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Systemgehäuse für die Anforderungen der Digitalisierung

01  Mit den Serien AX und KX hat Rittal sein komplettes Programm für Kompaktschaltschränke inklusive Kleingehäuse  einem Relaunch unterzogen und zur Systemlösung deutlich weiterentwickelt (Bilder: Rittal)

01  Mit den Serien AX und KX hat Rittal sein komplettes Programm für Kompaktschaltschränke inklusive Kleingehäuse einem Relaunch unterzogen und zur Systemlösung deutlich weiterentwickelt (Bilder: Rittal)

Man findet sie überall, ob in der Gondel winderprobter Energieanlagen, am Rand von steinigen Gleisbetten, in der Tiefe von Höhlen oder überall in Fertigungs­anlagen – millionenfach schützen Kleingehäuse oder Kompaktschaltschränke von Rittal [1] empfindliche Steuerungselektronik und sorgen so für den reibungslosen Ablauf ­wiederkehrender Prozesse. Das Produktportfolio wurde nun komplett überarbeitet (Bild 1): Die neuen Kompaktschaltschränke AX und Kleingehäuse KX bieten den Kunden nicht nur zahlreiche Montagevorteile, sondern eröffnen als Teil des Rittal-Systems neue Perspektiven mit Blick auf durchgängig digitale Wertschöpfungsprozesse.

02  Einfacher: Hochwertige 3D-Daten für durchgängig ­digitalisierte Abläufe sind einfach über die Rittal-Website oder das Eplan Data Portal verfügbar und schaffen ­Wertschöpfung schon in der Lieferkette. Teilereduzierung sorgt für vereinfachtes Engineering. Konfiguration und ­Bestellung erfolgen einfach über das Rittal Configuration System und den Onlineshop

02  Einfacher: Hochwertige 3D-Daten für durchgängig ­digitalisierte Abläufe sind einfach über die Rittal-Website oder das Eplan Data Portal verfügbar und schaffen ­Wertschöpfung schon in der Lieferkette. Teilereduzierung sorgt für vereinfachtes Engineering. Konfiguration und ­Bestellung erfolgen einfach über das Rittal Configuration System und den Onlineshop

03  Schneller: Alle Flachteile sind der Lieferung einzeln entnehmbar und können direkt ohne Demontage bearbeitet werden. Die Montage ist schnell, da sie weitgehend ­werkzeuglos erfolgen kann

03  Schneller: Alle Flachteile sind der Lieferung einzeln entnehmbar und können direkt ohne Demontage bearbeitet werden. Die Montage ist schnell, da sie weitgehend ­werkzeuglos erfolgen kann

Die Anforderungen an Gehäuse für die Elektrotechnik ­haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend ­verändert. Dabei spielt die Digitalisierung eine maßgeb­liche Rolle. Ein bekanntes Beispiel: Maschinen und Komponenten werden mit mehr Sensoren und Aktoren sowie Schnittstellen ausgestattet. Diese brauchen wiederum die Vernetzung bzw. den Anschluss an ihre übergeordneten Steuerungen. Dies führt zu einer größeren Zahl der im ­Gehäuse zu montierenden Komponenten und damit zu einer größeren Anzahl an Leitungen, die über die ­Flanschplatte ins Innere geführt werden müssen. Diesen geänderten ­Anforderungen wird der AX zum Beispiel mit einer bis zu 35 % größeren Flansch­platte gerecht. Gleichzeitig steigt die Packungsdichte in den Gehäusen an, da viele Komponenten immer kompakter werden. Die Anforderungen an bessere Raumnutzung, ­eine leichtere und schnellere Handhabung und vor allem die Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger Daten zur Nutzung entlang des gesamten Herstellungsprozesses sind daher von dem Herborner Unternehmen aufgegriffen worden. Das Produktportfolio im Bereich Kleingehäuse und Kompaktschaltschränke wurde komplett überarbeitet. Eine der wichtigsten Ziele bei der Neuentwicklung war die ­Reduzierung von Komplexität entlang sämtlicher Kundenpro­zesse vom Engineering über die Auftragsabwicklung bis hin zu Bearbei­tung, Montage und Service beim Kunden.

