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Wie die Digitalisierung dem globalisierten Outsourcing entgegenwirkt

Immer wieder machen Firmen den Rückweg vom outgesourcten Standort zurück nach Deutschland die EU. Das hat auch mit Digitalisierung zu tun. (Quelle: fotolia.com © Tomasz Zajda)

Immer wieder machen Firmen den Rückweg vom outgesourcten Standort zurück nach Deutschland die EU. Das hat auch mit Digitalisierung zu tun. (Quelle: fotolia.com © Tomasz Zajda)

Industrielle Globalisierung hat sich in vielerlei Hinsicht als Erfolgsmodell bewiesen, das sich fortsetzen wird. Manchmal war jedoch auch das Gegenteil der Fall. Die outgesourcte Produktion entsprach nicht den Qualitätsanforderungen, die Einsparungen standen in keiner Relation zum Aufwand. Eine Rückkehr zu „Business as usual“ erschien lange unmöglich. Nun allerdings können digitalisierte Prozesse und Methoden Unternehmen dabei helfen, zurückzukehren.

China war einst das „gelobte Land des Outsourcings“: Günstige Produktionsbedingungen, Vorwärtsorientiertheit, enormes Workforce-Potenzial. Allerdings bröckelt das Image des Reichs der Mitte schon seit längerem. Längst ist China nicht mehr so günstig. Schon seit einiger Zeit ist bekannt, dass China einer der Global Player in Sachen Wirtschaftsspionage ist und bei dort produzierenden (lassenden) Unternehmen nicht selten schamlos abschaut – beides Faktoren, die so auch in anderen Produktionsländern gelten. Und nicht erst seit den jüngsten Schülerprotesten gerät jedes Unternehmen in Gefahr, einen Imageschaden zu erleiden, wenn es seine Waren über weite (See-)Wege heranführen muss.
Fakt ist, dass die Globalisierung sich nicht für jede Firma als Erfolgsmodell entpuppt hat. Deshalb drängen viele wieder zurück nach Deutschland und Europa bzw. haben den Kontinent auch nie verlassen. Der digitalen Technik fällt hier eine Schlüsselfunktion zu. Denn so, wie sie über Fernzugriff globale Produktion verbessern kann, kann sie die hiesigen Standortnachteile aufwiegen und die Vorteile verstärken.

In vielen Outsourcing-Zielländern ist das generelle Digitalniveau oft niedriger. Ein Problem gerade für sehr hochwertige Produkte, die auf Digitalproduktion angewiesen sind. (Quelle: fotolia.com © Gorodenkoff)

In vielen Outsourcing-Zielländern ist das generelle Digitalniveau oft niedriger. Ein Problem gerade für sehr hochwertige Produkte, die auf Digitalproduktion angewiesen sind. (Quelle: fotolia.com © Gorodenkoff)

1. Der Faktor Mensch
Märklin, Block, die O-Metall Gruppe – drei Unternehmen, deren Fokussierung nicht unterschiedlicher sein könnte, die jedoch alle drei ein Paradebeispiel für diesen Artikel darstellen.

Ein Modelleisenbahnhersteller, ein Transformatorenbauer, ein Blechprägespezialist. Allen gemein ist, dass sie deshalb in Europa produzieren können, weil Digitaltechnik Produktion unabhängiger vom Faktor Mensch macht bzw. das lokal vorhandene Bildungsniveau benötigt und besser nutzen kann.
Das hat zunächst mit der Abwesenheit menschlicher Fehlerquellen zu tun. Wo Digitaltechnik die grundsätzlichen Produktionsprozesse steuert und überwacht, gibt es weniger Probleme mit menschlich bedingtem Ausschuss. Doch die Digitalisierung benötigt auch von Grund auf besser ausgebildetes Personal – welches in Europa simpler zu finden ist. Übrigens ist das auch ein starkes Gegenargument auf die ewigen Vorwürfe, die Digitalisierung würde Arbeitsplätze vernichten.

2. Der Faktor Umwelt
Es gibt wohl kaum ein anderes Thema, welches sich in der westlichen Welt in jüngster Zeit so sehr mit Nachdruck in die Köpfe der Menschen eingebrannt hat wie der Umweltschutz und der Kampf gegen den Klimawandel.
Bedeutet, es ist ein enorm hohes Umweltbewusstsein bei einer hohen Zahl an Verbrauchern vorhanden – und damit für Unternehmen, die im Ausland produzieren (lassen) ein ähnlich großes Risiko für Imageschäden.
Denn der westliche Normalverbraucher sieht nicht die Vorteile der Produktion im Ausland. Er sieht Umweltschäden

Es sind Artikel über die Smogprobleme in China, über die Abgase des Seetransports sowie über den Kohlendioxidausstoß von Flugzeugen, die dafür sorgen, dass outgesourcte Produktion heute viel kritischer gesehen wird als noch vor wenigen Jahren.
Europa mag zwar kein Umweltschutz-Musterkontinent sein. Doch es gibt eine Menge Umweltvorteile:
1. Vergleichsweise strenge Gesetzgebungen
2. Eine vorwärts gerichtete Energiewende mit regenerativer Stromerzeugung, computerisiert-zuverlässiger Regelung und recht hoher Ausfallsicherheit
3. Kurze Wege vom Hersteller zum Verbraucher

Schon der Energiebedarf, den jede Produktion hat, kann hier umweltneutraler zur Verfügung gestellt werden. Die bessere digitale Infrastruktur (Ausnahmen wie China bestätigen die Regel) macht es möglich, zudem digitale Techniken zu nutzen, welche die Verbräuche noch weiter senken. Tatsächlich ist das Rückverlagern einer Produktion damit auch das beweiskräftigste Statement, dass ein Unternehmen es mit Umweltschutz ernst meint und nicht nur Greenwashing betreibt.

3. Der Faktor Qualität
Als in den 90er- und 00er-Jahren die globale Stahlproduktion ihr Gesicht wandelte und sich der Spitzengruppe, die bislang aus Europa, Japan und den USA bestanden hatte, eine ganze Menge anderer Nationen hinzugesellten, reagierte die hiesige Industrie folgendermaßen:
Sie beschloss, sich in keine Preisdumping-Kämpfe zu stürzen, sondern überließ das Feld der metallurgisch simplen Massenstahlsorten weitestgehend den aufstrebenden Stahlnationen – sofern sie nicht selbst dorthin outsourcte – und spezialisierte sich. Egal welchen in der EU produzierenden Hersteller man sich auch herauspickt, was er hier produzierte, waren hochwertigste Gütestähle. Exakt das kann sich beliebig wiederholen. Solange es noch Nationen gibt, die sich im Digitalisierungsgrad voneinander unterscheiden, wird es auch immer Länder geben, in denen diese Technik dazu genutzt werden kann, um hochwertigere Produkte zu günstigeren Preisen zu fertigen als dort, wo der Digitalisierungsgrad geringer ist.
In Europa ist der industrielle Digitalisierungsgrad hoch, wo er sich in anderen Ländern noch im Aufbau befindet und nur einige große Namen vorweisen kann. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie auf eine bessere Grund-Infrastruktur zurückgreifen können, wo bei einer Produktion in Schwellenländern diese erst aufgebaut werden müsste.
Zu diesem Faktor kommt noch hinzu, dass hierzulande bzw. in der EU keine Zölle anfallen, weite Teile der Transportkosten wegbrechen, was die Rückverlagerung bzw. das Verbleiben unterm Strich oftmals zur günstigeren Lösung macht.