A A A
| Sitemap | Kontakt | Impressum
ETZ Logo VDE Verlag Logo

Produktionsdaten intelligent vernetzt

01  Die Stangl & Co. Präzisionstechnik hat sich auf die Prototypen-, Vor-, Null- und Kleinserienfertigung komplexer Bauteile  mit Freiformflächen für unterschiedlichste Branchen spezialisiert

01 Die Stangl & Co. Präzisionstechnik hat sich auf die Prototypen-, Vor-, Null- und Kleinserienfertigung komplexer Bauteile mit Freiformflächen für unterschiedlichste Branchen spezialisiert

02  Hans Stangl (links) und Florian Dürr (rechts) berichten Johann Hofmann  (Leiter Value-Facturing bei MR), dass seit der Einführung des Assistenzsystems Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen in der NC-Fertigung von jeweils rund  70 % erreicht wurden

02 Hans Stangl (links) und Florian Dürr (rechts) berichten Johann Hofmann (Leiter Value-Facturing bei MR), dass seit der Einführung des Assistenzsystems Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen in der NC-Fertigung von jeweils rund 70 % erreicht wurden

03  Durch den ständigen Werkzeugabgleich konnten die Rüstquote auf 63 % gesenkt sowie Werkzeugvielfalt und -kosten deutlich reduziert werden

03 Durch den ständigen Werkzeugabgleich konnten die Rüstquote auf 63 % gesenkt sowie Werkzeugvielfalt und -kosten deutlich reduziert werden

04  Value-Facturing stellt den Mitarbeitern der NC- Fertigung aufgabenbezogene, einfach durch Touchscreen  zu bedienende Oberflächen auf den jeweiligen Bildschirmen der Maschinen zur Verfügung

04 Value-Facturing stellt den Mitarbeitern der NC- Fertigung aufgabenbezogene, einfach durch Touchscreen zu bedienende Oberflächen auf den jeweiligen Bildschirmen der Maschinen zur Verfügung

