A A A
| Sitemap | Kontakt | Impressum | Datenschutz
ETZ Logo VDE Verlag Logo

Bewusstes Energiemanagement führt zum Erfolg

Bild 1. PDCA-Zyklus

Bild 2. Verlauf des Ad-hoc-Energiemanagements

Bild 3. Ergebnisse eines kontinuierlichen Energiemanagement-prozesses

Unter bestimmten Voraussetzungen führen Energiemanagementlösungen zu einem betriebswirtschaftlichen Erfolg. Entscheidend für diesen Erfolg bei der Steigerung der Energieeffizienz ist der Grad der Ernsthaftigkeit, mit dem das Energiemanagement in einem Unternehmen betrieben wird, und wie stark die Unternehmensführung sich für das Thema einsetzt. Anhand der Kriterien Energiepolitik, Organisation, Motivation, Informationssysteme, Marketing und Investitionen lässt sich beurteilen, wie konsequent Energiemanagement betrieben wird.

William Edwards Deming entwickelte als Pionier im Bereich des Qualitätsmanagements bereits ab den 1940er Jahren die prozessorientierte Sicht auf die Tätigkeiten von Unternehmen, welche später Eingang in die diversen Qualitätsnormen und Qualitätsmanagementlehren fanden. Daraus entwickelte sich der sogenannte PDCA-Zyklus, welcher, nachhaltig betrieben, einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) garantiert (Bild 1).
Dieser Zyklus ist Basis aller zertifizierbaren Managementsysteme: vom Qualitätsmanagement über Umweltmanagement, Arbeitssicherheit, und auch für Energiemanagementsysteme nach DIN EN 16001.

Umsetzung in der Praxis
Was bedeutet das für die praktische Umsetzung? Das Thema Energie steht bei allen Unternehmen auf der Agenda und wird mit unterschiedlichem Erfolg bearbeitet. Es werden Maßnahmen definiert und umgesetzt. Doch wie messbar und nachhaltig ist der Erfolg? Bild 2 und Bild 3 zeigen den Unterschied zwischen dem Ad-hoc-Energiemanagement und einem kontinuierlichem Energiemanagementprozess.
Bewusstsein und Nachhaltigkeit entstehen, indem das Topmanagement energiepolitische Ziele eindeutig definiert und in das Unternehmen kommuniziert. Das ist der erste Schritt, um Energiemanagement als Prozess in die Managementstruktur zu integrieren. Ferner ist die klare Verteilungen von Verantwortlichkeiten für den Verbrauch von Energie abteilungsübergreifend vorzunehmen (Energieteam). Es ist ein Informationssystem zu implementieren, welches Ziele setzt, den Verbrauch überwacht, Abweichungen identifiziert, Einsparungen quantifiziert und die Budgets kontrolliert. Bei Investitionen wird darauf geachtet, energie-, klima- und umweltschonende nachhaltige Systeme zu bevorzugen. So gibt es klare Kriterien bei Neubau- und Modernisierungsinvestitionen.
Es werden strategische und operative Ziele definiert und in konkrete Maßnahmen umgesetzt. Geeignete Kennzahlen, welche als Energiekennzahlen das Gebäude, den Bereich, oder eine Produktionsanlage energetisch bewerten, machen die Erfolge sichtbar und können nachhaltig überwacht werden.

Transparenz schafft Bewusstsein
Die Basis für erfolgreiches Energiemanagement liegt in der transparenten Darstellung des Energieverbrauchs. Sie dient als Grundlage für die Identifikation von Energieeinspar- und Optimierungspotenzialen. Daraus lassen sich Energieeffizienz-maßnahmen entwickeln und umsetzen; die Reduzierung des Energieverbrauchs und der Energiekosten wird messbar.
Entsprechend ist es notwendig, ein Energiedatenerfassungssystem aufzubauen. Damit werden Fragen beantwortet, wie: Welche Energieströme fließen durch mein Unternehmen? Wer verbraucht die Energie? Wann, warum und in welcher Qualität wird die Energie verbraucht? Was kostet das?
Der erste Schritt dabei ist immer die Analyse der energetischen Ist-Situation. Diese kann aus den Energiekosten, den technischen Daten der Verbraucher, bereits vorliegenden Energie- und Verbrauchsdaten sowie Einflussfaktoren, wie dem Klima, abgeleitet werden. Auf dieser Grundlage ist ein funktionales Lastenheft zu formulieren, welches die wesentlichen Fragen beantwortet bzw. Inhalte abdeckt. Zum Beispiel: Wer soll mit dem System arbeiten? Aus der Antwort ergibt sich, welche Informationen in welcher Qualität und Quantität benötigt werden. So dürften einen Controller zum Beispiel keine technischen Details interessieren. Soll die Software abteilungsübergreifend genutzt werden, sind alle künftigen Nutzer bei der Erstellung der Spezifikation mit einzubinden. So entsteht eine Systemdefinition, die eine zielgerichtete Investition ermöglicht.
Die technische Lösung bildet die Grundlage für die Umsetzung der Energieeinsparziele des Unternehmens und die Motivation der Führungskräfte und Mitarbeiter für das Thema Energieeffizienz. Garantierte Einsparerfolge sorgen dafür, dass das Energiemanagement motiviert und bewusst in die Kerngeschäftsprozesse des Unternehmens integriert wird.

