A A A
| Sitemap | Kontakt | Impressum | Datenschutz
ETZ Logo VDE Verlag Logo

Hygienic Design für Kabelverschraubungen

(Bild: stock.adobe.com_industrieblick)

(Bild: stock.adobe.com_industrieblick)

01 Die Kabelverschraubung Skintop Hygienic ist nach den Prinzipien des Hygienic Designs konzipiert: Sie hat glatte Oberflächen und keine versteckten Öffnungen, in denen sich Lebensmittelreste festsetzen könnten

01 Die Kabelverschraubung Skintop Hygienic ist nach den Prinzipien des Hygienic Designs konzipiert: Sie hat glatte Oberflächen und keine versteckten Öffnungen, in denen sich Lebensmittelreste festsetzen könnten

02 Die Ölflex Robust, ebenso wie andere Robust-Leitungen von Lapp, halten auch aggressiven Reinigungsmitteln und Dampf stand

02 Die Ölflex Robust, ebenso wie andere Robust-Leitungen von Lapp, halten auch aggressiven Reinigungsmitteln und Dampf stand

In jeder Krise steckt auch eine Chance. Einen Beleg dafür gibt die Lapp-Gruppe, die sich mit maßgeschneiderten Produkten im Lebensmittel- und Getränkemarkt in Chile etablierte. Dieses Know-how floss auch in die Entwicklung einer neuen Produktreihe für hygienisch anspruchsvolle Anwendungen ein.