Daten von Anfang an verfügbar

Die geringere Komplexität macht sich schon bei der Auswahl der passenden Gehäuselösung bemerkbar. Nur noch jeweils eine Produktlinie bei den Kompaktschaltschränken und den Kleingehäusen statt bisher zwei bzw. drei machen die Auswahl leichter – und das ohne die Abmessungen oder Anwendungen verloren gehen. Dass im Vergleich zu den Vorgängermodellen auch noch die Teilevielfalt geringer ist, vereinfacht die Planung zusätzlich. Für das Engineering, ­idealerweise etwa bei der Elektroplanung mit Eplan Electric P8 und der 3D-Aufbauplanung mit Eplan Pro Panel, stehen hochwertige 3D-Daten zur Verfügung (Bild 2). Die Planer finden entsprechende Daten für die neuen Kompaktschaltschränke und Kleingehäuse entweder auf der Website von Rittal oder im Eplan Data Portal.

Eine komfortable Konfiguration und Bestellung bietet das Rittal Configuration System. Eine ­Plausibilitätsprüfung sorgt hier dafür, dass immer nur passendes Zubehör verwen­det werden kann, was die Auswahlzeit reduziert. In einem 3D-Modell innerhalb des Konfigurators kann das gewählte Zubehör gleich an der dafür vorgesehenen Stelle platziert werden. Im Anschluss können die so konfigurierten Schaltschränke und Gehäuse inklusive Stückliste direkt in die 3D-Aufbauplanung übernommen werden. Selbstverständlich lassen sich die CAD-Daten auch nahtlos für die Fertigung übernehmen, wo sie etwa Bearbeitungszen­tren für die Flachteilbearbeitung, wie die Rittal Perforex, ansteuern.

04  Mehr Platz: Die Flanschplatten, durch die Leitungen im Boden des Kompaktschaltschranks geführt werden, bieten je nach Modell durchschnittlich 35 % mehr Platz gegenüber der Vorgängerlösung

04  Mehr Platz: Die Flanschplatten, durch die Leitungen im Boden des Kompaktschaltschranks geführt werden, bieten je nach Modell durchschnittlich 35 % mehr Platz gegenüber der Vorgängerlösung

05  Sicherer: Rundum im Gehäuse eingeprägte Nocken ­sorgen für präzise Positionierung und sichere Befestigung der Innenausbauschienen – auch unter dynamischen ­Belastungen

05  Sicherer: Rundum im Gehäuse eingeprägte Nocken ­sorgen für präzise Positionierung und sichere Befestigung der Innenausbauschienen – auch unter dynamischen ­Belastungen

06  Mit System: Mit den flexiblen Möglichkeiten für den ­Innenausbau wird der AX zum System-Baukasten

06  Mit System: Mit den flexiblen Möglichkeiten für den ­Innenausbau wird der AX zum System-Baukasten

07  Industrie 4.0 in der Praxis: Die Fertigung der ­Kompaktschaltschränke AX und der Kleingehäuse KX  findet in dem neu errichteten Werk in Haiger statt.  Das weltweit modernste Produktionswerk für Kompakt­gehäuse setzt durchgängig auf Industrie-4.0-Konzepte  und auf hoch automatisierte Prozesse, um eine ständige Verfügbarkeit der Produkte sicherzustellen

07  Industrie 4.0 in der Praxis: Die Fertigung der ­Kompaktschaltschränke AX und der Kleingehäuse KX findet in dem neu errichteten Werk in Haiger statt. Das weltweit modernste Produktionswerk für Kompakt­gehäuse setzt durchgängig auf Industrie-4.0-Konzepte und auf hoch automatisierte Prozesse, um eine ständige Verfügbarkeit der Produkte sicherzustellen

Zeitgewinn auch in der Werkstatt

Die neuen Kompaktschaltschränke und Kleingehäuse bieten auch bei vielen weiteren Kundenprozessen Vorteile. So lassen sich zum Beispiel die Türen, die bei der Lieferung einzeln entnehmbar sind, ohne Werkzeug einbauen (Bild 3). Eine werkzeuglose Montage ist auch bei den Verschlusssystemen möglich. Die Erdung von Montageplatte und Tür ist beim neuen Kompaktschaltschrank auch verbessert. So kann die Erdung an der Montageplatte von der Vorderseite aus auch nachträglich festgeschraubt werden. Ebenfalls neu sind die Wandbefes­tigungshalter, die sich jetzt ganz einfach von ­außen am ­Gehäuse befestigen lassen. Dies reduziert die ­Gefahr von Transportschäden, da die überstehenden Wandhalter jetzt erst am Aufstellungsort montiert werden können. Sie können auch angebracht werden, wenn bereits Kom­ponenten eingebaut sind. Außerdem bleibt die Schutzart des Gehäuses erhalten, wenn die Wandbefestigungshalter montiert werden. Diese und viele weitere Details vereinfachen die Arbeit in der Werkstatt. Im Ergebnis profitiert der ­Anwender von einem Zeitgewinn und der damit verbun­denen Senkung der Kosten.

