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17.03.2017

Ifm ebnet den Weg für Industrie 4.0

Michael Marhofer (links) und Edwin Slot im Logistikzentrum von Ifm in Essen

Michael Marhofer (links) und Edwin Slot im Logistikzentrum von Ifm in Essen

Dr. Myriam Jahn, Vorstand der Ifm-Tochter Tisc AG

Dr. Myriam Jahn, Vorstand der Ifm-Tochter Tisc AG

Auf der Pressekonferenz am 15. März in Essen stellte Michael Marhofer die künftige Ausrichtung von Ifm Electronic vor. Man sei dabei sich vom Sensoranbieter zum Kommunikationsspezialisten mit Schwerpunkt auf Datenhandling, -vorverarbeitung und –auswertung zu entwickeln, so der Vorstandvorsitzende. Allein in den letzten fünf Jahren hat das Unternehmen Softwarefirmen mit insgesamt 175 Mitarbeitern übernommen.

„In den nächsten 20 Jahren machen wir sicher 25% unseres Umsatzes mit Software“, so M. Marhofer, der aber noch Lücken bei den modularen Sofwaretools für die Smart Factory sieht – unter anderem in den Bereichen Track-and-trace, OEE, RTM und EDM. Diese sollen bis Ende 2018 geschlossen werden. Mit dieser Strategie will sich Ifm als Wegbereiter für Industrie-4.0-Lösungen etablieren. Schließlich ist eine große Mehrheit der Produktions-Experten laut einer Studie des Verbands der deutschen Internetwirtschaft der Meinung, dass ein „effizienter Austausch von Daten das Wichtigste bei Industrie 4.0“ sei. Die Konnektivität zwischen Maschine und ERP wird dabei als Schlüssel zum Erfolg angesehen.

Cloud
Wie wichtig der sichere Umgang und die Vorverarbeitung von Daten ist, unterstrich auch Dr. Myriam Jahn, Vorstand der Ifm-Tochter Tisc AG, in ihrem Vortrag: „95 % der Maschinendaten sind nutzlose „Dark Data“, da sie nicht für weitergehende Auswertungen zur Verfügung stehen. Die LR Box von Ifm kann Daten sammeln, die richtigen Daten auswählen und über alle Ebenen hinweg zur Verfügung stellen. Damit ist eine Durchgängigkeit der Daten vom Sensor bis in die Cloud und zum ERP-System einfach und kostengünstig zu realisieren.“
Obwohl Cloud-Lösungen viele Vorteile bieten, wie garantierte Verfügbarkeit, Aktualität der Daten, globaler Zugriff und geringe Investitionen in Hardware, herrscht vielerorts noch Skepsis in Bezug auf die Datensicherheit, den Datenbesitz, die Verfügbarkeit sowie den Support. Deswegen hat Ifm unter dem Slogan „Vertrauen durch Sicherheit“ eine eigene Cloud mit hohen Standards in Bezug auf Datenschutz und Sicherheit eingerichtet, mit der Kunden die allgemeinen Vorteile eines Cloud-Services zusammen mit den Funktionalitäten der durchgängigen Datenkommunikation nutzen können. Dr. M. Jahn erläutert die spezifischen Eigenschaften: „Ein Zertifikatemanagement, GSM- und ERP-Konnektivität sowie eine E2E-Verschlüsselung der Daten schützen vor unberechtigten Zugriffen. Außerdem bleibt die Datenhoheit nur beim Kunden. Eine Nutzung oder der Verkauf der Daten an Dritte ist ausgeschlossen. Da die Lösungen in Form von SaaS (Software as a Service) angeboten werden, ist die für die Implementierung benötigte Zeit auch in Verbindung mit SAP sehr kurz. Zusätzlich profitieren die Kunden von geringen Investitionen und einem weltweiten 24/7-Support.“

