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Zuverlässig kommunizieren im industriellen Umfeld

Westermo-Geschäftsführer Anders Felling: „Mit unserer breiten Palette an robusten Produkten sorgen wir für eine sichere Datenübertragung im industrielle Umfeld – egal, ob über Kupfer oder LWL.“

A. Felling: „Die Security- und Redundanzfunktionen in unseren Routing-Switches sowie unserem Betriebssystem ermöglichen zu­verlässige und ausfallsicher Netzwerke“

Westermo gehört zu den Pionieren in der industriellen Datenkommunikation. Seit beinahe 40 Jahren fertigen die Schweden robuste Automatisierungslösungen. Bekannt geworden sind sie durch innovative Modem-Technologie. Inzwischen hat sich das Unternehmen jedoch zum Spezialisten in der Ethernet-Kommunikation entwickelt. Die etz-Redaktion sprach mit Geschäftsführer Anders Felling über gestiegene Anforderungen, Anwendungen und Ziele.

Welche Produkte bieten Sie für die industrielle Datenkommunikation an?
A. Felling: Westermo Data Communications hat mittlerweile ein breites Angebot robuster Kommunikations-hardware für die Bereiche Wasser- und Abwassertechnik, Infrastruktur, Transportwesen für Schiene und Straße sowie Maschinen- und Anlagenbau. Unsere Produktpalette umfasst Switches, ADSL-, VDSL- sowie Mobilfunk-Router, Ethernet-Extender, VPN-Server und immer noch Modems. Alle diese Geräte sorgen für eine sichere Datenübertragung im industriellen Umfeld, egal, ob über Kupfer oder Lichtwellenleiter.

Switches für Industrieumgebungen müssen generell hohe Anforderungen erfüllen. Wodurch unterscheiden sich ihre Geräte von den Wettbewerbern?
A. Felling: Das ist richtig, die Anforderungen sind berechtigterweise sehr hoch, bedenkt man was alles passieren kann, wenn die Datenkommunikation unterbrochen wird. Um uns von der Konkurrenz abzuheben, haben wir zahl­reiche ausgereifte Funktionen integriert. Und zwar in die Hard- und in die Software. Hardwaretechnisch unterscheiden wir uns beispielsweise durch die dreifache galvanische Trennung zwischen Spannungsversorgung, Gehäuse und jedem einzelnen elektrischen Port. Außerdem haben industrielle Switches in der Regel eine Firewall für alle Schnittstellen. In Zeiten von Cyber-Attacken und gestiegenen Sicher­heitsanforderungen reicht das jedoch nicht mehr aus. Deshalb integriert Westermo in seine Routing-Switches der Lynx – und Redfox -Serie eine Firewall für jeden einzelnen Port. Zudem haben wir viel Zeit investiert, um diesen kompakten Formfaktor zu erreichen. Kein Wettbewerber bietet Geräte an, die Ethernet, serielle Anbindung, Firewall und Layer-3-Funktionen auf so kleinem Raum vereinen, wie unsere Lynx – und Redfox -Modelle.
Obendrein haben unsere Produkte keine Lüftungs­schlitze, in die Staub eindringen kann, keine mechanischen Teile, wie einen Lüfter, der kaputt gehen kann, und trotzdem wird ein breiter Arbeitstemperaturbereich von –40 °C bis 70 °C abgedeckt. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zu anderen Anbietern ist, dass wir auch bei den neuen Produktgenerationen vollwertige serielle Schnittstellen anbieten. Dadurch können Unternehmen bestehende Geräte weiterhin nutzen und erhalten so Investitionssicherheit.
Softwareseitig haben wir mit Westermo OS ein Betriebssystem geschaffen, das es uns erlaubt, nicht nur unsere verschiedenen aktuellen Hardwareplattformen, sondern auch kommende Weiterentwicklungen einfach, sicher und intuitiv bedienen zu können. Darunter fallen auch Hardwareanpassungen wie Redesigns oder neue Prozessoren, bei dessen Integration anderswo die komplette Software umgeschrieben werden muss. Nicht bei Westermo. Wir garantieren unseren Kunden immer den gleichen Look und Feel. Deshalb lautet unser Motto auch „Data Communication – Made Easy“.

Bei der umfangreichen Funktionalität in den kompakten Gehäusen ist es sicherlich nicht leicht, die industriellen Spezifikationen zu erfüllen.
A. Felling: Das ist ein großer Verdienst unserer schwedischen Entwicklungsabteilung. Sie hat es geschafft, dass unsere Produkte für den Einsatz unter extremen Betriebsbedingungen geeignet sind. Die typgeprüften Geräte erfüllen nicht nur alle industriellen Standards für EMV, Isolation, Vibrationen und Erschütterungen, sondern sind teilweise sogar für den noch sensibleren Eisenbahn-Standard DIN EN 50121-4 zertifiziert. Alle unsere Produkte lassen sich problemlos bei – 40 °C starten und ar­beiten zuverlässig bis 70 °C. Industrielle Standard-Switches arbeiten hingegen nur bis 50 °C und brauchen für höhere Umgebungstemperaturen einen Lüfter, was die Ausfallwahrscheinlichkeit erhöht. Switches und Router von Westermo besitzen hingegen eine mittlere Betriebsdauer (MTBF) von 500.000 h und mehr, berechnet auf der Grundlage des harten Militär-Standards MIL-HDBK-217F. Das sorgt für eine lange und störungsfreie Lebensdauer.

