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Steckbare Energiekette

Uwe Gräff, Geschäftsführer bei Harting, (links) und Christian Stremlau, Leiter Geschäftsbereich Readychain und Readycable bei Igus: „Durch die Konfektionierung von Han-Modular in den Energieketten entstehen steckbare Energieketten mit System“

Uwe Gräff, Geschäftsführer bei Harting, (links) und Christian Stremlau, Leiter Geschäftsbereich Readychain und Readycable bei Igus: „Durch die Konfektionierung von Han-Modular in den Energieketten entstehen steckbare Energieketten mit System“

Die Bodenplatte - eine der vielen Montagevereinfachungen bei Modular Connect - ermöglicht die sichere Befestigung der Steckverbinder in der Energiekette

Die Bodenplatte – eine der vielen Montagevereinfachungen bei Modular Connect – ermöglicht die sichere Befestigung der Steckverbinder in der Energiekette

Bei der Konfiguration von Modular Connect wird darauf geachtet, dass die signal- von den energieführenden Leitungen getrennt sind und die Leitungen so angeordnet werden, wie sie in die Energiekette eingelegt wurden, sodass die steckbare Energiekette schön aufgeräumt ist

Bei der Konfiguration von Modular Connect wird darauf geachtet, dass die signal- von den energieführenden Leitungen getrennt sind und die Leitungen so angeordnet werden, wie sie in die Energiekette eingelegt wurden, sodass die steckbare Energiekette schön aufgeräumt ist

Mit Readychain bietet Igus schon seit Jahren anschlussfertig konfektionierte Energiekettensysteme an. Um noch individueller auf Kundenwünsche eingehen und variable Leitungskonfektionen bei kurzer Lieferzeit anbieten zu können, hat das Unternehmen eine Design-in-Partnerschaft mit Harting abgeschlossen. Was dies für die Kunden bedeutet, erfuhr die etz-Redaktion im Gespräch mit Uwe Gräff, Geschäftsführer bei Harting, und Christian Stremlau, Leiter Geschäftsbereich Readychain und Readycable bei Igus.

