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25.10.2018

Besuch bei Fraba in Slubice

Der Besuch von Fraba in Slubice (Polen) am 12. April war nicht nur technisch, sondern auch optisch ein Leckerbissen. Schließlich wurde das Produktionsgebäude von Betterbuys unter die 25 weltweit schönsten Fabriken gewählt.


Mit Spielfreude zum Erfolg

01  Laut Betterbuys gehört die Fertigung von Fraba zu den 25 schönsten Fabriken der Welt

01  Laut Betterbuys gehört die Fertigung von Fraba zu den 25 schönsten Fabriken der Welt

Für die einen ist es ein silberner Puck, für die anderen ein Ufo; in einem sind sich jedoch alle einig: Das silberne, runde Bauwerk mitten im Industriegebiet von Slubice sticht gleich ins Auge (Bild 1). Aber nicht nur das Produktionsgebäude von Fraba gleich hinter der deutsch-polnischen Grenze ist ungewöhnlich. Das gleiche gilt sowohl für die Technik, die hinter den magnetischen Drehgebern steckt, die dort gefertigt werden, als auch für die Firmenphilosophie. Darüber konnte sich die Redaktion auf ihrer etz@Tour überzeugen.

100 Jahre wurde Fraba in diesem Jahre alt. In der Zeit hat das Unternehmen – dessen Namen auf den Gründer Franz Baumgartner zurückzuführen ist – natürlich einige Höhen und Tiefen erlebt. Nach der Gründung im Jahr 1918 in Köln unter dem Namen „Franz Baumgartner elektrische Apparate GmbH“ entwickelte sich der Nischenanbieter für Spezialrelais sehr gut. Vor allem, nachdem man sich intensiver mit der Drehgeber-Technik befasste. „1963 hat Fraba als erstes Unternehmen einen absoluten Bürsten-Drehgeber herausgebracht. 1973 kam die erste optische Ausführung auf den Markt. Wir waren schon immer ein Pionier, was die Technologie bei Drehgebern angeht, und sind es bis heute“ weiß CEO Christian Leeser zu berichten (Bild 2). Aufgrund eines missglückten Generationswechsels und weil der Technologiesprung zur Transistortechnik verschlafen wurde, stand Fraba allerdings 1993 kurz vor dem Konkurs. Chris­tian Leeser sah jedoch das Potenzial und übernahm das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder Dr. Achim Leeser und Axel Wiemann, dem damaligen Leiter der Drehgeber-Sparte.

02  Fraba-CEO Christian Leeser (rechts) im Gespräch mit etz-Redakteur Frank Nolte

02  Fraba-CEO Christian Leeser (rechts) im Gespräch mit etz-Redakteur Frank Nolte

03  Offenheit ist bei Fraba Trumpf. Das gilt auch für die ­Produktion: Um möglichst flexibel agieren zu können, ist diese komplett offen und ohne störende Innenwände

03  Offenheit ist bei Fraba Trumpf. Das gilt auch für die ­Produktion: Um möglichst flexibel agieren zu können, ist diese komplett offen und ohne störende Innenwände

04  In der Produktion sorgen verschiedene Qualitätstests für eine hohe Produktqualität

04  In der Produktion sorgen verschiedene Qualitätstests für eine hohe Produktqualität

05  Paul Schmitz, Fertigungsleiter bei Fraba in Slubice, ­demonstriert, wie einfach man sich über das Online-Portal seinen Drehgeber konfigurieren kann

05  Paul Schmitz, Fertigungsleiter bei Fraba in Slubice, ­demonstriert, wie einfach man sich über das Online-Portal seinen Drehgeber konfigurieren kann

