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Vernetzte Biertanks sorgen für rechtzeitigen Nachschub

01  Biertanks sorgen autonom und rechtzeitg für Nachschub

01  Biertanks sorgen autonom und rechtzeitg für Nachschub

Dank intelligenter Drucksensorik, Mobilfunknetz und Internet können leer werdende Biertanks rechtzeitig Nachschub ordern. Das reduziert den Stress für die Wirte und bewahrt die Fahrer der Brauerei vor „Notfallfahrten“ am Wochenende.

02  Schematische Darstellung des „myBeer“-Bestellprozesses

02  Schematische Darstellung des „myBeer“- Bestellprozesses

03  Schematische Darstellung des Messsystems

03  Schematische Darstellung des Messsystems

Strahlender Himmel, Sommertemperaturen und damit ein gesunder Durst der Gäste, das freut jeden Wirt. Bei großem Andrang durstiger Gäste kann es da schon mal passieren, dass man in der Hektik den Bierstand in den Fässern im Keller aus den Augen verliert und dann muss ein Braue­reifahrer am Wochenende „Nothilfe“ leisten. Diese Zeiten sind nun zur Freude der Wirte und der Brauereifahrer vorbei.

Große Gaststätten haben meist zwei Biertanks mit je 500 l bis 1.000 l im gekühlten Keller stehen, die normalerweise alle zwei Wochen gefüllt werden. Ist der Tank leer, schaltet man das System auf den anderen um. Früher mussten diese Biertanks vom Personal täglich kontrolliert werden. Dies konnte vergessen werden und die Genauigkeit ließ beim Bestimmen des Füllstands zu wünschen übrig. Die smarte M2M-(Machine-to-Machine)-Lösung vereinfacht nicht nur den Alltag der Wirte, sondern trägt auch zur Effizienzsteigerung und Kostenoptimierung der Brauerei bei. Für diesen automatisierten Informationsaustausch zwischen Messgeräten im Restaurantkeller und der Brauerei wird das Internet und das Mobilfunknetz genutzt. Die M2M-Lösung vermeidet fehlerhafte Bestellerfassungen. Es lassen sich die Transporttouren optimieren und es wird sichergestellt, dass die Wirte jederzeit über ausreichend frisches Bier verfügen (Bild 1).

Autonom arbeitende Messsysteme existieren schon länger. Aufgezeichnet wurde mithilfe von Datenloggern, Live-­Daten gab es dabei jedoch nicht. Da heutzutage fast an jedem Ort und zu jeder Zeit Zugriff auf das Mobilfunknetz und damit aufs Internet besteht, eröffnet dies neue Möglichkeiten, die Logistik effizienter zu gestalten. Um diese Möglichkeiten auszuloten, haben sich die Brauerei Feldschlösschen, Swisscom und die Keller AG für Druckmesstechnik [1] zusammengetan.

Swisscom und Keller Druckmesstechnik kannten sich bereits und hatten schon mehrere erfolgreiche Projekte gemeinsam entwickelt. Die App „myBeer“ hat Swisscom zusammen mit dem M2M-Partner „Swiss1Mobile“ entwickelt 350 Großkunden bestellen via „myBeer“ Feldschlösschen Getränke setzt nun bei über 350 Großkunden in der Schweiz die M2M-Lösung ein. Die Sensoren von Keller messen über den Druck den Füllstand sowie die Temperatur in den Biertanks vor Ort. Diese Daten werden dann per M2M-Technologie durch die App „myBeer“ synchronisiert.

Der Wirt überwacht seine Anlagen und den Füllstand des Getränkevorrats bequem mittels Tablet oder Smartphone. Dank der M2M-Lösung erkennt die App, wenn der Biervorrat zu Ende geht und löst automatisch eine neue Bestellung aus. Der Wirt muss nur noch per Tablet oder Smartphone die Bestellung bestätigen und schon naht Hilfe. Feldschlösschen nutzt die dabei anfallenden Daten ausschließlich für eine optimale Planung der Lieferung.

Gespeichert werden die Daten auf den Cloudservern der Swisscom und erfüllen damit höchste in der Schweiz geltende Sicherheitsbestimmungen.

