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Funktionale Sicherheit: Normen und Produkte im Überblick

Bild 1. Jens Rothenburg ist Normen- und Sicherheitsexperte bei der Euchner GmbH & Co. KG in Leinfelden-Echterdingen

Bild 2. Die Multifunktionale Gatebox MGB und der Transponder­schalter CET (v. l.)

Bild 3. Ein kleiner Einblick in das Sortiment an elektromechanischen Sicherheits­schaltern von Euchner

Die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG hat vor rund drei Jahren für einiges Aufsehen gesorgt, weil dadurch neue Sicher­heitsnormen zur Anwendung kommen sollten. Es gab Auf­schub und seit Ende letzten Jahres ist die DIN EN 954-1 nun endgültig durch neue Normen abgelöst. Jens Rothen­burg, Normen- und Sicherheitsexperte bei Euchner, erläutert die aktuelle Normenlage und gibt Einblick in die eigene Produktwelt.

etz: Herr Rothenburg (Bild 1), bitte fassen Sie die wesentlichen Details rund um die neuen Normen und die Bedeutung für den Anwender noch einmal kurz zusammen.
J. Rothenburg: Wir hatten letzten Endes vor circa drei Jahren zwei Änderungen auf einmal. Zum einen die neue Maschinenrichtlinie, die für die Maschinenbauer einige Änderungen mit sich brachte und zum anderen die Ablösung der DIN EN 954-1 durch die DIN EN ISO 13849-1. Diese beiden Neuerungen werden oftmals in Verbindung miteinander gebracht. Beide hatte aber nichts miteinander zu tun – sie ereigneten sich nur zufällig fast zeitgleich.
Die neue Norm hat vielen Anwendern das Bewusstsein für die Sicherheitstechnik geschärft, insbesondere bei Anwendung der Kategorie. Allerdings hat sie vor allem für sehr viel Unmut gesorgt, da die Beurteilung der Sicherheitstechnik doch deutlich komplexer wurde. Nicht, dass jetzt einige Sicherheitswerte berechnet werden müssen, ist dabei schwer, sondern die exakte Bestimmung der Sicher­heitsfunktionen. Zudem ist es nicht ganz einfach, die einzelnen Kanäle einer zweikanaligen Schaltung so zu bestimmen, damit sie berechnet werden können.
Daraus leitet sich ein Trend hin zu komplexeren Sicherheitssystemen, beispielsweise zu unseren Transponderschalter CET oder der Multifunk­tionalen Gatebox, ab (Bild 2). Hintergrund ist, dass diese nach der DIN EN ISO 13849-1 relativ einfach beurteilt werden können. Hier gibt Euchner bereits die fertigen Berechnungen für die Schutztürabsicherung mit.

etz: Welchen Umsetzungsstand für die neuen Normen DIN EN ISO 13849-1 und DIN EN 62061 hat der Maschinen- und Anlagenbau inzwischen erreicht?
J. Rothenburg: Ich denke, dass mittlerweile die meisten großen Maschinenbauer ihre Sicherheitstechnik vollständig nach der DIN EN ISO 13849-1 umgesetzt haben. Hier haben die Bemühungen der Verbände und auch der Berufsgenossenschaften Früchte getragen. Bei kleineren Firmen fehlt eben oft die Zeit, um sich auch mit solchen Themen auseinander zu setzen. Aber auch diese Unternehmen fragen inzwischen vermehrt nach Unterlagen bezüglich der Umsetzung.

etz: Welche der Sicherheitsnormen (DIN EN 954-1, DIN EN ISO 13849-1 und DIN EN 62061) werden hauptsächlich angewandt?
J. Rothenburg: In den meisten Fällen kommt nach unserer Beobachtung die DIN EN ISO 13849-1 zur Anwendung. Dies sehen wir daran, dass nur selten nach den Werten unserer Sicherheitsbauteile entsprechend der DIN EN 62061 gefragt wird. Die DIN EN 954-1 ist bei vielen Unternehmen aber immer noch in Benutzung, was auch nicht vollständig falsch ist, da ja die Kategorien in der DIN EN ISO 13849-1 denen der DIN EN 954-1 entsprechen. Es müsste natürlich noch die Berechnung folgen.