Mut zur Veränderung
„Um zukunftsfähig zu sein, musste die Firma jedoch völlig neu strukturiert und aufgestellt werden. Das war kein leichter Weg und uns wurde oft vorgeworfen, wir würden Fraba sowie die Mitarbeiter ausbeuten“, blickt C. Leeser zurück. Heute kann er darüber Lachen, steht Fraba in seinem Jubiläumsjahr doch so gut da wie nie zu vor. „Mit Ausnahme vom Krisenjahr 2009 sind wir seit 1997 jedes Jahr gewachsen, und zwar im Schnitt etwa 12 % jährlich. Ein wesentlicher Grund dafür ist unsere Firmenphilosophie, die auf Offenheit und Spielfreude basiert (Bild 3). Wir fordern unsere Mitarbeiter geradezu heraus kreativ zu sein und Ideen zu entwickeln. Dadurch entwickeln wir uns so schnell weiter, dass ich auch für die nächsten Jahre ein Umsatzwachstum von 25 % erwarte – jährlich“, berichtet der CEO stolz.
Anfangs dauerte es ein wenig, bis sich die Mitarbeiter mit dem neuen Wertesystem – der Fraba-DNA – angefreundet hatten. Kein Wunder, schließlich ist die Firmenphilosophie alles andere als gewöhnlich. So sind etwa alle Informationen, die zum Unternehmen gehören, grundsätzlich frei und werden offen kommuniziert. Dazu gehören alle Entscheidungen, Projekte, Probleme und sogar die Gehälter bis hin zum Inhaber. „Auf diese Weise können Informationen nicht als Machtinstrument missbraucht werden und wir können auch schneller reagieren“, erläutert C. Leeser das Konzept.
Bei Fraba gibt es laufend Veränderungen; „disruptiv“ ist eine viel benutzte Vokabel. Eine andere ist „Spielfreude“. Nur wer Freude am Spiel und an seiner Tätigkeit hat, geht mit Lust und motiviert zur Sache. Basierend auf den vier Kernwerten Fairness, Kompetenz, Transparenz und dynamische Entwicklung, ist es den beiden Leesers gelungen, ein Hochleistungsteam aufzubauen. Dabei herrscht quasi ein blindes Verständnis zwischen den Mitspielern; jeder versucht das Spiel zu gewinnen, aber keiner muss Angst vor einem Fehler haben. Dadurch sind die Teammitglieder in der Lage mehr zu leisten als 100 %, ohne sich ausgepowert zu fühlen. „Natürlich kann man so eine Philosophie nicht einimpfen. Es ist uns aber gelungen, das entsprechende Spielfeld sowie die Umgebungsbedingungen dafür zu schaffen. So können wir für unsere Kunden exzellente Ergebnisse erzielen, ohne unsere menschlichen Qualitäten zu opfern“, erläutert C. Leeser das Konzept des Spezialisten für Positions- und Geschwindigkeitssensorik.

Magnetische Technologie löst die optische ab
Auch technisch hat sich Fraba seit der Übernahme 1993 stark weiterentwickelt. Von den Anfängen im Nischenmarkt der Anbaudrehgeber bis zu den modernen programmierbaren magnetischen Drehgebern sowie Motorfeedbacksystemen. Ganz zu schweigen von der einzigartigen Technologie der Wigand-Sensorik, die Fraba als Energiespeicher für seine Drehgeber verwendet. „Das Potenzial dieser Technologie – in den letzten vier Jahren haben wir bereits 500 000 Wiegand-Sensoren ausgeliefert – ist maßgeblich für unser Wachstumsziel von 25 %, was wir übrigens schon in diesem Jahr erreichen werden“, berichtet C. Leeser.
Ein wichtiger Punkt in der Unternehmensentwicklung war auch vor 14 Jahren die Entscheidung bei den Drehgebern auf die magnetische Technologie zu setzen. Dies begründet der CEO folgendermaßen: „Bei den etablierten optischen Drehgebern liegt ein Großteil der Wertschöpfung im Asic selbst. Der Drehgeberhersteller hat also nur einen begrenzten Einfluss auf die Qualität und Leistungsfähigkeit des Produkts. Bei der magnetischen Technologie sieht es genau anders herum aus. Hier nimmt man ein verrauschtes Signal und verbessert es mit speziellen Algorithmen – dort steckt unser Know-how.“
2013 hat Fraba die magnetische Abtasttechnik mit den Ixarc-Drehgebern nochmals aufgewertet. Mit einer Auflösung von 16 Bit und einer Genauigkeit von 0,09° eignen sie sich auch für Präzisionseinsätze, die bisher den optischen Drehgebern vorbehalten waren. „Bei Anbau-Drehgebern braucht man die empfindliche optische Technik also nicht mehr. Die Magnetik ist nicht nur kleiner, leichter und kostengünstiger, sondern hat auch kein Problem mit rauen Umgebungsbedingungen, wie Staub und Öl“, erläutert Paul Schmitz, Fertigungsleiter bei Fraba in Slubice. Die hochauflösenden magnetischen Anbau-Drehgeber bilden auch die technologische Basis der magnetischen Kit-Encoder, die 2016 auf der SPS IPC Drives vorgestellt wurden. Die montagefreundlichen Einbau-Kits gibt es als absolute multiturnfähige Sensorsysteme sowie mit der Open-Source-Schnittstelle Biss Line auch für die Einkabeltechnik. „Damit ist es uns gelungen, die Performance-Lücke zwischen den klassischen Resolvern und den deutlich teureren optischen Abtastsystemen zu schließen. Herstellern von Servomotoren bieten diese Drehgeber ganz neue Möglichkeiten in Sachen Motorfeedback. Nach der Anbaugeber-Welt wollen wir mit dieser Technologie auch den Markt der Einbau-Drehgeber erobern“, gibt C. Leeser einen Einblick in die Unternehmensziele.

