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Bestätigte Sicherheit für die Versorgungswirtschaft

Bestätigte Sicherheit für die Versorgungswirtschaft

Das Technische Sicherheitsmanagement (TSM) ist ein wesentliches Element der technischen Selbstverwaltung in der Versorgungswirtschaft. Es wurde von Netzbetreibern entwickelt, um die Versorgungsqualität der öffentlichen Stromnetze auf einem kontinuierlich hohen Niveau zu halten. Netzbetreiber können damit ihre Aufbau- und Ablauforganisation in Bezug auf die Einhaltung von Gesetzen, Verordnungen, allgemein anerkannten Regeln der Technik und berufsgenossenschaftlicher Vorschriften prüfen lassen. Was genau dahinter steckt und was das TSM von einem ISO-Managementsystem unterscheidet, beantwortet Peter Neu, Leiter Seminare und Projektentwicklung beim VDE VERLAG, im Gespräch mit der etz-Redaktion.

Peter Neu ist Leiter Seminare und Projektentwicklung  bei der VDE VERLAG GmbH in Offenbach

Peter Neu ist Leiter Seminare und Projektentwicklung bei der VDE VERLAG GmbH in Offenbach

Was steckt hinter dem Technischen Sicherheitsmanagement?

P. Neu: Netzbetreiber sind gesetzlich dazu verpflichtet, qualifiziertes Personal und betriebliche Prozesse so vorzuhalten, dass der sichere Betrieb des Energieversorgungsnetzes gewährleistet ist. Um darzulegen, dass dies der Fall ist, wurde 2003 das Technisches Sicherheitsmanagement (TSM) als freiwilliges Instrument zur Selbstkontrolle in der Energieversorgung eingeführt. Es befasst sich mit den wesentlichen Anforderungen an die Qualifikation sowie die Organisation der technischen Unternehmensbereiche von Netzbetreibern.

Der VDE/FNN [1] hat hierfür Kriterien in der Anwendungsregel VDE-AR-N 4001 „Anforderungen an die Quali­fikation und die Organisation von Unternehmen für den Betrieb elektrischer Energieversorgungsnetze“ [2] präzisiert. Mithilfe zweier Leitfäden können Unternehmen selbst feststellen, ob sie diese Kriterien erfüllen sowie alle relevanten Vorschriften einhalten. Zusätzlich können sich Unternehmen im Rahmen von TSM-Überprüfungen die Eignung bestätigen lassen.

Für welche Bereiche ist ein TSM vorgesehen?

P. Neu: Das TSM ist spartenübergreifend ausgerichtet und kann zum Beispiel neben der Stromversorgung auch auf Unternehmen der Gas- und Wasserversorgung, Fernwärme sowie der Abwasserentsorgung angewendet werden. In diesen Fällen sind der fachspezifische Teil und die zuständigen Ansprechpartner über den entsprechenden Verband AGFW, DVGW, DWA verfügbar.

Was haben Unternehmen von einer TSM-Bestätigung?

P. Neu: Das sind in erster Linie Wettbewerbsvorteile und Rechtssicherheit. Im Rahmen des Dienstleistungsangebots des VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut GmbH [3] können Netzbetreiber ihre Eignung als Unternehmen für den Betrieb elektrischer Energieversorgungsnetze durch eine von unabhängigen Experten durchgeführte TSM-Überprüfung evaluieren und bestätigen lassen. Dadurch stärken sie ihre Rechtssicherheit in möglichen Haftungsfragen bei Streit­fällen und profitieren von Vorteilen etwa bei der Bewerbung um Konzessionen.

Das TSM des VDE hat sich bis heute fest etabliert und genießt bei den Energieaufsichtsbehörden großes Ansehen. Pro Jahr werden etwa 80 bis 85 TSM-Überprüfungen in der Sparte Strom durchgeführt.

Inwieweit unterscheidet sich ein TSM von ISO-zertifizierten Managementsystemen?

P. Neu: Ein ISO-zertifiziertes Managementsystem basiert zunächst, wie der Name schon impliziert, auf einer internationalen Norm. Im Rahmen des IT-Sicherheitskatalogs gemäß § 11 Absatz 1a Energiewirtschaftsgesetz wird zum Beispiel die Einführung eines Informationssicherheits-­Managementsystems gemäß DIN ISO/IEC 27001 [3] sowie die Zertifizierung durch eine unabhängige hierfür zugelassene Stelle gefordert.