IO-Link
Die wichtige Rolle von Sensoren als Sinnesorgane einer Automatisierungslösung unterstrich anschließend Edwin Slot, Marketing Director von ifm Electronic in Harderwijk/Niederlande: „Wir sind fest davon überzeugt, dass IO-Link das Fundament für eine erfolgreiche Umsetzung der Industrie-4.0-Konzepte ist. Folgerichtig haben alle unsere neuen Sensoren standardmäßig eine IO-Link Schnittstelle. Aktuell sind etwa 500 IO-Link-Produkte im Programm von Ifm und jedes Jahr kommen 100 bis 150 weitere Produkte dazu.“ Größter Vorteil der IO-Link-Übertragung ist die Möglichkeit, weitere Informationen – etwa Statusinformationen des Sensors – gleichzeitig mit zu übertragen. Wie einfach die Konfiguration von Sensoren mit IO-Link ist, demonstrierte E. Slot. So lässt sich die Parametrierung beispielsweise direkt von einem IO-Master übertragen, so dass ein aufwendiges Einstellen am Sensor entfallen kann. Die Software LR Device erleichtert die Arbeit nochmals, da sie alle IO-Link-Master im Ethernet-Netzwerk findet und eine Übersicht über die gesamte Anlage erstellt.

Logistikzentrum
77.000 Produkte in 3.900 Paketen pro Tag – das sind die beeindruckenden Mengen, die das Logistikzentrum von Ifm aktuell abwickeln muss. Die Unternehmensgruppe liefert typisch in Kleinmengen, wobei 80 % aller Liefermengen innerhalb der Gruppe über das Logistikzentrum in Essen umgeschlagen werden. Im vergangenen Jahr nahm das neue Logistikzentrum in der Bamlerstraße in Essen seinen Betrieb auf. Damit kann Ifm auch in den nächsten Jahren seinen Kunden Lieferfähigkeit, Lieferverbindlichkeit und schnelle Lieferung gewährleisten.

Das neue Logistikzentrum ist aber nicht nur einfach größer, sondern es ist auch mit aktuellster Technik ausgestattet. Damit betreibt die ifm-Unternehmensgruppe eines der derzeit modernsten Lagersysteme in Europa. Es beruht auf dem Adapto Shuttle-System von Vanderlande Industries. In einem Kubus mit 24.000 Stellplätzen bewegen sich autonome Shuttles vollautomatisch in alle drei Raumrichtungen und befördern die Trays mit der Ware von den Stellplätzen zu den Kommissionierplätzen. Die Ware bewegt sich also zum Mitarbeiter und nicht umgekehrt. Die Shuttle verfügen über einen Akku, der an bestimmten Haltepunkten oder bei der Abwärtsbewegung in den Aufzügen geladen wird. An den Kommissionierplätzen bearbeiten die Mitarbeiter die Kundenaufträge. Das Lagersystem stellt die Trays mit der für einen Auftrag benötigten Ware nacheinander am Kommissionierplatz bereit. Ein modernes Dialogsystem mit Touchbedienung unterstützt die Mitarbeiter, indem es angezeigt, aus welchem Behälter sie welche Stückzahl entnehmen sollen. Eine Wiegeprüfung des Behälters, aus dem der Mitarbeiter die Ware entnimmt, ermöglicht eine Plausibilitätsprüfung; Korrekturen können so direkt vorgenommen werden, und die Fehlerquote ist dadurch extrem gering. Die Abläufe innerhalb der Logistik laufen fast komplett papierlos ab. Lediglich Lieferscheine und Versandetiketten gibt es noch in Papierform. Sämtliche Vorgänge im Logistiksystem sind an das SAP-System von Ifm angebunden.

Im aktuellen Ausbau des Lagers können die Mitarbeiter innerhalb von zehn Stunden bis zu 8.000 Pakete mit bis zu 120.000 Produkten kommissionieren. Je nach Auftragslage kann in der Bamlerstraße an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr gearbeitet werden. Auch weitere Leistungssteigerungen sind mit dem System möglich, wenn etwa die Anzahl der aktiven Shuttle und die Anzahl der Kommissionierplätze erhöht werden. Auch die Pufferkapazität des Lagers kann bei Bedarf weiter wachsen. Dazu lässt sich das System durch zusätzliche Regalgassen modular ausbauen. Seit der Inbetriebnahme des neuen Logistikzentrums läuft das Lagersystem reibungslos. Bis zu 100 Mitarbeiter verschicken vom neuen Standort aus Waren für Kunden in aller Welt.