A A A
| Sitemap | Kontakt | Impressum | Datenschutz
ETZ Logo VDE Verlag Logo

Bedarfsgerechte Service-Plattform

Ali Haj Fraj, Senior Vice President Machine Solutions von Schneider Electric: „Mit ihren drei Modulen Track, Monitor und Fix ist die cloudbasierte Software Machine Advisor weit mehr als ein Condition-Monitoring-Tool“

Ali Haj Fraj, Senior Vice President Machine Solutions von Schneider Electric: „Mit ihren drei Modulen Track, Monitor und Fix ist die cloudbasierte Software Machine Advisor weit mehr als ein Condition-Monitoring-Tool“

Monitor erleichtert das erfassen und visualisieren der Betriebsdaten mittels Dashboards

Monitor erleichtert das erfassen und visualisieren der Betriebsdaten mittels Dashboards

Ali Haj Fraj: „Der Machine Advisor bietet Effizienz in zweierlei Hinsicht – er erhöht die Produktivität und minimiert Ausfälle mit entsprechenden Servicezeiten“

Ali Haj Fraj: „Der Machine Advisor bietet Effizienz in zweierlei Hinsicht – er erhöht die Produktivität und minimiert Ausfälle mit entsprechenden Servicezeiten“

Die offene IoT-fähige Architektur „EcoStruxure“ umfasst sechs Branchensegmente und gliedert sich jeweils in die drei Ebenen: vernetzte Produkte, dezentrale Steuerungen sowie Apps, Analytik & Services. Vor allem den letzten Bereich, den oberen Layer, hat Schneider Electric in letzter Zeit ausgebaut und zahlreiche Neuerungen präsentiert. Zum aktuellen Stand und zur strategischen Weiterentwicklung befragte die Redaktion Ali Haj Fraj, Senior Vice President Machine Solutions des Unternehmens.

Ein wesentlicher Bestandteil von „EcoStruxure Machine“ ist der Machine Advisor. Was zeichnet dieses spezielle Tool aus?
A. Haj Fraj: Die cloudbasierte Applikation Machine Advisor umfasst drei Module, die auf die Anforderungen, Spezifikationen und Bedürfnisse unserer Kunden aus dem Maschinenbau abgestimmt sind. Erstens muss ich wissen, wo sich die Maschine befindet; zweitens muss ich in der Lage sein, Informationen über die Maschine zu sammeln; drittens muss ich durch den Einsatz von Intelligenz im Service- oder Störungsfall Handlungsempfehlungen geben. Daraus sind dann die drei Tools Track, Monitor und Fix entstanden:

  • Track ist ein Verzeichnis für die Identifikation und Lokalisierung von Maschinen. Es ermöglicht die Erstellung von Profilen inklusive Architektur, Dokumentenmanagement, Wartungsplaner und Maschinenhistorie über den gesamten Lebenszyklus.
  • Mit Monitor lassen sich Betriebsdaten mittels Dashboards erfassen und visualisieren. Als Vorbereitung für die Analyse kann man damit auch Daten in der Cloud aufzeichnen.
  • Fix ist eine Cloud-Software für die effiziente Wartung und Reparatur vor Ort mit Unterstützung von Augmented Reality.