Jeder Switch-Hersteller hat sein eigenes Betriebssystem. Was ist das Besondere an Ihrem?
A. Felling: Bei der Entwicklung von Weos , das wir 2007 auf den Markt gebracht haben, war uns die intuitive Handhabung besonders wichtig. Es basiert auf Linux, hat jedoch eine benutzerfreundliche, Windows-ähnliche Oberfläche, die sich mit einem Webbrowser aufrufen lässt. Parallel dazu können wir IT-Spezialisten, die lieber mit Command-Line arbeiten, einen entsprechenden Zugriff anbieten. Da Entwicklung, Produktion und Vertrieb eng (Hand in Hand) zusammenarbeiten, sind wir in der Lage individuell auf Kundenwünsche zu reagieren und können diese schnell integrieren. Zudem bieten wir auch spezifische Branchen­lösungen an, wie für die Bahn oder die Energie- und Wasserwirtschaft. Dabei achten wir natürlich auf vollkommene Kompatibilität.

Im industriellen Umfeld ist Ausfallsicherheit ein wichtiges Thema. Was bieten Sie bezüglich Security und Redundanz an?
A. Felling: Unter unserer gerade gestarteten Kampagne „Resilient Network Solutions“ verweisen wir auf die gestiegenen Anforderungen an industrielle Ethernet-Netzwerke und unternehmenskritische Anwendungen in Bezug auf ­Sicherheit und Zuverlässigkeit. Netzausfälle jeglicher Art sind nicht akzeptabel, können teuer, existenzgefährdend für Unternehmen und unter Umständen auch schädlich für die Umwelt sein. Mit unseren Gerätekonzepten bieten wir Unternehmen sichere und gleichzeitig kosteneffiziente Lösungen an. Die Routing-Switches der Lynx -Serie reduzieren mit ihren Layer-2- und Layer-3-Funktionalitäten das Risiko ­eines Netzwerkausfalls drastisch.
Beim Thema Redundanz spielt aber auch unser Betriebssystem eine wichtige Rolle. Die Layer-2-Funktionen für den Aufbau optimaler, hochverfügbarer Ethernet-Infrastruktur wurden mit der kürzlich vorgestellten Version 4.12.1 des Weos nochmals erweitert. Und zwar um Dual-Homing und die FRNT-Ringkopplung. Dual-Homing erlaubt es, ein Gerät, zum Beispiel eine SPS, statt mit einer, mit zwei Ethernet-Leitungen an verschiedene Ringe oder Netze anzuschließen. So bleibt die Kommunikation erhalten und die Anlage läuft weiter, auch wenn eine Leitung ausfällt. Mit der FRNT-Ringkopplung lassen sich zwei Ringe mit maximal acht Leitungen verbinden, was die Ausfallsicherheit weiter erhöht. Um beide Funktionen nutzen zu können, muss man lediglich sein Weos aktualisieren. Zusätzliche Hardware ist nicht erforderlich. Mit unseren „Resilient Network Solutions“ erhöhen wir also nochmals die Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit von Netzwerken.
Zudem sind wir als einziger Hersteller in der Lage mit SHDSL einen redundanten Ring aufzubauen. Die Kommunikation der einzelnen Segmente kann sowohl über Ethernet als auch über LWL erfolgen. Solch einen Ring mit gemischten Medien haben wir beispielsweise bei den Stadtwerken Erlangen realisiert.

Gibt es eigentlich noch Lücken in Ihrem Produktportfolio, die Sie gerne schließen würden?
A. Felling: Unsere Produkte sind derzeit auf Edge-Netzwerke ausgerichtet. Dementsprechend haben sie in der Regel vier bis zwölf Ausgänge, sind besonders kompakt – da es in der Industrie auf jeden Zentimeter ankommt – und sind nicht in Serverräumen zu finden. Wo wir wachsen wollen, ist im Bereich der Energieerzeugung ab 20 kV. Für diesen Markt ist unsere Lynx -Serie nicht geeignet. Hier sind andere Größen gefragt. Derzeit arbeiten wir an 110-V-Geräten. Zudem war das Feedback, das wir im Januar auf der E-World bekommen haben, äußerst positiv und hat uns bestärkt, unser Portfolio für die Photovoltaik und die Windenergie anzupassen.

Vor gut einem Jahr haben Sie bei Westermo Deutschland die Position des Geschäftsführers übernommen. Was hat sich in dem Jahr getan, und welche Ziele haben Sie noch?
A. Felling: Als Mitglied der Konzernleitung habe ich mich der Aufgabe im Juni 2012 gestellt, da der deutschsprachige Raum ein besonders wichtiger Markt für Wester­mo ist. Dementsprechend sind wir weiterhin dabei das Vertriebs­team, den Service und das Personal im Bereich der Netzwerktechnik auszubauen. Unser Ziel ist es, bis 2015 sowohl die Zahl der Mitarbeiter als auch den Umsatz in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu verdoppeln. Der entsprechende Bedarf nach sicheren und zuverlässigen Netzwerken ist vorhanden. Dass wir auf einem guten Weg sind, zeigt unser Erfolg im Bereich der Schienentechnik, wo wir in den letzten Jahren besonders zulegen konnten. (no)

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