Der Nachweis einer TSM-Prüfung ist ein erheblicher Vorteil bei der Zertifizierung nach dem IT-Sicherheitskatalog gemäß § 11 Absatz 1a Energiewirtschaftsgesetz, da darin schon ein großer Teil der notwendigen Prüfungen enthalten sind. Bei einem TSM können Netzbetreiber ihre Aufbau- und Ablauforganisation in Bezug auf die Einhaltung von Gesetzen, Verordnungen, allgemein anerkannten Regeln der Technik und berufsgenossenschaftlicher Vorschriften prüfen lassen.

Was sind die Anforderungen an die Qualifikation sowie die Organisation der technischen Bereiche?

P. Neu: Im Wesentlichen werden beim TSM die Organisation, der Aufbau und die Abläufe, die einen sicheren ­Betrieb gewährleisten, überprüft. Die notwendigen Qualifikationen von Fach- und Führungskräften sowie die Bestellung, Benennung und Beauftragung von Personen spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die technische Ausstattung. Die Anforderungen beschreibt die VDE-AR-N 4001 im Detail. Ein wichtiges Hilfsmittel sind auch die FNN-Leitfäden: „Allgemeiner organisatorischer Teil“ sowie „Fachspezifischer Teil Strom“.

Was umfasst eine TSM-Prüfung?

P. Neu: Unternehmen können anhand der Anwendungsregel und der Leitfäden selbst prüfen, ob sie alle darin formulierten Anforderungen erfüllen. Die TSM-Überprüfung erfolgt dann durch die VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut GmbH. Die in der Regel zweitägige Prüfung vor Ort übernehmen zwei TSM-Experten, die fundierte Fachkenntnisse auf dem Gebiet des Betriebes von Elektrizitätsversorgungsnetzen haben. Nach erfolgreicher Prüfung bekommt das Unternehmen eine Bestätigung und wird in die Liste der TSM-geprüften Unternehmen beim VDE/FNN aufgenommen.

Wie läuft sie ab?

P. Neu: Auf der Homepage des VDE kann man sich mit einem Formular ein unverbindliches Angebot auch per Mail zukommen lassen. Nach der Antragstellung und Beauftragung werden die TSM-Experten ausgewählt. Diese prüfen die vom Unternehmen ausgefüllten Leitfäden – den allgemeinen sowie den stromspezifischen Teil. Anschließend ­findet ein Prüfungsgespräch mit den technischen Führungskräften statt. In einem Abschlussgespräch werden die Ergebnisse zusammengefasst. Bei erfolgreicher Prüfung ­erhält das Unternehmen eine Urkunde mit der Bestätigung, die fünf Jahre gültig ist. Die Kosten für eine TSM-Prüfung hängen von der Unternehmensgröße sowie der Zahl der zu prüfenden Sparten ab und liegen in der Regel im mittleren vierstelligen Bereich. (no)


Literatur
[1] Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V., Frankfurt/M.: ww.vde.com/de/fnn
[2] VDE-AR-N 4001 Anwendungsregel:2011-04 Anforderungen an die Qualifikation und die Organisation von Unternehmen für den Betrieb von Elektrizitätsversorgungsnetzen (S 1000). ­Berlin · Offenbach: VDE VERLAG
[3] VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut GmbH, Offenbach: www.vde.com/tic-de
[4] DIN EN ISO/IEC 27001:2017-06 Informationstechnik – Sicherheitsverfahren – Informationssicherheitsmanagementsysteme – Anforderungen. Berlin: Beuth


VDE-Jahresforum für technische Führungskräfte und TSM-Verantwortliche

Das Jahresforum, dass der VDE VERLAG am 4. und 5. Juni 2019 in Darmstadt veranstaltet, bietet technischen Führungskräften der Energiewirtschaft die Gelegenheit, sich gemeinsam mit Kolleginnen, Kollegen und Experten über aktuelle Themen aus dem Bereich des Technischen Sicherheitsmanagement (TSM) zu informieren und Erfahrungen auszutauschen. Verschiedene Vorträge informieren dabei in erster Linie über aktuelle Entwicklungen sowie den neusten Stand des Technischen Sicherheitsmanagements. Zudem berichten mehrere Fachleute von Unternehmen über ihre praktischen Erfahrungen mit dem TSM. Am zweiten Tag haben die Teilnehmer die Möglichkeit das Langzeit-Testfeld der TU Darmstadt für die weltweit erste erdverlegte gasisolierte Hochspannungs-Gleichstromleitung zu besichtigen.

Unter www.vde-verlag.de/seminare/pi1000032 kann man sich zum VDE-Jahresforum anmelden.