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Digitale Lösungen und Geschäftsmodelle effizient entwickeln

Mit der Menge an verfügbaren Daten und dem richtigen Konzept lassen sich neue Geschäftsmodelle erarbeiten und validieren

Mit der Menge an verfügbaren Daten und dem richtigen Konzept lassen sich neue Geschäftsmodelle erarbeiten und validieren

01 Vier Kerndimensionen sind die Basis des Business Modell Navigators

01 Vier Kerndimensionen sind die Basis des Business Modell Navigators

Das Datenvolumen soll unter anderem durch das Industrial Internet of Things (IIoT) weltweit bis 2025 voraussichtlich um etwa 30 % jährlich wachsen. Das reine Sammeln der Daten wird jedoch keinen Vorteil bieten. Vielmehr muss es das Ziel sein, Mehrwerte für den Kunden zu generieren, was häufig zu ganz neuen Geschäftsmodellen führt.
Viele Firmen haben die effiziente Datennutzung für sich noch nicht erschlossen. Diese Unternehmen sollten sich die folgenden Fragen stellen:

  • Wie schaffen wir einen echten Mehrwert für unsere Kunden?
  • Wie lernen wir schnell genug, um sicherzustellen, dass wir in der Lernkurve vorne liegen?
  • Wie werden wir mit diesen neuen Angeboten Geld verdienen?