Seit fünf Jahren vernetzt das Assistenzsystem MR-CM (heute Value-Facturing) bei der Stangl & Co. Präzisionstechnik GmbH die Fertigungsdaten der Zerspanung. Damit machte das Unternehmen nicht nur einen Riesenschritt in Richtung digitale Fabrik, sondern konnte nicht-wertschöpfende Nebenzeiten weitgehend eliminieren, die Rüstquote auf 63 % senken und den Werkzeugbedarf deutlich verringern. All dies mündet in einer Produktivitäts- und Effizienzsteigerung von rund 70 %.
Die 1988 von Hans Stangl und Stefan Kulzer in Roding gegründete S+K Group ist heute mit den Unternehmen Stangl & Co. Präzisionstechnik GmbH, SK Carbon Roding GmbH und Roding Automobile GmbH eine international agierende Unternehmensgruppe. Die Stangl & Co. Präzisionstechnik hat sich dabei zum wichtigen Entwicklungspartner und Hersteller komplexer Präzisionsbauteile mit Freiformflächen für Prototypen sowie von Vor-, Null- und Kleinserien entwickelt (Bild 1). Ob Einzelteil oder Großserie aus allen zerspanbaren Materialien, das Unternehmen kann auf jede Losgröße flexibel reagieren. Die Kunden kommen aus der Automobil- und Zulieferindustrie, Luft- und Raumfahrt, Mikro-Elektronik, Elektronik, Medizintechnik, dem klassischen Maschinenbau, der Werkzeugsystemtechnik sowie weiteren Hightech-Branchen. Geheimnis des Erfolgs sind neben einem guten Gespür für Markttrends und engagierten, hoch qualifizierten Mitarbeitern, die ständige Investition in innovative Technologien.
Manuelle Fertigungssteuerung bremst die Produktion
„Mit unserem steten Wachstum und der daraus resultierenden Vielzahl von zu bearbeitenden Teilen konnte unsere manuelle Fertigungssteuerung ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr mithalten. Das zeitintensive händische Anlegen und Transportieren der Informationen verursachte lange Rüstzeiten und eine geringe Maschinenauslastung. Außerdem war der Werkzeugaufwand hoch. 2009 entschieden wir deshalb, in das Assistenzsystem MR-CM der Maschinenfabrik Reinhausen Maschinenfabrik Reinhausen zu investieren“, berichtet der geschäftsführende Gesellschafter Hans Stangl (Bild 2). Die für Windows Server und SAP Netweaver zertifizierte Softwarelösung, die seit dem Wechsel auf die Version 3.0 unter dem Namen Value-Facturing vertrieben wird, entstand in 25-jähriger Detailarbeit in der firmeneigenen zerspanenden Fertigung der Maschinenfabrik Reinhausen (MR). „Dass MR selbst mit dieser Fertigungsmanagement-Lösung arbeitet, ist ein großer Vorteil. Dieser macht sich an der hohen Praxisorientierung des Systems sowie der ständigen Weiterentwicklung und Anpassung an die Bedürfnisse der Anwender bemerkbar“, merkt Florian Dürr, Projektmanager bei Stangl & Co. und verantwortlich für die Implementierung sowie die Pflege des Assistenzsystems, an (Bild 2).
Value-Facturing ist eine vollständig webbasierte Softwarelösung für das NC-Fertigungsmanagement, die nicht nur alle am Fertigungsprozess beteiligten Anlagen und Akteure vernetzt, sondern auch eine bi-direktionale Online-Kommunikation in Echtzeit ermöglicht. Gleichzeitig besitzt das System die Fähigkeit, Informationen intelligent anzureichern. Dadurch entsteht im Gegensatz zu herkömmlichen Fertigungsdatenmanagern ein durchgängiger elektronischer Workflow, komplett ohne manuelle Dateneingaben und/oder -weitergabe.
Mit Assistenz zur Hochleistungsfertigung
Die Integration des Assistenzsystems, die rund eineinhalb Jahre dauerte, führte bei Stangl & Co. zu einer Neuorganisation der zerspanenden Fertigung. Beispielsweise wurde eine Werkzeugdatenbank geschaffen sowie eine Werkzeugausgabe und -voreinstellung eingerichtet. Die Werkzeuge werden seither extern gerüstet und voreingestellt, so dass das eigentliche Beladen der Maschine in kürzester Zeit erfolgen kann. „Früher betrugen die unproduktiven Nebenzeiten durch das Einspannen, Vermessen und Beladen der Werkzeuge pro Maschine und Schicht bis zu drei Stunden. Heute beladen wir alle 60 Maschinen in dieser Zeit, wobei pro Maschine etwa 3,6 Beladevorgänge in einer Schicht anfallen“, berichtet F. Dürr.
Im Zuge der kontinuierlichen Online-Kommunikation von Value-Facturing mit den NC-Maschinen findet auch ein ständiger Werkzeugabgleich statt. Er gibt Auskunft darüber, welche Werkzeuge in den einzelnen Anlagen vorhanden sind und welche für den nächsten Auftrag neu beladen werden müssten. Durch diese Transparenz konnte Stangl & Co. trotz der großen Teilevielfalt die Rüstquote auf 63 % senken und die Maschinenauslastung damit zusätzlich erhöhen (Bild 3). Bei rund 70 % der für die Bearbeitung erforderlichen NC-Programme erfolgt die Programmierung von der Maschine entkoppelt an speziell dafür eingerichteten Arbeitsplätzen. Das erstellte Programm wird automatisch online an die entsprechende NC-Maschine gesendet.
In den gut fünf Jahren, seit denen die NC-Fertigung voll durch die Softwarelösung gemanagt wird, wurden über 170 000 Einstellaufträge, davon 70 000 WOP und rund 45 000 NC-Programme abgearbeitet. „Um diese Anzahl von Aufträgen zu erledigen, wären bei unserer alten Arbeitsweise sicher 20 qualifizierte Mitarbeiter mehr erforderlich gewesen und die sind in der heutigen Zeit schwer zu finden“, bemerkt H. Stangl.
Reduzierter Werkzeugbedarf und hohe Einsparungen
Auswirkungen hatte die Einführung von Value-Facturing auch auf die Werkzeugvielfalt und den Werkzeugumlauf. So erfolgte im Zuge der Strukturierung und Befüllung der Werkzeugdatenbank auch eine Standardisierung der Werkzeuge für die verschiedenen Bearbeitungen. Dies hat unter anderem dazu geführt, dass es keine Varianten des gleichen Werkzeugs von verschiedenen Herstellern mehr gibt. So konnten die Werkzeugvielfalt und die Anzahl der Lieferanten deutlich verringert und das Bestellwesen vereinfacht werden. Die Datenbank umfasst inzwischen rund 9500 Werkzeugkomponenten und 30000 Komplettwerkzeuge, die alle geometrisch und technologisch beschrieben sind. „Das Statistikportal von Value-Facturing informiert uns auch darüber, welche Werkzeuge wie häufig gebraucht werden. Wir können die entsprechenden Werkzeuge dadurch gleich in größeren Mengen bestellen, entsprechende Rabatte aushandeln und nach Bedarf bei unseren Lieferanten abrufen. Das summiert sich im Jahr zu beachtlichen Beträgen, die zu unserer Effizienzsteigerung von rund 70 % beitragen“, berichtet der Geschäftsführer. Auf dem Weg zur papierarmen, digitalen Fabrik Gesteuert wird Value-Facturing durch die Mitarbeiter der NC-Fertigung über aufgabenbezogene, einfach zu bedienende Oberflächen auf den Bildschirmen der jeweiligen Maschinen und Arbeitsplätze (Bild 4). Nachdem das Produktions-Planungs-System (PPS) den Auftrag für ein bestimmtes Werkstück erstellt hat, werden die jeweils an den verschiedenen Arbeitsplätzen erforderlichen Daten automatisch und papierlos zur Verfügung gestellt. „Dieser digitale Workflow reicht inzwischen über die Fertigung hinaus. So bestellen wir beispielsweise Sonderwerkzeuge ohne ein Blatt Papier auszudrucken und Teambesprechungen finden heute ohne ausgedruckte Papierlisten und Zeichnungen statt. Wir haben dafür in den Besprechungsräumen große Bildschirme installiert, auf denen die jeweiligen Werkstücke genau dargestellt und besprochen werden können“, erklärt H. Stangl.
Seit dem Projektstart 2009 hat Stangl & Co. Präzisionstechnik seinen Umsatz nahezu verdreifacht. Die Zahl der Mitarbeiter ist in dieser Zeit um 110 auf 253 Beschäftigte und die Ausstattung an CNC-Maschinen von 25 auf 60 gestiegen. „Wir haben unsere Produktivität in den letzten Jahren immens steigern können. Das Assistenzsystem hat daran sicher einen Anteil von 70 % bis 75 %. Wichtig sind aber nach wie vor qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, denn sonst nützt auch die beste Software nichts“, fasst H. Stangl abschließend zusammen. (no)
Johann Hofmann ist Leiter Value-Facturing bei der Maschinenfabrik Reinhausen GmbH in Regensburg. valuefacturing@reinhausen.com