A A A
| Sitemap | Kontakt | Impressum | Datenschutz
ETZ Logo VDE Verlag Logo

Portallösung ermöglicht zustandsbasierte Wartung

01 Das Software-Framework FMS von Bachmann holt bereits verfügbare Daten aus der Tiefe der Maschinensensorik und -aktorik und veredelt sie zu weltweit nutzbarem Wissen

01 Das Software-Framework FMS von Bachmann holt bereits verfügbare Daten aus der Tiefe der Maschinensensorik und -aktorik und veredelt sie zu weltweit nutzbarem Wissen

02 Verdichtung der Daten anhand vorgefertigter Funktionsbausteine

02 Verdichtung der Daten anhand vorgefertigter Funktionsbausteine

Die präventive Wartung im Maschinenbau rückt in greifbare Nähe. Mit einem neuen Softwarekonzept ermöglicht es Bachmann Electronic nun, die Datentiefe in der vertikalen Ebene zu steigern. Dabei kann dies ohne nennenswerten Mehraufwand für den Kunden geschehen.
Bachmann fokussiert sich in seiner Entwicklungsarbeit in einem Anwendungsfeld auf Automatisierungslösungen zur Optimierung des vertikalen Datenflusses. Also jene Datenkommunikation innerhalb einer Anlage und über verschiedene Standorte hinweg. Das Ziel ist es, die Maschinenüberwachung und das Servicemanagement zu optimieren sowie ungeplante Stillstandzeiten zu vermeiden. In diesem Zusammenhang hat das Unternehmen das Software-Framework FMS (Flotten-Management-System) entwickelt. Es holt bereits verfügbare Daten aus der Tiefe der Maschinensensorik und -aktorik und veredelt diese zu weltweit nutzbarem Wissen (Bild 1). Das ermöglicht auf globaler Ebene eine zustandsbasierte Wartung über Anlagen- und Eigentümergrenzen hinweg.
Von der präventiven zur zustandsbasierten Wartung
In vielen Bereichen des Maschinenbaus ist eine effiziente Überwachung und Wartung von großer Bedeutung. Denn hier befinden sich die Maschinen zwischen 20 und 30 Jahre im Einsatz. Darum sind Systemoptimierungen während der Laufzeit die Regel. Umso wichtiger ist es, möglichst viel über den Gesundheitszustand der Maschinen zu wissen.
Heute ist es oftmals noch die Regel, dass Verschleißteile rein nach Zyklusvorgaben ausgetauscht werden, unabhängig von deren Verschleißzustand. Stark beanspruchten Komponenten werden oftmals zu früh, zu spät oder zu einem ungünstigen Zeitpunkt ausgetauscht, wodurch unnötige Kosten entstehen. Optimal ist dagegen die zustandsbasierte Wartung: Bauteile warten oder austauschen, wenn es notwendig und zeitlich günstig ist.
Maschinenbauer kennen die Vorzüge, scheuen aber noch vor der Umstellung auf die zustandsbasierte Wartung zurück, wie Marc Frochte, Key Account Manager Maschinenbau bei Bachmann, weiß: „Viele OEM halten die Erfassung und Aggregation großer Datenmengen für teuer und kompliziert. Unser Flotten-Management-System zeigt, wie zustandsbasierte Wartung einfach und ohne großen Mehraufwand funktionieren kann.“ FMS helfe, Informationen weltweit zu sammeln und für unterschiedliche Nutzergruppen sinnvoll aufzubereiten (Bild 2), sagt M. Frochte weiter.
In fünf Schritten zum Datenmehrwert
Das Softwarekonzept von Bachmann umfasst fünf Schritte, mit denen sich die Nutzung des vertikalen Informationsflusses optimieren lässt:

  • Daten mit bestehenden Sensoren erfassen: Dazu ist in der Regel lediglich ein selektives Nachrüsten weniger neuer Messpunkte notwendig.
  • Daten verdichten, Überblick gewinnen: Die gesammelten Daten werden zu nutzbaren Informationspaketen aggregiert und zwischengespeichert. Der User kann die Verdichtung der Daten anhand vorgefertigter Funktionsbausteine nach einer VDMA- Richtlinie anwenden oder mithilfe eigener Funktionsspezifika. Die Bausteine sind frei konfigurierbar und mehrfach instanzierbar, das heißt, derselbe Baustein kann parallel in mehrfacher Ausführung laufen. Das FMS prüft die gewonnenen Datenpakete auf Grenzwertüberschreitungen, leitet Trends ab und gibt Alarmmeldungen weiter. Alle gewonnenen Informationen werden sicher verschlüsselt gespeichert.
  • Daten lokal nutzen: Damit beispielsweise der Warnhinweis sofort beim richtigen Wartungsmitarbeiter eintrifft, ist das FMS lokal mit der Vorort-Visualisierung oder dem MES verbunden. Die Datenkommunikation zwischen FMS und anderen Applikationen oder Modulen ist hierbei standardisiert.
  • Daten global managen, Betriebsgeheimnis schützen: Neuartig ist vor allem das verteilte Datenmanagement des Softwarekonzepts. So ermöglicht das FMS das Datenmanagement von vielen Maschinen gleichzeitig und das über Unternehmensgrenzen hinweg sowie mit unterschiedlichen Berechtigungen. Der Maschinenbauer gewinnt so verlässliche, vergleichbare Informationen über die unterschiedliche Nutzung der Maschine. Möglich macht dies das neue Prinzip der Private Cloud auf Basis der Atvise-Technologie. Dieses verbindet die Vorteile der weltweit verfügbaren Cloud zur Datenspeicherung und zum Datenaustausch mit der Möglichkeit der zielgruppenspezifischen Vergabe von Nutzungsrechten durch ein Webportal (Bild 3).
  • Daten auswerten, Mehrwert generieren: Dies kann mithilfe flexibler, skalierbarer Nutzeroberflächen geschehen. Sie können zudem benutzerabhängig gestaltet werden, um die Sichtweisen unterschiedlicher Interessensgruppen innerhalb des Unternehmens, wie Service oder Entwicklung, abzubilden. Nicht zuletzt sind die Ergebnisse übertragbar, das heißt, sie lassen sich exportieren und verteilen.

Wissensmanagement gehört die Zukunft
Mittels FMS steigt sowohl die Menge der weltweit gesammelten Daten als auch die Qualität der daraus gewonnenen Informationen. Auf diese Weise können Maschinenbauer und Endanwender unnötige Kosten für Wartung reduzieren sowie ungeplante Stillstandzeiten minimieren, sodass die Betriebskosten einer Maschine sinken. Die Nutzungsdaten liefern die Basis für eine zielgerichtete Produktentwicklung – momentan werden nur zwischen 20 % und 50 % der entwickelten Funktionen einer Maschine später auch genutzt – mit einer erhöhten Hitrate, also weniger Blindentwicklungen und damit sinkenden Entwicklungskosten. Aufgrund der besseren Planbarkeit der Serviceeinsätze ist es denkbar, dass der Maschinenbauer dem Maschinenbetreiber verlängerte Garantiezeiten oder neue Serviceangebote im Austausch gegen die Erlaubnis zum Datenzugriff bietet. „Unser zukunftsorientiertes Softwarekonzept befindet sich in Form des FMS bereits in ersten Projekten im Einsatz. Auf Basis existierender Standards bewegt sich der Maschinenbau mit Wucht in Richtung Industrie 4.0“, sagt M. Frochte abschließend. (ih)

Alexander Höss ist als Product Line Manager bei der Bachmann Electronic GmbH in Feldkirch/Österreich tätig. alexander.hoess@bachmann.info