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Im Netzwerk voneinander und miteinander lernen

Bild 1. Dauer und Inhalte der einzelnen Leen-Phasen

Die effiziente Nutzung von Energie in produzierenden Unternehmen ist ein wichtiges Thema. Wenn sich mehrere Unternehmen in einem Netzwerk zusammenfinden, um gemeinsam die Energieeffizienz zu steigern, erreichen sie im Schnitt eine doppelt so hohe Einsparung wie Unternehmen, die dies auf eigene Faust versuchen. Dies ist die Idee hinter den lernenden Energieeffizienz-Netzwerken, die sich seit rund fünf Jahren in Deutschland verbreiten.

In einem lernenden Energieeffizienz-Netzwerk (Leen) arbeiten zehn bis 15 Unternehmen über eine Laufzeit von etwa vier Jahren zusammen. Ihr Ziel dabei ist es, voneinander zu lernen und dadurch letztendlich kosteneffektiv Energie zu sparen. Die Koordination der Tätigkeiten innerhalb des Netzwerks übernimmt ein Moderator. Er moderiert die regelmäßig stattfindenden Netzwerktreffen, bei denen der Erfahrungsaustausch zwischen den Unternehmen im Vordergrund steht. Als erster Schritt nach der Netzwerkbildung findet eine Analyse der Einsparpotenziale aller teilnehmenden Unternehmen statt. Diese wird von einem zertifizierten energietechnischen Berater durchgeführt. In diesem Zusammenhang erfolgt jeweils eine Betriebsbegehung, auf deren Basis der Berater die Berichte der energetischen Bewertung anfertigt.

Gemeinsam Ziele festlegen
Nach den Initialberatungen vereinbaren die teilnehmenden Unternehmen Ziele, die sie als Netzwerk gemeinsam erreichen wollen. Neben der gesteigerten Energieeffizienz legen sie sich auch auf ein CO 2 -Reduktionsziel fest. Bei den Bewertungen der verschiedenen Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz greift der energietechnische Berater auf technische und wirtschaftliche Berechnungs-Tools des Leen-Managementsystems zurück. Mit diesen auf Excel basierenden Tools kann er rund 100 einzelne Energieeffizienzmaßnahmen in typischen Querschnittstechnologien einfach bewerten. Beispiele für solche Querschnittstechnologien sind die Bereitstellung von Wärme, Kalte und Druckluft, die Bereiche Lüftungstechnik, Abwärmenutzung und Beleuchtung sowie die elektrische Antriebstechnik. Als Ergebnis werden die Maßnahmen im Hinblick auf Energieeinsparung, Verringerung der CO 2 -Emissionen und der Wirtschaftlichkeit bewertet.

Erfahrungsaustausch ist entscheidend
Fester Bestandteil eines jeden Netzwerks sind regelmäßig stattfindende Netzwerktreffen, bei denen unter anderem zu einzelnen Themen Fachvorträge gehalten werden. Sie sollen den teilnehmenden Unternehmen praktische Informationen und Kenntnisse vermitteln, mit denen sie Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz schnell und sicher umsetzen können. Als besonders wichtiger Aspekt der Netzwerktreffen wird der Erfahrungstausch zwischen den Teilnehmern angegeben. Um diesen Erfahrungsaustausch zu fördern, finden die Netzwerktreffen jeweils in einem der teilnehmenden Betriebe statt. Hier gibt es dann auch einen Betriebsrundgang, auf dem die energetische Situation erläutert wird. Neben den Expertenvorträgen referieren auch Netzwerkteilnehmer über ihre Erfahrungen mit der Umsetzung von Maßnahmen. Das Managementsystem Leen bietet den teilnehmenden Unternehmen einen durchgängigen und professionell gestalteten Projektansatz, der sie durch den gesamten Analyse- und Entscheidungsprozess von Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz führt. Darüber hinaus gibt es detaillierte Vorgaben, die für einen einheitlich hohen Standard bei den Netzwerktreffen, deren Dokumentation und dem Monitoring sorgen. Umgesetzt wird die Arbeit durch das Netzwerkteam, das aus Netzwerkträger, Moderator und energietechnischem Berater besteht.