Systembaukasten erhöht die Flexibilität

Die AX-Kompaktschaltschränke bieten dem Anwender eine neue Flexibilität für den Innenausbau. So sind die Flanschplatten jetzt deutlich größer. In Abhängigkeit vom jeweiligen Modell ist durchschnittlich 35 % mehr Platz vorhanden, um Leitungen in das Gehäuse einzuführen (Bild 4). Eine Noppenprägung in den Seitenwänden ermöglicht das einfache und präzise Anbringen von Innenausbauschienen, ohne dass eine mechanische Bearbeitung notwendig ist (Bild 5). Die formschlüssige Montage erhöht die Stabilität. Es lassen sich unter anderem Türpositionsschalter, Türarretierungen, Kabelschläuche, Klemmleisten, Schaltschrankleuchten ohne mechanische Bearbeitung der Gehäuse direkt an den Innenausbauschienen befestigen. Durch den fest definierten Abstand zwischen den Schienen lässt sich Systemzubehör verwenden, wodurch der AX zu einem Systembaukasten erweitert wird (Bild 6). Die Türen sind mit einer Türlochleiste versehen, an die sich das Systemzubehör aus dem VX25-Schaltschrank-Programm ebenfalls befestigen lässt. So kann beispielsweise eine Leitungsabfangschiene montiert werden, wenn in der Tür Bedienelemente, wie ­Taster oder Schalter, angeschlossen werden sollen. Die ­neuen Funktionalitäten führen dazu, dass der Platz im Kompaktschaltschrank optimal ausgenutzt werden kann.

Kleingehäuse in 60 verschiedenen Abmessungen

Mit den neuen AX-Kompaktschaltschränken und KX-Kleinge­häusen steht für jede Aufgabe die passende Aus­führung zur Verfügung. Wenn nur wenige Komponenten untergebracht werden müssen, eignen sich die KX-Kleingehäuse ab einer Größe von 150 mm × 150 mm × 80 mm. Je nach Anzahl und Größe der Komponenten sind die ver­schiedensten ­Abmessungen sowohl in der KX- als auch der AX-Serie ­erhältlich. Die AX-Kompaktschaltschränke sind mit Tiefen von 210 mm bis 400 mm und mit einer maxima­len Größe bis zu 1.000 mm × 1.400 mm lieferbar. ­Insgesamt gibt es das neue KX in etwa 60 verschiedenen Abmes­sungen; beim AX sind es etwa 40 Varianten. Die meisten Modelle gibt es ­sowohl in lackiertem Stahlblech als auch in Edelstahl-Ver­sionen. Der Anwender kann so das zu seinen Anforderungen optimal passende Gehäuse auswählen. Alle Serien-Gehäuse sind ab Lager lieferbar. Die neue Produk­tionsstätte von ­Rittal im hessischen Haiger sorgt auf Anforderung vom ­benachbarten Global Distribution Center dafür, dass der Lagervorrat je nach Nachfrage aufgestockt wird (Bild 7). (hz)

www.rittal.de


Autor:
Hans-Robert Koch ist Gruppenleiter Produktkommunikation bei der Rittal GmbH & Co. KG in Herborn.





Fünf Fragen an Matthias Müller, Leiter Produktmanagement Schaltschränke bei Rittal

Die bisherigen Kompaktschaltschränke und die Kleingehäuse sind überaus erfolgreiche Produkte im Rittal-Portfolio. Warum jetzt eine Neuentwicklung in diesem Bereich?

M. Müller: Die Welt unserer Kunden verändert sich, und ­damit die Kundenanforderungen. Harter globaler Wettbewerb, Fachkräftemangel und nicht zuletzt die Digitalisierung erfordern einen neuen Blick auf die gesamten Auftrags­abwicklungs- und Fertigungsprozesse und nicht zuletzt auf das Produkt selbst. Da wir uns nie mit dem Erreichten zufriedengeben, entwickeln wir unser System folgerichtig im Dialog mit den Kunden weiter.

Können Sie Beispiele für die neuen Anforderungen nennen?

