BMW 2012
A A A
| Sitemap | Kontakt | Impressum
ETZ Logo VDE Verlag Logo

VDMA: Kräftiges Produktionswachstum

Der gesamte deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist gut in das Jahr 2011 gestartet. In den ersten drei Monaten (Januar bis März) legte die Produktion kumuliert um 17,5 % zu. „Die Weltwirtschaft zeigt sich bislang erstaunlich robust gegenüber den vielfältigen Belastungen und Risiken“, sagte Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des VDMA am Donnerstag auf der Pressekonferenz seines Verbands zur interpack in Düsseldorf. Für das Gesamtjahr bekräftigte er die Prognose eines 14-prozentigen Produktionswachstums. Sollte sich diese Prognose erfüllen, läge das 2011er Produktionsniveau nur noch sechs Prozent unter dem des Vorkrisenjahres 2008.
Die Hersteller von Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen haben die Wirtschaftskrise gut überstanden. „Nach einem konjunkturellen Dämpfer in 2009 hat sich der dadurch verursachte Investitionsstau schon im vorigen Jahr wieder weitgehend aufgelöst“, sagte Christian Traumann, Vorstand im VDMA-Fachverband Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen und Präsident der interpack. 2010 produzierte die Branche Maschinen im Wert von 9,8 Mrd. €, nach 9,2 Mrd. € im schwachen Jahr 2009. Mit einem Volumen von 6 Mrd. € (plus 2 %) ging der Großteil der Maschinen in den Export. Die Nachfrage kam verstärkt aus Schwellenländern. Allein die Lieferungen nach China schossen um 73 % auf einen Wert von 544 Mio. € in die Höhe. Der 2010 eingesetzte positive Trend setzt sich im laufenden Jahr fort. Im ersten Quartal nahmen die Auftragseingänge um 16 % zu.
Bei den Verpackungsmaschinen, die im Mittelpunkt der Weltleitmesse interpack 2011 stehen, legte die Produktion 2010 um 7,4 % zu und erreichte einen Wert von 4,75 Mrd. €. Mehr als 80 % wurden ins Ausland geliefert. Im ersten Quartal 2011 nahm der Auftragseingang um elf Prozent zu. Der Umsatz erhöhte sich um 24 %. Für das Gesamtjahr rechnen die Verpackungsmaschinenhersteller mit einem Umsatzzuwachs von elf Prozent.
Noch ist Europa mit einem Exportanteil von rund 50 % der größte Markt für die deutschen Verpackungsmaschinenhersteller. Das Wachstum kommt aber inzwischen überwiegend aus Schwellenländern in Asien, dem Mittleren Osten und Südamerika – und in kleinerem Maßstab auch aus Afrika. Allein die Exporte nach China haben sich 2010 nahezu verdoppelt, auf ein Volumen von 483 Mio. €.
Ein Beispiel für einen schon wegen seiner geringen Größe nicht so hervorstechenden Wachstumsmarkt ist Vietnam. Das Land vervierfachte seine Importe von Verpackungsmaschinen zwischen 2004 bis 2009 auf ein Volumen von 109 Millionen Euro. Die Gründe für diese Dynamik sind vielfältig: Eine junge Bevölkerung, eine schnell wachsende urbane Mittelschicht, ein hoher Anteil von Frauen an der Arbeitsbevölkerung und steigender Wohlstand führen dazu, dass immer mehr Lebensmittel verpackt werden.
Auf der Interpack stehen die Themen Nachhaltigkeit, Sicherheit und Convenience im Vordergrund. Klimawandel, eine wachsende Bevölkerung und schrumpfende natürliche Ressourcen erzwingen ein nachhaltiges Wirtschaften. Die Verpackungsindustrie hat darauf reagiert und vielfältige Verfahren entwickelt, die sowohl Material als auch Energie und andere Rohstoffe einsparen. Beim Trend Sicherheit geht es einerseits um technische Möglichkeiten, Lebensmittel und Medikamente vor Verunreinigung und schnellem Verderb zu schützen. Andererseits geht es, vor allem im Pharmabereich, um Verfahren, mit denen Produktfälschungen erkannt werden können (Tack & Trace-Methoden). Der anhaltende „Convenience“-Trend führt zu einer immer größeren Vielfalt an Lebensmittel-Produkten. Auf der Interpack werden Maschinen gezeigt, die bei kürzesten Umrüstzeiten eine Vielzahl von Packstilen verarbeiten können und problemlos Produkt-, Mengen- und Formatwechsel ermöglichen.
In den armen und den Schwellenländern geht ein Großteil der Lebensmittel verloren, weil es keine Möglichkeiten gibt, sie zu verarbeiten, verpacken und sicher zu transportieren. Dies zu ändern hat sich die Initiative Save Food zum Ziel gesetzt. Der VDMA beteiligt sich als Träger der interpack an dieser Initiative, die von der Welternährungsorganisation FAO initiiert wurde. „Die FAO schätzt, dass der globale Nahrungsmittelverlust je nach Art des Lebensmittels zwischen 20 % und 75 % liegt“, sagte Friedbert Klefenz, Vorsitzender der Fachabteilung Verpackungsmaschinen. Zur Eindämmung dieses Verlusts bieten deutsche Hersteller passgenaue Maschinen an. Sie sind meist klein, von jedermann zu bedienen und kostengünstig. „In den Schwellenländern ist das oft aktive Entwicklungshilfe. Unsere Firmen bieten Maschinen an, die dort auch tatsächlich gebraucht werden und sie schulen das Personal vor Ort“, sagte F. Klefenz.
Das Wachstum der Weltbevölkerung und die damit einhergehende Verschiebung der Märkte erschweren die Investitionsentscheidungen der Maschinenbauer. Für die mittelständisch geprägte Industrie ist es wichtig, nicht am Markt oder Bedarf vorbei zu entwickeln. Deshalb hat der Fachverband Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen (NuV) ein Analyse-Werkzeug entwickelt, mit dem man unterschiedliche Zukunftsszenarien simulieren kann. Mit NuV 2050 können sich Unternehmen Marktveränderungen und -verschiebungen prognostizieren lassen. Beispielsweise lassen sich damit die Auswirkungen unterschiedlicher demographischer Entwicklungen, Alterstrukturen oder veränderte Haushaltsgrößen auf die Nachfrage der Verbraucher ermitteln.
Deutschland hat in der Welt dank einer unangefochtenen Technologieführerschaft traditionell eine führende Rolle bei Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen. „Fast jede zweite Süßwarenmaschine, fast drei Viertel aller Brauereimaschinen, jede dritte Fleischwarenmaschine und jede dritte Verpackungsmaschine werden in Deutschland hergestellt“, sagte Richard Clemens, Geschäftsführer im Fachverband Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen.
Auch der deutsche Maschinenbau insgesamt konnte seine Rolle als „Exportweltmeister“ weiterhin verteidigen. 2010 stand Deutschland mit 17,3 % der Welthandels-Anteile wieder auf Platz 1, gefolgt von Japan (12,4 %) und den USA (12,3 %). China hat mit zehn Prozent Italien (8,1 %) auf den fünften Platz geschoben.