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01 3.500 verschiedene Komponenten lagern in der Readycable-Fabrik – durch die hohe Materialverfügbarkeit und die schlanken Prozesse stehen anschlussfertige Antriebsleitungen in 24 Stunden zur Verfügung

Lean Management in der Kabelkonfektion

02 Das Prüflabor ist mit mehreren hochmodernen Prüfanlagen, 1.800 Adaptern und 18.000 Programmen für alle Tests ausgestattet

Christian Stremlau leitet bei der Igus GmbH den Geschäftsbereich Readycable & Readychain

03 Der Produktfinder ermöglicht es, Antriebsleitungen nach 20 Herstellerstandards noch schneller

04 Antriebsleitungen, Schläuche, Verschraubungen und Bleche sind zu einem Energiekettenmodul, der Igus Readychain, montiert

Liefergeschwindigkeit und Lean Production werden bei konfektionierten Antriebsleitungen immer wichtiger. Die etz-Redaktion sprach mit Christian Stremlau, Leiter des Geschäftsbereichs Readycable & Readychain bei der Igus GmbH, über die gestiegenen Anforderungen in der Kabelkonfektion.

Die Globalisierung hat die Produktionsabläufe der Maschinenhersteller radikal verändert. Kurze Lieferzeiten sind heute wichtiger denn je, um erfolgreich auf den internationalen Märkten zu agieren. Welche Auswirkungen hat dies auf den Markt der konfektionierten Antriebsleitungen?
C. Stremlau: Auch unsere Kunden stehen in einem starken Wettbewerb. Es geht darum, technisch innovativ sowie flexibel zu sein und das zu wettbewerbsfähigen Konditionen. Es ist die klare Aufgabe eines Lieferanten, seinen Kunden in diesem Umfeld die besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Agieren am Markt zu schaffen. Dementsprechend handeln wir. Kurze Lieferzeiten bei niedrigen Kosten, gleichbleibend hohe Qualität, qualifizierte Beratung und auf die Kundenanwendungen angepasste Leitungsqualitäten sind hier die entscheidenden Faktoren.

Was heißt das konkret?
C. Stremlau: Betrachten wir das Beispiel des akuten Ersatzteilbedarfs. Produktionsausfälle im Maschinenbau oder in der Automation verursachen stets hohe Kosten – überall auf der Welt. Um diese Kosten gering zu halten, ist eine schnelle Verfügbarkeit von Ersatzkomponenten notwendig. Dasselbe gilt für die immer kürzer werdenden Durchlaufzeiten in der Produktion. In beiden Fällen profitieren wir, der Kunde und Igus, von unserem enormen Bestand an Materialien für die Kabelkonfektion: Allein 3.500 verschiedene Steckerkomponenten lagern bei Igus – darunter eine große Vielfalt an Isolierkörpern, Kontakten, Kabelverschraubungen und Steckergehäusen verschiedenster Fabrikate (Bild 1). Die hohe Materialverfügbarkeit bedeutet für uns, dass wir sofort nach Auftragseingang auf Basis standardisierter Fertigungsunterlagen mit der Konfektionierung beginnen und ab 24 Stunden anschlussfertige Antriebsleitungen weltweit liefern können.

Sie sprechen von qualifizierter Beratung und auf Kundenanwendungen angepasste Leitungsqualitäten. Können dadurch bereits im Vorfeld Maschinenstillstände vermieden werden
C. Stremlau: Mit Sicherheit! Und hier sind wir direkt beim Punkt Qualität. Der Konstrukteur möchte die konfektionierten Antriebsleitungen einbauen und sofort vergessen. Unser Motto „plastics for longer life“ nehmen wir sehr ernst. Unser Ziel ist es, Produkte zu entwickeln, welche die Technik von Maschinen verbessern und ihre Lebensdauer verlängern. Das funktioniert nur mit Qualität und mit auf die jeweilige Anwendung abgestimmten Komponenten. Aus diesem Grund entwickeln wir unsere Leitungen für bewegte Anwendungen selbst und prüfen sie anschließend ausgiebig in unserem Testlabor. Bei der Konfektionierung der Antriebsleitungen überwachen wir die Qualität schon während des Fertigungsprozesses, beispielsweise durch eine automatisierte Crimpkraft- und Crimptiefenüberwachung. Auf diese Weise lassen sich Fehlproduktionen und Nacharbeit vermeiden.

Das bedeutet für Sie als Hersteller, dass Sie über die für die Produktion notwendigen Maschinen hinaus ebenfalls in Test- und Prüftechnik investieren müssen.
C. Stremlau: Niemand prüft gerne. Prüfen ist nicht wertschöpfend. Aus unserer Sicht ist das aber notwendig. Denn bei Antriebsleitungen gehört die Durchführung von Tests, wie die Überprüfung auf Logik und Hochspannung bei Leistungsleitungen, durch den Hersteller zum Standard. Je nach Kundenanforderung können darüber hinaus Dämpfungs-, Kamera- oder IP67–Schnelltests hinzukommen (Bild 2).