Sind diese drei Module auch separat einsetzbar?
A. Haj Fraj: Track sowie Fix können auch ohne die anderen verwendet werden; wirklich sinnvoll ist die Anwendung aber nur im Zusammenspiel aller Komponenten. Was nutzt etwa das Tool Monitor, wenn ich nicht weiß, wo die Maschine steht, deren Daten ich erfasse?
Wichtiger ist, dass die Verwendung der Module skalierbar ist und somit auf die Anforderungen des Anwenders angepasst werden kann. So kann er individuell entscheiden, welche Daten er erfasst und weiterverwendet. Für Übersichtlichkeit und Durchgängigkeit sorgt die für alle Tools einheitliche Benutzeroberfläche.
Die Module stellen also ein umfangreiches Condition-Monitoring- bzw. Predictive-Maintenance-Tool dar?
A. Haj Fraj: Sie sind weit mehr als das. Kunden haben uns bestätigt, dass sich schon mit Track und Monitor rund 50 % aller Service-Anforderungen erledigen lassen, da viele Dinge anhand der gewonnenen Daten und einer entsprechenden Analyse planbar sind; anders ausgedrückt etwa die Hälfte der Ausfallkriterien wird damit im Vorfeld ausgeschlossen.
Kommt es doch einmal zu Störungen, sei es durch Fehler des Anwenders/Bedieners oder anderer Unwägbarkeiten, erlaubt das Tool Fix die schnelle Reaktion und Reparatur. Dabei setzen wir stark auf das Thema Augmented Reality (AR). So ermöglicht die AR-App Augmented Operator Advisor dem Anwender im Feld den Zugriff auf Maschinendaten auf Basis von Bilderkennung mit Augmented Reality. Sie lokalisiert zudem Störungen und bietet Hilfestellung für deren Behebung – das kann von der reinen Textanweisung bis hin zum umfassenden Video gehen.
Außerdem kann man damit in die Maschine oder in den Schaltschrank hineinschauen, ohne eine Tür öffnen zu müssen, da alle Informationen bereits gespeichert sind. Das erhöht die Sicherheit und die Produktivität.
Lassen sich mit den Tools auch verschiedene Maschinen hinsichtlich ihrer Funktionalität miteinander vergleichen?
A. Haj Fraj: Diese Funktion ist für die nächste Version geplant. Mithilfe des Monitoring-Tools kann sich ein Anwender jedoch schon jetzt über den aktuellen Zustand – Qualität und Leistung – einer Maschine informieren. Dabei sind auch eventuelle Abweichungen von Soll-Werten ersichtlich. Dieser Dienst kann in verschiedenen Stufen genutzt werden. Man kann sich auf das Überwachen und Protokollieren beschränken, aber auch mittels Analyse der Daten eine vorausschauende Wartung implementieren und proaktiv Service-Einsätze planen.
Was gehört außerdem zum Tool Fix?
A. Haj Fraj: Bereits jetzt verfügbar ist das sogenannte Software-as-a-Service-Modell. Dabei ist die Software nicht mehr auf einem Rechner des Anwenders installiert, sondern es wird über die Cloud darauf zugegriffen. Das macht die ständige Aktualisierung der Engineering-Software überflüssig, da sie automatisch aktuell gehalten wird. Die Bereithaltung aller anlagen- bzw. maschinenspezifischen Daten über den gesamten Lebenszeitraum ist ebenfalls sichergestellt. Dank Cloudanbindung ist dies per Mausklick im Machine Advisor realisierbar.
Können so auch Software-Updates gefahren oder Rezepturen angepasst werden?
A. Haj Fraj: Die Anpassung der Maschine an veränderte Nutzeranforderungen über die Cloud ist angedacht und soll in der nächsten Version zur Verfügung stehen. Kunden haben dann nicht nur rückblickend alle Informationen zur Verfügung, sondern können auch Updates oder Anpassungen auf einfache Art und Weise realisieren.
Was unterscheidet ihr Konzept von bereits am Markt befindlichen Condition-Monitoring-Lösungen?