Igus und Harting arbeiten schon seit einiger Zeit bei Standardlösungen zusammen. Warum wurde diese Partnerschaft jetzt intensiviert?
C. Stremlau: Mit Readychain liefern wir konfektionierte Energiekettensysteme, Steckverbinder und hochflexible Leitungen aus einer Hand. Dadurch optimieren wir für unsere Kunden den Beschaffungsprozess, verschlanken die internen Logistikaufwände und reduzieren die Montagezeit. Dabei haben wir schon immer auf das umfassende Steckverbinderprogramm von Harting zurückgegriffen. Das Unternehmen ist einer unserer Vorzugslieferanten und nimmt einen nicht unwesentlichen Teil in unserem Lager ein. Die Integration des Han-Modular-Programms hat es uns ermöglicht, unsere Produktion der Einzelstückfertigung noch effizienter zu machen und unseren Kunden noch mehr Flexibilität zu bieten.
U. Gräff: Als Spezialist für Installationstechnik arbeiten wir mit den bekanntesten Experten im Bereich Produktion zusammenarbeiten, häufig auch partnerschaftlich, um gemeinsam beste Lösungen zu entwickeln. Der Begriff „beste Lösung“ betrifft dabei nicht nur das einzelne Produkt, sondern die gesamte Wertschöpfungskette mit allen Facetten. Mit Igus sind wir noch einen Schritt weitergegangen und sorgen zum einen dafür, dass die Schnittstellen-Montage für die Leitungs- und Signalübertragung besonders effizient ist und sich zum anderen gut in die eigenen Fertigungsprozesse von Energieketten und Kabelsystemen integrieren lässt.
Wie unterscheidet sich das Konzept von Readychain?
C. Stremlau: Bei Readychain gibt es oft viele verschiedene Steckbinder. Je nach Einsatzfall und Anforderung werden die konfektionierten Energieketten schnell mal zu einem umfassenden Projekt mit entsprechenden Kosten. Auch wenn die meisten Kunden mit den auf den jeweiligen Anwendungsfall individuell abgestimmten Lösungen glücklich sind, waren diese Lösungen meist recht teuer.
Aus unserem Vertrieb kam deswegen die Anfrage, ob es nicht eine unkompliziertere und kostengünstigere Lösung für eine individuelle Energiekette geben könnte. Diesbezüglich dachte ich an einen modular aufgebauten Steckverbinder mit einem Standardgehäuse, aus dem man durch einfaches Zusammenstecken von Komponenten einen neuen Steckverbinder erstellen kann. Beim nächsten Gang durch unser Lager bin ich dann über Han-Modular von Harting „gestolpert“.
U. Gräff: Auch, wenn der Steckverbinder zunächst relativ konventionell aussieht; er ist es bestimmt nicht. Han-Modular umfasst rund 100 Module, aus denen sich je nach Anforderung Steckverbinder zur Übertragung von Signalen, Leistung und Druckluft konfigurieren lassen. Durch die Integration mehrerer Kontakteinsätze mit verschiedenen Funktionen in einem Gehäuse lassen sich Schnittstellen besonders platzsparend und kostengünstig dimensionieren. Von uns entwickelte Halterahmen und Adapter ermöglichen die Kombination unterschiedlichster Module zu individuellen hybriden Steckverbindern. Im Rahmen des Projekts Han-Modular-Flexbox – bei Igus heißt es Modular Connect – wurden dann entsprechend den individuellen Kundenbedürfnissen sowie der Anforderungen der Energieketten, applikationsspezifische Anpassungen vorgenommen.
Wie sehen diese aus?
U. Gräff: Zusammen mit Igus haben wir festgelegt, wie die Steckverbinder aufgebaut sein sollen und welche Anschlüsse verfügbar sein müssen. Dabei wurden viele kleine, intelligente Funktionen und Montagevereinfachungen implementiert. Beispielsweise können an die jetzt integrierte Universalaufnahme unterschiedlichste Dinge montiert werden, wie flexible Kabelabgänge oder Zugentlastungsschienen.
C. Stremlau: Bei Modular Connect sind uns vor allem zwei Dinge wichtig: Das Produkt muss bei uns einfach zu konfektionieren und beim Kunden einfach zu montieren sein. Das modulare Konzept bietet dem Kunden dank seiner Flexibilität und Konnektivität ein Plus hinsichtlich der Anwendungsvielfalt.
Was ist so besonders bei Han-Modular?
U. Gräff: Der Aufbau. Dieser bietet dem Anwender große Freiheit. Weil das Programm so umfangreich ist, lässt sich fast immer die passende Konfiguration und damit Adaption an die Anwendung realisieren. Die Funktionen lassen sich eindeutig trennen, die Kabelabgangsrichtung ist frei wählbar und die Kombination der Module macht sogar eine separate Codierung überflüssig. Das individuelle Steckgesicht verhindert ein Fehlstecken. Die Endmontage kann so durch Personal ohne spezielle Ausbildung erfolgen – Fehlerfreiheit ist sozusagen konzeptbedingt garantiert.
Selbst wenn Leistungs- und Signalübertragungen besonders gegeneinander abgeschirmt werden sollen, gibt es dafür mit dem Han-Shielded-Modul eine spezifische Lösung. Damit ist es möglich, sensitive Spannungssignale zu übertragen, die keinen äußeren Einflüssen ausgesetzt sein dürfen. Grenzen werden nur erreicht, wenn Kabelspezifikationen rein physikalisch keinen Verdrahtungsspielraum lassen. Solche Schwierigkeiten lassen sich aber in der Regel durch eine sorgfältige Dimensionierung überwinden.
Bedeutet diese Flexibilität für Igus nicht auch einen erhöhten Logistik- und Lageraufwand?
C. Stremlau: Für uns steht vor allem eine hohe Verfügbarkeit im Vordergrund, um Probleme schnell lösen zu können. Aus der langjährigen Zusammenarbeit mit unserem Vorzugslieferanten Harting, wissen wir, dass wir uns auf die Termintreue und hohe Qualität verlassen und damit unseren Kunden kürzeste Lieferzeiten und beste Qualität zu fairen Preisen garantieren können. Lieferfähigkeit ist verglichen mit Kosten für Lagerhaltung sicher das höhere Gut. Ein weiterer Vorteil ist, dass man bei den Harting-Steckverbindern Crimpkontakte verwenden kann. Dadurch konnten wir die Montage zumindest teilweise automatisieren und die Montage preisgünstig gestalten.
Wie wird Modular Connect konfektioniert? Kann dies der Anwender selbst mithilfe eines Tools machen oder übernehmen Sie das für ihn?
U. Gräff: Bei Han-Modular stellen wir den Kunden verschiedene Konfigurationen zur Verfügung, die die wesentlichen Parameter berücksichtigen. Damit decken wir die gängigsten Lösungen ab. Anwender können aber auch „aus dem Baukasten heraus“ konfektionieren.
C. Stremlau: Bei Modular Connect ist es sinnvoll, wenn der Kunde uns sagt, welche Leitungen er benötigt. Aufgrund unserer Erfahrung können wir den Stecker dann so konfektionieren, dass zum einen die signalführenden von den energieführenden Leitungen getrennt sind und zum anderen die Leitungen so angeordnet werden, wie sie in die Energiekette eingelegt wurden. So bleibt alles aufgeräumt, sortiert, stabil und letztlich auch optisch ansprechend und ordentlich; schließlich spielt auch der ästhetische Effekt bei der Kaufentscheidung eine Rolle. Ein weiteres Plus: Das System ist zu 100 % getestet und geprüft – hinzu kommt die Einfachheit und Fehlersicherheit bei der Montage.
Was sind Ihre weiteren Ziele mit Modular Connect?
U. Gräff: Wir sind, was den Business Case angeht, bei der der Erschließung der Potenziale des Baukastens noch ganz am Anfang. Das Konzept wurde ja erst vor kurzem vorgestellt. Das erste Feedback der Anwender ist jedenfalls hervorragend. Wir nehmen dabei immer noch Anregungen entgegen und wollen die Kunden bei der Weiterentwicklung involvieren.
C. Stremlau: Schon das Produkt Readychain Speed verstand sich als Einladung an die Kreativität der Kunden. Schon dort war das Feedback sehr positiv. Deswegen sind wir auch bei Modular Connect offen für Kundenwünsche und versuchen diese in unser Konzept zu integrieren. Es würde mich wundern, wenn wir nicht noch weitere Optimierungspotenziale erschließen würden. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich noch sehr viele Ideen aus den vielfältigen Anwendungen entwickeln werden. Hier sind wir sicher erst am Anfang der Reise – vergessen Sie nicht: Das Produkt wird erst am Markt eingeführt. (no)

Autor:
Dipl.-Ing. (FH) Frank Nolte ist stellv. Chefredakteur beim VDE VERLAG