verspricht. Das klingt beschaulich. Doch wer die Werkzeugschleiferei Neumüller auf ein behagliches Familienunternehmen reduziert, liegt falsch: Neumüller ist ein Hightech-Unternehmen, das Bohrer in allen gängigen Geometrien und Zwischenabmessungen herstellt oder diese gemäß Kundenauftrag schleift. Dabei „kommunizieren“ Produkte mit dem ERP-System. Industrie 4.0 lässt nicht nur grüßen, sie ist ein fester Bestandteil im Geschäftsablauf.

Es gibt in Deutschland nahezu 2 000 Unternehmen, die sich mit Schleiftechnik beschäftigen, große und kleinere. Die Herausforderungen: komplexe Produkte mit kurzfristigen Lieferterminen, Unmengen von Rabattstaffeln und Zuschlägen, kleine Stückzahlen bis hin zu auftragsbezogenen Einzelfertigungen. All das muss auch Neumüller meistern. Und zwar so effizient wie möglich. Deshalb hat die Werkzeugschleiferei zusammen mit dem Proalpha-Implementierungspartner Wolf IT Consulting GmbH eine zukunftsorientierte Plattform für Industrie 4.0 aufgebaut. Seit Jahren digitalisiert Neumüller somit die Fertigung und verbindet die Maschinenebene mit dem ERP-System Pro­alpha.

Der Datamatrix-Code: Taufe für die Werkzeuge
Das Kernstück bildet dabei der Datamatrix-Code. Diesen Code, hinter dem sich eine 19-stellige Identifikationsnummer verbirgt, bringt die Schleiferei dauerhaft per Laser auf jedem Werkzeugschaft an. „Taufe“ nennt Geschäftsführer Josef Neumüller das, weil jedes Teil fortan fix mit seiner ID-Nummer verbunden und somit leicht zu identifizieren ist. Per Scan wird sie direkt in Proalpha mit der Artikel- oder Zeichnungsnummer verknüpft (Bild 1). Auf diesem Weg steuert Neumüller den kompletten Durchlauf der Werkzeuge durch das Unternehmen – papierlos, effizient und transparent.
Besonders hilfreich ist der Datamatrix-Code, um die ­organisatorisch manchmal durchaus anspruchsvollen Nachschleifungen zu bewältigen. Denn oft kommen die Bohrer oder Fräser der Kunden in einer simplen Holzkiste im Wareneingang an – unsortiert, oftmals 200 Stück oder mehr. Schon dort hilft der Code: Dahinter sind bei Bestandskunden bereits alle Preise, Zuschläge, Rabatte, Bonuspunkte und Aktivitäten in Form der ID-Nummer hinterlegt. ­Anhand der Nummer lässt sich daher auf Knopfdruck ein neuer Auftrag generieren und mit bereits in Proalpha hinterlegten (Stamm-)Daten verknüpfen. War das Werkzeug schon mal zu exakt der gleichen Bearbeitung in der Schleiferei, sieht dies der Mitarbeiter in der Auftragsannahme, und er kann zeitsparend einen identischen Folgeauftrag einfach per Klick erstellen. Bei Neukunden dient die ID-Nummer dazu, Werkzeuge von vornherein für ein Angebot und einen eventuellen Folgeauftrag eindeutig zu kennzeichnen.

Ein Piep für „fertig“
Da jedes einzelne Werkzeug eines Auftrags zudem eine fortlaufende Nummer erhält, weiß Neumüller auch, wie viele der beispielsweise insgesamt 200 Bohrer der Firma Huber schon nachgeschliffen sind. Die Schleifmaschine meldet dies in akustischer Form: Jeder Piep-Ton bedeutet, dass ein weiterer Bohrer fertig bearbeitet ist. Danach übermittelt der Werker per Scanner die Produktdaten an Proalpha (Bild 2). Die ERP-Software ist somit genau über den Ist-Zustand informiert.
Erkundigt sich ein Kunde nach seinem Auftrag, weiß der Mitarbeiter im Büro, wie weit dieser gediehen ist und wann er fertig sein wird. Diese Informationen musste sich früher – zu Zeiten der Papierlaufkarten – ein Mitarbeiter mühsam in der Produktion zusammensuchen. Bevor er den Auftragsstatus überhaupt abfragen konnte, musste er dabei meist erst einmal herausfinden, an welcher Maschine der Auftrag bearbeitet wurde. Kurzum: Früher war der Status der Werkzeuge unklar. Auch kamen damals Fehler viel häufiger vor und ließen sich oft nicht nachvollziehen. Kundenspezifische Wünsche blieben in der Eile unberücksichtigt. Es gab schlichtweg keine Prozesssicherheit.