Nimmt ein Betrieb an einem Netzwerk teil, profitiert er auf vielfältige Art und Weise. Zunächst werden die Einsparpotenziale in Querschnitts- und ausgewählten Prozesstechnologien erfasst. Anschließend folgt eine wirtschaftliche Bewertung. Hierbei werden wichtige Entscheidungskriterien, wie Amortisation und interne Verzinsung, berechnet. Während der gesamten Laufzeit sorgt ein Monitoring für die Transparenz über die Einspareffekte der umgesetzten Maßnahmen. Ein zentraler Punkt ist das Informationsnetzwerk zwischen den teilnehmenden Betrieben und den Experten unter dem Dach einer professionellen Moderation. Eine Hotline bietet während des Projekts ständige Hilfestellung. Im Ergebnis lassen sich nicht nur die Energiekosten senken – das Unternehmen profitiert außerdem von einem Imagegewinn durch eine glaubwürdige und authentische Außendarstellung, beispielsweise im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit.

Monitoring der Ergebnisse
Die Unternehmen führen ein kontinuierliches Monitoring durch, das einmal im Jahr durch den energietechnischen Berater geprüft wird. Dabei dienen die dokumentierten Ergebnisse sowohl der Verfolgung des Netzwerkziels als auch der Kommunikation. Parallel zur Netzwerkarbeit kümmert sich der Träger um eine öffentlichkeitswirksame Kommunikation, die der Imageverbesserung durch den glaubwürdigen Klimaschutz des Netzwerks dient. Am Ende der Laufzeit entscheiden die Unternehmen über die Weiterführung des Netzwerks. Die Teilnahme an einem lernenden Energieeffizienz-Netzwerk nach dem Leen-Standard setzt voraus, dass die Entscheider im Management des teilnehmenden Unternehmens hinter der Idee stehen. Die Mitarbeiter müssen motiviert werden, ausgetretene Pfade zu verlassen und mit eigenen Ideen an neuen Lösungen mitzuwirken. Wichtig ist auch, dass die Steigerung der Energieeffizienz ein Unternehmensziel darstellt. Wie bei anderen Zielen auch, müssen diese verbindlich formuliert und die erreichten Ergebnisse zudem überprüft werden.

Weiterentwicklung und Zertifizierung
Seit Oktober 2012 verfügt das Leen-Managementsystem über die ISO-50001-Zertifizierung, ausgestellt durch den TÜV Rheinland. Unternehmen in Leen-Netzwerken decken durch die Initialberatung und das Monitoring die arbeitsintensiven und umsetzungsbezogenen Teile der Norm ab. Auf Wunsch wird im Rahmen der Netzwerkarbeit auch das gesamte Paket zur Zertifizierung angeboten. Bei der Weiterentwicklung des Leen-Managementsystems spielt die Leen GmbH eine wichtige Rolle. Sie sorgt unter anderem für die zertifizierte Aus- und Weiterbildung von Moderatoren und energietechnischen Beratern für die Netzwerke. Zudem betreut sie das entsprechende Managementsystem, indem elektronische Berechnungshilfen neu- und weiterentwickelt sowie Arbeitsunterlagen zur Gründung, Organisation und Durchführung von Netzwerken nach dem Leen-Standard bereitgestellt werden. Dadurch werden die Qualität und der Erfolg der Netzwerke gesichert. Zusätzlich bietet das Unternehmen die Betreuung des gesamten Netzwerkprozesses für den Netzwerkträger als Dienstleistung an. (ih)

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Autor:
Prof. Dr.-Ing. Harald Bradke ist Leiter des Competence Centers Energietechnologien und Energiesysteme am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe. harald.bradke@isi.fraunhofer.de