Haben Sie den Eindruck, dass die Kundenanforderungen in Ihrer Branche gestiegen sind?
C. Stremlau: Ja, gewiss! Der Maschinenbau und die Automation sind hoch spezialisierte Branchen. Ihre Anwender erwarten heute neben schnell verfügbaren und qualitativ hochwertigen Komponenten ebenfalls Flexibilität bei der Erfüllung ihrer individuellen Wünsche. Hier existieren komplette Baukästen von Maschinenoptionen. Die Herausforderung besteht darin, für jede Anwendung die richtige konfektionierte Leitung zu finden und diese möglichst schnell sowie kostengünstig zur Verfügung zu stellen – für die Serie und die Option.

Wie setzt Igus diesen Anspruch um?
C. Stremlau: Zunächst haben wir unser Katalogprogramm für die Antriebstechnik um 800 auf jetzt 2.830 Antriebsleitungen erweitert. Das sind definierte Standards mit existierenden Kalkulationen und Fertigungsunterlagen, die in kürzester Zeit eingelastet und produziert werden können. Außerdem haben wir alle Produktionsprozesse auf den Prüfstand gestellt und arbeiten ständig an einer weiteren Optimierung unserer Produktions- und Logistikprozesse: Kurze Wege, Arbeitsplatzorganisation, sofort abrufbare und standardisierte Produktionspläne sowie ein hoher Automatisierungsgrad verbessern die Prozessabläufe und senken die Kosten. Wo möglich, setzen wir moderne Maschinen ein, sei es beim Schneiden oder Abmanteln der Leitungen, beim Aufflechten des Schirms oder dem Aufbringen der Kontakte. Mithilfe automatisierter Prozesse, geschultem Personal sowie präziser Arbeitsanweisungen lassen sich Nacharbeiten auf ein Minimum reduzieren. Insgesamt fühlen wir uns für die Zukunft gut aufgestellt: Als Entwickler, Hersteller, Konfektionär und auch Dienstleister in einem haben wir alle Gewerke und Kompetenzen unter einem Dach.

Wie verstehen Sie in diesem Zusammenhang Ihre Aufgabe als Dienstleister?
C. Stremlau: Letztlich steht doch immer der Kundennutzen im Fokus. Lassen Sie es mich an einem Beispiel erläutern: Wie findet der Anwender bei über 2.000 verschiedenen Antriebsleitungen schnell und unkompliziert die für seine Anforderung richtige Lösung? Um bei großer Vielfalt die Komplexität zu reduzieren, haben wir den „Readycable Produktfinder“ entwickelt (Bild 3). Mithilfe des Online- Tools können alle konfektionierten Antriebsleitungen nach 20 Herstellerstandards online ausgewählt, bestellt oder angefragt werden. Oder denken Sie an die Projektierung. Wir übernehmen für unsere Kunden das komplette Projektmanagement, angefangen von der anfänglichen Planung der Leitungs- und Systemkonfektion, bis hin zur Montage des fertigen Energieführungssystems (Bild 4) vor Ort. Mit diesen Maßnahmen spart der Kunde wertvolle Zeit und reduziert seine eigenen Projekt- und Prozesskosten.

Wie stellen Sie diese Standards auch weltweit sicher?
C. Stremlau: Natürlich muss man den lokalen Produktionen die Freiheit einräumen, sich auf die landesspezifischen Anforderungen einzustellen. Die Grundstandards, auch was das Equipment betrifft, müssen jedoch gewährleistet sein. Wir konfektionieren an elf Produktionsstätten Antriebsleitungen nach 20 Herstellern. Einheitliche und zentral gepflegte Fertigungsdokumente versetzen uns in die Lage, lokal sehr schnell mit den gleichen Qualitätsstandards zu produzieren. Würde beispielsweise ein deutscher Kunde einen akuten Servicefall in China haben, so könnten wir mit großer Wahrscheinlichkeit sicherstellen, dass die Leitung noch vor Eintreffen des Technikers zur Abholung bereitliegt.

Wie würden Sie abschließend Ihre Erfolgsfaktoren im Markt der konfektionierten Leitungen zusammenfassen?
C. Stremlau: Unser Erfolg ist ganz eng mit dem Erfolg unseres Kunden verbunden. Wer das verstanden hat, weiß, was zu tun ist. Dabei ist ein breiter Mix verschiedener Faktoren zu berücksichtigen, mit einer je nach Kunden unterschiedlicher Gewichtung: die Kombination von Qualität, Geschwindigkeit und Kostenoptimierung. Eine wichtige Rolle spielen dabei die vorausschauende Lagerhaltung, die große Bandbreite an Steckerkomponenten, die richtige Leitungsauswahl und viel Erfahrung. Erfolg entsteht aus ständiger Weiterentwicklung und deshalb „leben“ wir unser Lean Management – mit Gewinn. (no)

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