A. Haj Fraj: Neu bei unserem Ansatz ist, dass der Machine Advisor cloudbasiert arbeitet und zudem sehr einfach und flexibel in der Handhabung ist. Zur Vereinfachung trägt vor allem die reichhaltige Bibliothek an Widgets und Templates bei, die vorkonfiguriert einfach per Drag-and-drop verwendbar sind. Der Anwender braucht keine IT-Abteilung oder speziell geschultes Service-Personal mehr und selbst die Registrierung einer Maschine ist so einfach wie das Erstellen eines Social-Media-Accounts.
Eines unserer wichtigsten Ziele war und ist, dass der Anwender sich auf das Wesentliche bei der Handhabung der Maschine konzentrieren kann, indem wir ihm eine komfortable und stets aktuelle Infrastruktur zur Verfügung stellen. Aus diesem Service-Modell erwachsen dann auch neue Geschäftsmodelle für unsere Kunden.
Im Sinne von Industrie 4.0 kann also der Maschinenbauer nicht nur eine Anlage, sondern auch den dazugehörigen Service vermarkten?
A. Haj Fraj: Genau darum geht es. Der Machine Advisor bietet Effizienz in zweierlei Hinsicht – er erhöht die Produktivität und minimiert Ausfälle mit entsprechenden Servicezeiten.
Die Advisor-Familie ist inzwischen ziemlich groß geworden.
A. Haj Fraj: Mit „EcoStruxure “ bedienen wir eine Vielzahl von Märkten und dafür wollen wir auch die entsprechenden Tools zur Verfügung stellen. So ist der Machine Advisor auf die Bedürfnisse von Maschinenbauern und -betreibern zugeschnitten. Der Asset Advisor wird hingegen vornehmlich in der Elektroverteilung eingesetzt. Auch hier geht es um Monitoring, allerdings von sehr kritischen Komponenten, wie einem Trafo. In diesem Falle erwartet der Kunde – etwa der lokale Energieversorger – von uns den kompletten Service, den wir über den Asset Advisor für dieses Equipment komplett bieten.
Auf der anderen Seite ist der Resource Advisor gezielt auf Nachhaltigkeit und Energiemanagement optimiert. Er geht weit über das reine Monitoring hinaus und ermöglicht beispielsweise die Optimierung eines kompletten Maschinenparks.
Die Vielzahl der Anwendungsfälle, von der einzelnen Maschine bis zum komplexen System, lässt sich nicht mit einer einzigen Lösung bedienen. Die Individualität der Anwendung spiegelt sich in den individuellen Advisor-Lösungen wieder; wichtig ist, dass die Infrastruktur im Sinne der Plattform gleich bleibt.
Die Familie wird also weiterwachsen?
A. Haj Fraj: Davon ist auszugehen. Wir wollen für alle Domänen, die wir mit „EcoStruxure “ bedienen, entsprechende Advisors bieten. Unsere Kunden sollen auf möglichst wenige, dabei aber umso individueller angepasste Tools aus einer Hand zurückgreifen können.
Die einheitliche Basis-Plattform ist dabei wichtig, denn wenn ein Kunde bereits mit einer Lösung gearbeitet hat, wird er sich dank des modularen Aufbaus und gleichzeitig einheitlicher Bedienoberfläche mit einer weiteren für einen anderen Anwendungsfall entwickelten Lösung leichter tun.
Was sind Ihre weiteren Pläne mit dem Machine Advisor?
A. Haj Fraj: Wir haben viele Ideen, wie wir den Machine Advisor noch erweitern können. Einige davon habe ich ja bereits angesprochen, wie den Performance-Vergleich von Maschinen oder die Anpassung des Automatisierungsprogramms und somit der Maschinenapplikation über die Cloud. Auch über den Einsatz von Machine Learning, Künstlicher Intelligenz und Lifecycle-Management machen wir uns Gedanken.
Ideen sind vielfältig vorhanden, der dreistufige Ansatz mit Track, Monitor und Fix ist unserer Ansicht nach der richtige, um die enormen Möglichkeiten, die sich mit den Themen Digitalisierung, Sensorik, Cloud und Analytics als Schlüsseltechnologien bieten, umzusetzen und zu nutzen. Wichtig ist Soft- und Hardware als System zu betrachten und die weitreichenden Möglichkeiten, die Software bietet, mittels entsprechender Hardware bedarfs- und anwendergerecht umzusetzen. (no)

Autor:
Dipl.-Ing. (FH) Frank Nolte ist stellv. Chefredakteur beim VDE VERLAG