Einbindung von externen Partnern
Prozesssicherheit hat Neumüller mit Proalpha in jedem Fall. Auch wenn die Schleiferei Werkzeuge nach dem Schleifen zu einem externen Beschichter schickt, weiß sie genau, welche Teile von welchem Kunden gerade dort sind, welche wie beschichtet werden müssen, wann die Teile zurückkommen und die Schleiferei diese wieder in den eigenen Fertigungsprozess integrieren oder kommissionieren kann. Natürlich wird auch der Lieferschein mit allen notwendigen Angaben wie etwa der Beschichtungsart automatisch generiert. Hierfür liest ein Mitarbeiter vor dem Versand den Datamatrix-Code im Bestellkopf aus und Proalpha legt automatisch eine Bestellposition an. Werkzeuge gleicher Schichtart fasst die Schleiferei zusammen, damit der Beschichter pro Schichtart nur einen Transportbeleg hat. Vor dem Versand wird die Bestellung nochmals auf Plausibilität geprüft: Soll ein bestimmtes Werkzeug überhaupt beschichtet werden? Und wurde das Werkzeug auch wirklich nachgeschärft?
Josef Neumüller freut sich: „Egal, ob wir an einer Schleifmaschine nur einen Kundenauftrag oder im Sinne einer optimalen Maschinenauslastung gleich mehrere Aufträge bearbeiten. Durch die ID-Nummer wissen wir immer, was an jedem einzelnen Werkzeug wie zu tun ist und wie wir dies durchlaufzeitenoptimiert schaffen.“

Reklamationen – gezielt ermitteln und effektiv bearbeiten
Der Datamatrix-Code sichert bei Neumüller darüber hinaus das Reklamationsmanagement. Beanstandet ein Kunde bei seinen Schneidwerkzeugen eine fehlerhafte Beschichtung, kann Neumüller die Charge dank der ID-Nummer rückverfolgen, das fehlerhafte Werkzeug eindeutig identifizieren und beim externen Beschichter entsprechend reklamieren. Somit weiß auch der externe Dienstleister genau, um welchen Auftrag der Firma Neumüller es sich handelt und wann dieser abgearbeitet wurde. Anhand dieser Angaben kann er die Ursache für den reklamierten Fehler ermitteln, zum Beispiel, dass eine falsche Legierung benutzt wurde oder zu dem Zeitpunkt eine Maschine fehlerhaft arbeitete.
Durch die effektive Reklamationsbearbeitung und gezielte Ermittlung der Mängelursache spart Neumüller heute Zeit und Geld. Denn Reklamationen, die der Beschichter früher als unbegründet ablehnte, nimmt er heute aufgrund der lückenlosen Nachverfolgbarkeit anstandslos entgegen. Die „Ablehnquote“ ging dank des Datamatrix-Codes um rund 30 % zurück.
Die ID-Nummer hilft Neumüller aber auch, selbst Fehler zu vermeiden. Da sich dank Proalpha einem Werkzeug auch Zeichnungen, Notizen oder Handzettel zuordnen lassen, hat die Schleiferei bei Eingabe der ID-Nummer dies alles sofort parat. Jede auch noch so kleine Änderung oder nachträgliche Anpassung, die früher in der Hektik des Tagesgeschäfts schon mal unterging, haben die Mitarbeiter heute „auf dem Schirm“. J. Neumüller: „Will der Kunde exakt das gleiche Werkzeug von damals haben, bekommt er es. Ohne langwieriges Abstimmen, ohne Suchen und fehlerfrei. Sollte uns dennoch einmal ein Lapsus unterlaufen und ein Werkzeug nicht den Kundenwünschen entsprechen, können wir die Ursache schnell ermitteln und den Fehler umgehend ab­stellen.“

Gut gerüstet für die Zukunft mit Industrie 4.0
Neumüller sieht sich auf einem guten Weg. Die zukunftsorientierte Plattform für Industrie 4.0, die sich die Werkzeugschleiferei in Verbindung mit Proalpha aufgebaut hat, gibt ihr auch jeden Grund dazu. Damit hat das Unternehmen alle relevanten Informationen im ERP-System hinterlegt. Die Mitarbeiter können jedes einzelne Werkzeug identi­fizieren und dem Auftrag sowie Kunden zuordnen sowie den kompletten Lebenszyklus der Werkzeuge papier- und lückenlos nachverfolgen. Die daraus gewonnene Transparenz sowie der hohe Automatisierungsgrad reduzieren Fehler und Durchlaufzeiten erheblich. (mh)

Dieter Schoppe ist als Leiter Competence Center Maschinen- und Anlagenbau für die Proalpha Business Solutions GmbH in Weilerbach tätig. dieter.schoppe@proalpha.de