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MSR-Technik konfigurieren statt konstruieren

01 Zwei typische Lüftungs- und Klimatisierungsanlagen von AL-KO Therm. 5 000 dieser Anlagen produziert das Unternehmen pro Jahr – auf der Basis individueller Projektierung

01 Zwei typische Lüftungs- und Klimatisierungsanlagen von AL-KO Therm. 5 000 dieser Anlagen produziert das Unternehmen pro Jahr – auf der Basis individueller Projektierung

02 Anlagendarstellung in der „Klim@Soft“-Planungssoftware von AL-KO

02 Anlagendarstellung in der „Klim@Soft“-Planungssoftware von AL-KO

03 Das Team von AL-KO: Alexander Saumer und Nico F rühinsfeld (MSR-Technik) sowie Benedikt Wiedemann (elektrotechnische Konstruktion) (v.l.n.r)

03 Das Team von AL-KO: Alexander Saumer und Nico F rühinsfeld (MSR-Technik) sowie Benedikt Wiedemann (elektrotechnische Konstruktion) (v.l.n.r)

04 Darstellung einer Regeleinheit in Eplan Electric P8

04 Darstellung einer Regeleinheit in Eplan Electric P8

05 So einfach ist das: Der Projektierer wählt die MSR-Komponenten aus

05 So einfach ist das: Der Projektierer wählt die MSR-Komponenten aus

Manchmal ist es auch gut, dass Dinge ungeplant laufen: Mitarbeiter der AL-KO Therm GmbH stießen beim Besuch des Eplan-Stands auf einer Messe eher zufällig auf Eplan Engineering Configuration (EEC), das eine einfache und durchgängige Konfiguration von mechatronischen Systemen ermöglicht. Heute setzen sie das EEC weltweit als Konfigurator ein und profitieren von einer vereinfachten Messtechnik-Planung.
Filter, Wärmetauscher, Ventilatoren, Wärmerückgewinnung: Anlagen der Luft- und Klimatechnik sind modular aufgebaut. Bei den Anlagen der AL-KO Therm GmbH, die in Jettingen-Scheppach bei Augsburg gefertigt werden, ist das sichtbar: Für jede Funktion gibt es ein Gehäusemodul (Bild 1). Die Anzahl der Anlagen, die beim Gang durch das Werk zu sehen sind, beeindruckt den Besucher ebenso wie die Größe der Fertigung: AL-KO Therm liefert pro Jahr rund 5000 individuell geplante Anlagen aus.
Da jede Anlage in „Stückzahl Eins“ individuell für die jeweiligen Anforderungen ausgelegt und projektiert wird, gibt es einen eingespielten Engineering-Prozess. Im Zentrum steht die AL-KO-eigene Entwicklungssoftware „Klim@Soft“ für die mechanische Konstruktion (Bild 2). Nico Frühinsfeld (Bild 3), als Projektleiter verantwortlich für MSR-Technik: „Klim@Soft ist das führende Tool und sowohl mit Eplan Electric P8 für die Elektrokonstruktion als auch mit SAP für die kaufmännischen Funktionen vernetzt.“ Während es hier also seit Langem schon einen durchgängigen Prozess gibt, war das bei der Mess- und Regeltechnik bis vor einem Jahr nicht der Fall. Dieses Gewerk beinhaltet die gesamte Regelung und Überwachung aller Funktionen wie Luftstrom, Temperatur und Feuchte sowie die Stellung zahlreicher Ventile und Klappen, und es obliegt dem Kunden, ob er eine integrierte Regelung bei AL-KO Therm bezieht oder vor Ort von einem Systemintegrator.
N. Frühinsfeld beschreibt den Workflow: „Der Fachplaner ermittelt alle nötigen Parameter und lässt die Anlage über ein Installationsunternehmen bei uns anfragen. Wir sind sehr daran interessiert, unsere AL-KO-Regelungs-Technologie – kurz ART – mit der Anlage anzubieten. Allerdings werden die Gewerke, wozu auch die MSR-Technik gehört, oft separat ausgeschrieben, wodurch wir auch Anlagen ohne MSR-Technik umsetzen.“
Automatisiertes Projektieren der MSR-Technik
Als Systemanbieter hat AL-KO Therm aber den Anspruch, möglichst viele Anlagen mit MSR-Technik auszuliefern. Dem standen jedoch Vorbehalte im Vertrieb entgegen: MSR ist während der Angebotsphase im Projektgeschäft zu komplex, um der Anforderung nach schnellen Angeboten gerecht zu werden, zumal oft die Möglichkeit besteht, die Anlagen ohne MSR-Technik anzubieten. Deshalb hatten die Verantwortlichen den Wunsch, das Projektieren der Mess- und Regeltechnik zu automatisieren. Die erste Idee dazu wurde schon 2010 geboren – und rasch wieder verworfen: Die Eigenentwicklung eines Konfigurators schien zwar machbar, aber zu aufwendig, zumal ein solches System ja auch kontinuierlich gepflegt werden muss.
Letztlich führte dann ein Messebesuch im Herbst 2014 dazu, dass das Projekt „Konfigurator“ wieder auflebte. Während die Kollegen aus der Konstruktion mit einem Eplan-Experten ein konkretes Projekt besprachen, schaute N. Frühinsfeld sich auf dem Stand um und wurde auf Eplan Engineering Configuration, kurz EEC aufmerksam.