Um diese Fragen beantworten zu können, sind nicht nur die aktuellen Arbeitsweisen zu überdenken. Vielmehr bedarf es neben neuem technologischen Wissen vor allem einer neuen Denkweise und Kultur, um den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen gewachsen zu sein.
Mit dem Geschäftsmodellnavigator hat die Universität St. Gallen ein ganzheitliches Konzept für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle erarbeitet und validiert. Dabei wird das Geschäftsmodell praxisnah anhand von vier Kerndimensionen beschrieben (Bild 1). Für eine Geschäftsmodellinnovation müssen sich mindestens zwei Dimensionen gleichzeitig ändern.
Potenzial für innovative Geschäftsmodelle
Digitale Dienstleistungen, die auf Daten aus der Nutzung von Maschinen basieren, bieten die Möglichkeit, innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln, die einen nachhaltigen Kundennutzen schaffen. Dieser Kundennutzen führt zu Differenzierung und profitablem Wachstum. Produktunternehmen können durch digitale Dienstleistungen (What?) neue Werte schaffen, die zu neuen Wertschöpfungsketten (How?), unterschiedlichen Kostenstrukturen sowie Potenzialen für Ertragsmodelle wie Pay per Use oder leistungsabhängige Vergütung (Why?) führen.
Jahrzehntelang konzentrierte sich die Automobilindustrie vor allem auf Differenzierungsmerkmale wie PS, Höchstgeschwindigkeit, Sportlenkung oder Komfort- und Ledersitze. Aber gerade in städtischen Gebieten profitieren die Menschen immer weniger von solchen Eigenschaften. Darüber hinaus sind sie weniger bereit, für den Besitz eines Autos zu bezahlen, als für die Nutzung. Damit eröffneten sich Möglichkeiten für Carsharing-Firmen, die anbieten, Autos einfach mit einem Smartphone zu finden, zu öffnen und zu fahren. Dies wurde durch IIoT ermöglicht. Die Erfassung von Daten aus der Fahrzeugnutzung erlaubt es nun nicht nur, Fahrzeuge zu bauen, die besser auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten sind, sondern auch neue Dienstleistungen anzubieten, die weitere Kundenbedürfnisse erfüllen.
Schnelle Implementierung zusammen mit den Kunden
Der klassische Implementierungsprozess beginnt typischerweise mit einer Analysephase, in der alle Aspekte der Entwicklung und Produktion neuer Produkte oder Dienstleistungen vertieft werden. Bei neuen IT-Services dauert oft allein der Prozess der Lieferantenauswahl drei bis sechs Monate. Außerdem benötigen die Spezifikation, das Design, die Implementierung und der Test mehrere Monate. Da diese Art von innovativen Dienstleistungen jedoch nicht nur für Hersteller, sondern auch für die Anwender neu sind, birgt dies ein großes Risiko: Die Möglichkeit, dass die digitale Lösung für die Kunden nicht geeignet ist. Man sollte darauf Achten, die Lösung erst dann zu realisieren und Geld sowie Zeit zu investieren, wenn sichergestellt ist, dass das Angebot ein Problem löst und damit attraktiv für die Kunden ist.
Daher ist es für Unternehmen von entscheidender Bedeutung, dass die Entwicklung neuer digitaler Dienste in kurzen Iterationszyklen mit enger Kundeninteraktion erfolgt. Mit jedem Zyklus erfahren die Firmen und ihre Kunden dann mehr darüber, welche Dienstleistungen einen echten Mehrwert schaffen und wann die Kunden bereit sind, dafür zu bezahlen. Gleichzeitig muss das Unternehmen lernen, wie man solche Angebote entwickelt und kontinuierlich verbessert.
Realisierungskonzepte
Basierend auf dem Geschäftsmodellnavigator hat Blu Portals diese Probleme bereits in mehreren Projekten gelöst. Dabei wurde der dreistufige Ansatz für die kundenorientierte Gestaltung sowie Implementierung von Geschäftsmodellen in der Praxis erfolgreich eingesetzt.
Es beginnt mit einer kundenorientierten Denkweise – der Bereitschaft, den Kunden zuzuhören und ihre Probleme kennenzulernen. Ansätze wie das Design Thinking stellen den Kunden in den Mittelpunkt und somit sicher, dass die vorgeschlagenen Lösungen zu den tatsächlichen Bedürfnissen des Kunden passen. Der Business Model Navigator erleichtert das Denken in Geschäftsmodellen und bietet einen systematischen Ansatz für Design und Implementierung. Darüber hinaus stellt die Fokussierung auf Geschäftsmodelle sicher, dass die Lösung entsprechend monetarisiert werden kann und damit wirtschaftlich profitabel ist.
Der Schlüssel zur Sicherstellung der Validierung der Annahmen zusammen mit einer steilen Lernkurve sind schnelle und iterative Zyklen. In diesen Bereichen agieren Unternehmen unter großer Unsicherheit. Deshalb steht in diesen Phasen die Reduzierung von Unsicherheit im Vordergrund. Kurz gesagt: Experimente und kurze Feedbackschleifen sind entscheidend, um eine Lösung nicht nur schnell, sondern auch die richtige für und mit seinen Kunden zu entwickeln – und das mit der entsprechenden Geschwindigkeit. Dazu gehören auch IT-Lösungen, die schnell an die Lernzyklen dieser Experimente angepasst werden können.
Es ist unerlässlich, das in seinem Unternehmen methodische Wissen sowie die Fähigkeiten für diese Art von Service Design und Implementierung zu etablieren. Dann kann man sein vorhandenes Wissen nutzen, um gemeinsam mit seinen Mitarbeitern und Kunden kontinuierlich neue digitale Dienste zu schaffen. Das Ziel sollte es hierbei sein, feste Prozesse sowie eine innovative Kultur durchzusetzen, damit die Weiterentwicklung ein konstanter Aspekt des Unternehmens wird. Einzelne, alleinstehende Projekte reichen nicht aus, um das Unternehmen dauerhaft wettbewerbsfähig zu halten.
Fazit
Digitalisierung, Industrie 4.0 und IIoT ermöglichen es, nicht nur neue und attraktive Angebote zu schaffen, um Kunden zu begeistern, sie bringen auch die eigenen Beschäftigten dazu, auf neue Weise zu handeln. Kundenorientierung, Geschäftsmodelldenken sowie Arbeiten in iterativen Lernzyklen bereiten sowohl Unternehmen als auch Mitarbeiter auf die Zukunft vor. So geht es bei Work 4.0 nicht nur darum, flexiblere Arbeitsweisen, technisches Know-how und Datenkompetenzen zu schaffen, sondern auch darum, die Kultur und Denkweise des eigenen Unternehmens an diese sich abzeichnenden Veränderungen anzupassen.
Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch nicht im bloßen Verständnis dieser Aspekte, sondern in ihrer Umsetzung im eigenen Unternehmen. Nur so lassen sich eigene Fähigkeiten schnell aufbauen und wichtige Erfahrungen mit diesen neuen Verfahren sammeln. Mit der Unterstützung der richtigen Partner für einen solchen Ansatz können Unternehmen gleichzeitig innovative Geschäftsmodelle entwickeln und diese Transformation erfolgreich managen. Einen Einblick in die Methodik von Blu Portals erhält man auch am 19. Februar 2019 auf dem Böblinger Automatisierungstreff. (no)
Marc Zenker ist Head of Digital Innovation der Blu Portals & Applications GmbH in Oberhaching. marc.zenker@blu-pa.com