etz: Wo gibt es noch immer Aufklärungsbedarf?
J. Rothenburg: Aus unserer Beobachtung heraus wird die Norm ­heute recht gut verstanden, obwohl sie nicht eben einfach geschrieben ist. Es gibt auch relativ viele Beispiele im BGIA-Report. Was mich persönlich ­immer wieder wundert, ist, das Teil 2 der DIN EN ISO 13849-1 recht un­bekannt ist, obwohl der durch seine Fehlerlisten und auch Angaben zu Fehlerprinzipien eine sehr praktische Hilfe darstellt. In diesem Zusammenhang ist dann auch die Validierung einer Sicherheitsfunktion eher unbekannt, die ebenfalls in Teil 2 beschrieben ist.

etz: Euchner ist Anbieter von Sicherheitstechnik. Was hat sich für Sie geändert?
J. Rothenburg: Wir bekommen sehr viel mehr Anfragen zur praktischen Umsetzung der Sicherheitstechnik und auch zur Anschaltung. Wir haben allerdings schon frühzeitig Unterlagen zur Verfügung stellen können, die unseren Kunden Hilfestellung gegeben haben. Hier ist vor allem unsere Übersicht „Bewährtes bleibt sicher“ zu nennen, die darstellt, in welcher Form an einer Schutztür eine bestimmte Kategorie erreicht werden kann. Zudem haben wir die Validierung nach Teil 2 der DIN EN ISO 13849-1 in Form einer Checkliste zumindest einmal für die Sicherheitstechnik an Schutztüren zusammengefasst.

etz: Was deckt Ihr Produktspek­trum für den Bereich der funktionalen Sicherheit alles ab?
J. Rothenburg: Eigentlich alles rund um die Schutztür sowie auch viele Bereiche der Sicherheitsauswertung (Bild 3). Bei vielen Geräten sind wir Pionier, beispielsweise bei Zuhaltungen – man denke nur an den TZ, den doch immer noch jeder kennt, oder an die berührungslose Sicherheitstechnik, die ja auch eine Erfindung von Euchner ist. Heute haben wir natürlich sehr viel mehr im Portfolio, was sich speziell bei der Multifunktionalen Gatebox zeigt, die deutlich mehr als Sicherheitstechnik zu bieten hat.

etz: Sie sprachen das Thema berührungslose Sicherheitstechnik bereits an: berührungslose Sicherheitsschalter vereinfachen die Performance-Level-Angabe. Wie spiegelt sich der Trend zu solchen Systemen in Ihrem Portfolio ­wider?
J. Rothenburg: Berührungslose Systeme wurden auch bereits vor Erscheinen der DIN EN ISO 13849-1 vermehrt eingesetzt. Sie bieten nicht nur Vorteile bei der Beurteilung nach der Norm, sondern darüber hinaus auch noch Vorteile im praktischen Einsatz, wie ein relativ großes Spiel. Aber in den letzten Monaten ist auch zu beobachten, dass die elektromechanische Sicherheitstechnik noch immer ihre Berechtigung hat. So hat sie über viele Jahre bewiesen, dass sie völlig unproblematisch und vor allem sicher ­funktioniert.

etz: Wie unterstützen Sie Ihre Kunden bei der PL/SIL-Berechnung?
J. Rothenburg: Wir waren sicherlich einer der ersten Hersteller, der eine Sistema-Bibliothek herausgegeben hat. Zudem geben wir immer wieder wertvolle Hinweise, wie die Norm umgesetzt werden kann. Auch Schulungen haben wir bereits zu einem Zeitpunkt anbieten können, als die DIN EN ISO 13849-1 noch gar nicht umgesetzt werden musste. Im Moment sind wir dabei, gezielt Applikationen für unsere Sicherheitstechnik in Verbindung mit sicheren Steue­rungen zu veröffentlichen. Somit wird der Einsatz für den Anwender deutlich vereinfacht.

etz: Bieten Sie auch Dienstleistungen für den Safety-Bereich an?
J. Rothenburg: Neben gedruckten Unterlagen, darunter auch ein Sicherheitsfachbuch, können wir unseren Kunden vor allem Schulungen anbieten. Zudem haben wir inzwischen eine Support-Abteilung, die am Telefon unseren Kunden gezielt Hilfestellung bei allen Fragen rund um die Sicherheitstechnik bietet.

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Autor: Inge Hübner