Nicht gesucht und doch gefunden: Basis für den MSR-Konfigurator
Diese Lösung – so zeigte sich schnell – erfüllte alle Grundanforderungen von AL-KO an einen Konfigurator und lässt sich auch deshalb hervorragend nutzen, weil AL-KO bereits mit Eplan Electric P8 arbeitete (Bild 4). Die MSR-Technik ließ sich also einfach in den durchgängigen Prozess integrieren. Deshalb wurde das EEC in der Folge den individuellen Gegebenheiten entsprechend implementiert.
Dieses Modul für die weitestgehend automatisierte Konfiguration der MSR-Technik ist sowohl mit Eplan Electric P8 als auch mit Klim@Soft – und somit auch mit SAP – verbunden, also bestens in den durchgängigen Prozess integriert. Das schaff t die Voraussetzung für einen vereinfachten Prozess der MSR-Projektierung. N. Frühinsfeld: „Das EEC übernimmt in unserer Variante deutlich mehr Aufgaben als ,nur‘ die Konfiguration. Es wird für alle Regelungsprozesse eingesetzt, und mit der MSR-Planung entstehen selbsttätig sowohl der Schaltplan als auch die Stückliste.“ Dabei war es den MSR-Experten von AL-KO Therm wichtig, dass die Konfiguration so einfach wie möglich gehandhabt werden kann (Bild 5): „Unsere Branche ist nach wie vor maschinenbaulastig, die Anwender des EEC müssen keine Experten für MSR-Technik sein.“
„Wir sind deutlich schneller geworden“
Der Konfigurator liest aus den vom Projektierer ausgewählten Komponenten und der ihr zugrunde liegenden Logik, welche MSR-Regelkreise und -Bauteile benötigt werden. Er erkennt also, ob zum Beispiel eine Feuchteregelung vorgesehen werden soll oder muss. Selbstverständlich kann der Anwender die jeweiligen Regelungsarten auch definieren und genauer bestimmen. Eine Zubehörliste ermöglicht die Auswahl von Optionen mit einem Klick. Das System integriert das Extra dann in die Konstruktion der Elektro- und MSR-Technik.
Wenn der Konfigurator das MSR-Schema dann an Klim@Soft als führendes System übergibt, ist neben dem Schaltplan auch die Kabelzugliste bereits dabei. Klim@Soft wiederum übergibt die MSR-Planung an SAP, aus dem heraus die benötigten Teile kommissioniert oder bestellt werden können. In diesem Stadium sind auch die Kosten der MSR-Komponenten bereits transparent.
Dieser durchgängige Prozess führt dazu, dass die Planer schneller arbeiten können. N. Frühinsfeld: „Vorher war die MSR-Technik eindeutig eine Bremse in unserer Projektierung. Jetzt geht die Planung nicht nur viel schneller, sondern sie ist auch zuverlässig fehlerfrei.“ Das gilt auch für Sonderanwendungen, die nach besonderen Regelwerken geplant werden, zum Beispiel für den Explosionsschutz, die Pharmaindustrie, für Krankenhäuser und für die Schiffstechnik: Auch Kreuzfahrtschiffe werden mit Anlagen von AL-KO Therm klimatisiert.
Rund 1 000 Nutzer im Innen- und Außendienst
Inzwischen wurden 100 der insgesamt 1 000 aktive Klim@ Soft-Nutzer im Umgang mit dem Konfigurator geschult – nicht alle haben Aufgaben im Bereich der MSR. Die Innen- und Außendienstler nutzen ihn auf stationären und mobilen Endgeräten. Es gibt diverse Sprachversionen. Der in China übliche Zeichensatz wird ebenfalls unterstützt, denn in China hat AL-KO Therm eine eigene Fertigung. Da die webgestützte Version des EEC zum Einsatz kommt, muss sich niemand um Updates kümmern: Das System aktualisiert sich aus Sicht des Anwenders selbst.
Bei der Automatisierung drängt sich immer die Frage auf: Wie hoch sind die Einsparpotenziale? Bei AL-KO ist das erklärtermaßen kein Thema. N. Frühinsfeld: „Wir wollten den Anteil der Anlagen steigern, die wir mit MSR-Technik projektieren, und das ist uns gelungen.“
Als weitere Vorteile sehen die Verantwortlichen von AL-KO Therm die höhere Genauigkeit der Planung und die Transparenz der Kosten, die über die Anbindung an Klim@Soft und SAP gewährleistet ist. Auch die Zusammenarbeit mit Eplan hat überzeugt. Deshalb überrascht es nicht, dass AL-KO noch weitere Pläne mit dem Konfigurator hat. N. Frühinsfeld: „Wir können uns gut vorstellen, dass die Projektierer mit dem System auch automatisch Parameter für unsere Regelungssysteme konfigurieren. Dann würde die Anlagenregelung direkt aus dem SAP heraus parametriert.“ (mh)

Thomas Michels ist als Leiter Produktmanagement bei Eplan Software & Service in Monheim am Rhein tätig. info@eplan.de

Thomas Michels ist als Leiter Produktmanagement bei Eplan Software & Service in Monheim am Rhein tätig. info@eplan.de