Durchgängig digitalisiert
Neben der Entscheidung für die magnetische Abtasttechnik traf das Führungstrio vor 14 Jahren noch eine wegweisende Entscheidung. Das handwerkliche Geschäftsmodell wurde durch ein voll-digitalisiertes, skalierbares Geschäftssystem ersetzt. In diesem Zug wurde auch die Produktion nach Slubice verlegt. Die Produktionsabwicklung läuft heute völlig digital. Über die firmeneigene Cloud, in der sämtliche Produkt- und Prozessdaten hinterlegt sind, werden die Montage-Mitarbeiter in Slubice auf Tablets über den nächsten Auftrag informiert, den sie Schritt für Schritt abwickeln. Systematisch geführt werden sie dabei durch genaue Arbeitsanweisungen, die über Videos, Piktogramme und Stücklisten sprachneutral erfolgen. In die Produktion sind laufende Qualitäts-Checks integriert, die eine hohe Produktqualität garantieren (Bild 4). „In Slubice haben wir die Messlatte in Sachen Qualität noch mal deutlich hochsetzen können“, so P. Schmitz. „Wir fertigen auf einem noch höheren Niveau als früher in Köln, wo wir unsere Geber mit hoch qualifizierten Technikern in einem handwerklichen Umfeld produzierten. Unter dem Strich sind wir nicht nur schneller und preiswerter, sondern auch noch besser geworden – alles im Sinne unserer Kunden.“
Dabei ist die Produktion auf maximale Flexibilität ausgelegt. Mehr als eine Million unterschiedliche Drehgeber und Neigungssensoren können in Slubice gefertigt werden. Diese lassen sich über logische Verknüpfungen kundenspezifisch aus rund 3 000 im System erfassten modularen Bauteilen generieren (Bild 5). Die Produkte sind dann in der Regel schon drei Werktage nach der Bestellung beim Kunden – per Express sogar innerhalb von 24 Stunden. „Dabei liegt die durchschnittliche Auftragsgröße bei 1,8 Einheiten. Das zeigt, dass wir unser ‚Mass Customization’-Konzept tatsächlich voll umsetzen können“, so C. Leeser.
Bei solch einer Varianz ist der digitalisierte Katalog natürlich von besonderer Bedeutung. Das Online-Portal funktioniert nicht nur als strukturiertes Schaufenster auf das Sortiment, sondern baut bei Auftragseingang gleichzeitig auch die Wertschöpfungskette des Drehgeber-Geschäfts über die firmeneigene Cloud der Fraba-Gruppe auf.
Auch künftig will die Unternehmensgruppe ungewöhnliche Wege beschreiten. Beispielsweise nutzt Fraba bereits Amazon, Conrad Elektronik sowie Mercateo als Vertriebskanäle und will diese weiter ausbauen. „Wir werden auch in Zukunft auf Spielfreude setzen, um mit unserem Ideenreichtum hochwertige Produkte für unsere Kunden entwickeln und uns nicht an anderen orientieren. Wir werden weiterhin erfolgreich sein, wenn wir uns auf uns und unsere Kunden konzentrieren“, ist sich C. Leeser sicher.



Offenheit ist Trumpf





Nicht nur das Fertigungsgebäude von Fraba in Slubice ist total offen gestaltet. Das Unternehmen setzt auch bei der Informationspolitik auf Transparenz. Was es damit auf sich hat, berichtet Paul Schmitz, General Manager Conistics Sp. z o.o bei der Fraba-Group.


Das Herzstück der magnetischen Drehgeber von Fraba





Paul Schmitz, General Manager Conistics Sp. z o.o der Fraba-Group, stellt das geschwindigkeitsunabhängige Energy-Harvesting-System vor: den Wiegand-Sensor.


Magnetische Technologie löst die Optik ab





„Bei Anbau-Drehgebern braucht man die Optik nicht mehr“ hebt CEO Christian Leeser hervor und erläutert warum Fraba auf magnetische Technologie setzt.