Unnötigen Energieverbrauch vermeiden
Das am einfachsten zu hebende Potenzial ist, unnötigen Energieverbrauch aufzudecken und zu vermeiden. Ohne investive Maßnahmen sind in diesem Bereich bis zu 10 % Energieeinsparungen möglich. Erfolge erreicht man mit der Vermeidung von Leerlaufzeiten bei Antrieben, der Korrektur falsch programmierter Steuerungen, einer Anpassung des Energieverbrauchs an die Nutzungszeiten und letztendlich mit der Sensibilisierung der Nutzer selbst.
Der zweite Punkt ist die Verringerung des Energiebedarfs, welcher die Energiebilanz der Nutzenergien um bis zu 20 % verringern kann. Dazu gehört die Frage: Was kann zur Reduktion von Wandlungsverlusten beitragen? Die Nutzenergie Druckluft ist dabei das Paradebeispiel, da nur 4 % der eingesetzten elektrischen Energie als Energieinhalt in der Druckluft ankommen. Die restlichen 96 % sind Wandlungsverluste, welche vor allem in Form von Wärme abgegeben werden. Deshalb sollte überprüft werden, ob der Austausch der Druckluftprozesse durch elektrisch betriebene Prozesse möglich ist.
Drittens sollte die Anpassung von Temperaturniveaus betrachtet werden. In der Regel sind diese von der Produktentwicklung, den Lieferanten von Produktionsanlagen oder IT-Verantwortlichen vorgegeben. Dabei findet häufig keine Rücksprache mit der technischen Abteilung, welche für die Energiebereitstellung verantwortlich ist, statt. So wird zum Beispiel eine Kompressionskältemaschine installiert, um Werkzeuge auf 12 °C, Rechenzentren auf 20 °C oder Werkstoffe auf 17 °C zu kühlen. Die dahinterliegenden Prozesse werden im Vorfeld normalerweise nicht hinterfragt: „Warum muss der Werkstoff auf 17 °C gekühlt werden?“ oder „Geht es nicht auch mit 28 °C im Rechenzentrum?“ Diese Betrachtungen haben entscheidenden Einfluss auf den Energieverbrauch.

Viertens gehören die Verbesserung von Anlagennutzungsgraden in den Bereichen Wärme, Kälte, Druckluft, Raumlufttechnik und Beleuchtung dazu. Es sollte in allen Disziplinen die Frage nach der benötigten Energiemenge und Energiequalität gestellt werden. Die Betrachtung des Energiesystems sollte ganzheitlich vom Bedarf der Verbraucher über die Verteilung bis zurück zur Erzeugung erfolgen.
Selten werden bei Ersatzinvestitionen, zum Beispiel ein neuer Heizkessel, die Verteilung und Abnahme der Wärme berücksichtigt. Tauscht man den Heizkessel nur 1 : 1 aus, verpasst man die Möglichkeit, den Anlagennutzungsgrad von 75 % auf 95 % zu steigern und dabei den Gasverbrauch entsprechend zu vermindern.
Energieeinsparungen werden in der Regel aus technischen Gesichtspunkten betrachtet. Letztendlich muss jedes Unternehmen die Erfolge finanziell spüren. Dies ist quasi durch die exemplarisch beschriebenen Punkte der Fall. Allerdings sind technische und kaufmännische Prozesse bis dato in wenigen Fällen verzahnt. Dabei stellt die abteilungsübergreifende Energiemanagementarbeit den Erfolgsfaktor schlechthin dar. Technische Optimierungsmaßnahmen haben Einfluss auf den spezifischen Energieverbrauch. Auf diese Weise verändern sich die zu erwartenden Energiebeschaffungsmengen und damit die Möglichkeit, kosteneffizienter einzukaufen.
Insgesamt lassen sich Energieeinsparerfolge in jedem Unternehmen, das ernsthaft und bewusst Energiemanagement betreibt, bezogen auf sein operatives Geschäft, im Durchschnitt von 30 % des spezifischen Energieverbrauchs beziffern. Diese Einsparerfolge stellen die Summe aus technischer und kaufmännischer Optimierung dar.

Fazit
Energiemanagement ist im Grundsatz als Prozess zu verstehen. Entsprechend unterstützen Normen, wie die DIN EN 16001, und VDI-Richtlinien, wie die VDI 4602, methodisch bei der Umsetzung und Einführung.
Letztendlich sind aber die Ernsthaftigkeit, mit der die Einführung und Umsetzung eines Systems betrieben wird, und damit die Ausprägung des Bewusstseins für Energieeffizienz im Unternehmen, entscheidend für den Erfolg des Energiemanagements. Eine technische Lösung kann unterstützen, aber nur, wenn damit auch gearbeitet wird. Ohne Bereitstellung von Zeitressourcen, Manpower und gegebenenfalls Geld ist erfolgreiches Energiemanagement nicht möglich.

Der Beitrag als pdf

Autor: Dipl.-Ing. Thomas Schedl ist Geschäftsführer der Schedl & Lütcherath GbR in Amberg.