M. Müller: Daten sind im Umfeld von Industrie 4.0 eine wichtige Ressource, sei es zum Verbessern eines Produkts oder nur zum Überwachen eines reibungslosen Herstellungs­prozesses. Diese Daten transportieren häufig Informationen, die Sensoren in der Maschine oder Anlage aufnehmen. Die Digitalisierung führt dazu, dass manchmal mehrere Hundert Sensoren in einer Maschine verbaut sind. Die zugehörigen Komponenten – beispielsweise Klemmen oder Feldbusmaster – kommen in der Regel in einem Gehäuse unter. Da die Komponenten noch dazu immer kleiner werden, steigt die Packungsdichte in den Gehäusen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, eine größere Anzahl Leitungen in das Gehäuse einführen zu können. Dies haben wir bei den neuen Kompaktschaltschränken der Serie AX und den Kleingehäusen der Serie KX durch neue, bis zu 35 % größere Flanschplatten ­gelöst, die mehr Platz bieten als in den Vorgängermodellen. Heute ist es häufig so, dass die zur Kabeleinführung erforderlichen Öffnungen nicht alle auf der Flanschplatte Platz haben. Die Folge ist, dass zwei Teile, Flanschplatte und Gehäuse bearbeitet werden müssen. Bei den neuen, größeren Flansch­platten kann in den meisten Fällen die Bearbeitung der Gehäuse entfallen.

Gibt es neben der Erfüllung von Anforderungen aus den ­Anwendungen noch weitere Vorteile, die die internen Prozesse Ihrer Kunden – die Schaltanlagenbauer – betreffen?

M. Müller: Ja natürlich, bei unseren Neuentwicklungen ist immer eines der wichtigsten Ziele, unseren Kunden die ­Arbeit zu vereinfachen. Das fängt schon beim Auftrags­prozess an. Das Rittal Configuration System liefert neben den 3D-­Modellen und den Daten für die Maschinenbearbeitung gleich die Stückliste und die Preisliste mit. Nach Order wird in der Regel in 24 Stunden geliefert, sodass keine großartige Lager­haltung beim Kunden erforderlich ist. Noch ein typisches Beispiel, das zeigt, wie tief wir gedanklich in die Prozesse unserer Kunden einsteigen, ist die Lieferung an sich. Bei den neuen KX und AX sind sämtliche Flachteile, wie Türen und Flanschplatten, bei der Lieferung einzeln entnehmbar. Für die Bearbeitung muss der Kunde diese also nicht erst ­demontieren. Das kostet wertvolle Zeit, vor allem bei einem Mengenprodukt wie den Kompakt- und Kleingehäusen. In der Werkstatt des Schaltanlagenbauers können diese Teile dann direkt auf einem Bearbeitungszentrum bearbeitet werden, die Daten sind ja durch die Konfigurierung bereits vorhanden. Im ­Anschluss muss jede Tür und jede Flanschplatte wieder dem passenden Projekt zugeordnet werden. Hier helfen die QR-Codes mit den Projektdaten, die jetzt standardmäßig auf allen Teilen angebracht sind.

Die Internationalisierung ist ja bei vielen Unternehmen ein wichtiges Thema. Welche Möglichkeiten bieten hier die ­neuen Serien – Stichwort UL-Zulassung?

M. Müller: Selbstverständlich sind auch alle neuen Kompaktgehäuse und Kompaktschaltschränke UL-konform. Die neuen Serien bieten aber noch mehr für Firmen, die inter­national tätig sind: Die UL-Konformität bleibt auch dann ­erhalten, wenn zusätzliches Zubehör in die Gehäuse eingebaut wird. Hier haben wir sehr clevere konstruktive Lösungen ent­wick­elt, die unter anderem dafür sorgen, dass das Zubehör in den AX-Kompaktschaltschränken ­eingebaut ­werden kann, ohne dass dafür Bohrungen notwendig sind; Gleiches gilt auch für die Wandhalterungen. Ein weiterer ­Vorteil liegt darin, dass die Schutzart dabei erhalten bleibt.

Wie sieht es mit der Lieferfähigkeit und den ­Lieferzeiten für die neuen Kompaktschaltschränke und Kleingehäuse aus?

M. Müller: Die Kompaktschaltschränke AX und die Klein­gehäuse KX werden in unserem neuen Werk in Haiger produziert und sind ab Juli in Deutschland lieferbar. Zusammen mit dem Global Distribution Center nebenan ist die Prozesskette „Vom Kunden zum Kunden“ quasi voll automatisiert. So ­erhalten sie etwa die neuen Produkte ab Lager in der Regel innerhalb von 24 Stunden in Europa. Das schafft Schnelligkeit und Sicherheit und spart Kosten.