Einsparungspotenzial dank synchronisierter Daten

Aber nicht nur die Wirte haben etwas von dieser Lösung, auch Feldschlösschen profitiert davon. Dank M2M hat die Brauerei keine Probleme mit der fehleranfälligen Erfassung von Bestellungen. Dazu kommt die Einsparung tausender Kilometer pro Jahr für nicht voll ausgelastete „Notfallfahrten“. Auch monetär werden Einsparungen erzielt: Die Kosten für die Datenübertragung sind minimal, verglichen mit denen für Personal zur Messwerterfassung. Außerdem kostet ein komplettes Messsystem mit Mobilfunkübertragung nur wenig mehr als ein System ohne, das nur eine rückblickende Verbrauchsanalyse erlaubt.

Der Tankinhalt wird im Innern mit zwei Drucksensoren der X-Linien mit digitaler Schnittstelle RS-485 gemessen. Der Tank steht unter etwa 2 bar Druck, was ausreicht, um das Bier zum Zapfhahn zu befördern. Einer der beiden Drucksensoren befindet sich oben am Tank, beim Kompressoreingang, der andere unten am Ausgang, vor dem Rückschlagventil der Steigleitung. Der Tankinhalt errechnet sich aus dem jeweiligen Druckunterschied zwischen beiden Sensoren, den Bierparametern und den Tankabmessungen.

Die Drucksensoren im Tank sind an eine Box mit inte­griertem Mobilfunk-Modul angeschlossen. Diese erfasst in regelmäßigen Abständen die Messwerte der Sensoren und schickt sie via GPRS (General Packet Radio Service, allgemeiner paketorientierter Funkdienst) zu einem FTP-Cloudserver der Swisscom, zusammen mit weiteren Informationen wie Empfangsqualität der Antenne, Versorgungsspannung des Moduls und der Sensoren, Temperatur des Bieres usw. Dort werden die Daten interpretiert, aufbereitet und von der „myBeer“-App übernommen. Die Energieversorgung von Modul und Sensoren wird über einen Netzadapter gewährleistet. Für alle Fälle ist noch ein Akkumulator inte­griert, der notfalls die Versorgung über Tage bis Wochen garantiert. Natürlich setzt das System dann rechtzeitig die entsprechende Warnmeldung ab.

Der zwingend einzuhaltende Temperaturwert des Tanks bestimmt den Biergeschmack und die Haltbarkeit. Die Temperatur dient daher als wichtige Qualitätsgröße für Wirt und Brauerei (Bild 2).

Fernübertragungseinheit findet breite Anwendung

Ähnliche Systeme werden von Keller auch für andere Anwendungen ein­gesetzt, etwa für Heizöltanks oder zur Grundwasserüberwachung. Die Datenfernübertragungseinheit GSM-2 wurde weiterentwickelt und durch das neue Produkt ARC-1 abgelöst. Die Einheiten eignen sich auch für Orte ohne Stromversorgung oder wo keine Leitungen verwendet werden können, wie bei Tanks auf Fahrzeugen oder Baustellen, Grundwasser- und Abwasser-Pegelmessungen. Die Batterielebens­dauer ist abhängig vom Mess- und Datenübertragungsintervall und beträgt bis zu zehn Jahre.

Anstelle einer App ist bei anderen Anwendungen die benutzerfreundliche und kostenlos erhältliche Software Datamanager das Herzstück des Messsystems. Sie sammelt die Messdaten, überwacht diese und steuert die verschiedenen Messstationen an. Die Software dient zum Anzeigen oder automatischen Weiterverarbeiten der Messdaten. Die von der Fernübertragungseinheit versendeten Daten, via E-Mail, FTP oder SMS, werden von der Datamanager-Software fortlaufend eingelesen und in einer „MySQL“-Datenbank abgelegt. Auf einen Blick sieht der Nutzer, ob alle Mess­stationen einwandfrei arbeiten. Bei einem Fehler, zum Beispiel fehlende Messdaten, wird dies am Bildschirm dargestellt und ein Alarm an eine in der Datenbank hinterlegte Person per SMS, E-Mail oder FTP gesendet. Das System rechnet die Messdaten in die am Messort herrschende physikalische Größe um und stellt sie grafisch dar. Die Positionen der Messstellen werden in einer Karte angezeigt (Bild 3).

Ein Grund für den vielfältigen Einsatz dieser Technik ist die hohe Genauigkeit der Drucksensoren der 30er-X-Serien von 0,05 %. Damit lassen sich kleinste Änderungen automatisiert überwachen. Die Verbindung von Drucksensoren mit Datenübertragung bringt dem Kunden einen größtmöglichen Nutzen. (hz)


Literatur:
[1] Keller AG für Druckmesstechnik, Winterthur/Schweiz: www.keller-druck.com