Ziel: 25 % Wachstum jährlich





Fraba will seinen Umsatz jährlich um 25 % steigern. Die Basis dafür schaffen die magnetischen Drehgeber, die Motor-Feedback-Systeme sowie die Wiegand-Sensorik, berichtet Fraba-CEO Christian Leeser.


Fraba kennzeichnet sich durch Spielfreude





Bei dem Besuch bei Fraba In Slubice erläutert CEO Christian Leeser, im Gespräch mit Frank Nolte, das Konzept des Spezialisten für Positions- und Geschwindigkeitssensorik, das auf “Spielfreude” basiert, sowie die Definition die dahinter steckt.


Impressionen

Hier ein paar Eindrücke von unserem Besuch bei Fraba in Slubice am 12. April 2018.

Vorbesprechung für den Besuch der Fertigung morgen bei Fraba Posital in Slubice. Nach der stressigen Anreise - inklusive Verlust des Koffers - freuen wir uns darauf darauf das Unternehmen mit motivierter Spielfreude und open book policy kennenzulernen.

Vorbesprechung für den Besuch der Fertigung morgen bei Fraba Posital in Slubice. Nach der stressigen Anreise – inklusive Verlust des Koffers – freuen wir uns darauf darauf das Unternehmen mit motivierter Spielfreude und open book policy kennenzulernen.

Auf geht es zur nächsten Etappe der etz@Tour: Wir besuchen eine der schönsten Fabriken weltweit: Fraba Posital in Slubice.

Auf geht es zur nächsten Etappe der etz@Tour: Wir besuchen eine der schönsten Fabriken weltweit: Fraba Posital in Slubice.


Jetzt kann es losgehen Fraba Posital in Slubice.

Jetzt kann es losgehen Fraba Posital in Slubice.

306.505 unterschiedliche Ausführungen an absoluten Drehgebern lassen sich in Slubice sinnvoll fertigen - die Auswahl erleichtert der Product Finder, den Paul Schmitz vorstellt.

306.505 unterschiedliche Ausführungen an absoluten Drehgebern lassen sich in Slubice sinnvoll fertigen – die Auswahl erleichtert der Product Finder, den Paul Schmitz vorstellt.


Anweisungen mit Bildern & Videos erleichtern die Einarbeitung & sind weltweit einsetzbar. Mitarbeiter lernen nicht Drehgeber zu fertigen, sondern Arbeitsschritte mit Werkzeugen zu tätigen. Ein Arbeiter kümmert sich um ein Produkt von der Montage bis zur Verpackung.

Anweisungen mit Bildern & Videos erleichtern die Einarbeitung & sind weltweit einsetzbar. Mitarbeiter lernen nicht Drehgeber zu fertigen, sondern Arbeitsschritte mit Werkzeugen zu tätigen. Ein Arbeiter kümmert sich um ein Produkt von der Montage bis zur Verpackung.

Mass Customization ist das Motto von Fraba Posital in Slubice - Die Fertigung individueller Produkte in Losgröse 1 / Christian Leeser CEO.

Mass Customization ist das Motto von Fraba Posital in Slubice – Die Fertigung individueller Produkte in Losgröse 1 / Christian Leeser CEO.


Wir verabschieden uns aus Slubice. Vielen Dank an Fraba Posital für die Gastfreundschaft & den Blick hinter die Kulissen der Drehgeberfertigung.

Wir verabschieden uns aus Slubice. Vielen Dank an Fraba Posital für die Gastfreundschaft & den Blick hinter die Kulissen der Drehgeberfertigung.


27.03.2018

etz@Tour goes east: Der nächste Stop der etz@Tour führt uns nach Polen. Der Besuch von Fraba in Slubice am 12. April wird nicht nur technisch, sondern auch optisch ein Leckerbissen. Schließlich wurde das Produktionsgebäude von Betterbuys unter die 25 weltweit schönsten Fabriken gewählt. In Wort, Bild und Video werden wir berichten, was die Produktion sowie die Technik des Herstellers von leistungsstarken industriellen Drehgebern, Neigungs- und Linearpositionssensoren auszeichnet. Eine der Besonderheiten können wir schon jetzt verraten: Produktion nach Losgröße 1. Dabei können mehr als eine Million unterschiedliche Drehgeber und Neigungssensoren gefertigt werden, die sich über logische Verknüpfungen kundenspezifisch aus rund 3.000 im System erfassten modularen Bauteilen generieren lassen.