Chile ist ein wohlhabendes Land, wobei der Wohlstand stark von Rohstoffen abhängt und von deren Export. Bis 2008 war die Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen ein lukratives Geschäft, doch dann schlug auch in dem südamerikanischen Vorzeigeland die globale Wirtschaftskrise zu. Für die Lapp-Gruppe, die seit vielen Jahren Verbindungssysteme für die Maschinen- und Rohstoffindustrie in die Region liefert, war die Krise der Startschuss, neue Märkte in Chile zu erschließen, zum Beispiel die Lebensmittel- und Getränkeindustrie.
Aufgrund ihrer Initiative in Chile hat Lapp nun einen großen Getränkekonzern als Kunden gewonnen und baut die Partnerschaft weiter aus. Der Hersteller für Kabel- und Verbindungssysteme in Stuttgart liefert mittlerweile Produkte sowohl für die Instandhaltung bestehender als auch für den Bau neuer Anlagen an die Abfüllfabrik des Limonaden-Konzerns in Chile. „Nun zahlt sich aus, dass wir für die Lebensmittel- und Getränkebranche Know-how und neue Produkte entwickelt haben“, erklärt Andreas Bauer, Leiter Produktmanagement Systemprodukte. In die Entwicklung der speziellen Produkte für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie flossen dabei auch Erkenntnisse aus der Partnerschaft in Chile ein.
Hygienic Design als Maßstab
Exemplarisch für diese neuen Produkte stehen die Kabelverschraubungen Skintop Inox aus V4A-Edelstahl und später deren nächste Entwicklungsstufe, die Skintop Hygienic (Bild 1), die auch in der Produktzone der Lebensmittelverarbeitung zum Einsatz kommen darf. Letztere ist nach den Prinzipien des Hygienic Design konzipiert: Sie hat glatte Oberflächen und keine versteckten Öffnungen, in denen sich Lebensmittelreste festsetzen könnten. Die Skintop Hygienic hat deshalb kein Sechskantprofil wie bei Verschraubungen üblich, sondern lediglich zwei abgerundete Flächen, an denen der Schraubenschlüssel ansetzen kann. Statt eines O-Rings verfügt die Kabelverschraubung über dem Anschlussgewinde über eine Formdichtung aus lebensmittelechtem FKM-Elastomer.
Verunreinigungen lassen sich allerdings nie ganz vermeiden. Deshalb rücken nach Schichtende die Reinigungstrupps an und strahlen die Oberflächen mit aggressiven Reinigungsmitteln und heißem Dampf ab. Um diesem Reinigungsprozess standzuhalten, müssen die Kabel mit einem besonders widerstandsfähigen Mantel ausgerüstet sein, wie die Ölflex Robust (Bild 2) und andere Robust-Leitungen von Lapp. Dafür haben sich die Materialforscher von Lapp Engineering in Cham/Schweiz, eine Alternative zum gängigen PUR ausgedacht: Spezial-TPE, wobei TPE für „thermoplastisches Elastomer“ steht. Die Wissenschaftler haben das Mischungsverhältnis der Polymere angepasst und einen geheimen Cocktail aus Additiven zugesetzt, die in die Compound-Matrix eingebaut werden, zum Beispiel Verarbeitungshilfen, die eine extrem glatte Oberfläche erzeugen und vom Hochdruckreiniger nicht ausgewaschen werden. Das Spezial-TPE schlägt PUR oder nicht-optimiertes TPE in vielen Eigenschaften, vor allem ist es resistent gegen Bioöle, Fette, Lebensmittelsäuren und Wasser. Trotz des Verzichts auf PUR sind Kabel wie die Ölflex Robust 200 widerstandsfähig genug, um auch offen auf dem Boden verlegt zu werden. Und im Gegensatz zu PUR ist das Spezial-TPE nicht hydrophil, es lagert sich also kein Wasser im Material ein – ein großer Vorteil in der reinigungsintensiven Lebensmittelindustrie.
Als Zulieferer gelistet
Die Produkte überzeugten, dennoch war der Erfolg in Südamerika kein Selbstläufer. Etliche Jahre hat Lapp in Chile, Panama, Uruguay, Argentinien, Peru, Ecuador und Kolumbien den Markt bearbeitet. Es wurden viele Anwender und Anlagen in diesen Ländern besucht und über deren Probleme, Anforderungen und Wünsche gesprochen. Das hat geholfen, die Kenntnisse über die spezifischen Marktanforderungen zu vertiefen. Das aufwendige Vorgehen war notwendig, weil nur ein Teil der Aufträge für Verbindungssysteme direkt vom Endkunden, dem Getränkehersteller, kommt; einen größeren Teil vergibt der Konzern an Subunternehmer, die ihrerseits Kabel und Stecker einkaufen. Um als Zulieferer infrage zu kommen, muss man ein Listing erhalten, das heißt: als Zulieferer akzeptiert werden. Das ist Lapp gelungen – im konkreten Fall in Chile nicht nur beim Endanwender, sondern auch bei Subunternehmern, die einen großen Teil der Aufträge abwickeln und ihrerseits Vorgaben erhalten, damit sie als Zulieferer überhaupt infrage kommen.
In Chile übernimmt Desimat Ingenieria die Rolle des Vertriebspartners von Lapp. Desimat hat mittlerweile ein umfangreiches Lager mit Lapp-Produkten für die Lebensmittelindustrie und für den Maschinenbau aufgebaut. Die ersten Anfragen des Getränkekonzerns und seiner Subunternehmer waren Instandhaltungsarbeiten an bestehenden Anlagen, mittlerweile liefert Desimat aber auch Verbindungssysteme für neue Anlagen. Den größten Auftrag erfüllte der Handelspartner in der zweiten Jahreshälfte 2017 mit Ölflex-Leitungen für die Abfüllanlage und die automatische Palettierung. Schon jetzt ist abzusehen, dass der Limonaden-Hersteller nicht der einzige Kunde von Lapp in dieser Branche bleiben wird. Ein weiterer großer Limonadenhersteller in Chile hat Lapp beauftragt, Leitungen für die Wartung älterer Anlagen zu liefern. (sm)

Tatiana Blacker ist bei der U.I. Lapp GmbH zuständig für die Marktentwicklung in Südamerika. info@lappkabel.de